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Bericht über Jamaika und die Caymans

Gisela und Walter Mittasch, SJ "Atlantis"
E-Mail: SY-Atlantis@gmx.de

Wir hatten die Hochphase der Hurrikansaison in Spanish Waters auf Curacao geankert und als es Ende November wurde, begann es wieder zu kribbeln. Unsere Segelpläne für die nächsten Monate waren skizziert: von Curacao über Aruba nach Jamaika, Cayman Islands, Cuba und weiter zur Ostküste der USA.

Am 3. Dezember 2002 liefen wir aus Spanish Waters aus und ankerten an der Westseite von Curacao in der Knipbay . In Strandnähe gibt es einige Korallenköpfe, die an der Wasserfärbung gut zu erkennen sind. Am nächsten Morgen gingen wir die 60 sm nach Aruba an. Der Wind blies mit 20 bis 25 Knoten und bei achterlichem Kurs erreichten wir am Nachmittag Aruba .

In unserem Handbuch war die Beschreibung der Ankerplätze äußerst dürftig. Von einer befreundeten australischen Jacht hatten wir den Ratschlag erhalten, an der Westseite bei den großen Hotels zu ankern. Wir sahen, als wir uns dem Punkt annäherten, mehrere Jachten vor Anker liegen. Von der Seekarte wussten wir, dass das gesamte Gebiet sehr flach ist und rechts und links Riffe liegen. Obwohl ich bis zur Saling am Mast hoch klettere, konnte ich wegen der Flut und dem aufgewühlten Sand keine Riffe erkennen. Mit starrem Blick auf das Echolot versuchten wir uns heranzutasten, aber weit vor den ankerten Schiffen hatten wir nur noch 20 cm Wasser unter dem Kiel. Ein Segler von einer südafrikanischen Jacht kam mit seinem Beiboot zu uns herausgefahren und zeigte uns den Pass. Von der Markierungstonne mussten wir mit 90 Grad Richtung Küste laufen. Aruba ist mit Abstand die touristisch am meisten erschlossene Insel der ABC Gruppe. Alle großen, amerikanischen Ketten haben ihre Hotels dort, dazu kommen preiswertere Gästehäuser und Kreuzfahrtschiffe. Ca 500.000 Urlauber besuchen jährlich die Insel.

Wir blieben 2 Tage und dann ging es auf die 500 sm lange Passage nach Jamaika. Herb, von der "Southbound 2" hatte uns zwar keine verlockende Wetterprognose geliefert, aber Wind würden wir jedenfalls haben. Wir segelten die 500 sm in 78 Stunden bei 3 bis 4 Meter See und achterlichem Wind zwischen 25 und 30 Knoten. Aber je näher wir Jamaika kamen, desto mehr nahm der Wind ab und beim Landfall bliesen liebliche 15 kn. Wir erreichten am Abend des 10. Dezember beim letzten Büchsenlicht den Hafen von Port Antonio an der Nordostecke von Jamaika .

Wir hatten die Q-Flagge gesetzt und am nächsten Morgen gingen wir zum Einklarieren. Der Immigrationsbeamte war zufällig in der Polizeistation im Hafen anwesend und in fünf Minuten hatten wir für 60 Tage eine Aufenthaltsgenehmigung. Zu Fuß marschierten wir weiter an der Ostbucht entlang 1,5 km zum Zoll. Auch hier erfolgte eine zügige Einklarierung, so dass nur noch die Gesundheitsbehörde offen stand. Der Beamte wollte unbedingt an Bord kommen, so brachten wir ihn mit dem Beiboot auf unsere Jacht. Er beschwerte sich zunächst, dass wir die Jacht schon verlassen hätten, ohne das er an Bord gewesen wäre. Das wäre gegen die Vorschriften. Aber auch er erledigte sein Formular zügig und ohne Kosten, so dass wir nach 2 Stunden die Formalitäten abgeschlossen hatten.

Port Antonio hat zwei Buchten. Die Ostbucht, die relativ offen und ungeschützt ist und die Westbucht, die durch Navy Island absolut geschützt ist und eine hervorragende Ankermöglichkeit bietet. In der Westbucht befinden sich auch zwei Marinas, wobei sich der gesamte Hafen im Umbau befindet. Die Port Authority hat das gesamte Hafengelände einschließlich Navy Island aufgekauft und möchte Port Antonio als Jachtstützpunkt ausbauen.

Die Stadt ist direkt am Hafen und bietet alle Versorgungsmöglichkeiten bezogen auf Jamaika. Wir mussten unser Anschlussstück an den Auspuffschlauch am Motor ( Aluguss ) schweißen lassen. Ein Handwerker in der Stadt, der Schweißarbeiten durchführte, konnte das gute Stück ohne großen Aufwand schweißen.

