Ulla und Peter Schilsky, »Nimanoa IV« Fort Myers, 27. 2. 2002
E-Mail: peterschilsky@yahoo.com
Die Beurteilung eines Landes, speziell durch die Brille des Fahrtenseglers – hängt bekanntlich sehr von den persönlichen Erwartungen und Eindrücken ab. In den letzten Jahren erfreute sich Cuba steigender Beliebtheit unter Seglern. In der Marina Hemingway 10 Meilen westlich von Habana sieht man heute durchschnittlich 50 bis 80 Jachten. Bei unserem letzten Besuchen vor fünf und zehn Jahren waren es knapp fünf Besucherjachten. Die Marina kann wohl zur Zeit etwa 100 Schiffe aufnehmen. Tourismus ist heute der Haupt- wenn nicht der einzige Moneymaker in Cuba, und es wird einiges dafür getan. Beispiel: Wasser und Strom sind streng reduziert in der Stadt, in der Marina dagegen nicht. Das Wasser fließt zwar nicht jeden Tag, und auch nur ein paar Stunden jeweils, aber in Habana nur zwei Stunden pro Woche!
Auch die Amerikaner kommen wieder, obwohl die Restriktionen nach wie vor gelten (Handelsembargo der USA gegen Cuba heißt auch, man darf kein Geld in Cuba ausgeben!), aber wohl nicht so streng befolgt werden. Viele kommen mit Riesenmengen Geschenken, Medizinen usw. – was dann unter humanitäre Hilfe läuft. Das kann sich jetzt schnell ändern, seit gestern zwei Privatflugzeuge abgeschossen wurden und die Politiker wieder mal vollmundig strenge Gegenmaßnahmen fordern. Der Wahlkampf läßt grüßen.
Im großen und ganzen stehen die Segler den Cubanern freundlich gegenüber. Man weiß um das Leiden des »Mannes auf der Straße« und tatsächlich ist es auch ein Wunder, daß überhaupt noch irgend etwas funktioniert in diesem Land. Seit die Russen den Geldhahn zugedreht haben und auch die DDR und andere Sympathisanten der früheren Jahre von der Bildfläche verschwunden sind (außer vielleicht Nordkorea), ist die Stunde der Wahrheit angebrochen, und es zeigt sich, daß das Land im Grunde nicht lebensfähig ist.
Aber, Fidel hat einige Lockerungen zugelassen, vor allem dürfen Cubaner jetzt Dollars nicht nur verdienen und ausgeben, sondern überhaupt besitzen. Das war früher streng verboten. Man kann also schon mal in einem Privathaus bei einer Familie gegen Dollarzahlung essen oder Grünzeug auf dem Markt kaufen. Die Anfänge der freien Wirtschaft! Man kann schon mal ein Lobsteressen für 5 Dollar genießen (wenn die Oma in der Küche nur das arme Tier nicht total zerbraten würde). Aber, wie das eben so geht im real existierenden Sozialismus: Die Familie mul3 eine Lizenz haben für maximal 12 Stühle (für Gäste eben) und nicht mehr.
Dafür zahlt sie 400 US-Dollar im Monat Steuern. Das dürfte nicht ganz einfach sein, da noch einen Gewinn zu machen, denn die Speisen müssen ja auch erst einmal gekauft werden und mangels Werbung und auch nur einem Türschild, welches auf ein Restaurant hinweist, erfährt man nur durch Mundpropaganda von solchen Häusern, die unter dem Namen Paledares laufen. Trotzdem, die Leute bemühen sich sehr, und die Preise sind niedrig. Speisekarte: Fehlanzeige. Man bestellt was es gibt. Alles kostet unter fünf Dollar.
Leider hat sich die Bürokratie den touristischen Mindestansprüchen noch nicht angepaßt (und ich zähle uns Fahrtensegler zu den Touristen), also gibt es doch noch Probleme mit den Seglern.
Eine Tatsache sollte der Cuba-Fahrer in spe wissen (Stand Februar 1996):
Cubabesuch kostet richtig Geld. Marina 0.55 US-Dollar per Ft.per day. Zoll 20 Dollar bei Ankunft, 20 Dollar bei Abfahrt. Immigration 15 Dollar pro Person (30 Tage, dann Verlängerung 25 Dollar). Inspektion (Veterinär) 10 Dollar. Cruising Permit 50 Dollar.
