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AUSTRALIEN- GREAT BARRIER REEF.

von Timm Pfeiffer, SY Sonnenschein
E-Mail: Pfeiffertimm@hotmail.com

Nach langer Zeit möchten wir mal wieder ein bisschen von unserer Reise erzählen. Wir befinden uns auf unserem Weg nach Hause z. Zt . im GREAT BARRIERRIFF, dem grössten Riff der Erde ,das sich über eine Länge von über 2000km an der NO-seite Australiens befindet und sich etwa vom Cape Capricorn bis nach Papaneuginea erstreckt.

Das Ausmass des Riffs ist unfassbar und kann ohne Übertreibung zu dem grössten Naturwundern der Erde gezählt werden. Tausende kleiner Inseln und Riffe reihen sich aneinander. Milliarden von Korallen, Mikroorganismen, Fischen , Muscheln, Quallen usw. bestimmen das Leben dieses Riffs.1983 hat die Australische Regierung das Riff zum Naturschutzpark erklärt und nur wenige Inseln dürfen von Touristen betreten werden. Dennoch kommen schon jetzt jährlich fast 1 Millionen Menschen , um dieses Wunder der Natur zu erleben. Ihre Zahl steigt rapide fast ebenso wie die Gefahren für das Riff ,die sich aus der durchfahrenden Großschifffahrt, den Phosphatzuflüssen durch die Landwirtschaft, insbesondere den Zuckerrohranpflanzungen, Klimaveränderungen, E-Ninoauswirkungen , den Tourismus usw ergeben. Natürlich gehören auch die massive zunehmenden Segler zu den umweltbelastenden Faktoren. Der Eindruck der Riffs auf uns ist allerdings so gewaltig, dass wir nichts, aber auch nichts über Bord werfen.

Durch dieses Great Barrierriff sind wir von der SONNENSCHEIN von Süden nach Norden gesegelt, vom Cape Capricon, dem Kap des Widders(23 S) bis zum Cape York (10 S).

Fast in der Mitte des ca 2000 km langen Greatbarrierriffs liegen die oben erwähnten Riffe, die für die Geschichte Australiens und der Seefahrt eine grosse Bedeutung erreichten. Herrliche Tradewinds treiben uns vorwärts. Nur ein unzeitgemäßer Cyclon (TC GINA 5-8 Juni 03) stoppte unsere Reise kurzzeitig in Cairns , ohne jedoch Unseren Weg zu kreuzen. Der TC zog über Neukaledonien und Vanuatu ab.

Die Riffe Pickersgill und Endevour befinden sich nördlich des CAPE TRIBULATION (Cap der Leidens)auf 15Grad 51 S und 145 Grad34 O bzw. auf 15 47 S und 145 35 O. Als CAPTAIN JAMES COOK vor 233 Jahren das Great Barrier Riff durchsegelte- nicht ahnend ,was ihn hier erwartete ,welche Ausdehnung das riff hatte und nicht wissend ,ob er innerhalb oder ausserhalb des Riffs war , wäre es an diesen Riffen fast zu einem Desaster gekommen und hätte die Weltgeschichte bei Verlust Von Mannschaft und Unterlagen vermutlich einen anderen Verlauf genommen. Seekarten gab es damals für diese Region noch nicht. Es war schon abends als COOK 1770 mit seiner ENDEVOUR die Hope Islands sichtete und dieser Gefahr vor der heraufkommenden Dunkelheit entgehen wollte.

In seinen Logbuch heisst es :"At this time we shortened sail and hauled off east north east and north east by east close upon the wind for it was my design to stretch off all night as well as avoid the danger we saw ahead " (hope islets).

Kurz nachdem Cook dies schrieb, wurde plötzlich Flachwasseralarm vom ausguckendem Offizier gegeben .Heute ist anzunehmen, dass sich das Boot zu dieser Zeit über dem Ausläufer des Pickergill Reefs befunden hat ,aber keine Grundberührung hatte. Danach wurde es wieder tiefer , man fühlte sich sicher und die Offiziere begaben sich zu Bett.

Zitat: "but meeting at the next cast of the lead with deep water again we concluded we had gone over the tail of the shoal which had been seen at sunset and that all danger was past: before ten we had twenty and one fathoms and this depth continuing the gentlemen left the deck in great tranquillity and went to bed"

Die Ruhe sollte nicht lange anhalten, als dann die ENDEVOUR auf das nur wenige Meilen nördlich vom Pickergillreef gelegene, heutige Endavourriff auflief und zunächst nicht wieder frei kam. Capt.Cook liess das Schiff darauf leichtern , in dem er alles nur möglich von Bord schaffte bzw. versenkte. So gelang es Cpt.Cook mit seinen Offizieren schliesslich , das inzwischen schwer beschädigte Boot wieder frei zu bekommen . Anschliessend segelte er mit einen Beiboot zu der nahe gelegenen Insel LIZARD, der er wegen der dort gefundenen Eidechsen ihren heutigen Namen gab.

Von dem 359m hohen Ausguck der Insel erspähte COOK eine Passage durch das Riff und führte hier später das angeschlagene Schiff aus dem Barrierriff heraus, nicht jedoch ohne weitere Probleme mit Riffen zubekommen . Von entscheidender Bedeutung für die Geschichte Australiens, Englands und der Seefahrt war jedoch, dass er seine Rückkehr nach England fortsetzen und alle seine Informationen, Unterlagen, Seekartenaufzeichnungen usw. der Englischen Krone übergeben konnte. Die Empfehlungen von JAMES COOK führten dann in den folgenden Jahrzehnten zur Besiedlung und Eroberung Australiens durch die Engländer. Wer weiss ,wie die Geschichte Australiens ausgesehen hätte, wenn diese Informationen nicht nach England gelangt wären! ? Frankreich hatte den Pacific schon weitgehend erobert und es hätte sich nicht viel gefehlt und Australien wäre französisch auch geworden. Sehr vieles hätte in diesem Fall auf der Erde anders ausgesehen . Bestimmt wäre den Australiern die englische erspart geblieben und wir Segler würden heute anstelle von Fish and Chips die schönen Baguettes mit Käse usw. essen. .....

In Lizard Island jedenfalls , dessen hohen Berg wir bestiegen und wo wir versuchten , die Durchlässe durch das Barrierriff zu erspähen, wird man überall durch Erinnerungstafeln an die Tage des grossen Seefahrers James Cook erinnert. Wem es- wie uns- vergönnt sein sollte ,auch einmal hierher zu kommen und die Höhe von 359 m bei glühender Hitze zu erklimmen, der sollte sich etwas zu trinken mitnehmen und sich dort oben in das Visitorsbook eintragen .

Wir selbst hoffen, mit der Hilfe moderner Navigationsmittel sicherer durch die Riffe zum Cape York ,nach Thursday-Island und Darwin zu kommen als es den Seefahrern der Vergangenheit möglich war. Es gilt aber auch heute noch die Regel, hier im Riff nicht bei Nacht zu Segeln.

Es grüssen Segler und Freunde zuhause und auf grosser Fahrt Ingrid und Timm Pfeiffer von der SY SONNENSCHEIN .

PS:Das Original des Logbuches der Endevourreise findet man in der Nationallibary in Canberra.Es wird dort nur 1x/Woche nach Voranmeldung gezeigt. Bilder können wir z.ZT. nicht schicken, da unsere Kamera defekt ist und da keinen Internetzugang haben. Vielleicht gelingt uns das von Darwin.



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Letzte Änderung / Last change: Donnerstag, 10. Juli 2003