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Lange, viel zu lange lagen wir in Puerto La Cruz (Venezuela) in der sehr angenehmen neuen Marina Redonda fest. Es waren vier Monate, und manchmal dachten wir an Nelsons Ausspruch: "Man and ship rot in the harbour. Der Grund war das korrupte Verhalten des venezolanischen Zolls. Wir hatten in Deutschland eine Windsteueranlage gekauft und sie mit Schenker per Luftfracht über Caracas direkt nach Barcelona (das ist der Regionalfughafen von Puerto La Cruz) adressiert. Die 25-kg-Fracht (DM 500, ) war ausdrücklich "Transit deklariert. Das heißt, der Zoll hat diese Fracht nur zur Kenntnis zu nehmen und allenfalls Bearbeitungsgebühren zu kassieren. Nicht so in Venezuela. Obwohl Barcelona eine Zollabfertigung hat, wurde die Fracht erst einmal in Caracas festgehalten. Durch eine dort ansässige Agentin (Brooker), die Beziehungen zur nationalen Fluggesellschaft hat, weil sie dort früher einmal gearbeitet hatte, gelang es, die Sendung nach Barcelona weiterzuleiten. Das war eine Angelegneheit von wenigen Tagen. Doch nun ging der Tanz los! Zunächst forderte man von uns eine Luxussteuer (umgerechnet DM 6000, ). Da der Zoll keine Verhandlungsbereitschaft zeigte, gingen wir mit unserem Brooker zum Finanzministerium, das dem Zoll Anweisung gab, diese Forderung fallen zu lassen, da sie unrechtmäßig sei. Es entstand eine nicht unerhebliche Spannung zwischen den beiden Behörden mit der Folge einer Revision der Zolldienststelle in Barcelona. Daraufhin ließ man sich dort etwas anderes einfallen, das im eigenen Kompetenzbereich lag: "Lager- und Bearbeitunsgebühr. Das sollten nun 10 Prozent des Warenwertes sein, also ca. 748, DM. Außerdem wollte man uns mit einer Strafe wegen "Verzögerung des Verfahrens belasten, was wir unter Androhung eines Gerichtsverfahrens ablehnten. Wir lehnten auch eine Barzahlung ab, um nicht letztendlich doch ein Schmiergeld zu zahlen. Also mußten wir zu einer Bank gehen, um den (unrechtmäßigen) Betrag auf das Konto der Zollbehörde einzuzahlen. Der Brooker wollte natürlich auch sein Honorar und forderte (umgerechnet) DM 335,. Wir hatten also mehr als DM 1000, Kosten, die spezifisch für ein Land wie Venezuela entstanden sind. Daraus kann man nur die Warnung ableiten: Keine Luftfracht nach Venezuela, wenn es sich vermeiden läßt. Eventuell ist die Isla Margarita ein Ausweg (wir haben keine einschlägige Erfahrung!), weil hier Zollfreiheit besteht. Man müßte die Sachen dann dort abholen. Weniger Probleme erwarte ich in dieser Region von einer Abfertigung auf Trinidad und den ABC-Inseln. Auf letzteren geht alles europäischkorrekt zu. In Übereinstimmung mit einschlägig erfahrenen Venezolanern denken wir, daß der kürzere Weg über ein Schmiergeld einfacher und billiger gewesen wäre. Das muß man dann aber selbst und ohne Zwischenschaltung eines Brookers machen. Nun, Ende gut alles gut. Wir fanden in Puerto La Cruz einen sehr netten italienischen Segler (Piero), der fast fließend Deutsch spricht. Er ist ein techisch sehr geschickter Mann und ein angenehmer Partner, der uns bald zum Freund wurde. Er verdient sich in Puerto La Cruz zur Zeit seinen Lebensunterhalt mit technischen Diqnstleistungen bei durchreisenden Jachten. (Erreichbar über Dockside, Marina Redonda). Sehr günstig kann (konnte?) man bei Manuel-Boot-Service (MBS) Ausrüstungen kaufen. Er fährt regelmäßig nach Miami und besorgt einem alles, was z.B. im West-Marine-Katalog steht und anderes. Wir haben extrem günstig ein Caribe-Dingi (sehr gute Qualität aus venezolanischer Produktion) und einen US-Mariner-Outboarder zu extrem günstigem Preis (Dollar) gekauft. Manuel ist