Abgesehen von kürzeren Törns an der Algarve und westportugiesischen Küste war die sehr geschützt unmittelbar vor dem Ortszentrum gelegene Marina Ayamonte - eine der ohnehin empfehlenswerten Puertos Andalucia - seit 2001 Standort unserer SY "Akita", einer Moody 41.
Hier, im Mündungsgebiet des Guadiana, in dessen Mitte die Grenze zwischen Spanien und Portugal verläuft, kostet der Jahresliegeplatz für ein 12,5 Meter-Schiff derzeit ca 2700 €. Hat man die bei höherem Seegang nur mit äußerster Vorsicht anlaufbare Einfahrt in den Guadiana einmal passiert, ist der wenige Meilen flussaufwärts steuerbords gelegene Hafen praktisch bei jedem Wasserstand gut erreichbar. Außer den bescheidenen aber sauberen Sanitäranlagen in (neuen) Containern und einem Hafenbüro mit freundlichem und hilfsbereitem Personal gibt es in Ayamonte fast keinerlei technische Infrastruktur für Sportboote, weder Lift noch Trockendock. Ausbaupläne sind vorhanden, kommen aber offenbar nur schleppend voran. Demnächst soll ein weiterer Schwimmsteg ausgebracht werden, was dann wohl leider das Aus für die bislang friedliche Koexistenz von Yachten und einem Teil der örtlichen Fischereiflotte zur Folge haben wird. Die sonstigen Versorgungsmöglichkeiten und Dienstleistungsangebote sind in jeder Hinsicht ausgezeichnet und technisch besser ausgestattete Marinas, wie z.B. das nur wenige Meilen östlich gelegene Isla Cristina, jederzeit leicht erreichbar. Boote mit Liegeplatz in Ayamonte erhalten dort einen Rabatt in Höhe von 10%.
Für Ersatzteile und Reparaturarbeiten ebenso für die wegen großer Nachfrage nicht immer einfache Reservierung eines Trockendockplatzes wendet man sich am besten direkt an Rino Johansen, der hier eine Werkstatt und einen Laden betreibt und zugleich den örtlichen TO-Stützpunkt leitet.
Am 2. August haben wir Ayamonte mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen und uns in Richtung Kanaren aufgemacht. Gut vorbereitet und proviantiert sollte das in den drei Wochen, die wir dafür maximal zur Verfügung hatten, bequem und ohne Stress zu schaffen sein. Die unerklärlich große Menge Diesel, die wir am gegenüberliegenden Flussufer in Villa Real San Antonio nachfüllen mussten, gab uns einige Rätsel auf. Um sicherzugehen, dass des Rätsels Lösung eher im Zählwerk der dortigen Zapfsäule als in einem exorbitant erhöhten Verbrauch begründet ist, legten wir in Portimao einen Zwischentankstop ein.
Ergebnis. Verbrauch normal!? (Also, wenn man in der Gegend ist, nach Möglichkeit nicht in V.R. tanken.) Bei der Ausfahrt aus Portimao Richtung Atlantik lässt sich die Genua nicht komplett ausrollen und will zunächst auch nicht wieder eingerollt werden. Als Ursache stellt sich schließlich ein am oberen Terminal aufgetörntes und angebrochenes Vorstag heraus, womit wir nicht auf den Atlantik rausfahren können. Prompte Hilfe kommt vom TO-Stützpunktleiter in Portimao, Thomas Schmidgen. Er vermittelt den Kontakt zum einzigen Betrieb im Fischereihafen, der für eine Reparatur in Frage kommt, dolmetscht die notwendigen Gespräche mit dem Inhaber und seinen Arbeitern, bis nach einigen Stunden akribischer Handarbeit mindestens eine provisorische Lösung für die Weiterfahrt steht. Ohne die Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten und auf uns allein gestellt hätten wir wohl mehrere Tage dafür veranschlagen müssen. Noch am gleichen Abend stehen Stag und Genua wieder dort, wo sie hingehören, und am nächsten Vormittag geht's dann mit einer frischen Drei-Tages-Wetterprognose, die uns Thomas Schmidgen noch mit auf den Weg gibt, endlich raus Richtung Madeira.
