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Kuba aktuell – Auszüge aus einem Reisebericht

Anke und Bernd-Volker Blomberg „ANKE", L: 13,40 m, T: 2 m,


2.12.2000

Am Nachmittag verlassen wir Key West in Richtung Kuba. Leider hat der Wind nachgelassen, so daß wir zunächst motoren müssen. Bereits nach einer Stunde haben wir 1 kn. Gegenströmung. Um 20.00 Uhr frischt der Wind auf und dreht auf SE. Wir ziehen ein Reff ins Groß und segeln nun am Wind mit 7 kn. durchs Wasser. Uber Grund machen wir aber nur 4-5 kn. Je weiter wir in den Golfstrom gelangen, den wir heute nacht kreuzen müssen, desto unangenehmer wird die Welle. Es weht mittlerweile mit 20-25 kn, so daß wir ein weiteres Reff einziehen. Auch die Segelfläche unserer Genua verkleinern wir. Der nach Osten setzende Golfstrom und der aus östlicher Richtung wehende Wind erzeugen eine Welle, die steil und aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheint. An Schlaf ist nicht zu denken.

3.12.2000

Um 07.00 Uhr erreichen wir die 12-Meilen-Zone Kubas. Wir sind verpflichtet, uns zu diesem Zeitpunkt bei der Guarda Frontera zu melden. Alternativ kann man aber auch die Marina Hemingway per UKW anrufen. Dort spricht man Englisch. Nur meldet sich dort niemand. Um unseren Pflichten zu genügen, rufe ich also in spanisch (seit Monaten habe ich kein Wort in dieser Sprache mehr gesprochen) die Guarda Frontera. Leider meldet sich hier sofort jemand und fragt nach dem Woher und Wohin. Ich hoffe, ich kann mich verständlich machen. Jedenfalls läßt man uns nun in Ruhe, und es nähert sich uns auch kein Kanonenboot der kubanischen Küstenwache.

Um 09.00 Uhr erreichen wir die Ansteuerungstonne der Marina Hemingway.
Die Einfahrt ist markiert und bei südöstlichem Wind problemlos zu passieren. Direkt am Eingang zur Marina machen wir an der Mauer der Guarda Frontera fest.
Hier stehen bereits alle Behördenvertreter bereit. Kaum sind die Leinen belegt, betritt der Arzt das Schiff. Er ist sehr freundlich, erkundigt sich nach unserem Wohlbefinden. Kein Durchfall, keine Würmer, kein Dengue-Fieber oder Malaria. Prima. Gegen eventuelles Ungeziefer hat er die chemische Keule mitgebracht, die er unter Deck zum Einsatz bringt. Wir dürfen die gelbe Flagge abnehmen. Nachdem die nötigen Formulare ausgefüllt sind, löst der Veterinär den Arzt ab. Er fragt nach uns nach Haustieren und tierischen Produkten an Bord. Unsere Eier erregen sein Mißfallen. 60 amerikanische Eier. Wir dürfen sie nur behalten, wenn wir sie allesamt hart kochen. Und zwar unverzüglich. Beim Aufsetzen des Wassers gehen mir bereits mehrere Rezepte von Eiersalat durch den Kopf. Zum Glück sind die Formalitäten erledigt, bevor das Wasser kocht. Der nette Herr verläßt das Boot, ohne sich des Kochvorgangs zu vergewissern. Unsere Eier bleiben roh und wir von Eiersalat verschont. Nun folgen der Zoll, die Immigration und die Guarda. Während sich die ersten beiden Herren mit dem Ausfüllen unzähliger Formulare benügen, beginnt der Mensch von der Küstenwache tatsächlich mit der Inspizierung unseres Bootes. Er beläßt es aber dabei, in diverse Schränke zu schauen, ohne etwas durcheinander zu bringen. Wir wissen das zu schätzen. Bereits nach knapp zwei Stunden haben wir diese fünf Hürden der Einreise erfolgreich bewältigt. Die Beamten waren sehr freundlich und haben uns so zügig, wie es ihre Vorschriften erlauben, abgefertigt. Wir fahren zu dem uns zugewiesenen Liegeplatz, wo uns aber noch der zuständige Herr für Obst und Gemüse erwartet. Auch er ist sehr freundlich und beläßt uns unser Gemüse. Bei einer Tasse Kaffee gibt er uns Tips für diverse Besichtigungstouren durchs Land. Als er von Bord geht, stürzen wir uns, mittlerweile ziemlich hungrig, auf unser verspätetes Frühstück. Ich beiße gerade herzhaft in mein Brot, als der Hafenmeister vor dem Boot steht. Wir bitten ihn hinein und gleichzeitig um Verständnis, daß wir nun wirklich erstmal essen müssen.

Jose erklärt uns den Vertrag, erläutert uns die Liegegebühr und lobt den Supermarkt, den Shipchandler sowie die drei in der Marina ansässigen Restaurants. Alle Läden sind natürlich staatlich. Wir fragen ihn nach den Privatrestaurants in Kuba. Obwohl er uns, wie er sagt, die Marinarestaurants empfehlen müsse, gibt er seine persönliche Meinung über die sog. paladares preis. Sie seien oftmals sehr gut und auf jeden Fall viel preiswerter als die staatlich geführten Restaurants.

