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Reise Borneo + Singapore (Indonesien), Hilfsbereitschaft auf See

von Werner Liebl, SJ "Damischa Ridda"
E-Mail: werner.liebl@t-online.de

Anfang September waren wir mit unserer Amel-Sharki "Damischa Ridda" in Kalimantan (Borneo), um von Kumai aus den Nationalpark zu besuchen, wo wir nach 6 Stunden Bootsfahrt die Rangerstationen für die Betreuung der dort angesiedelten renaturierten Orang Utans besuchten.

Ein großartiges Erlebnis. Jedem Segler zu empfehlen, der durch das Südchinesische Meer von Bali Richtung Singapur bzw. Phuket geht. Am 09. September lichteten wir in Kumai wieder den Anker. Nach einer Nachtfahrt erreichten wir die Insel Bawal.

Nach einem Ruhetag vor Anker segelten wir weiter nordwärts. Wir waren in der Äquatorgegend. Es herrschte häufig Windstille und wir mussten oft motoren. Bald fiel mir auf, dass sich der Öldruck immer langsamer aufbaute. Ich brachte es mit zu dickem Öl in Verbindung und machte Ölwechsel auf See. Bei den nächsten Anlassversuchen war wieder alles o.k. Dann tauchte das Problem wieder auf. Sehr beunruhigt erreichten wir nach einer weiteren Nachtfahrt die nächste Insel Serutu. Wir waren über den Äquator auf die Nordhalbkugel gesegelt, also schon fast zu Hause. In Serutu wollten wir wieder einen Ruhetag verbringen. Als wir am ersten Abend den Motor starten wollten, um den Kühlschrankkompressor zu betreiben, kam außer einem Klackgeräusch keinerlei Reaktion. Uns fiel das Herz in die Hose. Nach den üblichen Tricks: klopfen auf den Anlasserknopf, überbrücken von Minus- und Pluspol mit Schraubenzieher, keinerlei Reaktion. Wütend stieg ich ins Cockpit und schüttete ein kühles Bier in mich hinein. Nach einer halben Stunde sagte ich zu Karin: Jetzt versuche ich es ein letztes mal. Ich steckte den Schlüssel ins Zündschloss, drehte um, und der Motor sprang an. Wir waren beide erleichtert. Am nächsten Morgen wollten wir ablegen, weiter nach Norden zu den nördlichsten Inseln Indonesiens, gegenüber Singapur:

Bintam und Batam.
Einige amerikanische Segler, die mit uns in der Bucht lagen, verließen die Insel bereits. David von der "Swan II" fragte uns im vorbeifahren, ob alles bei uns in Ordnung sei. Wir bejahten. Bevor wir den Anker hoch holten wollte ich sicherheitshalber noch mal den Motor checken. Er sprang wieder nicht an. Auch die ganze Prozedur vom Vortag half nichts. Dieser Eisenklotz gab keinen Mucks mehr von sich außer "Klack". So, nun waren wir allein in der Bucht einer einsamen Insel im südchinesischen Meer, die nächste größere Reparaturmöglichkeit war in Singapur, 500 sm entfernt. Mit einem Segelboot eigentlich kein Problem. Wenn man Wind hat. Leider ist Wind in dieser Gegend Mangelware. Deprimiert saßen wir im Cockpit und pflegten unseren Frust. Nachdem wir allein in Australien für die Wartungsarbeiten und notwendigen Reparaturen an die 5.000,00 EUR aufgewendet hatten, uns dort der Mechaniker versicherte in dem derzeitigen Zustand des Motors kämen wir ohne weitere Schwierigkeiten nach Europa, nun dies. Wir schworen uns, das Schiff bei nächster Gelegenheit zu verkaufen und nach Hause zu fliegen. Aber zunächst saßen wir in Serutu fest. Kein Flughafen und kein Schiffsbroker weit und breit. Am Abend näherte sich ein einsames Segelboot und lief in die Bucht ein. Nun waren wir wenigstens schon nicht mehr allein. Am nächsten Morgen ankerte ein Patrouillenboot der indonesischen Wasserpolizei in unserer Nähe. Ich rief über Funk, ob sie einen Mechaniker an Bord hätten. Sie bejahten. Kurz darauf setzte das Beiboot der Polizei mit ca. 7 Besatzungsmitgliedern zu uns über. Gleichzeitig kam ein Dingi von der Segeljacht mit zwei Mann bei uns an.