Cruising Permit (Permiso de Navegacion): Dieses gab es früher nicht. Man sollte auch nicht außerhalb der designierten Häfen liegen, ankern oder überhaupt an Land gehen. Jetzt, denkt man, ist das alles erlaubt, eben mit diesem Permiso especial. Weit gefehlt. Nach wie vor muß man bei der Guarda Fronteira, so ein Posten in der Nähe ist, einklarieren und ausklarieren. Das kann eine Durchsuchung einschließen. Hauptsache, man muß ein despacho haben, rein wie raus. Und, man soll im Blickfeld der Posten ankern, egal ob das geht oder das Wetter es zuläl3t. Ein ernster Konfliktpunkt. Und, man soll beantragen, wenn man per Dingi an Land will, um sich seine Beine zu vertreten! Es lebe die Freiheit! Fazit: die Behörden wollen im Grunde nicht, daß man auf eigene Faust in den Keys rumschippert und gar entlegene Dörfer anläuft und sich mit den Leuten direkt unterhält. Die Kontrolle bleibt also bestehen, nur zahlt man 50 Dollar mehr heutzutage.
Im Cruising Permit muß man vorher (24 Stunden mindestens) auflisten, welche Plätze man wann anlaufen will. Das ist für Fremde fast unmöglich, da wir ja auch von der Windrichtung abhängen und nicht wissen, wie die eine oder andere Bucht oder Insel sich eignet. Also schreibt man „con puntos intermedios“ hinein, um sich abzusichern. Dieser Passus wurde bei uns aber einfach weggelassen, und prompt liefen wir dem System in die Falle. Unser Cruising Permit wurde vier Stunden zu spät ausgehändigt (2 Minuten vor Auslaufen), und wir konnten die erste Bucht hinter den Riffen nicht mehr vor Dunkelheit erreichen.
Also beschlossen wir, in Mariel zu ankern und am nächsten Morgen weiterzulaufen. Das war ein großer Fehler, denn nun wurden wir wieder neu einklariert und stundenlang durchsucht und sollten sogar unsere Signalpistole mit Notsignal abgeben. An diesem Punkt rasteten wir aus und verlangten sofortige Ausklarierung (es wurde inzwischen dunkel) zusammen mit einer englischen Jacht, die schon beim Zusehen die Nase voll hatten. Also ging der ganze Papierkrieg wieder von vorne los, zwecks Zarpe. Aber wir sind ausgelaufen und gleich nach Mexiko durchgesegelt. Auch unsere Geduld hat Grenzen.
Es muß gesagt werden, daß die einzelnen Beamten höflich und korrekt sind. Aber ihre Vorschriften sind extrem eng ausgelegt, und Flexibilität ist ein Wort, welches man noch nicht kennt. Zwei Schiffsdurchsuchungen innerhalb von drei Stunden (ohne das Land verlassen zu haben) halten wir für exzessiv und auch nicht im Einklang mit der tourismusfreundlichen Politik. Bei Jachten ist es eben anders als bei Touristen, die sich ein Auto mieten und quer durchs Land reisen dürfen. Das muß man wissen. Argumentieren, wie der Schiffer es in seinem guten Spanisch, versucht hat, brinqt nichts, denn der kleine Soldat hat natürlich seine Vorschriften zu befolgen und kann sie eh nicht flexibel auslegen, denn er muß ja wieder seinen Oberen berichten und der wieder seinem Boß usw. usw. So hat natürlich auch der Chef der großen Marina Hemingway kaum Kompetenzen, schon gar nicht in Behördendingen.
Wir wollen niemanden abhalten, nach Cuba zu segeln. Das Revier ist phantastisch. Die Leute sind freundlich, obwohl ihnen das Wasser bis zum Halse steht. Aber das System ist einfach zu starr und auch untauglich, um wirklich mehr Jachttouristen anzuziehen. Diejenigen, die jetzt hinsegeln, tun es aus Neugier und etwas Sympathie für die cubanische Bevölkerung. Die Amerikaner, weil ihnen die Politik ihrer Regierung nicht gefällt und sie etwas demonstrativ Gutes tun wollen, indem sie eine Art Kleider- und Medizin-Aktion per Boot organisieren. (Wie wir hörten, wurden die Medikamente ihnen bei Ankunft aber abgenommen, denn das soll natürlich der Staat verteilen.) Man kann nur hoffen, daß die Bestimmungen eines Tages ein wirklich freies Fahrtensegeln an der schönsten Küste mit seinen Tausenden von Keys und Buchten ermöglichen. Inzwischen muß man die Dinge realistisch sehen.
TO-Stützpunkt bei Club
Nautico Internacional
Hemingway de La Habana
La Habana, March 14th, 2002
Jose Miguel Diaz Escrich:
»Herewith l am sending you a little portrait of myself as per your request.
– Captain of Frigate
– Captain of the Merchant Marine
– Former professor of International Maritime Law at the Cuban Navy Academy
– More than 30 years of maritime experience – Founder and Commodore of the Club Nautico Internacional Hemingway de La Habana which is the only one of its type in Cuba. Our Club has members from 37 different countries and we are working very hard to develop the Nautical Industry of Cuba. We keep a world wide relationship with many yachting organizations specially with those based in Florida, USA and we are looking forward to increase them.«