Ein für diese Gegend und Jahreszeit außergewöhnlicher und moderater Südostwind bringt uns flott auf Kurs und geht - viel früher als erwartet - noch in Sichtweite der Küste in einen anständigen Nord-Nord-Ost über. Flotte Fahrt bis zum Nachmittag des nächsten Tages, an dem der Wind erst nachlässt und schließlich ganz einschläft. Nach knapp 5 Stunden Fahrt unter Maschine und kurz vor Sonnenuntergang stellt der Motor, ein 4 Zylinder Thornycroft, ohne jede Vorankündigung seinen Dienst ein und lässt sich auch durch sofortige Reanimationsversuche in Gestalt neuer Filter, Entlüftung und gutem Zureden nicht mehr in Schwung bringen. Vorläufige Diagnose: Einspritzpumpe defekt. Also: Segeln pur, Energiesparen und Zeitplanung revidieren.
Die Schwachwind - bzw. Flautenphase hält fast zwei Tage und Nächte an. Im wesentlichen schiebt uns der Portugalstrom mit knapp einem Knoten in Richtung Madeira. Wir erreichen - jeden Hauch bestmöglich ausnutzend - nervenzermürbende Etmale von 30 - 40 sm bis sich der ersehnte Nordostwind ganz allmählich wieder stabilisiert. Am sechsten Tag der Überfahrt kommt gegen Mitternacht das Leuchtfeuer von Porto Santo in Sicht und um 4 Uhr morgens fällt der Anker in einiger Entfernung von der Gaspipeline einerseits und der Hafeneinfahrt andererseits. Die Einklarierung am nächsten Morgen verläuft zügig und problemlos. Vom ausgesprochen professionell wirkenden Service der Marinaverwaltung und netten Ambiente im Hafen sind wir positiv überrascht. Umgehend ist für den nächsten Tag ein Schleppdienst für unsere motorlose Yacht und ein Mechaniker organisiert.
 Marina Poto Santo - Anlegen ohne Motor, aber mit vielen hilfsbereiten Händen
Ein Kontakt mit dem dortigen TO-Stützpunktleiter, dem der Ruf vorauseilt, jede ankommende deutsche TO-Yacht stets unaufgefordert zu besuchen und auf der landschaftlich reizvollen Insel zu begrüßen, kommt allerdings trotz mehrmaliger Versuche während unseres viertägigen Aufenthalts nicht zustande. Als der Mechaniker unsere Fehlerdiagnose zwar bestätigt, aber sich zu einer Reparatur selbst nicht in der Lage sieht, beschließen wir, eine komplett neue Einspritzpumpe über die Fa. Lienkämper in Norddeutschland beim englischen Hersteller zu ordern und auf dem schnellst möglichen Weg zum Einbau nach Funchal/Madeira schicken zu lassen.
Da uns die Marina in Porto Santo keinen Mechaniker in Funchal nennen kann, versuchen wir es - leider auch vergeblich - über den dortigen TO Stützpunktleiter; Herr Bubeck ist jedoch tagelang nicht telefonisch erreichbar und hat sich bis heute nicht auf unsere dringende Bitte um Rückruf gemeldet. Als wir den Platz in der Marina Porto Santo wegen einer Regatta über's Wochenende freimachen sollen, nehmen wir dies zum Anlass, uns statt dessen vom Steg wegschleppen zu lassen und nach Funchal zu segeln. Nachdem man uns für den guten, aber in der Summe doch unaufwändigen Schleppdienst mit dem Marinaboot um 220 Euro (!)(outside - in und inside the marina) erleichtert und vor den katastrophalen Liegeplatzbedingungen in Funchal (kein Platz, riesige Päckchen, kein Schleppdienst, laut, schlechte Ankermöglichkeiten vor dem Hafen etc.) eingehend gewarnt hat, machen wir uns dennoch auf den ca. 45 sm kurzen Tagestörn. Als uns ca. 2 sm vor der Hafeneinfahrt von Funchal in der Landabdeckung der Wind völlig im Stich lässt, und der Versuch, uns mit dem eigenen Beiboot und AB das letzte Stück zu schleppen, aufgrund des kabbeligen Wassers kläglich scheitert, erbarmt sich eine hereinkommende französische Yacht und nimmt uns ohne Umschweife "auf den Haken".