Der Eigner der Segelyacht "Libelle" stellte sich als Australier namens Tim vor. Sein Mitsegler war ein junger Deutscher, der in Bali spontan seinen Urlaub verlängerte, weil er mit Tim bis Singapur mitsegeln konnte. Andreas war aus Bad Aibling. Er war Automechaniker bei einer Fiatwerkstatt in Bruckmühl.

Unsere Freude war natürlich riesig, hofften wir doch, unser Problem durch unseren bayerischen Landsmann gelöst zu bekommen. Zunächst setzte nun fast ein Wettbewerb zwischen der Polizeibootbesatzung und der "Libelle"-Besatzung ein, was denn nun los sei. Für die Polizisten stand fest: Batterie. Sie bauten ihre Batterie aus, schlossen an unseren Starter an, wir drehten den Starterschlüssel um: NICHTS, nur KLACK. Inzwischen berieten sich Andreas und Tim über die möglichen Ursachen. Beide arbeiteten an die 10 Stunden, nahmen fast alles auseinander, was mit den vorhandenen Werkzeugen möglich war. Das traurige Resultat, Andreas diagnostizierte: Wahrscheinlich Kurbelwellenlager defekt (konnte nicht eingesehen werden), oder Nockenwelle defekt, oder Wasser im Zylinder. Eine Reparatur vor Ort unmöglich. Die Polizeibesatzung verabschiedete sich. Sie blieben noch zwei Tage mit uns in Funkverbindung. Sehr nette und hilfsbereite Polizisten. Etwas ungewohnt für Deutsche. Tim und Andreas legten am nächsten Morgen ab, Andreas musste seinen Flieger in Singapur erreichen. Wir waren allein, wieder allein!

Über eine Funkfrequenz gab ich auf dem Netz für Südostasien unser Problem bekannt. Der überaus freundliche Funker, der normalerweise über die Wettersituation berät, teilte uns mit, dass aus Borneo ca. 9 Schiffe im Anmarsch seien. Wir könnten daher auf Beistand hoffen. Tatsächlich traf einen Tag später die erste Jacht ein. Ein amerikanisches Boot. Kurz darauf ein Australier. Ich fuhr gleich zum Amerikaner und fragte, ob sie eventuell ein Ladeaggregat an Bord hätten, unsere Batterien waren schon so schwach, dass wir bald keine Positionslaternen mehr anmachen konnten. Noch schlimmer war, dass wir dann auch die Funkgeräte nicht mehr hätten betreiben können. Welche Freude: Der Amerikaner schickte uns zu dem Australier, der ein benzinbetriebenes kleines Ladegerät von Honda an Bord hatte, und uns sofort für die zwei Tage, die er in der Bucht blieb, zur Verfügung stellte. Ein Lichtblick!

Nicht viel später kamen weitere Boote an. Darunter auch Jim und Caroline, zwei Amerikaner, mit ihrer "Perky" und Randy und Laura, zwei Kanadier, mit "Poleanpass". Wir kannten sie schon von Darwin und Bali. Jim kam sofort, kaum hatte er seinen Anker unten, mit seinem Dingi zu uns, was denn los sei. Er bot uns an, uns bis Singapur ins Schlepp zu nehmen, wenn kein segelbarer Wind sei. 500 sm!!! Wir waren gerührt und erleichtert. Als wir zwei Tage später ablegten, kamen Jim und Randy mit dem Beiboot zu uns und holten per Hand 40 m Ankerkette samt Anker hoch. Schwerarbeit! Vielleicht hatten sie Mitleid mit mir altem Mann. Mit Karin sowieso. Diese Prozedur wiederholte sich an allen Ankerplätzen bis Singapur mit wechselnden "Ankeraufholmannschaften". Jim bekam es mit dem Kreuz zu tun. Ab da sprang Charly von der "Acrobat" ein. Ich konnte unter Segel ablegen.