clever, nicht nur zu seinen eigenen Gunsten, sondern auch spürbar für seine Kunden. Wir verließen Venezuela und segelten zu den ABC-lnseln, zunächst nach Bonaire. Hier ist die Welt in Ordnung, und wir hatten eine schöne Woche mit alten Freunden, die sich dort niedergelassen haben. Man kann sich hier ein Auto mieten und im Nord-Westen (Gotomeer) sowie im Süden der Insel die Flamingos bewundern, die zu Tausenden die Salzlagunen bevölkern. Die Straßen für die Rundfahrt sind hervorragend und bieten interessante Ausblicke. Wenn man vor Kralendijk ankert, kann man zwischen Karels Bar und der Nordpier guten Ankergrund auf 2 bis 3 Meter finden. Es empfiehlt sich, einen Heckanker nach Steuerbord auszubringen, weil man dadurch das Schwojen in dem relativ engen Raum vermeidet. Den Buganker muß man so nahe wie möglich (ca. 30 Meter) vor der Ufermauer fallen lassen, damit der Heckanker nicht über die steile Kante in der Tiefe verschwindet. Allerdings ist es hier an den Wochenenden sehr laut (gute, ohrenbetäubende Live-Musik). Vorteil: Nur wenige Meter mit dem Dingi und man ist inmitten der Stadt. Ansonsten empfiehlt sich ein Ankerplatz etwas weiter nördlich oder die Marina. In Bonaire suchten wir die TO-Stützpunktleiterin Marlies Schmidt auf. Sie betreibt dort eine kleinen Laden und fertigt alles mögliche aus Canvas an und repariert. Jerry's Boating Company existiert nicht mehr. In bequemer Tagestour erreicht man Curacao. Jachten gehen nach Spanish Water. Wir liefen (völlig unkonventionell) in den Hafen von Willemstad ein. Hier mit einer Jacht anzulegen bedarf einer Sondergenehmigung des Hafenkapitäns, die wir nachträglich erhielten. Wir meinen, das größere Erlebnis ist der Stadthafen. Der Eingang zum Hafen wird durch eine Ponton-Schwenkbrücke (Emma Bridge) enormen Ausmaßes versperrt, wenn sie gerade geschlossen ist. Die Brücke ist ca. 168 Meter lang und wird mit einem Schiffsdiesel 20- bis 30mal am Tag zur Seite geschwenkt. Der Brückenschwenker ist sehr aufmerksam und läßt Schiffe auch noch durch, obwohl er schon mit dem Zuschwenken begonnen hat. Es ist nicht empfehlenswert (wie in Guides beschrieben), an den Commercial-Piers anzulegen. Hier ist ein Kommen und Gehen der Berufsschiffahrt. Wir schwenkten gleich hinter der Brücke nach Stb. in einen Stichkanal (Tiefe am Anfang 1,90 m) und legten an der brandneuen Pier an. Auf der anderen Seite des Kanals haben viele Händler aus Venezuela mit frischem Gemüse und anderen typischen Marktprodukten festgemacht. Man liegt mitten in der Altstadt (Punda) mit ihren vielen Geschäften. Es ist sehr ungewöhnlich, daß hier eine Jacht anlegt, und dementsprechend wird man von Fußgängern und auch passiereden Autofahrern ungeniert betrachtet. Mancher fragt dann auch interessiert nach woher und wohin. Bald gewöhnt man sich an diesen Trubel und hat eher Spaß daran. Markt und Post sorwie Busterminal in alle Richtungen sind nur wenige Schritte enffernt. Eine recht gut sotierte Chandlery gibt es kurz vor Spanish Water. Von der Stadt aus erreicht man sie mit einem "Bus (por puesto), der hinter der Hauptpost abfährt. Sie heißt Marine Coast Master, Caracasbaaigweg 202, Telefon 624476. Man kann mit den üblichen Creditkarten bezahlen. Von Curacao sind wir nonstop nach Cuba, das heißt Santiago de Cuba, gesegelt und brauchten sechs Tage. Bei Erreichen der 12-Meilen-Zone meldeten wir uns bei der Guardia Costa über Ch. 16 VHF an und wurden kurz vor der Ansteuerungstonne von einem Wachboot (Made in DDR) empfangen. Man geleitete uns in den Einfahrtkanal, und ein zweites Wachboot übernahm die Eskorte. Die in den Führern beschriebene "Marina ist wegen Restaurierung zur Zeit