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"Was ist los im Pazific?" - Einiges!

von Angelika, Richard, und Angelus Grüner
SY. ANGELOS E-Mail dl5nas@winlink.org

Nach den vielen Berichten - Pro- und Contra-Darstellungen - über Vorfälle im Pazific, hier speziell in Tonga, möchte ich mich nun doch einmal kurz zu Wort melden.

Wir selbst waren mehrere Jahre im Pazifik und segelten öfters zwischen Fiji - Neuseeland - Tonga hin und her. Tonga war damals, 1994/95, die Inselgruppe mit den häufigsten Übergriffen, seien es einfache Einbruch/Diebstähle oder Belästigungen von weißen Frauen, um nicht zu sagen Vergewaltigungen. Die meisten Vorfälle fanden in Naiafu in der Vava'u Gruppe statt; vielleicht deshalb, weil sich dort die Mehrzahl der Segler aufhält. Etliche Segler erzählten uns persönlich von unliebsamen Besuchern und Diebstählen. In einem Fall stieg ein Tonganer an Bord einer französischen Jacht, wo die Dame des Schiffes es geschickt verstand sich des Eindringlings zu wehren: sie biss ihm im Nahkampf die Unterlippe ab!!

In einem anderen Fall, das Ehepaar war schon jahrelang mit seinem Katamaran in Vava'u, war die Schiffsfrau nicht so erfolgreich; in einem Handgemenge riss ihr der Eindringling drei Viertel ihres Ohres ab, weitere Blessuren blieben nicht aus. Selbst mussten wir erleben, allerdings in Nuku'alofa, wo wir vor Buganker mit Heckleinen im Hafen lagen, dass in den frühen Morgenstunden ein Tonganer bei uns, in einem "ausgeliehenen" Dinghi kommend, an Bord stieg und sich ungeniert über mich hermachte, während Richard ahnungslos neben mir schlief! Als wir die Situation erkannten, schlugen wir den unbestellten Besucher in die Flucht, der sich mit einem Sprung über die Reling rettete und an Land schwamm. Als wir den Vorfall am Morgen der Polizei meldeten, fragte man uns: "Ist jemand verletzt? - Nein? Na was wollt ihr denn dann, ist doch alles o.K."

Ich möchte hiermit einmal zur Sprache bringen, dass es durchaus üblich ist, und von den Insulanern nicht unbedingt als Delikt betrachtet wird, wenn man unbestellten Besuch jedweder Art an Bord erhält. Wer in den Pazific geht, der muss damit rechnen, früher oder später einmal derart "bedacht" zu werden. Und wer behauptet, alles sei "in Butter", speziell auf den tonganischen Inseln, der lügt sich entweder selbst etwas in die Tasche, oder er ist nicht realistisch. Wir kennen eine Jacht, die sich schon jahrelang in Tonga aufhält, die wiederholt überfallen wurde, dessen Crew aber immer noch dort segelt und ihrem Geschäft nachgehen.

Überfälle kommen überall auf der Welt vor; sie sind jedoch kein Grund, das ganze Volk zu verdammen oder gar diesem Land für immer fern zu bleiben. Das erklärt auch die Tatsache, dass Jachten, denen schon einmal übel mitgespielt wurde, trotzdem wieder in dieses Land, hier Tonga, zurückkommen. Die Zeit heilt schließlich Wunden. Negative Erlebnisse dieser Art gehören eben zu einer Art von Abenteuer die wir Segler ausgezogen sind zu erleben. Ein gewisses Risiko muss man als Fahrtensegler schon bereit sein, auf sich zu nehmen. Wir können nicht erwarten überall nur Sonnenschein anzutreffen. Die Welt war noch nie heile, und sie wird es auch in Zukunft nicht sein.



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Letzte Änderung / Last change: Samstag, 06. September 2003