In Jamaika erhält man, wenn man den Einklarierungshafen verlässt, ein Crusing Permit, das vom Zoll ausgestellt wird. Dieses Papier wurde uns sofort problemlos ausgestellt und wir verholten uns in die San-San Bay . Die Bay liegt 6 sm östlich von Port Antonio und ist schön für Schnorcheln, abseits von jeglichem Trubel. Die Einfahrt ist nicht betonnt und es ist gutes Licht erforderlich, um den engen Kanal zwischen den Riffen eindeutig auszumachen. Am Ankerplatz auf 4 Meter Wasser lagen wir ruhig und geschützt. Der San-San Beach gehört der San-San Assossiation, das heißt den Hauseigentümern der umliegenden Häuser. Diese zählen zur "Haute Volaute" der Welt.

Nach zwei Tagen segelten wir zurück nach Port Antonio und machten mit den öffentlichen Bussen einen Landausflug nach Kingston , der Hauptstadt von Jamaika. Durch die Vorweihnachtszeit war ein unglaublicher Einkaufstrubel in der Stadt. Alle Straßen der City waren gesäumt von fliegenden Händlern, die Kleidung, Schuhe, Hüte und sonstigen Krimskram anboten. Auch wir erledigten unsere Weihnachtseinkäufe.

Von Port Antonio segelten wir bei leichtem Wind nach ‚ Ocho Rios und ankerten dort direkt in der Bucht. Ocho Rios ist zusammen mit Montego Bay der Anlaufpunkt der Kreuzfahrtschiffe auf Jamaika. Als wir in die Bucht einliefen, lagen zwei Kreuzfahrer an der Pier, die, wie an den anderen Plätzen, auch gegen 7.00 Uhr ankommen und zwischen 17.00 und 18.00 Uhr wieder ablegen. Die Ansteuerung der Bucht Ocho Rios ist einfach. Wenn man die äußerste Boje als Ansteuerungspunkt nimmt, ist man frei vom Riff. Der größte Anziehungspunkt von Ocho Rios sind die Dunn River Falls, die ca. 3 km von der Bucht in Richtung Montego Bay liegen. Die Falls befinden sich in einem gebührenpflichtigen Park ( 10 US per Person), aber dennoch ist es ein Erlebnis vom Strand aus die Fälle hochzuklettern. Zu empfehlen ist es, erst gegen Mittag einzutreffen, da dann die Massen von den Passagieren der Kreuzfahrschiffe bereits durchgeschleust sind.

Von Ocho Rios segelten wir ca. 30 sm zur Discovery Bay , eine weite Bay mit einer gut betonnten Riffeinfahrt. Auf der rechten Seite der Bucht befindet sich eine Bauxit-Verladestation, auf der linken Seite liegt eine Coast Guard Station mit einer kleinen Pier, an der wir unser Beiboot festmachen konnten. Wir schnorchelten am Riff, aber Jamaika ist sehr überfischt, so dass nur sehr kleine Fische am Riff zu sehen waren.

Nach Discovery Bay war die nächste Station Montego Bay , die zweitgrößte Stadt Jamaikas. Die Einfahrt in die Bucht ist gut betonnt und gegenüber dem Jachtclub gibt es einen gut geschützten Ankerplatz. Es muss nur darauf geachtet werden, dass die Stege des Clubs nicht blockiert werden und dass der Manövrierkreis der Kreuzfahrtschiffe nicht eingeschränkt wird.

Der Jachtclub nimmt pro Person und Tag 5 US$, wenn Einrichtungen wie Swimmingpool, Duschen etc. genutzt werden. Wir haben nur das Restaurant genutzt. Es hatte das beste Preis- Qualitätsverhältnis für Speisen und Getränke, das wir in Jamaika vorgefunden haben. Wir verbrachten Weihnachten in Montego Bay und segelten dann weiter nach Negril . Dort ankerten wir in Bloody Bay . Negril ist das touristische Zentrum von Jamaika. An den langen Sandstränden tummeln sich die Urlauber und an Land hatten wir den Eindruck, das hier nur noch wenig von dem echten Jamaika vorhanden ist.

Insgesamt gesehen war Port Antonio der ursprünglichste Platz. Sowohl vom architektonischen als auch von den Leuten her war hier abseits vom Tourismus noch unverfälschte Lebensfreude und Freundlichkeit vorhanden. Trotz der schlechten Reputation Jamaikas bezüglich Kriminalität hatten wir niemals während unseres 6-wöchigen Aufenthalts ein mulmiges Gefühl. Wir wurden niemals bedroht, sondern im Gegenteil, stets hielten wir ein Schwätzchen über das woher und wohin und dies ohne finanzielle Hintergedanken.

Wir verließen Bloody Bay am 10 Januar 2003 und erreichten nach einer Nachtfahrt und Bruch des Bowdenzugs vom Gas zur Maschine das 120 sm entfernt liegende Cayman Brac . Die Cayman Islands sind innenpolitisch selbstständig, außen- und verteidigungspolitisch werden sie von England vertreten.

Als wir an der Küste entlang segelten, wurden wir schon von der Port Security auf Kanal 16 angerufen und über die Einklarierungsformalitäten informiert. Die Behörden sind von der Stake Bay zum The Creek , an der Nordseite der Insel, umgezogen. Dort hat man eine Pier für den Frachter errichtet, der die 1600 Einwohner versorgt. Wir sollten ebenfalls an dieser Pier anlegen, was wir jedoch wegen des Schwells und des gebrochenen Bowdenzuges ablehnten. Wir konnten die Behörden davon überzeugen, dass wir nur eingeschränkt manövrierfähig waren. Letztendlich durften wir uns an einer Boje festmachen und die Beamten mit dem Beiboot zu unserer Jacht bringen. Die Einklarierung ist kostenlos, jedoch wird für das Aussprayen des Bootes gegen eventuelle Insekten 31 US$ Gebühr erhoben.

