Schon die Babys haben Bauchschmerzen, meistens dann, wenn sie noch kein "Bäuerchen gemacht haben. Oft sind es Blähungen, die die Kinder schreien lassen. Erfahrene Mütter wissen sich - und den Kleinen - zu helfen. Reiben des Bauches oder eine Wärmflasche wirken oft Wunder. Doch wie hilft man sich an Bord? Unser Mitglied Dr. Meinhardt Kohfahl hat die Antwort.
Auch die Heranwachsenden und die Erwachsenen plagen sich mit "Bauchweh", jetzt als "Magenschmerzen". Die Klassenarbeiten verursachen "Muffensausen". Der Teenager findet die Schule oder seinen Meister "zum Kotzen". Probleme liegen "auf dem Magen". Und vor kritischen Situationen haben wir möglicherweise "die Hosen voll", z.B. durch Angst vor der ersten Nachtfahrt oder vor der Seekrankheit. Nur beim Anblick des anderen Geschlechtes fühlt er "Schmetterlinge im Bauch".
Die Psyche spielt also eine große Rolle bei der Auslösung von Magen-Darm-Beschwerden. Wer es heute nicht mit der Psyche hat, gilt leicht als rückständig oder gar gefühlsarm. So sind wir leicht geneigt, Schmerzen im Bereich des Leibes als seelisch bedingt abzutun.
Streicheln der Seele oder des Bauches und eine Wärmflasche tun manchmal Wunder. Aber möglicherweise ist doch ein körperliches Leiden die Ursache für das "Bauchweh". Im Zweifelsfalle geht man doch besser zu seinem Arzt. Der runzelt die Stirn und drückt auf den Bauch. Eine ärztliche Grundregel besagt nämlich, dass man jeden schmerzenden Bauch abzutasten hat. Der denkt dabei zunächst an den sogenannten "akuten Bauch", das "akute Abdomen", wie es in der medizinischen Fachsprache heißt, ehe er psychisch ausgelöste Beschwerden diagnostiziert.
Ernste Ursachen für das "akute Abdomen" gibt es genug, z.B.
- örtliche entzündliche Prozesse, wie
- eine Bauchfellentzündung
- eine Blinddarmentzündung
- eine Gallenblasenentzündung oder
- eine allgemeine Darminfektion (Salmonellen, Typhus, Cholera)
- einen Darmverschluss durch
- Darmverschlingungen oder
- Einen eingeklemmten Leistenbruch
- Verwachsungen nach früheren Operationen
- Erkrankungen des Magens
- Als Magenschleimhautentzündung nach der Party am Vorabend
- Bei einem Magengeschwür, das durchbrechen oder bluten kann,
- Erkrankungen des Gallenblase durch Steine oder eine Vereiterung,
- Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse,
- Erkrankungen der inneren weiblichen Organe, wie
- Eierstocksentzündungen oder
- Eileiterschwangerschaften
- Harnleitersteine
- Erkrankungen von Organen im Brustkorb, deren Schmerzen in den Bauch ausstrahlen, wie z.B. ein Herzinfarkt oder eine Lungenentzündung
Alle ernsteren Erkrankungen hiervon können innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden. Bauchschmerzen sind ein ernst zu nehmendes Symptom!
Vor jedem Auslaufen ist deshalb eine diagnostische Abklärung durch einen Arzt unbedingt erforderlich; besonders wenn feststeht, dass nicht innerhalb von wenigen Stunden ein Krankenhaus erreicht werden kann.
Aber zunächst die Erste Hilfe:
- flache Rückenlagerung mit leicht angezogenen Knien,
- Knie und Kopf unterpolstern,
- Nichts zum Essen oder zum Trinken geben, bestenfalls Lippen anfeuchten,
- Keine äußerlichen Wärmeanwendungen,
- Von sich aus keine Schmerzmittel geben, denn sie könnten eine Besserung vortäuschen und damit das Krankheitsbild verschleiern,
- Schmerzmittel nur auf ärztliche Anweisung (funkärztliche Beratung, z.B. durch Stadtkrankenhaus Cuxhaven, Tel.: 04721-780)
- Spuckschale und Zellstoff bereithalten.
Ist eine Vorstellung beim Arzt nicht möglich, ist zumindest eine funkärztliche - oder telefonische - ärztliche Beratung anzustreben. Der Arzt braucht diagnostische Hinweise durch Befunde, die auch ein medizinischer Laie erheben kann, durch
Erheben der Vorgeschichte mit Fragen nach früheren Erkrankungen mit Leibschmerzen,
- Beginn der Schmerzen,
- Bereich der Schmerzen,
- Art der Schmerzen (Dauerschmerz, Koliken, Ort des Schmerzes, Schmerz bei Nahrungsaufnahme, Ausstrahlungen),
- Erbrechen (Aussehen)
- Stuhlgang (wann zuletzt, Aussehen)
- Erheben von Befunden, wie
- Temperaturen (gemessen im Darm und unter der Achselhöhle)
- Betrachten der Zunge (Belag, feucht oder trocken),
- Atemgeruch (faulig, säuerlich),
- Druckschmerz (Ort, Stärke, beim Loslassen),
- Puls,
- weitere Auffälligkeiten.
Ist auch keine telefonische Beratung durch einen Arzt möglich, muss umgehend der nächste Hafen angelaufen werden, in dem eine ärztliche Diagnostik und Versorgung möglich sein wird.
Ungezielte Behandlungsversuche sind wie eine Nachtfahrt in unbekannten Gewässern, ohne genauen Schiffsort und ohne Seekarten.
Bis dahin sind als weitere Behandlung Antibiotika zu verabreichen. Weiterhin keine Nahrung zuführen, keine Wärme auf den Bauch, Flüssigkeit (Mineralwasser ohne Kohlensäure) nur schluckweise gegen den Durst.
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