Mit ihrer Hilfe gleiten wir schließlich ohne Crash in das uns zugewiesene Päckchen. In der Tat, die Marina ist klein, eng und sehr voll, darüber hinaus Tag und Nacht von einer stark touristisch geprägten Geräuschkulisse eingelullt. Dafür sind die Preise im Vergleich zum ungleich komfortableren Porto Santo heftig und u.E. keineswegs gerechtfertigt: 35,30 €/Tag.
 Päckchen-Dschungel in der Marina Funchal
Das herbeigesehnte Ersatzteil trifft und trifft nicht ein, das verbleibende Zeitkontingent schwindet und es kommt die unangenehme Befürchtung auf, das Schiff angesichts des nahenden Urlaubsendes nicht in der bereits reservierten neuen, im Juni eröffneten Marina Rubicon/Lanzarote, sondern in diesem unwirtlichen Hafen zurücklassen zu müssen. Per Mietwagen machen wir uns auf, dem Gerücht nachzugehen, es gäbe einige Kilometer östlich von Funchal eine nagelneue und leere Marina. Wir finden das ominöse Projekt in der Nähe von Canical tatsächlich bzw., wie es die einzige anwesende, amerikanische Crew in der ansonsten fast schiffs- und menschenleeren "Baustelle" ausdrückt: in the middle of nowhere.
 Madeira, neue Marina bei Canical, "in der Mitte von Nirgendwo"
Außer einem kleinen Restaurant oberhalb der Marina, unmittelbar vor einer bewachten Absperrung gelegen, wo man versucht, potenziellen Strandbesuchern 5 Euro für den Zugang abzuknöpfen, gibt es hier weit und breit keinerlei Infrastruktur und Versorgungsmöglichkeiten. Eine Busfahrt nach Funchal nimmt inkl. Fußmarsch einen kompletten Tag in Anspruch. Im Restaurant gibt's die Preislisten der Marina und Infomaterial zu den ehrgeizigen Ausbauplänen der Anlage zu einem riesigen Luxusressort. Dafür müssen aber zunächst noch in großem Stil Felsen gesprengt werden und jahrelange Bauarbeiten durchgeführt werden. Das Ganze soll wohl über die von Funchal genervten Yachties finanziert werden. Ohne Strom und Wasser verlangt man von einem Boot unserer Größe 38 Euro pro Tag. Unter Berücksichtigung aller Rabatte soll ein Jahresliegeplatz über 6000 Euro kosten! Unter diesen Voraussetzungen fällt der Entschluss, auf Madeira nicht länger zu verweilen, so schnell wie möglich nach Lanzarote zu segeln, und die - natürlich immer noch nicht eingetroffene - Einspritzpumpe dorthin umzudirigieren. Inzwischen ist das Ersatzteil uns immerhin ein Stückchen nähergekommen. Frau Lienkämper hat über den Hersteller einen Händler in den Niederlanden aufgetrieben, der das passende Teil auf Lager hat und erklärt sich gerne bereit, es dort persönlich mit ihrem Auto abzuholen, um es dann per Spedition als Luftfracht nach Lanzarote befördern zu lassen.
Wir erinnern uns an die Mitteilung im letzten TO-Heft (Nr. 101, Juli 2003), dass es auf Lanzarote nun ab sofort einen neuen Stützpunktleiter gibt, der sein eigenes Boot in der Marina Rubicon liegen hat, rufen ihn umgehend an, um ihm unser Problem und unsere Planung zu schildern. Erhard Granicky empfiehlt uns, die Lieferung am besten gleich an ihn zu adressieren, denn er erwartet einen Freund aus Deutschland, Henning Krützkamp, der in der Marina einen Yachtservice aufmachen will und sich auch gut mit Dieselmotoren auskenne und bietet uns an, uns bei unserer Ankunft in Lanzarote aufzupicken und in den Hafen zu schleppen. Der Wind sei aktuell und in den nächsten Tagen optimal: NE 15 -25 Knoten.
Am Morgen des nächsten Tages bugsiert uns die englische Yacht "Imagine" problemlos aus der überfüllten Marina Funchal, der Wind setzt ein und ab geht es vorbei an der vorgelagerten Inselgruppe Desertas in Richtung Lanzarote. Wiederum mitten in der Nacht kommt nach knapp zwei Tagen auf See Land in Sicht, gegen 4 Uhr morgens schiebt uns eine heftige Dünung durch die Passage zwischen Lanzarote und Fuerteventura und um 6 Uhr fällt der Anker vor der Marina Rubicon. Gegen 10 Uhr informieren wir Erhard Granicky telefonisch über unseren Standort und eine halbe Stunde später hängen wir im Schlepp seiner Contessa 33, kurze Zeit später sind die Leinen am Wartekai der perfekt geschützten Marina fest.