Die Marina Hemingway ist recht unkonventionell aufgebaut. Sie besteht aus fünf Kanälen. Sie sind jeweils 1000 Meter lang und 30 m breit. Alle Boote machen längsseits fest. Zwischen den Kanälen befindet sich ein ca. 100 m breiter Landstreifen, der mit Straßen und Ferienhäusern bebaut ist. Letztere sind zum Teil noch nicht fertiggestellt. Man arbeitet aber fleißig an ihrer Fertigstellung, so daß wir hier wohl nicht von Bauruinen sprechen dürfen. Der marinaeigene Arzt erzählt uns, sie seien für die vielen Mitarbeiter des Papstes bestimmt, der Kuba im nächsten Monat besuchen wird. Um die Gebäude in der Marina aber rechtzeitig fertigzustellen, scheinen uns einige Überstunden anzustehen. Über das Rohbaustadium ist man nämlich noch nicht hinausgekommen. Auf dem Gelände befinden sich noch drei Restaurants, alle staatlich geführt, die Marinaeinrichtungen, ein eher tristes Einkaufszentrum und der Club Nautico. Letzterer ist auch Sitz des TO-Stützpunktes. Die begrenzte Mitgliedschaft im Club gewährt einem einen 35-prozentigen Rabatt bei den Liegegebühren. Außerdem gewähren die teuren Marinarestaurants und die dort ansässige Leihwagenfirma Ermäßigungen. Am Eingang muß jeder Besucher eine Kontrollstation passieren und auch die Kanäle werden stets bewacht. Unsicher fühlen wir uns hier jedenfalls nicht.

5.12.2000

Pünktlich um 09.00 Uhr steht Antonio vor dem Schiff. Er ist Kubaner und wird uns heute mit seinem Auto russischer Bauart der Marke Moskwitsch in die Altstadt Havannas fahren. Seine Telefonnummer habe ich von Dick bekommen, der mit seinem Boot ein paar Meter weiter liegt. Dick kommt aus den USA und lebt schon eine ganze Weile hier. Die Mehrzahl der Boote kommt übriqens aus den USA. Die En;bargopolitik der amerikanischen Regierung wird offenbar nicht von der ganzen Bevölkerung mitgetragen. Bereits auf dem Weg in die Altstadt, die ca. 20 km von der Marina entfernt liegt, entpuppt Antonio sich als ein gesprächiger Zeitgenosse, allerdings rein spanisch sprechend. Er ist Physiklehrer, mittlerweile aber im Ruhestand. Und mit seinem Privattaxi verdient er sich ein paar Dollars. Für 30 $ ist er den ganzen Tag für uns verfügbar. Ein Mietauto ist für diesen Preis nicht zu bekommen, und der persönliche Kontakt zu einem Kubaner macht die Sache um so interessanter. Wir fahren zunächst durch das Diplomatenviertel Miramar. Viele Bäume säumen den Straßenrand und auf beiden Seiten finden sich viele große Häuser, die einst prächtig gewesen sein müssen. Heute geben sie ein eher trauriges Bild ab. Auch auf den Straßen rollt wenig Neues. Wer amerikanische Oldtimer mag, wird hier alle Baureihen der Jahre 1958 und älter finden. Viele dieser alten Autos stehen allerdings mit geöffneter Motorhaube am Straßenrand, unter der deren Fahrer verschwunden ist.

Die Häuser an der Uferpromenade, dem Malecon, sehen verheerend aus. Es bröckelt nicht nur der Putz, sondern das Mauerwerk. Wir fragen uns, was sie noch zusammenhält. Hier hat nicht nur der Zahn der Zeit genagt, sondern auch das Meerwasser. Es spritzt bei nördlichen Winden, und die sind nicht selten, weit über die Befestigungsmauer. Und die Baulücken zeigen, daß nicht jedes Gebäude standgehalten hat.

In der Altstadt selbst sind einige Häuser bereits mit Geldern der UNESCO restauriert worden und weitere Arbeiten sind im Gange. Die ein oder andere Gasse sieht schon wieder recht hübsch aus. Doch gegen 40 Jahre Untätigkeit wirken diese Renovierungsarbeiten wie ein verzweifelter Versuch, den Abriß Havannas aufhalten zu wollen. Die Tragik der Stadt liegt darin, daß fast alle Häuser einst wunderschön waren und das Merkmal „restaurationswuerdig" verdienen. Hinzu kommen eine Reihe von echten kolonialen Prachtbauten. Viele davon sind heute Hotels mit wunderschönen Eingangshallen, Restaurants und Cafes. Oder atemberaubenden Innenhöfen, die von Arkaden umringt und üppige tropische Gewächse beherbergen. Auch die vielen schönen Plätze der Innenstadt sollten nicht unerwähnt bleiben. Hier bieten riesige Bäume Schatten. Auf der Plaza de Armas finden sich normalerweise reihenweise Buchstände. Im Regen haben sie sich heute unter die Arkaden des Palacio verzogen. Hier kann man alte, in Leder gebundene Bücher kaufen. Der Platz vor der Kathedrale hingegen ist voll mit Kunsthandwerk und auf Touristen eingestellt. Das nimmt ihm viel von seiner Atmosphäre. Schade. Die Kathedrale hat eine schöne Fassade, im Vergleich zu anderen Kolonialkirchen ist sie aber nicht besonders prachtvoll oder monumental.

