|
Liebe Freunde, Puerto de la Cruz (Venezuela), Juli 2000 Vernachläsigung der Freundschaften ist eine grosse Sünde, mea culpa, ich will versuchen einiges wieder gut zu machen. Wer hier in der Caribik lebt, weiss von der manana Philosophie. Wir sind nicht einfach faul, wir sind träge! Es ist kein Urlaub sondern eine völlig andere Lebensform in die man nach gewisser Zeit unmerklich für sich selbst, hineinwächst. Wir sind nunmehr 520 Tage in diesem Seegebiet, wo ist die Zeit geblieben? Ein Tag ist schnell vorbei, er beginnt in der Regel mit dem Erwachen um 07.30, dann ausgiebiges Frühstück mit Funkrunde Seegebiet Carribik. Dann , natürlich alles auf den Ankerplatz bezogen, Bordroutine, Wartungsarbeiten, Motorlaufzeit zum Batterieladen, Wetterfunk Schiffsreinigung und und und.Und somit ist der Vormittag gelaufen.Abhängig vom Ankerplatz, ob einsame Insel oder auf Reede eines Ortes, werden Landgänge mit dem Dingi zum Einkaufen, Inselbesichtigen oder Stadtbummel eingefügt. Man trifft alte Freunde oder lernt neü Menschen kennen. Nach dem Lunch, während der Mittagshitze, ist Siesta angesagt. Am Nachmittag flammt noch einmal eine kurze Aktivität auf, welche dann für dringend anliegende Probleme angesetzt wird. Aber meistens wird daraus Baden in grünem Wasser, Lesen im Schatten des Sonnensegels oder einfach nur Relax. Relax ist immer gut, das bringt die Temperatur so mit sich. Der Schweiss läuft immer in Strömen aber damit kann man gut leben. Wir haben beide mit der Temperatur keine Probleme. Der Bereich geht von 28° bis 36°. Am Abend um 17.00 bis 18.00 ist traditionell Sundowner Time entweder mit Freunden oder zu zweit an Bord oder in Häfen an Land unter Seglern aller Nationen. Um 19.00 ist es nach einem mehr oder weniger spectaculärem Sonnenuntergang in der Regel stockduster. Abendessen , noch ein Stündchen im Cockpit sitzen, die Abendkühle geniessen, 28°, und dann geht es in die Koje, lesen, man hat hier sehr viel Zeit zum Lesen und die Buchaustauscherei von Schiff zu Schiff funktioniert sehr gut. Gelegentlich wird nach Abschätzung der Wetterlage eine Insel weiter gesegelt, mit Distanzen zwischen 3 Stunden oder auch 3 - 4 Tagen. Aber die weitaus längste Zeit liegt man vor Anker und lässt es sich wohl sein und freut sich über die einfachen Dinge des Lebens, wie satt, gesund, ausgeschlafen , sicherer Ankerplatz, türkisfarbenes warmes Wasser, wunderschöne Unterwasserwelt mit Fischen aller Colour, viele Freunde und kein Stress. Die Seglerwelt hier und sicher auch woanders hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren erheblich geaendert. Den sogenannten Fahrtensegler a la Hiscock gibt es kaum noch. Heute gibt es 3 Kategorien von Seglern. 1. Den Charterer, immer in Eile um die vorgegebenen Distanzen innerhalb seines Urlaubs zu ersegeln. Wenig kostenbewusst weil die in der Regel exorbitanten Marina - Preise durch die anteilige Kopfzahl tragbar werden. Liegekosten um und bei 1 US$ pro Fuss und Nacht. 2. Der Fahrtensegler mit begrenztem Budget, in der Regel mit Schiffen kleiner 45 Fuss, mit viel Zeit für Land und Leute, Ankerbuchten und kostenbewusst. Liegezeiten von Tagen oder auch Wochen wo es schön ist oder zweckmässig für überholungsarbeiten oder wie so oft Warten auf Ersatzteile. 3. Die zunehmende Gruppe von relativ jungen Leuten mit Schiffen > 50 Fuss, 1 bis 2 Mio, und ausgeruestet mit jeder erdenklichen technischen Innovation. Rollgross und Rollvorsegel, Bugstrahlruder und hydr. Winschen sind Standard. Angeführt wird diese Gruppe von den Amerikanern und Engländern. Danach folgen schon die Germans. Die Gruppe 3 hat aber auch die grössten tech. Probleme. Denn alles geht kaputt. Auch wenn es noch Neu ist. Rollvorsegel sind auch auf den Kategorien 1 u. 2 Standard. Wir sind nach den Vorstellungen der heutigen Segler weit hinter der technischen und persönlichen Sicherheit was das Segelsetzen betrifft. Aber was solls. Das soziale Leben unter den Seglern ist natürlich sehr abhängig von den Sprachkenntnissen und es bilden sich automatisch Nationale Gruppen. Den grössten Zusammenhalt bilden die Amerikaner, sie verfügen über ein grosses Organisationstalent, bauen in den grösseren Ankerplätzen gut funktionierende UKW Netze auf und sind damit vorbildlich. In den Netzen werden Informationen aller Art wie günstige Supermärkte, Organisation von Inselreisen, Sicherheitsfragen, ärzliche Versorgungsmöglichkeiten, Flohmarkt, Mitnahme von Post in die Heimatländer usw.angeboten und das täglich. |
|