 Die neue Marina Rubicon auf Lanzarote, 28°51 Min, 5 N - 13°49 Min. W
Nach einem netten Empfang und unbürokratischer Abwicklung der Einklarierung durch Karin und Sabine im Hafenbüro erfahren wir, dass es wohl auf der ganzen Insel zur Zeit kein freies Mietauto mehr gibt, mit dem wir das inzwischen am Flughafen Arrecife eingetroffene Ersatzteil abholen könnten. "Alles kein Problem" - Erhard fährt mich mit seinem Auto zum Flughafen und will mir dort auch bei der Beschaffung von Rückflügen nach Deutschland behilflich sein. Der Versuch, an die nun tatsächlich eingetroffene Einspritzpumpe dranzukommen, entwickelt sich zu einer unerwarteten und unvorstellbaren Odyssee im bürokratischen Dschungel. Um es kurz zu machen: Nach gut einstündiger Recherche am Flughafen wissen wir, dass das Ersatzteil tags zuvor eingetroffen ist, in der Cargo-Halle (altes Flughafengebäude) lagert, wegen eines fehlenden Stempels auf den Begleitunterlagen aber nicht ausgehändigt werden kann, und deshalb die Einbeziehung eines Agenten für Zollabfertigungen unabdingbar sei. Ohne die tatkräftige Unterstützung, die reibungslos hergestellten Kontakte, die aufbauenden Worte und Herumfahrerei von Erhard Granicky wäre ich nicht nur verzweifelt, sondern wahrscheinlich auch heute noch vergeblich unterwegs. Am nächsten Vormittag hat die eingeschaltete Mitarbeiterin der internationalen Container Transportgesellschaft TRINI den von der Lufthansa verschlampten Stempel beschafft und nach Zahlung von Zoll, Steuern, Gebühren und Frachtkosten in Höhe von mehr als 100 Euro steht einer (unfreundlichen und zeitraubenden) Aushändigung der Einspritzpumpe am Cargo-Schalter nun nichts mehr im Wege. Henning, seit Tagen nun schon auf die Auslieferung seines Containers mit allen Utensilien für seinen Yachtservice wartend, wird die Reparatur an Maschine und Rigg in unserer Abwesenheit übernehmen.
 Karte gross
Dass wir in den verbliebenen Stunden auf Lanzarote ganz nebenbei von Erhard einen Einführungskurs in Sachen Selbststeuerungsanlagen und von seiner Frau die komplette Bordwäsche gewaschen bekamen und dass sie beide "natürlich" für Ihren Aufwand keinerlei Entschädigung annehmen wollten, konnten wir nur deshalb ohne ein bleibendes schlechtes Gewissen verarbeiten, weil uns ihre Motivation für das ehrenamtliche Engagement bei TO sehr beeindruckt und überzeugt hat: Auf ihren eigenen Segelreisen seien sie sehr oft auf Gedeih und Verderb auf die uneigennützige Hilfe von anderen angewiesen gewesen, ohne dies jeweils im direkten Kontakt wieder gutmachen zu können. Deshalb legen sie heute großen Wert darauf, einen Teil dessen anderen Segelfreunden wieder zurückzugeben. Ohne die vielfältige TO-Unterstützung, die wir erfahren haben, wäre diese Reise als Urlaubstörn mit naturgemäß begrenzter Zeit gar nicht machbar gewesen. Außerdem wären wir gewiss nicht in dem Bewusstsein nach Hause gekommen, einen interessanten, erlebnisreichen und auch erholsamen Atlantiktörn (fast) ohne jegliche Motorunterstützung erlebt und genossen zu haben.
Akita haben wir jetzt gerne und sorgenfrei in der Marina Rubicon für eine Weile zurückgelassen. Die noch im Ausbau befindliche Anlage macht in jeder Hinsicht einen guten und professionell geführten Eindruck, gehört sicherlich zu den am besten geschützten und ausgestatteten Marinas auf den Kanaren und das bei (noch?) moderaten Preisen (2.100 Euro für ein halbes Jahr, alles inkl.).
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