Ein Polizeioffizier, der in seiner Freizeit Boote repariert, besorgte uns einen passenden Bowdenzug, der sofort montiert wurde. Viele Caymanianer waren Seeleute auf großer Fahrt, bevor sie wieder auf ihre Insel zurückkehrten. Auf Cayman Brac gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, deshalb wurden wir bei unserer Inselbesichtigung von jedem Auto mitgenommen, das längs des Weges kam.

Da Cayman Brac von Ost nach West verläuft, bietet es bei den vorherrschenden östlichen Winden kaum Schutz vor Wind und See. Die Caymans gelten als das schönste Tauchrevier in der Karibik, so dass dort nicht geankert werden darf. Es liegen dafür kostenfreie, solide Mooringbojen aus, an denen man festmachen kann. Wir gingen an unserer Boje ca. 1 Meter hoch und nieder. So segelten wir bereits einen Tag später nach Little Cayman und hofften an der Süd-Westseite eine ruhigere Liegemöglichkeit zu finden. Da alle Bewohner der Inseln ständig über UKW in Verbindung stehen, waren alle über unsere Pläne informiert und der Zollbeamte wusste bereits von unserer bevorstehenden Ankunft. Little Cayman liegt ebenfalls von Ost nach West und auch an der Süd-Westseite rollten wir im Schwell entsetzlich. Die Einfahrt in den Owen Sound schien uns mit unseren 2 Metern Tiefgang zu gefährlich, da es in der Einfahrt Korallenstöcke gibt, die teils bis auf 1,8 Meter unter die Wasseroberfläche reichen. Little Cayman hat nur 20 feste Einwohner. Die restlichen 140 Bewohner arbeiten saisonmäßig in den Tauchressorts. Beim Schnorcheln um unser Boot an der Mooringboje sah ich mehrere große Barakudas. Das Wasser ist kristallklar und ich konnte am Grund in 15 Meter Tiefe Einzelheiten noch deutlich ausmachen.

Wegen des unkomfortablen und offenen Ankerplatzes verließen wir Little Cayman 2 Tage später und setzten in einer Nachtfahrt mit leichtem Wind nach Grand Cayman über. Von Little Cayman nach Grand Cayman (80 sm) geht man durch internationale Gewässer, so dass wir in Little Cayman ausklarieren und in Grand Cayman wieder einklarieren mussten. Die Einklarierung auf Grand Cayman findet in Georgetown an einer Seitenpier statt, die dem Schwell ausgesetzt ist und schief ins Wasser läuft. Das Anlegen ist etwas umständlich, aber nach einem Gespräch mit der Port Security wurden uns zwei Helfer geschickt, die die Leinen annahmen. Das Einklarieren dauerte 5 Minuten und erfreulicherweise wurde uns mitgeteilt, dass wir zum Ausklarieren nicht mehr mit dem Schiff kommen müssten. Der Beamte der Port Security zeigte uns eine freie offizielle Boje, die wir ohne Kosten und so lange wir wünschten benutzen könnten.

Wir verbrachten 4 Nächte an der Boje und beobachteten das Ausbooten der Kreuzfahrtpassagiere.

Jeden Tag lagen bis zu 6 Kreuzfahrer vor Anker. Aber nachdem eine Kaltfront starken nördlichen Wind gebracht hatte, wurde es an unserer Boje sehr unangenehm schwellig, zudem gab es noch innerhalb von 9 Std. 25 cm Regen pro qm. Die Stadt war den Wassermassen nicht gewachsen und viele Shops wurden wegen Wasserschäden für ein oder zwei Tage geschlossen. Die nächste Kaltfront kündigte sich an. Wir verholten uns in den Govenors Creek im Northsound , einer total geschützten Lagune, in der sich auch die Marina befindet.

Da nur wenige privat Yachten nach den Caymans kommen, ist das Marinapersonal zu den Ankerliegern sehr freundlich und hilfsbereit. Wir packten unsere Fahrräder aus, da von der Lagune bis nach Georgetown ca. 8 km gefahren oder gelaufen werden mussten. Grand Cayman ist durch die Einnahmen vom Tourismus, Banken und Zölle eine wohlhabende Insel. Die Preise sind extrem hoch. 6 Flaschen Bier im Shop 10 Euro zum Beispiel. Dafür ist das Warenangebot das Beste der gesamten Karibik. Am 30. Januar hatten wir ein gutes Wetterfenster, um den nördlichen Kurs nach Kuba direkt anlegen zu können und verließen Grand Cayman mit dem Ziel Kuba.

Nach den schwelligen Bojenplätzen auf den Cayman Islands freuen wir uns jetzt schon auf die ruhigen Lagunen auf Kuba.



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Letzte Änderung / Last change: Montag, 28. Juli 2003