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Vermeidung von Langzeitschäden bei Ciguatera-Vergiftung möglich

Wilhelm Berkenkamp SY „Hööloplop"


Im Juli 1999 erschien in der FAZ ein Bericht über giftige karibische Speisefische und ein mögliches Gegenmittel. Unser Mitglied Wilhelm Berkenkamp „Hööloplop" informierte uns über das preiswerte und überall frei verkäufliche Medikament - Mannitol -.

Wir veröffentlichen im Folgenden den Artikel aus der FAZ.
Karibische Speisefische giftig Langanhaltende neurologische Beschwerden durch Algentoxine. Ein traditionelles Fischessen kann in der Karibik sehr leicht zu einer schweren Lebensmittelvergiftung, der Ciguatera-Vergif-tung, führen. Sie ist zwar nur selten lebensgefährlich, es treten aber sehr unangenehme und langanhaltende neurologische Beschwerden auf. Durch die Zunahme der Fernreisen werden zunehmend auch deutsche Arzte mit den Folgen dieser Erkrankung konfrontiert. Cornelia Blume von der Medizinischen Klinik der Universität Düsseldorf hat jetzt in der Zeitschrift „Medizinische Klinik" (Bd. 94, S. 45) die Symptome dieser Vergiftung beschrieben und Möglichkeiten der Behandlung vorgestellt. Ausgelöst wird die Ciguatera-Vergiftung durch tropische Speisefische, etwa den Zackenbarsch oder den Baracuda-Fisch. Diese Tiere sind mit Algen aus der Klasse der Dinoflagellaten verseucht, die Giftstoffe bilden. Die Algen befinden sich vor allem in den Eingeweiden der Tiere und sondern eine Reihe von Toxinen ab, etwa das Cigua-oder das Maitotoxin. Durch unzureichende Säuberung der Fische gelangen diese Giftstoffe dann in die Nahrungskette.

Die Ciguatera-Vergiftung hat Frau Blume bei vier Touristen beobachtet, die ihren Urlaub in der Dominikanischen Republik verbrachten. Unmittelbar nach dem Verzehr von Fischen stellten sich bei den Patienten Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche ein. Dann folgten Durchfall und Gliederschmerzen. Stunden nach dem Essen begannen die neurologischen Beschwerden. Dazu gehörten Kribbeln und Ameisenlaufen auf dem Rumpf sowie an den Armen und Beinen, Muskelkrämpfe, Juckreiz, auch auf den Schleimhäuten, psychomotorische Unruhe, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Ein Patient klagte auch über ein verändertes Temperaturempfinden. Heißes erschien ihm kalt, Kaltes heiß. Nach einigen Tagen wurden bei allen vier Patienten eine Verlangsamung der Herzfrequenz und ein Abfall des Blutdrucks festgestellt.

Diese Störungen waren allerdings nicht von langer Dauer. Anders die neurologischen Beschwerden. Sie hielten teilweise Monate an. Giftig sind die von den Fischen konsumierten Algen für den Menschen, weil sie Stoffe bilden, die die Ladungsverteilung an der Zellmembran verändern. Das führt zu einer Überregbarkeit der Nervenzellen. Es werden auch osmotische Effekte in der unmittelbaren Umgebung der Nervenbahnen beobachtet. Das erklärt die neurologischen Ausfallerscheinungen. Blutdrucksenkend wirken einige Gifte, weil sie dem Botenstoff Acetylcholin entsprechen. Er steuert das vegetative Nervensystem, über das Blutdruck und Herzfrequenz reguliert werden. Das Ausmaß der Ciguatera-Vergiftung hängt davon ab, wieviel Fisch verzehrt wird. Durch den Zuckeralkohol Mannitol läßt sich das Auftreten von Schäden verhindern, vorausgesetzt, die Behandlung beginnt innerhalb von 24 Stunden nach der Mahlzeit. Später können nur noch die Beschwerden gelindert werden, etwa durch Medikamente gegen den Juckreiz, die Schlafstörungen oder gegen die psychomotorische Unruhe. Irgendwann klingt die Vergiftung dann von selbst ab. Günstig wirkt das Mannitol vermutlich wegen seiner harntreibenden Wirkung. Die Giftstoffe werden dadurch zügig ausgeschieden. Mannitol kann offensichtlich auch die osmotischen Effekte in der Umgebung der Nervenbahnen dämpfen. Frau Blume plädiert dafür, dass Arzte Urlauber auf diese Vergiftung und die Möglichkeiten der Behandlung hinweisen.



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Letzte Änderung / Last change: Dienstag, 22. Mai 2007