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Cuba libre ???
von Helga und Wolfgang Dentzer SJ "INOUK"
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Auf dem Weg von Florida, über die Bahamas nach Jamaika liegt nun einmal Cuba. Da wir im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen in der Marina Hemmingway bei Havanna gemacht haben, wollten wir diesmal auch einen Stop an der Südküste von Cuba, in Santiago de Cuba, machen. Ca. 5 Meilen vor der Einfahrt meldeten wir uns auf Kanal 16 an und wurden gebeten in den Hafen einzulaufen und weitere Anweisungen abzuwarten. Diese sagten dann aus, daß wir ca. 50 Meter vor dem Betonpier der Marina ankern sollten um die Ankunft des Mediziners abzuwarten. Dieser traf auch bereits 4 Stunden später in Begleitung eines Assistenten bei uns ein. Nach dem Ausfüllen mehrerer Formulare und der Bezahlung von 30 US$ durften wir an der Pier festmachen. Der Assistent hat in der Zeit einen ausländischen Spion in Form einer Mücke mit dem Reagenzglas gefangen und mitgenommen. Anschliessend bekamen wir Besuch von Innenministerium (2 Mann) zur Passkontrolle und Ausstellung eines Visas (30 US $ für 2 Personen), dann kam der Hafenmeister, der das Cruising Permit für die Einfahrt in den Hafen ausstellte (10 US $ )und für die spätere Ausreise (nochmal 10 US $), zu guter letzt für diesen Tag, mittlerweile war es nach 20.00 Uhr kam der Zoll. Dieser durchsuchte das Schiff, fragte uns nach allem möglichen aus, wie Beruf, Bekannte in Cuba usw. kassierte dafür 20 US $ und versiegelte tragbare GPS und Funkgeräte zusammen mit der Signalpistole und der Signalmunition in einem Plastikbeutel mit seinem Dienstsiegel. Jetzt durften wir erst cubanischen Boden betreten und wurden vom Marinaangestellten herzlich begrüßt. Tags darauf wurde wir noch vom Veterinär, der unsere Katze begutachtete und vom Agrarministerium besucht, der unsere Lebensmittel kontrollierte. Diese Besuche kosteten nochmals 10 US$. Diese Prozedur war uns von Havanna bereits bekannt, nur hier zog sich das ganz schön in die Länge. Am Abend, wir kamen gerade von einem Stadtbummel zurück, erzählten unsere Stegnachbarn, daß hier der Zoll wohl bei jedem Betreten und Verlassen der Marina die Taschen kontrollieren würde. Erst wollten wir das nicht glauben, aber tatsächlich, meine Frau brachte am nächsten morgen unsere Wäsche an Bord, verlangte der Zoll Einblick in unsere Tasche. Meine Frau lehnte dies ab mit der Begründung, er habe unser Schiff bei der Ankunft durchsucht und werde das wieder bei der Abreise tun, in der Zwischenzeit aber hätte er in unseren Taschen nichts verloren. Kurz darauf, ich habe das vom Balkon des Marinagebäudes aus beobachtet, ging dieser Beamte ohne um Erlaubnis zu fragen und ohne Anzuklopfen auf unser Schiff. Darauf habe ich ihn sehr lautstark zum Verlassen unseres Schiffes aufgefordert und ihm anschließend deutlich zu Verstehen gegeben, daß er auf unserem Schiff bis zur Abreise nichts mehr verloren hat und auch in unseren Taschen nichts zu suchen hat. Dieses Spielchen wiederholte sich am frühen abend als wir aus der Stadt mit Lebensmitteln zurückkehrten. Etwa 2 Stunden später, es war bereits dunkel, erschien eine 8 Mann starke Delegation vom Zoll mit Suchhund bei unserem Schiff und verlangte Einlass. Ich habe dies erst mal abgelehnt, man machte mir aber klar, daß das Schiff dann an die Kette kommt und wir das Marinagelände nicht mehr verlassen dürften. Mir blieb also nichts anderes übrig als nachzugeben. Drei Stunden lang wurde unser Schiff nun durchsucht, jedes Schapp und Bodenbrett geöffnet, gefunden wurde nichts, nach was gesucht wurde, weiß ich bis jetzt noch nicht. Als dies alles vorbei war, klärt man mich über die Rechtslage auf, die dem Zoll erlaubt, wann immer er will, Taschen und Schiffe zu durchsuchen. Da ich aber 2x dies verweigert habe müsse ich jetzt eine Strafe von 200 US$ bezahlen. Man legte mir ein Schriftstück vor, in dem mein Fehlverhalten minutiös festgehalten worden ist. Bisher war ich noch relativ ruhig, jetzt aber bin ich explodiert. Ich habe den Beamten gesagt, daß ich mir das nicht bieten lasse und mich beim Ministerium für Tourismus beschweren werde. Ferner den Vorgang der deutsche Presse melden werde und wir dieses Land sofort verlassen werden. Irgendwie muß das wohl gewirkt haben, denn nach kurzer Besprechung hat man mir die Strafe erlassen und es mit einer Ermahnung gut sein lassen. Positiv bei der ganzen Angelegenheit möchte ich den Marinaangestellten erwähnen, der immer bei uns blieb, übersetzt hat und mir auch gute Ratschläge gegeben hat. Auch kam er, als die Beamten endlich weg waren, mit zwei Drinks an Bord und bat für den Zoll um Entschuldigung, aber von dem Entschluß so schnell wie möglich dieses Land zu verlassen, konnte auch er uns nicht mehr abbringen. Am nächsten Morgen, besuchte uns auch noch der Manager der Marina mit einer Flasche alten Rum und einem Wimpel der Marina als Entschuldigung für das Verhalten des Zolls. Wir warteten nun wieder 4 Stunden auf die Behörden, damit wir endlich das Land verlassen dürfen, bekamen unser Cruising Permit, bezahlten nochmals 20 US$ für den Marinaservice (neben den normalen Liegegebühren) und haben 1 Minute nach Verlassen des letzten Offiziellen von Bord, die Leinen losgeworfen und Kurs auf Jamaika genommen. Unser drei tägiger Aufenthalt in Santiago kostete somit in Summe 100 US$ und die Marinagebühren von 0,35 Cent pro Fuß Länge und Tag. Wir wollen mit diesem Bericht keinem Segler Cuba vermiesen. Aber es sollte sich jeder darüber im Klaren sein, was dort, speziell in Santiago, auf ihn zukommt. Wir lagen im Mai letzten Jahres in der Marina Hemmingway bei Havanna und können von dort nur Positives berichten. Die Behörden waren nett und freundlich, alles war schnell erledigt und niemand hat sich für unsere Taschen interessiert. Wolfgang & Helga Dentzer SJ INOUK derzeit Jamaika 18. Januar 2002 |