nicht in Betrieb. Die Arbeiten sollen angeblich noch ein Jahr dauern. Deshalb wird man 2 sm weiter zu einem großen Dampferanleger geleitet und muß hier festmachen (Achtung: Mittwochs kommt an der stadtwärts gelegenen Seite ein italienischer Kreuzfahrer). Hafenarzt, Zoll, Immigration, Guardia Costal erscheinen sofort und sind höflich, freundlich, hilfsbereit und korrekt. Die Prozedur dauert etwa eine Stunde. Dann ist man frei! Man kann nach Passieren (man kannte uns bald persönlich) der Hafenkontrolle in die Stadt gehen. (Hafengebühr: 35 US-Dollar, Liegegebühr: 45 Cent US pro Fuß und Tag, Cruising-Permit für Cuba: für 6 Monate 50 US-Dollar, Immigration: 20 US-Dollar, Touristenkarte für 30 Tage: 15 US-Dollar, Verlängerung 25 US-Dollar pro Person). Ein spezieller, ausgesprochen netter Betreuer (Frances, spricht gut Englisch) sorgt für alles, was man braucht, z. B Wasser, das in einem lekken Tankwagen zum Boot gebracht wird. Das Wasseristgratis,aberder Transportkostet einmalig 20 US-Dollar. |
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Man muß sich schon etwas einfallen lassen, wie man das Naß aus einem dicken, leckenden Schlauch in die Tanks bekommt. Frances gibt sich größte Mühe, daß alle Wünsche erfüllt werden. Er begleitete uns in die Stadt zum Einkaufen und trug für uns die schweren Taschen. Konserven, Brot und Spirituosen kann man als Ausländer nur in den Dollar-Läden zu moderaten Preisen kaufen. Eier und Milchprodukte sind schwer erhältlich, man sollte sich damit vorher eindecken. Es gibt aber auch einen Mercado, wo man frisches Gemüse, Obst und Schweinefleisch zu extrem niedrigen Pesopreisen einkaufen kann. Für 1 US-Dollar bekommt man derzeit 25 Pesos im Straßenhandel (Vorsicht! Der illegale Tausch ist strafbar!). Öffentliche Transportmittel sind Pferdewagen oder Fahrradrikschas. Über den Jahreswechsel lud uns Frances zu seiner Familie ein, und wir erlebten ein warmherziges Familien-Silvester. Überall hier in Cuba waren wir von der menschlichen Wärme und Gasffreundschaft überrascht. Nun hatten wir einen besonderen Vorteil: Jutta spricht ein recht gutes Spanisch. Man sollte sich mit den Menschen hier verständigen können. Englisch sprechen nur wenige. In jedem Hafen, in jeder Bucht kommen die Offiziellen an Bord, und jedesmal beginnt ein schier endloser Papierkrieg. Man gewöhnt sich daran, und weil die Beamten immer sehr freundlich sind, macht es den Spaß der menschlichen Begegnung, denn schon bald spricht man nicht nur über Zoll und Immigration, sondern auch über persönliche Fragen und Probleme. Manche bitten um Rat oder medizinische Hilfe oder fragen nach Medikamenten (insbesondere Vitamine), Kugelschreiber (reichlich mitnehmen) oder nach ein paar Keksen für ihre Kinder. So werden die vielen Kontrollen nicht mehr als Belästigung, sondern als eine Form menschlicher Begegnung empfunden. Es gibt nur wenige Marinas an der Nordküste, dafür unzählige hübsche Buchten, in denen man ankern kann. Fast überall kommen auch dort die Behörden in kürzester Zeit an Bord. Nach Ankern in den Buchten von Daiquiri und Baitequeri umrundeten wir Cap Maysi das Cap der Stürme. Tatsächlich blies uns hier auch ein recht kräftiger Starkwind entgegen, bis wir nach NW in Richtung Baracoa wenden konnten. Nach Meinung der Cubaner ist Baracoa ein "Muß", die wir nicht uneingeschränkt teilen können, jedenfalls nicht als Segler. Hier ist einiger Landtourismus mit zwei schönen Hotels. Der Hafen wird nur von Fischern benutzt. Die Ansteuerung ist einfach. Man ankert hinter einem auf Grund gesetzten und als Wellenbrecher dienenden alten Walfängerwrack nahe der Pier mit Bug-und Heckanker. Vorsicht