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Wie kommt man von Colon/Panama am besten nach Florida hoch?

von Uda und Thomas Eulenberg S/Y November

Ob es so am besten ist, können wir nicht sagen, aber als eine Alternative auf dem "dornigen" Weg in die Staaten gibt es folgende selbst gefahrene Möglichkeit.

Von der Karibikseite Colon/Panama am Ausgang des Panama Kanals hoch nach Kuba/Florida Ist für viele Segler oft ein kniffliges Problem. Die Saison für diesen Trip ist ziemlich kurz, weil
  1. im Winter (von November bis März) auf dieser Route die gefährlichen Norder aus den USA zu erwarten sind, mit viel Wind und ziemlich kräftiger bis böser See weit runter bis an die Karibikküste Panamas. Vor allem auf den Bänken steht dann eine lebensgefährliche See. Aus Tiefen von ca. 1500 m steigt der Grund schnell auf 20 m und die Durchfahrt durch die Bänke sind teilweise knapp 15-20 Meilen breit. Bei wesentlich ruhigerem Wetter auf unserer Durchfahrt haben wir auf den Bänken schon ganz schöne Grundsee gesehen, daher kann ich mir die Szene bei mehr Wind als ausgesprochen gefährlich vorstellen.
  2. im Sommer (April bis November) nur das hurricane-sichere Fenster von April bis spätesten Juni bleibt, um den Trip zu machen. Später (Juli.September) sind zwar die Wetter und Windbedingungen günstiger, da der Passat dann mehr auf Südost dreht, aber der Trip ist doch mit 5-7 Tagen für einen normalen Monohull lang, um ein sicheres hurricanefreies Fenster zu finden. Abgesehen davon sind auch die Fluchtmöglichkeiten beim Annähern eines tropical storms/Hurricanes beschränkt. Weiterhin führt die Passage durch ein Seegebiet, das von vielen Bänken durchzogen ist und man hat dadurch auch nicht viele Freiheiten, was Kursänderungen angeht. Also muss man sich entscheiden, ob April oder Juni oder da mittendrin.
Was bedeutet das nun in der Praxis?

Je später desto günstiger, was Windrichtung und Wellenbildung auf dem ersten Teil des Trips angeht. Dazu muss man wissen, dass das südwestliche Karibikbecken vor den Küsten von West-Venezuela, Kolumbien und Panama zu den Gebieten auf der Erde gehören, in der sich eine hohe und sehr konfuse See bildet, die durch den Passat und die geografische Lage bedingt im Frühjahr bis Mai/Juni äusserst unangenehme und nicht selten gefährliche Reisebedingungen schafft, die schon manchen Booten zum Verhängnis geworden sind.

Selbst das Ablaufen vor dem Wind , von Venezuela/ABC-Inseln kommend hat es in sich, umsomehr ist ein Kurs quer zum Wind-und das ist bei der Fahrt von Panama nach Norden nun mal der Fall-unangenehm und sollte gut geplant werden.

Das nun mal genug zur "Theorie". Was sollte man in der Praxis beachten??
  1. Je weiter östlich man diese Fahrt plant, desto günstiger ist der Kurswinkel zu Wind und Wellen.
  2. Je später man startet, desto günstiger ist der jahreszeitlich bedingte Einfall des Passats, der von Frühjahr auf Herbst durch das Wandern vom Azorenhoch von NE auf SE dreht.
Daraus ergibt sich als Strategie (und gleichzeitig als ein Highlight der Karibiksegelei) ein Startpunkt auf den St. Blas Inseln. Der Trip von Colon nach St. Blas ist oft ein "Motor"Trip, aber easy, da es mehrere Ankermöglichkeiten gibt. Portobello ist ein "must" wegen der Geschichte, danach kommt Jose Pobre (?, war/ist TO-Stützpunkt) Linton, Isla Grande, Nombre de Dios (ein weiterer "Geschichts"punkt), Escribanos und Chichime oder Porvenir. Wobei Nombre de Dios und Escribanos vom Seglerischen wegen Tiefe, Riffen und Schwell nicht sehr empfehlenswert sind.
Je früher man im Jahr da ist, desto mehr profitiert man von den Schönheiten dieser Inselwelt.