In der Calle Mercaderes 115 befindet sich „El Navegante", ein Geschäft für nautische Dinge, insbesondere Seekarten. Die kubanischen Seekarten sind sehr gut, aber nur in Kuba erhältlich. Wir bestellen den Kartensatz für die Nordküste und zahlen pro Karte 16 $. Erst in drei Stunden können wir ihn abholen, weil die Korrekturen des letzten Jahres zunächst nachgetragen werden müssen. Per Hand natürlich. In der Zwischenzeit schlendern wir durch die vielen kleinen Gassen und lassen die Stadt auf uns wirken. Wären die Gebäude in einem besseren Zustand, könnte sich Havanna mit Recht rühmen, eine der schönsten Städte der Welt zu sein. Ob die Restaurationsarbeiten gegen dieses Ausmaß des Verfalls allerdings noch ankommen können, ist mehr als zweifelhaft.
Auch in der Altstadt kommt die Restaurierung für manche Gebäude bereits zu spät. Ruinen und halb zusammengestürzte Gebäude gehören zum Stadtbild. Ich frage mich, wieviele Menschen hier jährlich wohl durch abstürzende Balkone erschlagen werden. Genauso marode wie die Gebäude sind auch die Versorgungsleitungen. Strom und Wasser gibt es hier nicht jeden Tag. Glücklicherweise weiß man vorher, an welchem Tag in seinem Viertel alles abgestellt wird. Die Leute stellen sich darauf ein und benutzen ihre Badewannen als Vorratsbehälter.

Gegen Mittag suchen wir eines der privat geführten Restaurants auf. Wir betreten eines dieser heruntergekommenen Häuser in Havanna Central, das sich direkt an die Altstadt anschlief3t. In einem dunklen Hausflur steigen wir bis in den ersten Stock hinauf. Nach mehrmaligem Klingeln an einer Wohnungstür öffnet man uns und läßt uns hinein. In einem umfunktionierten Wohnzimmer stehen drei Tische. Man bietet uns Kasslerbraten oder Stockfisch an. Diese Art von Restaurants gibt es noch nicht lange in Kuba, erst seit es erlaubt ist, ein Kleingewerbe auf privater Basis zu führen. 12 Plätze dürfen diese paladares haben. Kommen mehr als 12 Gäste, so nehmen es die Kubaner nicht ganz so genau und zaubern weitere Tische und Stühle herbei. Zahlungsmittel ist der Dollar, denn die laut Antonio horrenden Steuern sind ebenfalls en dolares abzuführen. Überhaupt hat sich der Dollar als Zweitwährung in Kuba behauptet. Für den landeseigenen Peso kann man nur wenig kaufen, und das Wenige ist streng rationiert. Beispielsweise 6 Pfund Reis, sechs Eier, aber auch eine Flasche Rum pro Nase pro Monat. Das war zwar schon immer so, doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verschlechterte sich in Kuba die Versorgungslage dramatisch. Viele Dinge gab es gar nicht mehr. Die Sowjetunion hatte den Kubanern stets ihren Zuckerrohr abgenommen und im Gegenzug Öl geliefert. Zu Beginn der 90er Jahre fiel sie als Abnehmer des Zuckerrohrs aus und Kuba mußte das Öl auf dem Weltmarkt erwerben. Eine dramatische ökonomische Krise überschattete das Land, die zur Verknappung von allen möglichen Gütern führte, u.a. auch der Lebensmittel. Da das Land dringend Geld brauchte, um die Versorgung seiner Bevölkerung zu sichern, öffnete sich aus Kuba wirtschaftlich ein wenig. Viele ausländische Unternehmen, allen voran kanadische und spanische Investoren haben seither große Investitionen im Tourismussektor getätigt. Die jährlich steigenden Tourismuszahlen bringen die dringend benötigten Dollars ins Land. Auch wir zahlen fast immer in Dollar. Nur auf den Märkten der Bauern und an den Straßenständen akzeptiert man Pesos. Wir sind daher mit Pesos im Wert von 10 Dollar gut ausgekommen.

Den Kubanern selbst ist es erst seit 1993 nicht mehr verboten, Dollars zu besitzen. Da viele Dinge nur gegen Dollar zu haben sind, ist jeder bestrebt, mit Tätigkeiten aller Art und Dienstleistungen ein paar Dollar zu verdienen. Das System der zwei Währungen hat zu einer Spaltung der kubanischen Gesellschaft geführt, und zwar in Dollarbesitzer, die sich vieles leisten können und in die Armen, die nur mit ihren wenigen Pesos auskommen müssen. Der Kubaner verdient im Durchschnitt vielleicht 200 Pesos pro Monat. Das sind umgerechnet 10 Dollar. Außerdem ist das Wenige, das man für den Peso erhalten kann, rationiert. Zwar sind die Rationen an Lebensmitteln so groß, daß zur Zeit in Kuba niemand hungern muß. Andere Dinge aber, wie z.B. Benzin sind so knapp, daß der Kubaner sein Auto gleich stehen lassen kann. 40 Liter Benzin pro Jahr werden dem Einzelnen zugestanden. Gegen Dollars hingegen kann er an einer der freien Tankstellen soviel Benzin erhalten, wie er Dollar hat. Da jedoch nicht jedermann spendable Verwandtschaft in Miami hat, die Dollars schickt, ist der Verkehr seit 1990 stark rückläufig und auch der öffentliche Nahverkehr ist so gut wie zum Erliegen gekommen. Staus gibt es hier nicht, dafür hat Kuba aus China Fahrräder importiert. Radfahrer b herrschen heute das Straßenbild in Havanna.

