Strommanagement an Bord einer Segelyacht
von Markus Kottas
|
![]() Kat HeldenbergAls ich vor 13 Jahren in Litauen, mit meiner Weltumseglung startete und noch wenig Erfahrungen über das Leben an Bord hatte, war ich eigentlich sehr sehr erstaunt, dass ich mit zwei 75W Solarzellen und einem Windgenerator so gut mit meinem Stromverbrauch auskam. Zurück blickend liegen die Gründe aber auf der Hand.Das erste Jahr war ich in der Nord und Ostsee unterwegs und es ist ein großer Unterschied, ob dein Kühlschrank in nördlichen Breiten betrieben wird oder du mit 40° Hitze zu kämpfen hast. Außerdem segelte ich allein und bekanntlich verbraucht einer weniger als zwei oder mehrere Personen. Internet und langes E-mail schreiben gab es damals auch noch nicht und das Notebook wurde nur alle heiligen Zeiten gestartet. Des weiteren liefen meine Maschinen mit einer 40A Lichtmaschine bestückt, einerseits durch die starken Stömungsgegebenheiten in den befahrenen Schifffahrtsstraßen, die das Segeln manchmal unmöglich machten und andererseits auch durch meine kürzeren Anker Stops, fast jeden Tag . Als aber dann, auf den Kanarischen Inseln, meine Lebensgefährtin aufs Schiff zog und und viele Freunde auf Besuch kamen, änderte sich mein Stromverbrauch drastisch. Der Kühlschrank arbeitete auf vollen Touren, die Musik spielte den ganzen Tag bis spät in die Nacht hinein und Lichter brannten in allen Kabinen. Oft lag ich aber an Molen mit Landstromversorgung, die mir meine Batterien immer wieder “voll butterten“ und man konnte zum Glück fast überall Blockeis kaufen. Ich baute eine große gut isolierte Kühlbox, in der das vor gekühlte Bier auf der “gewünschten“ Temperatur bis zu einer Woche kalt blieb. Als wir aber dann weiter nach Senegal segelten war es aus mit diesem Luxus und da ich ein Verfechter umweltfreundlicher Stromerzeugung bin und nichts mehr hasse, als auf einem schönem, ruhigen Ankerplatz, in mitten in der Natur zu liegen und die laute, stinkende Maschine laufen zu lassen, war Strom sparen angesagt. Das Bier wurde halt nicht mehr so kalt getrunken und wenn kein Wind wehte, wurde der Kühlschrank über Nacht abgeschaltet. In den nächsten Jahren, in denen wir dann Brasilien, mit ganz “Amazonien“, Surinam, Britisch und French Guiana so wie das Orinoco Delta besegelten, änderte sich auch nicht viel an unserer Strom Situation und erst als wir nach Trinidad kamen, beschloss ich mein Schiff für die kleinen und Großen Antillen, aufzurüsten. Ein neuer Windgenerator, eine 100W Solarzellen und 600A/h Deep- Cicle Batterien lehrten zwar unsere Kasse, aber von nun an war das Bier wieder kalt und der Kühlschrank konnte durchlaufen. Speziell in den Passabwind-Zonen musste ich oft den Windgenerator „fesseln“ um die Batterien nicht zum Kochen zu bringen. Dieses „Glück“ hielt aber nur ein paar Jahre an. Es bekamen wieder viele Freunde zu Besuch, der Sohn meiner Lebensgefährtin zog zu uns aufs Schiff und das Zeitalter des Internet hatte begonnen. Ein zweites Notebook musste her, unser kleiner SW Fernseher, mit dem wir immer unsere Wetterberichte holten „musste“ einem Farbfernseher mit Playstation weichen und je weiter wir Richtung Westen segelten, wurde auch der Passabwind schwächer. Also griffen wir noch einmal ins Börserl und in Curacao, leisteten wir uns noch zwei 120W Solarzellen und stockten die Batterien auf 800 A/h auf. Eine enorme Energieersparnis konnte ich auch mit dem Umrüsten auf LEDs erzielen. Damals gab es zwar nur die bedrahteten LEDs, aber mehrere zusammengeschalten, ergaben eine schnelle und akzeptable Lösung. Allein nur der Tausch vom Ankerlicht drückte sich in einem Stromersparnis von 16A pro Nacht aus. Zur Zeit schaut es fast so aus, zumindest wenn die Sonne nur ein paar Stunden am Tag scheint und der Wind uns nicht ganz in Stich lässt, dass wir mit der Strom Erzeugung am Ziel unserer Vorstellung angelangt sind. Eine kleine Tiefkühltruhe und ein weiterer Windgenerator (Eigenbau) sind noch in Planung, aber ansonsten sind wir autark. Obwohl...... zwei 12PS E-Motoren als Antrieb, die zwei 48 PS Verbrennungsmotoren bei gleicher Leistung ersetzen, einen ganzen Haufen Solar und Photovoltanikzellen dazu und dann vielleicht noch - auf Wasserstoff Brennzellen umrüsten.......na ja, vielleicht beim nächsten Lotto Sechser. Ich hoffe, dieser kleine Bericht hat deutlich gemacht, worauf es bei der Stromversorgung von Yachten ankommt, nämlich: Die richtige Einschätzung des zukünftigen Verbrauches. Man sollte sich fragen: was will ich und was brauche ich, auch in der Zukunft? Der “Urlaubssegler“, der vielleicht nur 3 Wochen im Jahr mit seiner Yacht in Griechenland herum schippert und davon die meiste Zeit unter Maschinen fährt oder in einer Marina liegt, sollte sich lieber eine gute Lichtmaschine und große Batteriebänke anschaffen, anstatt sein Deck mit Solarzellen bepflastern. Hierzu sei vielleicht gesagt, dass es 5 Jahre dauert, bis die Energie wieder eingespielt ist, die für die Erzeugung einer Solarzelle benötigt wird. Also wer sie nicht nutzt, tut auch der Umwelt nichts Gutes. Für zukünftige Langzeitsegel hier eine kleine Zusammenfassung:
Verbrauch:
|