Weiterhin sollte man entweder über Wetterfax/Email oder Funkrunden die Seebedingungen für den zu durchfahrenden Seeraum abfragen. Da ist NOAA als amerikanischen Wetterbehörde DIE Datenquelle. Die von NOAA herausgegebenen Fax-Bilder zeigen die Wind und Seebedingungen sehr gut an. Bedingungen unter 8 ft See (Angaben für 2002-2003) sind günstig für den Start. 9-11 ft See bedeutet eine ziemlich rauhen bis sehr rauhen Start und Trip.

Weiter muss man wohl damit rechnen, die ersten 100-200 Meilen zu Motoren bzw. Motorsegeln, da der Einfallswinkel des Passats in dem Teil der Karibik fast immer viel nördlicher ist, als in den allgemeinen jahrelangen Beobachtungen angegeben. Wenn man dann startet und der Wind sollte wirklich sehr nördlich einfallen, dann sollte man unter Motor auf den ersten Meilen soviel Ost machen, wie die See zulässt. Das hat man schnell raus, da bei Abfahrt aus den St. Blas nach spätesten zwei/drei Stunden das Seebild so einstellt, wie man es für die nächsten 24 h wohl "auf der Nase" hat.

Das hat den Vorteil:
  1. dass man die Bänke, die ja erst nach 2-3 Tagen erreicht werden, einfacher ansteuern kann, ohne gezwungen zu sein, Höhe zu schinden.
  2. dass man auf der Passage immer noch entscheiden kann, wie man Kuba ansteuert, auf der Ostseite über Jamaika oder der Westseite durch den Yucatan Channel.
Die Bänke:

Nach allem, was man liest, haben diese fischreichen Bänke (Gorda, Sueno, Seranilla, Rosalind) es bei schlechten Wetter (vor allem wohl bei Nordern) in sich. Wir sind Ende Mai/Anfang Juni da hoch gesegelt, unter sehr angenehmen Bedingungen und hatten dadurch keine Probleme, weder mit Verkehr von Fischern noch mit Seebedingungen. Der Yucatan Channel auf der Kubaseite war dafür mit "saublöder" achterlicher See unangenehm, in einem solchen Mass, dass sich unser Verstellprop fast selbstständig gemacht hätte. Alle sechs Imbus-schrauben des Untergehäuses haben sich durch diese konfuse See mit übertragenen Vibrationen auf die Prop-blätter gelöst und wir mussten notgedrungen einen Hafen in Kuba anlaufen.

Santa Lucia...den können wir nun keinem empfehlen, da der Hafenkapitän (2003) völlig unfähig ist, seinen Job zu machen. Aber das ist mehr eine Geschichte für einen Seglerabend am Ankerplatz und hat mit der Passage an sich nichts zu tun.

Der Rest ist dann ziemlich easy und für den Segler von einem schwereren Boot ein richtiges Highlight. Der Golfstrom schiebt mit einer solchen Geschwindigkeit, dass es eine helle Freude ist, die letzten Meilen nach Miami oder Key West zu machen. Wir sind dann nach Miami im Golfstrom durchgesegelt und bei Biscayne Channel eingeschwenkt Viel Verkehr in den Straits of Florida aber von Habanna kommend wegen des Schiebestroms nur ein kurzer Trip.von ca. 190 Meilen, bei 9-10 kn über Grund geht das schon schön schnell.

Fazit.
Es ist immer schwer, anderen Seglern einen Tipp zu geben oder zu raten, was für die eine oder andere Crew richtig ist, deshalb soll das hier Gesagte als Anhaltspunkt dienen. Die St.Blas-Alternative hat gegenüber der Direkt-Strecke nach San Andes/Providencia den Vorteil, mehr Seeraum zum Manövrieren zu haben.

Die Fahrt ist auf den ersten 100 Meilen sicher rauher, wenn man aus dem Panamabecken herauskommt, wird nach unserer Erfahrung das Segeln angenehmer und die Bänke, die ja doch weiter nördlich liegen, sind unter heutigen Navigationsbedingungen mit GPS und einer stabilen Wetterlage spannend zu durchfahren, aber kein wirkliches Problem. Der Start ist das A und O bei dieser Fahrt.



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Letzte Änderung / Last change: Donnerstag, 25. November 2004