Nachdem wir zu Mittag gegessen haben, setzen wir unseren Rundgang durch die Altstadt fort. Natürlich besichtigen wir auch die beiden Bars, in denen Ernest Hemingway Stammgast war und seinen Mojito oder Daiquiri genoß. La Floridita ist eher ein Restaurant als eine Bar, während El Bodeguita del Medio eine kleine Bar ist, die genauso auch in Spanien stehen könnte. Für einen Mojito ist es uns aber noch zu früh.
Um uns in politischer Bildung zu üben, besuchen wir das Museo de la Revolucion. Es ist in einem prachtvollen Gebäude untergebracht, das zu Batistas Zeiten als Regierungspalast diente. Danach geht es zum Plaza de la Revolucion. Bei der Fahrt durch Havanna fallen einem die riesigen Schilder auf, die Parolen wie „Sozialismus oder Tod", „Der Sozialismus hat sich und wird sich immer durchsetzen" und ähnliches verkünden. Antonio lacht jedesmal und ruft „propaganda". Irgendwie scheinen diese Sprüche beim Volk nicht mehr anzukommen. Dem riesigen Platz der Revolution sieht man an, daß er in einem kommunistischen Land steht. Auf dem Platz selbst findet man eine riesige Statur des Nationalhelden Jose Marti. Von hier aus hält Fidel Castro alljährlich zum 1. Mai seine berühmten langen Reden. Tausende von Menschen finden hier Platz, um seinen Worten zu lauschen. Antonio erzählt uns, daß die Bevölkerung in den letzten Jahren allerdings nicht mehr so zahlreich erscheine. Man stehe zwar immer noch hinter Fidel Castro, doch sei man auch davon überzeugt, daß das kommunistische System in der jetzigen Form keine Zukunft habe.

8.12.2000

Man sollte Kuba nicht verlassen, ohne zuvor eine Zigarrenfabrik besichtigt zu haben. Wir besuchen die älteste Fabrik Kubas, die im Zentrum Havannas liegt, die Real Fabrica de Tabacos Partagas.

9.12.2000 Antonio fährt uns zu einem agromercado, auf dem wir uns mit Obst und Gemüse eindecken können. Auf diesen Märkten verkaufen die Kleinbauern ihre Überschüsse, die sie nicht an den Staat abführen müssen. Sie tun das auf eigene Rechnung, verdienen so ein paar Pesos und tragen wesentlich zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung bei. Diese Art der Privatwirtschaft ist erst seit einigen Jahren gestattet. Wir kaufen Papaya, Bananen, Limetten, Möhren, Salat, Knoblauch und Tomaten ein. Zahlungsmittel ist der Peso, dadurch ist für uns alles sehr preiswert. Gar nicht preiswert ist der Supermarkt, den wir besuchen. Er ist gut sortiert, gibt die Dinge allerdings nur gegen Dollar her. Wer keine Dollars hat, ist auf die staatlichen Rationen angewiesen, die jedem monatlich zugeteilt werden. Und wer seine Flasche Rum, die es pro Monat gibt, schon in der ersten Woche geleert hat, kann sich nur gegen harte Dollars Nachschub besorgen. Wir sind froh, bereits in den USA ausgiebig gebunkert zu haben.

Der Nachmittag vergeht damit, alle Formalitäten unserer Abreise zu regeln. Zunächst will der Liegeplatz bezahlt werden. Wir zahlen 40 Cent pro Fuß. Wasser und Strom werden zusätzlich berechnet, wir zahlen dafür insgesamt 10 $. Das cruising permit kostet 50 $, die Visa 40 $. Im Vergleich zu anderen karibischen Ländern sind das stolze Preise. Danach kommt der Zoll an Bord und schaut mal wieder in unsere Schränke. Unter seiner Aufsicht müssen wir nun die Leinen lösen und zur Kontrollstelle der Guarda Frontera fahren. Dort schaut der Beamte von der Immigration nochmals rein. Und auch die Guarda muß das Schiff zum wiederholten Male durchsuchen. So sind die Vorsctiriften, man sollte sie nicht hinterfragen. Glücklicherweise verläuft die Durchsuchung sehr oberflächlich.
Nach einer Stunde dürfen wir auslaufen. Wir werden nun versuchen, entlang der Nordküste nach Osten zu segeln. Heute allerdings weht der Wind schwach aus südlicher Richtung, so daß wir die Nacht über mehr motoren als segeln. Da die Flaute mit einer ruhigen See einhergeht, beschert uns die Nacht wenigstens ein paar Stunden Schlaf.

