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Wonderful Down Under (Australien)
Rudi Arp, SJ "Nieje Leev" |
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Im Jahr 2000 war meine Segelreise noch geprägt vom Erlebnis der Südsee. Doch mit dem Eintreffen in Australien begann für mich ein ganz neuer Reiseabschnitt. Ich hatte als Einklarierungshafen Coffs Harbour ausgesucht. Am 26.November 2000 lief ich fast gleichzeitig mit den deutschen Jachten "Sonnenschein", "Mindedal", "Belladonna" und "Elefant" ein und musste für die folgende Nacht an einer Quarantäneboje festmachen. Das Visum für einen 10-monatigen Australienaufenthalt hatte ich bereits in Noumea unter Erduldung eines für mich nervigen Antragsverfahrens erhalten. Ohne Visum darf man australische Gewässer überhaupt nicht anlaufen. Die für Australien durchzuführende, als sehr kompliziert und bürokratisch verrufene Einklarierungsprozedur wurde hier am nächsten Morgen von sehr zuvorkommenden und freundlichen Behördenvertretern korrekt, zügig und ohne Probleme abgewickelt und ich verlor mein Unbehagen, das sich normalerweise bei mir entwickelt, wenn der Amtsschimmel zu wiehern beginnt. Aber hier erlebte ich nur Freundlichkeit und jetzt durfte ich mich für die nächsten 10 Monate frei und ungehindert in Australien bewegen. Es stellte sich heraus, dass Coffs Harbour als erster Hafen in Australien ein richtiger Glücksgriff war. Es ist ein sehr geschützter, uriger Fischerhafen, der mit seiner nostalgischen, langen, auf hölzernen Dalben stehenden Promenadenbrücke, eingerahmt von einer felsigen Hügellandschaft, die auf den ersten Blick etwas an das Flair eines skandinavischen Küstenortes erinnert. Beim genaueren Hinsehen zeigt sie sich aber doch als typisch australisch. Direkt neben der Fischerpier gibt es eine sehr gut geführte, preiswerte Marina, es gibt eine Werft mit Schlippmöglichkeit, eine Niro-Werkstatt, eine Segelmacherei, einen bestens sortierten Bootszubehörladen und einen Verkaufsladen der Fischer-Cooperative, in dem sämtliche Meerestiere, die hier von den Fischern angelandet werden, frisch oder geräuchert, gebraten, gegrillt oder gebacken zu recht günstigen Preisen zu haben sind, insbesondere Krabben, Garnelen und andere Krebstiere in allen erdenklichen Größen. Die Stadt mit Einkaufszentrum ist etwa 3km entfernt, gut zu Fuß auf einem Weg durchs Grüne(hier habe ich meinen ersten Koala-Bären in freier Wildbahn gesehen)oder per Bus oder Taxi bequem zu erreichen. Über Weihnachten und die Jahreswende hatte ich Besuch von meinem Sohn Björn. Und mir ging es gar nicht gut. Ich hatte offensichtlich eine Infektion im Innenohrbereich, die meinen Gleichgewichtssinn beeinträchtigte. Eine eingehende Untersuchung in der Klinik von Coffs Harbour brachte keine eindeutige Erkenntnis. Die verschriebenen Medikamente und vor allem Vitaminpräparate brachten nur langsame Besserung und so dauerte es bis zum 28.12.2000 bis wir aus Coffs auslaufen konnten. Die Reise sollte nach Sydney gehen. Das Wetter war nicht sehr gut, Starkwind und Seegang aus südlichen Richtungen erschwerten den Törn. Dennoch trafen wir am Sylvestermorgen in der Dämmerung in Port Jackson, der Einfahrt von Sydney, ein. Am Nachmittag liefen wir dann bei herrlichem Sonnenschein und leichter Brise gerade noch rechtzeitig zu dem spektakulären Feuerwerk, das anlässlich des hundertsten Geburtstages des Staates Australiens am 01.Januar 2001 in der Sylvesternacht stattfinden sollte, in Sydney Harbour ein. Wir