GEDANKEN ZU UNSERER WELTUMSEGELUNG
von H. Peter Schneider, Katamaran AHU
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Es fiel uns gar nicht so leicht eine Entscheidung zu treffen, welcher Bootstyp wohl der geeignetste für unsere lang ersehnte Traumreise unter Segeln sein sollte. Einrumpfboote hatten wir jahrzehntelang professionell im Mittelmeer gesegelt, für den Coconut-milk-run wollten wir ein schwimmendes Haus, womöglich mit exzellenten Segeleigenschaften, kein enges, unbequemes, durch die achterlichen Seen geeignetes Boot. Unsere mehrjährigen Karibik Erfahrungen auf Catana-Kats gaben dann wohl den Ausschlag. Wir suchten nach einem für uns erschwinglichen, gebrauchten Katamaran, so um die 12 m Länge. Wir waren überzeugt, dass ein Zweirümpfer uns auf den Passatrouten des Atlantik, Pazifik und des Indischen Ozeans nicht nur gute Segeleigenschaften, also Speed und angenehmes Seegangsverhalten, sondern erstklassigen Reisekomfort gepaart mit Daheim-Sein-Feeling garantieren würde. Von dieser Überlegung bis zum Kauf unseres Visiona 41 Katamarans des Lübecker Kat-Spezialisten Baltec vergingen ein paar Jahre. Es stellte sich heraus,dass es äußerst schwierig war, ein gutes und erschwingliches Occasions-Boot zu finden. Doch die Holz-Epoxi-Konstruktion aus der Hansestadt überzeugte uns sofort, obwohl sie natürlich auch nicht in jeder Beziehung perfekt war. Vor allem die magere Motorisierung mit nur 2 mal 18 PS, aber auch der drehbare Racing-Wing-Mast schienen uns nicht optimal für unseren Round The World – Reiseplan (haben uns allerdings, - nach nun doch schon 4-jährigen Erfahrung -, keinerlei Nachteile beschert). Um Boot und Ausrüstung zu testen, segelten wir 6 Monate in der Ostsee, ein für uns vorher unbekanntes, wie sich heraus stellte, wunderbares Revier, wo wir mit unserem Kat ein für dieses Revier eher exotisches Boot darstellten. Für die Navigation hatten wir erst mit der unter Langfahrt-Seglern beliebten – preiswerten – Möglichkeit der Navigation auf dem Laptop mit elektronischen Karten geliebäugelt. Da Laptops aber für Marine-Verhältnisse weniger geeignet und ausfallträchtig gebaut sind, da sie weder der intensiven Salzluft-Atmosphäre, noch den zu erwartenden Erschütterungen des Bootes im Seegang auf längere Sicht standhalten würden, fürchteten wir einen eventuellen Totalausfall. Deshalb wählten wir aus Gründen höherer Zuverlässigkeit einen echten GPS-Seekartenplotter der italienischen renommierten Marke Geonav mit elektronischen Karten-Modulen von Navionics, beide aus Viareggio, wo auch die hochwertigen Superyachten von Benetti und Perini gebaut werden. Das hatte den enormen Vorteil, dass wir den wasserdichten und auch bei Sonnenlicht gut ablesbaren Bildschirm direkt vor den Steuerständen im Cockpit unseres Multihulls montieren konnten, und somit jederzeit - absolut realtime – Infos über unseren Standort und umliegende Hindernisse, notwendige Kursänderungen usw. präsent hatten. Bei der – zugegeben billigeren – Lösung des Navigierens mit Laptop tritt ein gravierender Nachteil auf, denn der Skipper/Navigator muß zum Arbeiten am Bildschirm das Cockpit verlassen, um am Kartentisch, oder wo immer der Computer stehen mag, Einsicht zu nehmen, Waypoints oder Kursinfos einzuholen und dann erst wieder zurück zum Steuerstand zu gehen. Das bringt vielfach einen möglicherweise gefährlichen Zeitverschub mit sich, der die Sicherheit der Schiffsführung erheblich beeinträchtigt. Vor allem in