10.12.2000

Am Morgen erreichen wir die Peninsula de Hicacos. Wir passieren die Nordspitze der Halbinsel und fahren durch den gut ausgetonnten Canal de Buba. Unser Anker fällt westlich der Insel Cayo Buba, nahe der Marina Gaviota. Hier liegt man, außer bei Südwind, gut geschützt in einer von Mangroven bestimmten Landschaft. Der Ankergrund ist Sand. Das nahe gelegene Varadero, größtes Tourismuszentrum der Insel, spürt man hier nicht. Nur am Morgen sehen wir einige Touristen, die mit Ausflugsbooten aus der Bucht hinausfahren. Zwei weitere Segelboote ankern hier. Ein spanischer Einhandsegler mit Hund und eine kanadische Familie. Wir haben gleich Kontakt zu ihnen und fragen sie nach der Umgebung aus. Vor dem gemütlichen Teil steht allerdings noch das lästige Einklarieren. In jeder größeren Ortschaft bzw, an jeder Provinzgrenze, und davon gibt es auf Kuba viele, muß man ein-bzw. ausklarieren.

Wir fahren mit dem Dingi in die nahe gelegene Marina Gaviota. Dort erklärt uns eine nicht allzu freundliche Dame, die Beamten würden uns nur einklarieren, wenn wir in die Marina kämen. Das wollen wir auf keinen Fall. Im Büro der Marina erklärt man sich bereit, die Beamten zu rufen. Sie erscheinen erst am Nachmittag und rufen uns über Funk. Ihrem Befehl, mit dem Boot in die Marina zu fahren, leisten wir zunächst keine Folge. Mit allen erforderlichen Papieren bewaffnet fahren wir mit dem Dinghi in die Marina. Alle Diskussionen fruchten hier nichts, wir müssen unser Schiff herbringen. Wir weigern uns aber standhaft, für die Stunde des Einklarierens auch nur einen Dollar an Marinagebühren zu zahlen. Die Formalitäten selbst sind relativ schnell erledigt. Es kommen nur zwei Herren an Bord. Zoll und Immigration. Und beide sind recht freundlich.

Um 16.00 Uhr dürfen wir endlich mit ruhigem Gewissen an unseren Ankerplatz zurückkehren. Mit dem Dingi dürften wir allerdings nicht an Land, so das Credo der Beamten. Wir protestieren lautstark und halten unsere Touristenvisa hoch. Die haben wir für 20 $ das Stück erwerben müssen, um den freien Zugang zu jedem Ort Kubas zu haben. Nach dem Austausch von Argumenten läßt der Zöllner das Thema ziemlich abrupt fallen.

Da ich das letzte Wort hatte, insistiere auch ich nicht weiter. Selbstverständlich werden wir mit dem Dingi an Land fahren. Später erzählt uns der Kanadier, daß auch er diese Diskussion geführt habe. Er hatte keinerlei Probleme, sich an Land zu bewegen, wann immer er das wollte.

11.12.2000

Auch wir haben heute keine Probleme mit dem Landgang. Allerdings gibt es hier auch nicht allzu viel zu sehen. Da ist zunächst die Marina, die aus einem Steg besteht und wie alles in Kuba heruntergekommen und vergammelt aussieht. Hier liegen einige Charterboote, die meist zu Tagesausflügen heraussegeln. Direkt am Steg liegt ein Restaurant. Es ist recht groß und bei dem Andrang, der hier herrscht- man freut sich über jede Menschenseele- stets leer. Hinter dem Marinabüro ist ein kleiner Laden, der einige Lebensmittel anbietet. Geht man die Straße in Richtung Osten, so stößt man schon bald auf das Ende der Halbinsel. Hier sind einige Ruinen und ein Schiffsfriedhof. Reste der hier in der Vergangenheit stationierten kubanischen Marine. Einige Touristen aus dem nahegelegenen Varadero verirren sich mit ihren Mopeds hierher, um gleich wieder zu verschwinden. Auf der Nordseite der Halbinsel sieht man den wunderschönen Strand, der sich 30 km hinzieht und den weiter westlich die vielen Hotelbauten zieren.
Wir glauben nicht, das größte Ferienzentrum der Insel unbedingt besichtigen zu müssen und verbringen einen faulen Nachmittag an Bord. Dieser wird durch den Besuch eines Fischerbootes unterbrochen, das uns Langusten verkaufen möchten. Die Fischer bedeuten uns, daß sie in der Dunkelheit zurückkehren werden. Es ist ihnen nämlich verboten, Langusten privat zu verkaufen. Aber die Chance, ein paar Dollars zu machen, ist groß und unser Appetit auf diese leckeren Schalentiere ebenso. Nach Einbruch der Dunkelheit kommt auch tatsächlich ein Fischerboot angetuckert. Der Handel geht schnell und ohne Licht vonstatten. Wir nehmen ihnen zwei Lobster ab und zahlen 6 Dollar.

12.12.2000

Zum Ausklarieren rufen wir über Funk die Marina Chapelin. Dort setzen sich daraufhin zwei Beamte in Bewegung. Wir müssen mit dem Schiff wieder in die nahe Marina Gaviota fahren, dort kommen die Herren an Bord. Im Cruising Permit wird der nächste port of call vermerkt. Wir klarieren nach La Isabela aus. Die Formalitäten werden hier zügig erledigt.