mit der Heckankertrosse! Die Fischer fahren ohne Rücksicht von ihrer Boje zur Pier und wie in unserem Fall kappen leicht mit ihrem Propeller die Trosse. Unser Heckanker ging verloren. Der Grund ist zäher Schlick, der nur schwer von Kette und Anker abzuspülen ist. Die kleine Stadt ist malerisch gelegen, aber die Gebäude sehr heruntergekommen. Es gibt den üblichen Dollar-Laden und einen kleinen Markt an der Seepromenade. Hier kann man für Pesos Gemüse, Obst und Fleisch einkaufen. Unser nächstes Ziel war Cayo Moa. Eine weitläufige Bucht, in der man westlich vom Hafen vor Mangroven ankern kann. Moa war uns nur für eine Übernachtung interessant. Unsere nächste Etappe war Bahia de Nipe. Man hält sich dem Tonnenstrich folgend an der Ostseite und muß nach Bb. zur Halbinsel Saetia abbiegen. Wenn man sich über Funk anmeldet, wird man an der letzten Boje abgeholt und nach Saetia eskortiert. Ein Abstand von 300 m vom Land sollte man wegen Flachs einhalten. Nirgendwo anders darf man ankern oder anlegen. Hier wird man unaufdringlich, aber merkbar bewacht. Wir hatten stets den Eindruck, daß es den Behörden darum geht, daß man keine Cubaner außer Landes schmuggelt. Die üblichen Durchsuchungen des Schiffs konzentrieren sich auch immer wieder besonders auf Räume, in denen man Personen verstecken könnte. Saeta bietet für 2 US-Dollar den Transfer zur schönen Hotelanlage (größere Jagdhütte mit ein paar Bungalows), die vor allem von Jägern auf Rotwild und Antilopen genutzt wird, offenbar auch von vielen Deutschen und Schweizern. Für ca. 10 US-Dollar kann man eine zweistündige Safari im Jeep erleben und Antilopen, Zebras und Zebus beobachten. Die Tour ist empfehlenswert, wenn man ein stabiles Rückgrat gegen die Stöße des Jeeps bei der wilden Fahrt über Stock und Stein hat. Uns hat das Unternehmen recht gut gefallen. in einem Strand-"Restaurant", das aus einigen mit Palmblättern bedeckten Hütten besteht, bekommt man ein reichliches und schmackhaftes Essen mit Getränken für 15 US-Dollar. Der Strand ist malerisch und ein Paradies zum Schnorcheln. In Saetia trafenwirdie TO-Freunde Goetz und Gwen von der "Argoe", die schon eine sehr lange Reise hinter sich haben. Wir blieben bis hierher (Marina Hemingway) zusammen. Nun trennen sich unsere Wege. Goetz und Gwen wollen in die USA und den Intercoastal Waterway nehmen. Von Cayo Moa segelten wir nach Bahia de Naranjo. Gut betonnte Einfahrt entlang dem an Steuerbord liegendem Seeaquarium mit Hotelanlage auf einer Insel. Man foigt dem Tonnenstrich und hält sich Backbord. Man kommt dann zu einem Anleger mit Überdachung. Man muß natürlich vor dem Dach festmachen, da der Mast in der Regel höher ist. Hier gibt es nur einen Kiosk mit Getränken. Aber mit einem Boot kann man zu dem nahegelegenen Seeaquarium fahren und dort auch Einkäufe tätigen. Unsere nächste Tagesetappe war Puerto Padre. Eine weitläufige Einfahrt, gut betonnt. Vor Boje 16 sollte man sich über VHF Ch. 16 bei der Capitania anmelden. Ein Boot kommt längsseits, und die Beamten erledigen die Formalitäten. Dann wird man an einen freien Platz am Zuckerterminal geleitet. Der Anleger ist für die Berufsschiffahrt ausgelegt, aber mit einigem Geschick kann man die Höhen über riesige Gummifender erklimmen und das Boot festmachen. Hier gibt es einen Seamans-Club. Mit einem Taxi kann man in die Stadt fahren (ca. 8 km) und auf dem hübschen Markt günstig Frischwaren einkaufen (wenn man Pesos hat). Die Stadt hebt sich aufgrund des Zucker-Wohlstandes deutlich von anderen bisher gesehenen Orten ab. Unsere nächste Tagesetappe war Nuevitas. Es handelt sich um eine riesige Bucht. Nachdem man gleich zu ihrem Anfang