Johannes Erdmann „Allein über den Atlantik“ Delius Klasing Verlag Bielefeld ISBN 978-3-7688-1985-5 ![]() Johannes Erdmann, nicht verwandt mit dem bekannten Wilfried Erdmann, segelt nach seinem Abitur allein mit einem betagten Segelboot über den Atlantik. Es ist der Bericht eines jungen Menschen über die Zeit zwischen Schule und Berufsausbildung, ein Abenteuer und ein Aufruf, seine Träume zu leben. Erdmann beendet seine Schilderungen mit einem Zitat von Mark Twain, der schon zu seiner Zeit dazu aufrief, das Abenteuer zu wagen und nicht im sicheren Hafen zu verweilen. Twenty years from now you will be more disappointed by the things you didn’t do than by the ones you did do. […] (in zwanzig Jahren ärgerst Du Dich über Dinge die Du nicht gemacht hast mehr als über Dinge die Du unterlassen hast.) Johannes Erdmann hat auf seiner Reise eine Menge Dinge gewagt, die vielen jungen Menschen in dieser Form vorenthalten bleiben. Er reist ganz allein über den Atlantik und verbringt Monate in der Karibik und Nordamerika, bis er wieder nach Hause fliegt, das Schiff zurücklässt und einen Schatz an Erfahrungen und Eindrücken mit nimmt. Für mich war es eine neue aber doch vertraute Welt, in die mich der Autor entführte. Neu, weil ich bisher so gut wie nichts über das Segeln wusste und bisher in meinem Leben noch nie gesegelt bin. Vertraut, weil das Allein-Reisen auch für mich einige Zeit in meinem Leben bestimmt hat. In den Erfahrungen kann jeder junge und junggebliebene Mensch seine eigene Suche und seine Erfahrung mit der Einsamkeit wieder finden. Nicht nur auf dem Atlantik, sondern überall, wo Menschen von Ort zu Ort ziehen, sind die Erfahrungen von Fremdheit, Einsamkeit, Ankommen, Kontakte knüpfen sowie Abschied nehmen, verlassen und verlassen werden zu erleben. Es ist daher ein Buch, das nicht nur für Segel interessierte mit Spannung gelesen werden kann. Mir zeigte sich das Bild eines jungen Menschen, der viel Wissen und Erfahrung in der Segelei hat, im Umgang mit Fremden einerseits offen und gleichzeitig darauf bedacht ist, sein Alleinsein zu bewahren. Johannes Erdmann führte mich durch die Höhen und Tiefen seiner Atlantiküberquerung, bei der sich ihm mehr seine Ängste als die Elemente in den Weg stellten, bis in die Karibik, dem Tiefpunkt seiner Reise. Nicht nur, weil hier zahlreiche Reparaturen am Schiff erledigt werden mussten und sein Aufenthalt ungewollt verlängert wurde, sondern vor allem, weil sich an diesem Ort seine Einsamkeit offenbart und die Fremdheit, die von ihm Besitz ergreift und die er nicht loswird. So wird das erhoffte Paradies ihm eher zur Hölle, der er entflieht. Sein Wunsch nach gemeinsamem Erleben erfüllt sich für Johannes erst auf den Bahamas, als Freunde aus Deutschland ihn mehrere Wochen begleiten. Mich haben am meisten die Momente berührt, in denen Johannes wieder in seine Einsamkeit gefallen ist, da ich diese Gefühlszustände gut von eigenen Reisen ohne ständige Begleitung kenne. Für mich war es immer die Erfahrung, dass wir Menschen auf diesem Planeten gut aufgehoben sind, auch in der Fremde. Johannes scheint allerdings selbst am Ende seiner Reise darauf bedacht, isoliert zu bleiben, muss er sich doch auch auf dem Rückflug noch schützend in eine Decke hüllen, um sich vor dem zu nahen Kontakt seines Sitznachbarn zu schützen, dem er sich hilflos ausgeliefert fühlt und dem er erst entkommen kann, als dieser eingeschlafen ist. Mit diesem Bild verabschiedet sich Johannes von dem Leser. Bei mir hat es noch mal den Eindruck verstärkt, dass er auf seiner Reise eigentlich nie angekommen ist, weder bei sich, noch bei den Menschen, denen er begegnet ist. Auch als er am Ende seiner Reise einer Einladung eines Lehrers aus Atlanta folgt, der sich für sein Boot interessiert hatte, glaubt er, sich in klimatisierten Räumen aufzuhalten und Eiswürfel gekühltes Wasser zu trinken, seien „Dinge, die für alle Menschen normal sind“. Nach einer solchen Reise, sollte er um die Erfahrung reicher sein, dass eine derartige Lebensweise ein Privileg ist, wie es nur wenigen Menschen auf dieser Erde zu Teil wird. Auch seine Reise ist ein Privileg, denn nur wenige (junge) Menschen der reichen Industriestaaten haben (nach ihremSchulabschluss) 25 Tausend Euro zur Verfügung , die ihn seine Reise gekostet hat. Oliver Sauereßig , |
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