Das Eintreffen einer Kalffront ist angesagt, und vor der Front dreht der Wind zunächst auf Süd. Den nutzen wir aus, segeln an unserem ursprünglichen Ziel La Isabela vorbei und kommen gegen Nachmittag in Cayo Frances an, einer der vielen Inseln, die der Nordküste Kubas vorgelagert sind. Die Insel selbst ist nicht besonders interessant, da sie ausschließlich mit Mangroven durchsetzt ist. Aber sie bietet sehr gute Ankerbuchten. Da die Kaltfront viel Wind mitbringen wird, suchen wir uns einen gut geschützten Ankerplatz. Der liegt unmittelbar vor der Station der Guarda Frontera. Hier liegt man zwischen der Insel und einem flachen Riff sehr geschützt. Die Guarda Frontera ist im übrigen allgegenwärtig, da sie die Küste flächendeckend besetzt. Mit einem solchen Posten muß man hier überall rechnen. Bereits beim Einlaufen ruft der Beamte uns und stellt Fragen in einem für mich unverständlichen Spanisch.

Kaum ist der Anker gefallen, macht er sich auf den Weg zu uns. Er kommt nicht allein, sondern wird von drei anderen Männern begleitet. Sie entpuppen sich als Fischer. Neugierig verschwinden sie im Inneren unseres Bootes und trinken dankbar das ihnen angebotene Bier. Ihr Versprechen, uns Langusten zu bringen, stößt nicht gerade auf Jubelrufe unsererseits. Der Kühlschrank ist noch voll von diesem Getier. Aber ablehnen wäre unhöflich, so daß wir heute abend ein etwas größeres Langustenessen veranstalten.

14.12.2000

Um 11.00 Uhr kommt das Fischerboot mit derselben Besatzung wie gestern. Als Gastgeschenk überreichen sie uns einen Eimer mit zwölf Langusten. Mit großem Appetit schaue ich die Tiere allerdings nicht mehr an. Sowohl unser Mittag- als auch unser Abendessen besteht seit Tagen aus nichts anderem als Langusten. Damit aber nicht genug. Ein großer und ein kleiner Snapper landen auf unserem Deck. Genug, um eine Großfamilie sattzufüttern. Wir sind aber nur zu zweit und sehen uns daher mit mindestens drei Fischessen konfrontiert. Und dann noch die Langusten... Die Fischer machen es sich bei einem Bier bei uns gemütlich und verschmähen auch nicht den angebotenen Schnaps. Nach einer Stunde haben sie die Flasche bis auf den letzten Tropfen geschafft und ziehen fröhlich von dannen. Ich mariniere die Fische.

Die Kaltfront zieht gegen Nachmittag durch. Sie bringt wenig Regen und viel Wind. In Böen zeigt der Windmesser bis knapp 40 kn. an. Gegen Abend dreht der Wind auf West. Und wieder haben wir eine gute Chance, gen Osten zu segeln. Wir entscheiden uns, morgen auszulaufen und soweit zu segeln, wie der Westwind anhält. Damit verpassen wir zwar einige sicherlich schöne Buchten und Tauchreviere der Nordküste. Aber wir folgen dem Motto, das Wetter so zu nehmen, wie es kommt.
Außerdem müssen wir zugeben, daß uns der ständige Kontakt mit der Guarda Fronter doch stört. Wir haben zwar bis jetzt keine schlechten Erfahrungen mit den Behörden gemacht, doch die ständige Überwachung ist nicht gerade das, was wir lieben.

Daß wir nie unbeobachtet sind, sollen wir auch heute nacht wieder feststellen. In regelmäßigen Abständen ruft uns die kubanische Küstenwache und fragt nach Flagge, Abfahrts- und Ankunftshafen und Besatzung.

16.12.2000

Sowohl der Wind als auch die Strömung hatten ein Einsehen mit zwei einsamen Seglern an der Nordküste Kubas und uns ein Etmal von 185 sm beschert. Dafür mußten wir einen starken Wind bis zu 30 kn. und eine sehr hohe Welle ertragen. Aber gegen die Aussicht, hart am Wind zu segeln oder gar zu kreuzen, ist diese Fahrt mit achterlichen Winden ein Geschenk. Um 17.00 Uhr laufen wir in die Bahia de Naranjo ein. Dies ist eine tief ins Land einschneidende Bucht, deren Einfahrt recht eng ist, die sich aber dahinter wieder ausweitet. Hier liegen wir sehr geschützt vor einer kleinen Marina vor Anker, umgeben von einer sanften, mit Sträuchern und Palmen bewachsenen Hügellandschaft. Außer uns liegt ein weiteres, amerikanisches Boot hier vor Anker. In der Marina, die aus einem Anleger besteht, befinden sich nur lokale Boote, mit denen die wenigen Touristen zu einem nahegelegenen Aquarium gefahren werden, wo man mit Delphinen schwimmen und tauchen kann.