den anspruchsvollen Schärengärten von Schweden und Finnland war diese sofortige Karten- und Positions-Darstellung am Steuerstand für uns unbezahlbar und fördert die Sicherheit. Wir hatten vom Voreigner sämtliche Papierseekarten der Ostsee übernommen, konnten so jederzeit die Präzision der elektronischen Navigation kontrollieren und uns so sehr angenehm in die moderne – und viel einfachere – Art des Navigierens einarbeiten. Wir lernten dabei auch die Problematik der digitalen Navigation kennen, nämlich dass die Routenplanung aufgrund der Notwendigkeit des Hin- und Her- Schalten zwischen Darstellung in großem bzw. kleinem Maßstab etwas mühsam ist. Unser Start zur Route rund um die Welt erfolgte im April 2006, wir hatten noch mit Radar und Windgenerator, sowie einem Wasser-Schleppgenerator von Aquair aufgerüstet. Unsere Route führte über Dänemark, Schweden nach Norwegen, dann über die Nordsee nach Schottland. Bei der Nebelfahrt war das Raymarine-Radar, gepaart mit der unverändert präzisen GPS-Position von Geonav-Navionics eine fantastische Hilfe für die Ansteuerung der uns unbekannten Küstenregionen. Hier konnten wir auch erstmals so voll und ganz das ausgezeichnete Tiden-und Meeres- Strömungsprogramm der Navionics-Charts nützen, die uns das oftmals mühsame Wälzen und Rechnen auf Basis von Reed’s Almanac in Sekundenschnelle abnahm. Die Infos aus diesen Programmen waren für unsere Zwecke ausreichend genau, selbstverständlich mussten wir Abweichungen bedingt durch aktuelle Windverhältnisse berücksichtigen. Durch den Caledonian Canal mit Loch Ness, - wo wir sogar ein kühles Bad in den Gewässern von Seemonster Nessy wagten -, erreichten wir das Traumrevier der Hebriden-Inseln. Wunderbare Urgestein-Küstenformationen, herrlich grüne hügelige Eilande, aber wechselhaftes, manchmal starkwindige Segelverhältnisse bescherten uns viel Abwechslung und Segelfreude. Über Irland, Biskaya, spanische und portugiesische Atlantikküste erreichten wir, - teils mühsam -, da entgegen unseren Erwartungen SW-Winde das Vorwärtskommen er-schwerten, die Algarve, die uns mit ausgesprochenem „Sauwetter“ im Oktober enttäuschte. So setzten wir uns bald ab von Europa und steuerten Madeira, Lanzarote und dann Las Palmas/Gran Canaria an. Bewusst hatten wir den Start der ARC (Atlantic Rallye for Cruisers) abgewartet, so fanden wir ohne Problem einen Platz in der Marina Muelle Deportivo Las Palmas. Hier hatten wir von Segelfreunden eine Kontaktadresse, um uns ein SSB-Radiotelefon einzubauen zu lassen, was allerdings erst auf den letzten Drücker gelang. Wir hatten, – vielleicht wegen des knappen Zeitrahmens -, noch monatelang Probleme mit dem Funken. Schuld hatten sicher unsere funktechnische Unerfahrenheit, aber auch die mangelnde Einschulung am Gerät durch den deutschen Funktechniker, der offensichtlich nicht ganz so professionell arbeitete wie wir erhofft und er uns versprochen hatte. So mußten wir mit einer halbstündigen Bedienungslektion unser Auslangen finden, was natürlich keinesfalls ausreichte. Unsere Atlantiküberquerung verlief perfekt, sie wurde bereichert durch ein paar Tage auf den kargen Capverden-Inseln, die wir dank eines mächtig wehenden Nordostpassats im nu erreichten Die Karibik rauf und runter nutzten wir um in St. Martin günstig zollfrei 2 weitere Solarpanels zu installieren und in Martinique die Püttings der Wanten zu erneuern. Auf Katamaranen ist das Rigg besonders belastet und die Alu-Püttings hatten