Ziel war Pejantan, eine weiter nördlich gelegene Insel. Schon mittags war der wenige Wind wieder weg. Jim kam uns entgegen unter Motor und nahm uns ins Schlepp. Um 23:00 Uhr kam etwas Wind auf. Wir trennten uns und versuchten es wieder unter Segel. Zwei Stunden später nahm uns Jim wieder an die Leine. Mittags konnten wir wieder für 3 Stunden segeln. Zum Ankerplatz nahmen uns unsere Engel wieder ins Schlepp. Um 16:00 war der Anker fest. Über Funk hörten wir, dass in einer Boe Randys Baum gebrochen war. Er konnte aber bis Pejantan segeln. Dort wollte er seinen Baum reparieren. Er hatte einen Gabelbaum aus Holz, ähnlich wie ein Windsurfer. Da das geleimte Holz erst trocken werden musste, blieben wir 2 Tage am Ankerplatz. Mit uns waren außer den beiden erwähnten Booten noch ein in Australien lebender Engländer mit seiner Frau mit seinem 10 m Boot "Acrobat" und ein englisches Ehepaar mit ihrer "Arcrival". Da wir sowohl über das Südostasiennetz, als auch über das offizielle VHF-Netz der Portcontrol von Singapur Warnungen vor Seeräuberei an der Nordostecke von Bintam hörten, beschlossen wir im Konvoi zu fahren und möglichst zu versuchen, die gefährliche Gegend bei Tag zu passieren. Dies gelang nicht.

Wir gingen nach 2 1/2 Tagen nachts um 1:30 vor einem Ressort an der Nordwestküste von Bintam vor Anker. Von Seeräubern sahen wir, Gott (oder Allah?) sei Dank, nichts. Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege: "Perky" und "Poleanpass" gingen auf die malaysische Seite nach Sebana Cove, "Arcrival" nach Singapur, wo wir ihn später in der Raffles-Marina wieder trafen. "Acrobat" nahm uns ins Schlepp bis zur Nongsa Point Marina an der Nordküste Batams. Wir wollten dort auf Schweizer Freunde warten, die uns in die Raffles-Marina in Singapur schleppen wollten.

In Nongsa bekamen wir zunächst nur die Genehmigung für 72 Stunden zu bleiben, da wir schon in Kumai ausklariert hatten und dort auch unser Cruising-Permit abgegeben hatten. Nachdem Walter, unser Schweizer Freund davon hörte, legte er mit seiner "Batida" - eine baugleiche Sharki von Amel - in Sebana Cove ab und holte uns am nächsten Tag in Nongsa ab. Zunächst wollten ihn die Behörden nicht in die Marina fahren lassen, da er ja nicht einklariert war. Nachdem sie uns aber dann zum Ankerplatz von "Batida" außerhalb der Marina hätten schleppen müssen, hatten sie es sich doch anders überlegt und er durfte uns dort aus der Marina schleppen. Die Schlepperei durch die Verkehrstrennungsgebiete der Strasse von Singapur war nicht so schwierig, als wir uns vorgestellt hatten. Es soll ja die meistbefahrene Wasserstrasse der Welt sein. Wir mussten uns schon zwischen riesigen Öltankern, Gascontainerschiffen und Frachtern durchschlängeln.

Man findet aber, wenn man aufmerksam ist, immer eine Lücke, zwischendurch zu queren. Nach 9 Stunden Schleppfahrt erreichten wir die Raffles Marina. Walter übergab uns einem Dingi aus der Marina, das uns an unseren Liegeplatz schubste. Walter ging auf die Malaysische Seite der Strasse von Johor, da er ja dort einklariert war. Als ich eine Stunde später im Marinabüro unsere Formalitäten erledigte, hörte ich auf dem Marinafunk, dass Walter um einen Liegeplatz in der Marina nachsuchte. Seine Batterien waren so schwach - obwohl er 9 Stunden unter Motor fuhr - , dass er kein Ankerlicht setzen konnte. Die Freuden eines Blauwasserseglers!

Als wir in der Marina festgemacht hatten, ließen wir die letzten Tage Revue passieren und waren uns einig, dass die freiwillig und gerne entgegengebrachte Hilfsbereitschaft der in die Sache involvierten Segler einfach überwältigend war. Es ist erfrischend in der heutigen Zeit noch solche Menschen zu treffen. Anscheinend halten die sich aber fast alle auf See auf! Unser Motor ist derzeit in der Perkins-Vertretung in Singapur. Die Betreuung und der Service hier machen einen äußerst professionellen Eindruck.

Wir können die unter dem Firmennamen "multico" registrierte Firma bestens empfehlen.
Tel. in Singapur: (65) 6863 2863, FAX (65) 6863 6819,
E-Mail: mpd@mulitcorporation.net



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Letzte Änderung / Last change: Donnerstag, 26. Februar 2004