Der Beamte der Guarda Frontera kommt gleich an Bord. Er stört sich, im Gegensatz zu seinen Kollegen in Varadero nicht daran, daß wir vor Anker liegen. Die Formalitäten werden schnell und zügig erledigt. So zügig es die zahlreichen Formulare zulassen. Auch er läßt es sich nicht nehmen, in unsere Schränke zu schauen. Wir nehmen es gelassen hin. 18.12.2000 Fährt man mit dem Dinghi in die Richtung Buchtausgang, so kommt man an einen kleinen Anleger, von dem aus man in wenigen Minuten das Hotel Sol Rio de Mares erreicht. Hier kann man Ausflüge buchen oder auch einen Wagen mieten. Wir machen uns gerade auf den Weg, uns einen Leihwagen zu nehmen, da taucht der Zollbeamte auf. Er war noch nicht an Bord gewesen, und das muß nachgeholt werden. Und zwar jetzt. Der Beamte ist zwar recht nett, doch muß auch er wieder seine Papierarbeiten erledigen. Das dauert. Um 11.00 Uhr aber sitzen wir endlich im Auto und nehmen Kurs auf die 30 km entfernt gelegene Kleinstadt Banes auf. Die Straße führt durch die Hügel und durch kleine Dörfer. Überall wohnen hier die campesinos, die kleine Parzellen bewirtschaften. Dazwischen liegen große Bananenfelder. Und natürlich Zuckerrohr. Die Straße ist sehr belebt, viele Menschen sind unterwegs. Da das normale Auto auf dem Lande infolge der Ölknappheit fast vollständig aus dem Straßenbild verschwunden ist, weichen die Menschen auf andere Fortbewegungsmittel aus. Man geht zu Fuß, reitet oder fährt Fahrrad. Letzteres mindestens zu zweit. Viele campesinos reiten am Straßenrand entlang oder schwingen sich und ihre Familie auf ihren Pferdewagen. Es gibt auch viele Bushaltestellen, doch die bezeugen nur, daß es in früheren Zeiten einen öffentlichen Nahverkehr gegeben hat. Es fahren zwar noch Busse, doch die sind unzuverlässig und reichen nicht, um alle Passagiere mitzunehmen. Viele versuchen deshalb ihr Glück als Anhalter. Die Unternehmen sind vielerorts dazu übergegangen, ihre Belegschaft mit großen LKW zu befördern. Die auf der Ladefläche aneinander gedrängt stehenden Menschen geben ein eher deprimierendes Bild ab. Das fehlende Benzin hat natürlich auch die Traktoren und andere Landmaschinen stillgelegt. Heute bestimmen wieder Ochsengespanne das Bild auf den Feldern. Dieses für den Besucher nostalgische Bild sollte nicht über die körperlichen Mühen hinwegtäuschen, die das Bestellen der Felder mit diesen archaischen Mitteln mit sich bringt. Trotz der allgegenwärtigen Armut und des Mangels versuchen die Menschen, ihre armseligen Hütten zu schmücken. Wir sehen hübsch angestrichene Häuser und nett angelegte Vorgärten, Blumenbeete und Blumenkästen. Jedes kleine Ansiedlung besitzt auch ihre Schule. Sie ist immer an einer Flagge und einer Büste des Nationalhelden Jose Marti zu erkennen, die vor dem Gebäude stehen.

Banes ist eine kleine, lebhafte Stadt. Hier kommen die Menschen freundlich auf uns zu. Man fragt uns, wonach wir suchen, möchte behilflich sein. Wir hören immer wieder die Wegbeschreibung zu dem einen oder anderen Museum. Für die Einheimischen sind die wenigen Touristen, die Banes besuchen, offenbar eine Spezies, die sich durch den Besuch von Museen auszeichnet. Uns interessiert das Heimatmuseum, in dem uns sicherlich eine weitere Geschichtsstunde in Sachen Revolution erwartet, allerdings weniger. Statt dessen schauen wir uns das Stadtzentrum an, in dem vor den Häusern die Kleinhändler ihre Waren feilbieten. Viel gibt es allerdings nicht. Wir sehen Gummischuhe, Strohhüte und Lederwaren. Eine wichtigere Rolle spielen scheinbar die Handwerker, die ihre Arbeit ebenfalls auf der Straße ausüben. Schuhmacher reparieren hier noch Schuhe, die in Deutschland bereits vor Jahren in den Müll gewandert wären. Einwegfeuerzeuge werden zu Mehrwegfeuerzeugen.

Ein versierter Mann füllt sie wieder auf oder repariert sie. Schneider bessern Hosen und Jacken aus. Vor allem aber fallen die vielen Eßbuden auf, die aber alle mehr oder weniger dasgleiche anbieten. Weiche Brötchen, gefüllt mit Schweinefleisch, dessen Fettanteil nahe der 100%Marke liegt. Dafür zahlt man man aber auch nur einen Peso, also ca. 5 Pfennige. Wir essen statt dessen fritierten Yuca und trinken einen frischen Papayasaft. Ebenfalls für einen Peso. Der enthält neben Papaya natürlich Zucker, Wasser und Eis und schmeckt ziemlich gut. Wir sind uns ob des garantiert nicht abgekochten Wassers der Gefahren seines Verzehrs wohl bewußt, erliegen aber der Versuchung dieser köstlichen Erfrischung.