beim Zoll einklariert hat (kleiner Anleger an Backbord), fährt man mehr als 10 nm entlang einem Tonnenstrich nebst Peilmarken an Land und steuert Tarafa an. Das ist ein reiner Industriehafen mit so hohen Piers, daß für eine Jacht keine Anlegemögllchkeit besteht, obwohl die bereits wartenden Herren der Behörden das gerne wollen. Man muß bereits vor den hohen Kränen des Hafens ankern. Die Beamten kommen mit ihrem Boot, und man muß nochmals klarieren. Zur Reparatur unserer Ankerwinsch mußten wir auf die andere Seite der Halbinsel und vor Nuevitas ankern. Ausnahmsweise durften wir über Nacht bleiben, weil die Reparatur noch nicht fertig war. Es wurde extra ein "Pilot" beauftragt, uns zu bewachen. In Nuevitas gibt es einen Schiffsausrüster (Chandler), bei dem man Lebensmittel, Konserven und Getränke einkaufen kann. Das Problem ist, daß man nur auf die Großschiffahrt eingestellt ist und daher viele Waren nur in großen Gebinden verkauft werden. So gibt es zum Beispiel hervorragendes gefrorenes Rindfleisch, aber nur in Stücken zu ca. 5 kg. Dennoch lohnt sich ein Besuch dieser Quelle. Natürlich gibt es hier auch den üblichen Dollar-Laden. Die Fischereigenossenschaft in Nuevitas ist außerordentlich hilfsbereit. Sie ist hervorragend mit Werkstätten ausgerüstet und leistet Hilfe bei Reparaturen. Man hat dort unseren durchgebrannten Winschmotor neu gewickelt und mit einer neuen Trägerplatte für die Kohlen versehen. Alles in mühevoller Handarbeit und mit viel Sinn zur Improvisation. Überhaupt können wir sagen, daß die Cubaner Meister beim Improvisieren für Reparaturen sind. Wir trafen immer wieder sehr geschickte und bestens ausgebildete Techniker, die aus "Nichts" eine Menge machen können. Natürlich lassen sie sich nur mit US-Dollar bezahlen, aber zu wirklich fairen Preisen. Weiter ging es nach Varadero, 70 nm östlich Havanna. Ein hochentwickeltes Ferienzentrum. Der Hafen mit der Marina Acua ist von der Seeseite her über einen Kanal erreichbar. Bei nördlichem Wind steht ein starker Schwell auf der gut markierten Einfahrt. Überall 4 Meter Wassertiefe, auch wenn das Echolot bei der Einfahrt durch aufgewühltes Kraut "O" unter dem Kiel anzeigt und Alarm schlägt. Es gibt hier drei bestens gegen alle Winde geschützte Marinas (zwei davon nur über die Bahia Cardenas erreichbar), von denen wir nur Marina Acua aus eigener Erfahrung beurteilen können. Sehr bequeme Anlage. Man liegt längsseits an holzbewehrten Betonstegen. Wasser (1/2-Zoll-Anschlüsse) und Strom (220 und 110 Volt, 60 Hz) sind im Liegepreis eingeschlossen. Wir müssen 0,45 Cent (US) pro Fuß zahlen. Auch hier kommen die Behörden an Bord, wodurch man lange Fußwege spart. Wie sich uns zeigte, haben die zahllosen Kontrollen auch Vorteile. Als wir auf dem Weg von Nuevitas nach Varadero waren, unterbrachen wir nach 12 Meilen in der Bahia de Cadiz, da wir sonst in der Nacht in Varadero angekommen wären. (Grundsätzlich sollte man hier wie auch anderenorts in der Karibik Ansteuerungen bei Nacht vermeiden, denn die Betonnung ist spärlich und nicht immer zuverlässig.) Die Bahia de Cadiz hat schlecht haltenden Sandboden mit einigem Kraut. Nach Norden ist die Bucht offen. Fischer warnten uns vor einer nahenden Kalffront und empfahlen, in der Mitte der Bucht zu ankern. Der Wind drehte auf Nord und steigerte sich bis auf 35 kn. Beide Buganker hielten nicht und uns drohte die Strandung in der flachen Bucht. Also: schnell Anker hoch und hinaus in den freien Seeraum zum Abwettern. Die Maschine (60 PS Perkins) brachte gegen Sturm und Wellen (inzwischen bis 6 m) nur 1 bis 2 kn. Zum Bergen des Dingis mit montiertem Außenborder war keine Zeit mehr. Wir