erwischten noch einen Ankerplatz in der Nähe, fast unterhalb der berühmten Sydney Harbour Bridge in der Wooloomooloo-Bay und hatten hier einen Platz in der "ersten Reihe" zu dem Feuerwerksspektakel. Ganz Sydney schien auf den Beinen oder mit Booten auf dem Wasser zu sein. Tausende von Menschen säumten die Ufer- und Pieranlagen. Die ausgewiesenen Ankerplätze waren dicht belegt mit Jachten und Booten, ab 1800 Uhr war jeglicher Schiffsverkehr im Hafenbereich gesperrt und man wartete bei guter Stimmung und herrlichstem Sommerwetter auf den Abend. Um 2100 Uhr begann ein erstes Feuerwerk und um Mitternacht erstrahlten die Harbour Brigde, die Hochhausdächer der City und große Bereiche des Himmels über der Stadt in einem gleißenden, funkelnden, farbenprächtigen Glitzerglanz eines wahrhaftigen Jahrhundertfeuerwerks. Die Menschen waren beeindruckt und verzückt. Auch wir genossen diese Atmosphäre, stießen auf das Neue Jahr an, feierten noch etwas bis sich die Ankerplätze wieder leerten, viele Sydneyer Boote kehrten noch in der Nacht nachhause zurück. Am nächsten Morgen verholten wir in sehr geringem Abstand vorbei an einem Wahrzeichen Sydneys, der berühmten "Sydney Opera", unter der Harbour Bridge hindurch zur Blackwattle Bay an Sydneys Fischmarkt. Hier lag nun die "Nieje Leev" für die nächsten 6 Wochen vor Anker. Zunächst hatte ich mit Björn eine schöne gemeinsame Zeit. Björn hatte mich zum Besuch der Verdi-Oper "Rigoletto" eingeladen. Es war einer der herausragenden Reisehöhepunkte, diese Aufführung in Sydneys einmaliger Opernhausarchitektur mitzuerleben. Eine Fahrt in die "Blue Mountains" war sehr beeindruckend, vor allem, weil wir den im wahrsten Sinne des Wortes "Blauen Dunst", der aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung aus den Eukalyptuswäldern aufstieg und diesem Gebiet den Namen gegeben hatte, sehr deutlich über den Wäldern, Tälern und Hügeln sehen konnten. Und dann war da natürlich das Erlebnis der City mit Stadtbummeln durch Darling Harbour, Schlendern über die historische Pyrmont-Bridge, mit dem Besuch des Stadtviertels "The Rocks", der legendären Ankunftsstätte der Einwanderer und mit dem Besuch des Maritime Museums. Der Fischmarkt stellt einen ganz besonders urigen Bereich dar. Insbesondere über die Mittagszeit herrscht dort quirliger Betrieb. Viele Menschen holen sich aus den Fischbratküchen ihre Mittagsmahlzeit. Die Auswahl an Fisch und Meerestieren sowie die Zubreitungsarten sind reichhaltig und vielseitig. Man genießt das "Lunch" an Tischen im Freien mit Blick auf den Fischerhafen und die Bucht. Nach Björns Rückflug nach Europa begann für mich eine arbeitsreiche Zeit an Bord. Das Hauptdeck war an einigen Stellen undicht. Manfred von der "Mindedal" machte sich an das Überarbeiten des Teakdecks. Ich selbst war mit allen möglichen Nebenarbeiten sowie mit den Rennereien zur Beschaffung von Materialien mehr als vollbeschäftigt. Trotzdem blieb Zeit für schöne gemeinsame Unternehmungen. Manfreds Frau Gini hatte mit einer australischen Ärztin Bekanntschaft geschlossen. Wir unternahmen Ausflüge an den Wochenenden mit Gruppenwanderungen, die hier "Bushwalking" genannt werden oder wir machten gemeinsame Stadt- und Einkaufsbummel, gingen einige Male zum Essen aus oder wir trafen uns auch auf der "Mindedal" zum Essen und geselligen Beisammensein. Am 14.Februar war "Nieje Leev" dann wieder seeklar. Ich versorgte noch mal an der Fischerpier am Fischmarkt. Dann hieß es endgültig Abschied nehmen von Sydney. |