20.12.2000

Während der dreistündigen Fahrt nach Santiago de Cuba ist unser Auto stets vollbesetzt. Fast schon zwanghaft halten wir bei jedem Anhalter an, sobald ein Platz in unserem bescheidenen Gefährt frei wird. Jemanden am Straßenrand stehen zu lassen, obwohl wir mindestens drei Plätze frei haben, bringe ich hier nicht übers Herz. Die Straßenverhältnisse in Kuba sind sehr unterschiedlich. Man kann viele Kilometer auf einer gut asphaltieren Straße fahren, bis sich diese plötzlich auf einer Länge von 10 oder 20 Kilometern vor Schlaglöchern nicht mehr erkennen läßt. Genauso ergeht es auf unserer heutigen Fahrt. Die letzten Kilometer vor einem sog. Autobahnabschnitt werden die Schlaglöcher immer zahlreicher, bis man nicht mehr um sie herumfahren kann. Wir passieren dieses ca. 15 km lange Stück sehr langsam, dafür aber ohne Autopanne. Die in die Stadt führende Autobahn sollte irgendwann mal Santiago de Cuba mit Havanna verbinden. Man ist aber über den Bau der ersten 20 km nicht hinausgekommen. Die Straße ist breit und gut asphaltiert. Jegliche Befestigungen oder gar Markierungen sollte man indessen nicht erwarten. Und auch hier findet man wie überall viele Fußgänger, Pferdegespanne und Fahrräder.
Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt Kubas und war dessen Hauptstadt, bevor Havanna diesen Rang übernahm. Die Altstadt ist ebenso heruntergekommen wie die Havannas, es fehlt ihr jedoch deren Pracht. Am zentralen Plaza de Cespedes parken wir das Auto. Parkplatzprobleme gibt es auf Kuba keine. Sofort werden wir von jungen Männern umringt, die sich uns als Reiseführer anbieten. Tourismus ist der Stadt scheinbar nicht fremd. Wir wimmeln sie ab, weil wir die Stadt nach unseren eigenen Vorstellungen erkunden wollen. Die Kathedrale wird zur Zeit restauriert, von außen sieht sie schon wieder recht gut aus. Leider sind die Kirchen auf Kuba außer zu Messezeiten geschlossen, so daß wir sie nicht besichtigen können. Auf einem nahe gelegenen agromercado decken wir uns mit Obst und Gemüse ein. Es gibt Papaya und Bananen, Tomaten, Salat und Limetten. Obwohl der Markt von privaten Händlern bestückt wird, ist das Angebot karg und mit dem anderer karibischer Inseln nicht zu vergleichen.

Wir bummeln durch die kleinen Gassen, vorbei an einigen restaurierten Gebäuden, die alle öffentlichen Charakter haben. In einer kleinen Bar, in der fast ausschließlich Kubaner ihren Kaffee trinken, treffen wir auf Raul. Er arbeitet im Haus der Kultur, vielleicht ist er eine Art Kulturdezernent. Er ist begierig, uns seine Stadt zu zeigen. Gemeinsam wandern wir zum „balcon de Velazquez", einem Aussichtspunkt, der einen schönen Blick auf die Bucht von Santiago freigibt. Danach führt er uns in ein kleines, unscheinbares Haus, in dem es allabendlich LiveMusik geben soll. Es ist zwar erst Nachmittag, aber wir treffen auf eine kleine Gruppe Kubaner, die dort gemeinsam musiziert. Ihre Ausgelassenheit läßt sich aber nicht allein auf die Musik zurückführen.

Das ein oder andere Glas Rum zeigt bereits seine Wirkung. Wir werden mit offenen Armen empfangen und können nur mit Mühe und Not den angebotenen Rum ausschlagen. Man führt uns das ein oder andere Stück vor, danach lassen wir sie lieber allein weitertrinken. Raul ist ein lieber Mann, mit dem wir uns sehr gut unterhalten. Wie mit Antonio kann man auch mit ihm offen über die Politik Kubas reden. Er wirkt allerdings ein wenig verbittert, wenn er über politische Gefangene, die Unfreiheit oder die Überwachung redet. Wir hätten gern mehr Zeit für ihn gehabt, doch leider steht uns noch eine weite Heimfahrt durch viele Schlaglöcher bevor.

Die wird dann auch anstrengender und langwieriger als erwartet. Auch in der Dunkelheit sind die Kubaner zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Pferd unterwegs. Und alles unbeleuchtet. Drei Stunden später erreichen wir unser Boot, erleichert darüber, keinen Kubaner auf der Motorhaube gehabt zu haben.

22.12.2000

Mindestens einen Tag vor der Abreise müssen wir die Guarda Frontera davon in Kenntnis setzen. Das haben wir gestern getan und heute stehen vier Beamte an Bord, um uns auszuklarieren. Auch sie müssen mal wieder in die Schränke schauen und sich vergewissern, daß wir keinen Kubaner außer Landes schmuggeln wollen. Danach erhalten wir die Clearance.

Will man tanken, so muß man dies ebenfalls einen Tag zuvor ankündigen. Das haben wir nicht gewußt, so daß wir unsere Kanister nicht füllen lassen können. Durch die guten Segelbedingungen haben wir aber auch kaum Diesel verbraucht, so daß wir uns nicht weiter daran stören. Störend allerdings empfinden wir die Tatsache, daß man uns 60 $ für den Ankerplatz berechnet. Die Facilities der Marina, die sich in einer Bar und einem Telefon erschöpfen, rechtfertigen das jedenfalls nicht. Und die Benutzung des Dinghidocks wohl auch nicht. Wir bringen unser Unverständnis deutlich zum Ausdruck, zahlen aber den geforderten Betrag. Gegen 17.00 Uhr laufen wir Richtung Ragged Islands / Bahamas aus.



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Letzte Änderung / Last change: Dienstag, 19. Juni 2002