haben die Vorleine aber verdoppeln können. Der Sturm steigerte sich auf 45 kn, in Böen 50 kn. Wir trieben landwärts in Richtung Riffgürtel. Erst Ostkurs brachte uns genügend Abstand von der Gefahr. In der Nacht um 2 Uhr gab es einen Knall, und unser Dingi verschwand in der tobenden See. Trauer um den Verlust. Dann ließ der Sturm gegen Morgen etwas nach und pendelte sich bei 25 kn NNE ein. Nach Überwindung der tosenden Hafeneinfahrt von Varadero kamen wir zwar ohne Dingi aber sonst wohlbehalten in der Marina Acua an. Die Herren vom Zoll fragten uns nach einem Dingi, und wir erzählten unsere Story. "Ihr Dingi wurde gefunden und befindet sich jetzt beim Leuchtturm von Bahia de Cadiz." Wir trauten unseren Ohren nicht! Man hatte schnell die Zugehörigkeit des Dingis identifiziert (Kontrolle!) und über Funk unseren Zielhafen (Kontrolle!) informiert. Wir mußten uns ein starkes Motorboot chartern und konnten verbunden mit einem aufregenden Gamefishing-Erlebnis unser Beiboot fast unversehrt in Empfang nehmen. Außer Bootscharter keine Gebühren, dagegen schenkte man uns einen Haufen leckerer Fische für unseren Lunch. Gasffreundschaft steht hier hoch im Kurs. Am Spätnachmittag des 11. Februar verließen wir Varadero und waren bei Sonnenaufgang vor Havanna. Eine atemberaubende Kulisse ähnlich Manhattan, zwar kleiner, aber eigentlich noch schöner. Noch ein paar Meilen und wir konnten in die berühmte Marina Hemingway einfahren. Fast zwei Stunden Kontrollen, mit Hafenarzt und allem drum und dran. Aber die Leute sind wie überall hier in Cuba so nett, daß man das gerne in Kauf nimmt. Diese riesige Marina ist keineswegs neu, wie in manchen Führern zu lesen steht. Sie wurde schon unter dem früheren Präsidenten Batista, also vor mehr als 37 Jahren, aus einem Fischereistützpunkt gebaut. Es handelt sich um vier parallel verlaufende lange Kanäle, in denen man irgendwo seinen numerierten Liegeplatz zu gewiesen bekommt. Man liegt längsseits an der Betonpier. Strom (110 und 220 Volt, jeweils 60 Hz) wird angeboten. Mit dem Wasser gibt es Probleme. Seit irgendwann ist das Hauptrohr gebrochen, und ab und zu kommt ein Tankwagen und speist Wasser in die Leitung (manche lassen ihren Schlauch im Tankstutzen liegen, denn wann der Tankwagen kommt, weiß man nicht vorher). Empfehlenswert ist ein Liegplatz am Ende (Ost) eines Kanals. Die Läden, Post usw. befinden sich hier, das Marina-Büro und die nachts ohrenbetäubende Disko »Papa« am Anfang des Mittelkanals. Hierüber wurde in den TO-Nachrichten 1/95 bereits berichtet. Zur Zeit zahlt man 55 Cent (US) pro Fuß inklusive Strom und manchmal Wasser. Der für TO-Mitglieder ermäßigte Mitgliedsbeitrag beträgt zur Zeit bis 40' 20 US-Dollar, ab 41'30 US-Dollarundab 61'50 US-Dollar pro Woche. Neben der Ermäßigung der Liegegebühr werden noch eine Reihe anderer Vergünstigungen geboten. Die sehr hübschen Clubeinrichtungen kann man zu niedrigen Preisen (z.B. Fax, Telefon, Club-Bar) benutzen Havanna ist eine ausgesprochen schöne Stadt in ihrer Anlage und vielen interessanten Gebäuden. Natürlich sieht man auch hier, daß noch sehr vieles getan werden muß, um den Jahrzehnte dauernden Verfall aufzuhalten und zu beseitigen. Um es noch einmal zu wiederholen: Die oft niederschmetternde Optik in den Städten wird durch die Cubaner in der menschlichen Begegnung mehr als wettgemacht. Wir werden Cuba mit guten Gedanken und reichen Erlebnissen verlassen und über Mexico und Hunduras zum Panama-Kanal segeln. Im März soll es dann in den Pazifik gehen. Wir berichten weiter! Allen TO-Mitgliedern herzliche Grüße und gute Wünsche von Hermann Kreuscher und Jutta Sckeyde von der "C'est si bon". |