beängstigende Anzeichen von Schwäche gezeigt. Wir ließen nun Nirosta-Rüsteisen durch die Kat-Werft in Fort de France sehr professionell und termingerecht anfertigen und montieren. Die Werft in Chacachacare auf der venezolanischen Insel Margarita beherbergte AHU während der Hurricanezeit von Juli bis November und wir nützten die äußerst günstigen Lebensmittelpreise um unsere Vorräte aufzustocken. Unser deutscher Freund Günter, ehemaliger Yachttechniker auf der Insel Elba, der jetzt hier wohnt, half kompetent beim Installieren und Reparieren von Ausrüstung auf AHU. In Curacao mußten wir frustrierend lange auf den bei Budget Marine in Bonaire bestellten Raymarine Autopilot-Computer warten, eine traurige Serviceleistung, die wohl vom deutschen Manager zu verantworten war. Über Cartagena und die San Blas-Inseln segelten wir nach Colon, an der Karibikseite des Isthmus von Panama gelegen. Colon nützten wir für zollfreies Bunkern von Wein, Bier und Alkoholika, wirklich sehr günstig. Nach nur 8 Tagen hatten wir unseren Transit-Termin, die Wartezeit ermöglichte uns den wunderbaren Urwaldfluß Rio Chagres unweitvon Colon zu erforschen, sehr schön und empfehlenswert. Die Kanalpassage schafften wir mit zwei Schweizer und einem Franzosen als Linehandler ohne Probleme und waren erstaunt, dass der Kanal in Wirklichkeit zum größten Teil aus einem enorm weitläufigen, wunderschönen aufgestauten Süßwassersee besteht, dem Gatun Lake. Auf den Perlas-Inseln lernten wir den deutschen Funkamateur Günther kennen, der die Flotte der ca. 30-40 deutschsprachigen Crews mit täglicher Funkbetreuung über den ganzen Pazifik begleitete, eine uneigennützige, von allen Teilnehmern am Pacific-Island-Net hoch geschätzte Initiative des gebürtigen Kölners. So hörten wir denn von den häufigen Pannen der Autopiloten. Zwei völlig unabhängige Anlagen sind an Bord von Langfahrt-Yachten ein erstrebenswerter Sicherheitsfaktor. Auch ein alternatives GPS-Navigationssystem, z.B. auf dem Laptop, ist wünschenswert, ebenso wie ein 2. Echolot, das in den Riff verseuchten Inseln des Südpazifik bei Defekt des Tiefenmessers zum Einsatz kommen kann. Über Galapagos, Marquesas, Tuamotus erreichten wir Tahiti und die französischen Inseln Polynesiens. Die pazifischen Passatstrecken waren ideal für unseren Katamaran und seine Crew, die so in vollen Zügen die teils mehrwöchigen Passagen genießen konnte. Manchmal bedauerten wir sogar, dass das Ankommen am Etappenziele die Idylle des Südsee-Zaubers unterbrach. Die exotischen Reize der Pazifik-Inselwelten von Moorea, Bora-Bora, Rarotonga, Niue und Tonga waren dann immer ein willkommener Kontakt mit einer wunderschönen, uns noch unbekannten Realität, die wir in vollen Zügen genossen. Selbstverständlich genossen wir an diesen Kreuzpunkten der Langsegel-Routen die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme, zu geselligem Zusammensein mit Yachties aus aller Herren Länder und dem Info-Austausch, der für alle Beteiligten eine grundlegende Notwendigkeit darstellt. Mittlerweile sind wir mit AHU wohlbehalten in Neuseeland angekommen. Alle Systeme haben sich gut bewährt, von unseren Yanmar-Motoren über die Selbststeuerung zu Navigationsplotter und Kartenmodulen. Selbst das Funkgerät konnten wir in den Griff bekommen. Neuseeland empfing uns fantastisch gastfreundlich und mit einer unglaublichen landschaftlichen Schönheit und Vielfalt, so dass wir uns freuen hier Land und Leute intensiv kennen zu lernen. |
