|
Was in eine Bordapotheke gehört, richtet sich primär nach dem Fahrtengebiet: Im heimatlichen Revier, für kurze Reisen und wenn innerhalb kurzer Zeit ärztliche Hilfe zu erwarten ist, genügt für die Erste Hilfe der Inhalt eines Kraftfahrzeugverbandkastens. Eine Schockdecke und ein starkes Schmerzmittel, anzuwenden bei schweren Verletzungen, Knochenbrüchen, Verbrennungen oder Verbrühungen, sind eine sinnvolle Ergänzung. Pflasterverbände für die kleinen Alltagsverletzungen sind praktischerweise zusammen mit einer Schere in der Küchenschublade immer griffbereit. Der Verbandskasten sollte für jedes Besatzungsmitglied zugängig sein. Im Küstenbereich, in dem zwar in absehbarer Zeit ärztliche Hilfe zu erwarten ist, sollte man sich neben der Ersten Hilfe auch auf eine Behandlung akuter Erkrankungen einstellen. Man überbrückt die Zeit, bis zur ärztlichen Versorgung und erspart sich oft einen Gang zur Apotheke, wenn man in seiner Bordapotheke die wichtigsten Medikamente hat. Praktisch ist es, wenn der Hausarzt bei der Zusammenstellung hilft. Er kennt die Familie, weiß um mögliche Allergien oder Arzneimittel- Unverträglichkeiten und hilft bei der Beschaffung verschreibungspflichtiger Medikamente (z.B. Antibiotika und stärkere Schmerzmittel). Wenn er nicht ausgerechnet um die gleiche Zeit auch im Urlaub ist, kann er im Krankheitsfall telefonisch beraten. Handy oder Küstenfunkstellen machen dies möglich. Möglicherweise kann er auch mit Ärztemustern aushelfen, denn Medikamente für Reiseapotheken dürfen nicht auf Kosten der Krankenkassen verschrieben werden. Betäubungsmittel sind offiziell für die Apotheken auf Sportfahrzeugen verboten. Besonders bei Reisen ins Ausland ist dies zu beachten. Die Bordapotheke sollte unter der Kontrolle des Schiffsführers stehen und unzugänglich für Kinder (Vergiftungsgefahr) oder nicht näher bekannter Personen (Missbrauch) sein. Für längere Reisen im Seebereich, auf denen möglicherweise auch über Tage mit keiner ärztlichen Hilfe gerechnet werden kann, ist das Mitführen von Material zum Schienen von Knochenbrüchen sinnvoll, denn mit Hilfe von Bordmitteln hergestellte Behelfsschienen garantieren selten eine einwandfreie Ruhigstellung. Zu empfehlen sind aufblasbare Schienen oder formbare Kunststoffschienen. Zusätzliche Mengen an Schmerzmitteln oder Antibiotika sollten mitgeführt werden, wenn der Seetörn länger dauern sollte oder die Besatzungsstärke es ratsam erscheinen lässt. Weitere Ergänzungen, wie z.B. chirurgische Bestecke oder Infusionslösungen zur Bekämpfung von Schockzuständen, sind besonders dann sinnvoll, wenn jemand aus der Besatzung sie auch handhaben kann. Das Segeln in tropischen Gewässern erfordert weitere Medikamente, wie z.B. Mittel zur Malariaprophylaxe. Zum Aufbewahren der Medikamente und der Mittel für die Erste Hilfe eignen sich besonders Plastikbehälter mit Wandhalterungen, die in unterschiedlichen Größen auf dem freien Markt angeboten werden. Sie sollten wasserdicht und ausreichend groß sein und rostfreie Scharniere oder Verschlüsse besitzen. Die folgende Aufstellung soll eine Empfehlung sein und einen Anhalt dafür bieten, was zweckmäßigerweise in eine Bordapotheke für Reisen in unseren Breiten gehören könnte. Sie ist abgestimmt auf eine vierwöchige Reise einer vierköpfigen Crew. Mittel für die Erste Hilfe, die sich bereits im Verbandkasten befinden, werden in dieser Liste nicht erneut aufgeführt. In der Aufstellung sind die vorgeschlagenen Medikamente nach Krankheitsbildern (Indikationen) geordnet. Die Medikamente sind mit ihren internationalen Kurznamen (Generic names) aufgeführt, nicht mit den Präparatnamen. Diese Namen stehen auf dem Beipackzettel (den man vor der Anwendung auch lesen sollte) und in der Regel kleingedruckt auf der Packung unter dem Präparatnamen. Dies ist wichtig für funkärztliche Beratungen, Ersatzbeschaffungen und im Ausland. Kinder benötigen oft besondere Darreichungsformen, z.B. Zäpfchen und Säfte. Chronisch Kranke und ältere Personen müssen ihre laufend benötigten Mittel in ausreichender Menge mitbringen und nicht aus der Bordapotheke bedienen. Den Schiffsführer sollten sie über evtl. Krankheiten informieren. In der Liste sind für jedes Medikament zwei verschiedene Nummern angegeben: Die Nummern in der ersten Spalte beziehen sich auf die Bordapotheke des Buches "Medizin auf See", erschienen im DSV-Verlag. Sie wurde von über 20 Autoren unterschiedlicher Fachrichtungen zusammengestellt und deckt somit das wichtigste Spektrum möglicher Krankheiten ab. Auf diese Nummern wird für die einzelnen Krankheiten im Text des Buches hingewiesen. Die Nummern in der zweiten Spalte beziehen sich auf die Apotheke, wie sie für die deutsche Handelsschifffahrt entsprechend der "Verordnung über die Krankenfürsorge auf Kauffahrtenschiffen" vorgeschrieben und deshalb sehr viel umfangreicher ist. Diese Nummern können bei einer funkärztlichen Beratung wichtig sein, denn die Ärzte des Stadtkrankenhauses Cuxhaven, Tel.: 04721-780, durch welche die Beratung erfolgt, verwenden diese Apothekenaufstellung. Die Gegenüberstellung beider Nummern ist für den Fall gedacht, wenn sich ein Sportbootfahrer funkärztlich beraten lassen möchte oder ein Handelsschiff um Hilfe bittet. Die letzte Spalte ist offen, in ihr kann eine eigene fortlaufende Nummerierung eingetragen werden. Mit Hilfe einer Durchnummerierung lässt sich die Vollständigkeit der Apotheke schnell kontrollieren. Auch kann man in ihr Verbrauch und Verfallsdatum vermerken. Diese Nummer sollte mit einem dicken, wasserfesten Filzstift auf jede Seite der Packung gut lesbar geschrieben werden: Man findet das Mittel schnell, braucht sich keine Präparatnamen zu merken und kann die Apotheke leicht auf Vollständigkeit kontrollieren. Eine Kopie dieser Liste sollte sich bei der Apotheke befinden und bei funkärztlichen Beratungen griffbereit sein. |