Unser Schiff die ARGONAUT bietet dem Skipper immer wieder neue Probleme, denn alles was kaputt gehen kann, geht kaputt. Und das doppelt so schnell wie in Europa. Aber damit stehe ich nicht alleine, wir Fahrtensegler haben alle dasselbe Problem und das heisst: Wie halte ich mein Schiff im betriebsfähigem Zustand. Und damit wird auch ein anderer Punkt angesprochen, Wo steht die Leistung eines Skippers auf einem mit zeitgemässen und angemessenem techn. Aufwand ausgerüstetem Schiff. Es ist nicht mehr die Schiffsführung über die Meere, nicht die Navigation und auch nicht mehr das Durchhalten bei Sturm und See. Alle diese Punkte und weitere werden dem Skipper durch Technik erleichtert oder ganz abgenommen. Wo gibt es noch eine seegehende Yacht ohne Selbsteüranlagen oder SSB Funk, Wetterfax usw. Die wesentliche Leistung eines Skippers liegt meines Erachtens darin die ihm anvertraute Technik zu warten, pflegen, Verstehen und damit das Schiff im betriebsfähigem Zustand, also im sicherem Zustand zu halten. Nun nach diesen allgemeinen Betrachtungen zu uns. Wir sind über den Atlantik gesegelt und werden auch den Weg zurück finden . Unser Ziel wird vorerst Europa heissen, mehr wissen wir noch nicht. Die Carribic ist schön für einige Jahre aber nicht für alle Zeiten. Wir sind nach unserer überqürung nach Tobago nach Trinidad gesegelt und von dort die Inseln hoch bis St. Lucia. Von hier aus zurück nach Grenada um unsere Tochter Angelika aufzunehmen, um dann über die Isla Testigos nach Isla Magarita zu segeln. Dort hat uns Angelika wieder verlassen um nach DL zurückzukehren. Wir sind dann, auch weil die Hurrican Zeit nahte über die der Venezülanischen Küste vorgelagerten Inseln nach Pürto La Cruz, Venezüla, gesegelt. Hier lagen wir einige Monate auf Reede oder in der Marina um das Schiff zu überholen, dringende Rep. ausführen lassen oder selbst ausführen, an Land nehmen , Antifouling anstreichen also alle die Arbeiten die man in der Ostsee im Winter machte, nur hier bei 30° bis 36°. Aber auch damit kann man leben. Lästiger sind die Moskitos. Ein Landausflug in das Innere des Landes, 1200 Km mit dem Caravan bis an die südl. Grenze des Landes, war ein grosses Erlebniss. Nach dem schmalem Besiedlungsstreifen an der Küste von ungefähr 250 KM folgt nur Natur real. Berge, Steppen, Wälder, Tropenregen nie gekannter Ausmasse, es war großartig Anfang November 1997 sind wir dann wieder unter Segel gegangen, Richtung Trinidad, weil dort ein Simmerring für unser Getriebe abzuholen war. Trinidad eine bunte caribische Insel mit starkem indischem Einschlag ist wunderschön, freundlich mit liebenswerten Menschen. Von dort segelten wir die Inselkette hoch , mit dem Ziel unsere Angelika auf den US Virgins an Bord zu nehmen. Die Reise war schön, ohne grosse Probleme, die Wetterlage ausgeglichen, es wehte fast immer der Passat. Und wenn nicht, dann haben wir gewartet oder motort. Sylvester verbrachten wir in Bequia mit Freunden im Frangipani. Die sogenannten schwarzen Inseln auf unsere Strecke sind sehr unterschiedlich in Bezug auf die Verhaltensweise zu den Seglern. Dominant ist die Einstellung : White man ,this is my country, you have to pay or to go ! Ab Martinique wird alles anders, eine freundliche und Lebensfreude austrahlende Bevoölkerung, man kann alles langentbehrte wieder kaufen und keine Belästigungen . Kriminalität gleich Null, man muss nicht wie auf den schwarzen Inseln alles aber auch alles abschliessen oder sichern. Die British VI sind wie auch die US VI sind eine tropische grüne Inselwelt mit vielen vielen Ankerbuchten, türkisfarbenes Wasser und viele bunte Fische. Hier kann man ohne weiteres eine ganze Saison verbringen. Wir haben mit Angelika 3 Wochen geankert, geschwommen,geschnorchelt, wenig gesegelt und in den bunten tropischen Städchen gebummelt. Es war eine sehr schöne Zeit. Auf ST. Croix, US VI haben wir nach ausgibiger Besichtigung auch dieser Insel Angelika wieder in kalte Europa entlassen. Wir sind nun auf dem Wege nach Pürto La Cruz um dort wieder die Hurricanzeit abzuwarten, in den venezulanischen Küstengewässern zu segeln und unser Schiff wieder aufzufitten, Alte Freunde dort wieder zu treffen und das Leben wie es sich uns hier in eimaliger Fülle und Schönheit bietet zu geniessen. Venezuela ist ein Land wo man sich wohl fühlt. Die Menschen sind von einer fröhlichen Lebensart und in jeder Beziehung hilfsbereit. Man wird als Gast behandelt und nicht ausgeplündert wie auf manchen anderen Inseln. Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, die Bevölkerung ist arm und die Kriminalität sehr hoch. |