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Mikroben im Diesel

Was tun, wenn der Dieselkraftstoff von Mikroorganismen befallen ist ?
von G.W. Henrichs - SY "Iduna"

Im letzten Jahr wurde diese Problemstellung von Fahrtenseglern des öfteren angesprochen und da sie die Schiffssicherheit erheblich gefährden kann und mir diese Problematik noch aus meiner aktiven Seefahrtszeit als Schiffsingenieur bekannt ist, möchte ich hier einen kurzen Abriß über diesen Themenkreis mit Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

Im Dieselkraftstoff und auch in Schmierölen können Mikroorganismen (Pilze Bakterien und Häfen) leben und sich unter günstigen Bedingungen auch vermehren. Hierzu ist Wasser (z.B. Kondenswasser durch Tag/ Nacht- Atmung des Tanks). das sich am Tankboden sammelt oder im Kraftstoff fein verteilt ist. Voraussetzung. Etwa 100 ppm Wasser reichen für ein mikrobielles Wachstum ans. Außerdem werden Wachstum Elemente in chemisch gebundener Form benötigt. wie Schwefel, Phosphor und Spurenelemente. Diese Stoffe sind alle im Dieselkraftstoff vorhanden. Gelangen Pilze oder Bakterien an die Grenzschicht Dieselkraftstoff / Wasser oder Öl / Wasser, so finden sie günstige Wachstumsbedingungen vor und können auskeimen, sich vermehren und wachsen. Das Wachstum dehnt sich je nach Art der Mikroorganismen im Kraftstoff oder im Wasser aus.
Einen Sonderfall stellen die Algen dar. Ihre "Heimat" ist das Wasser. Sie kommen nur in der Wasserphase vor und gelangen nur durch die Durchmischung ins Fuel. Auch an den Tankwänden können sich schleimige, glitschige und dunkel gefärbte Ablagerungen bilden. Neben der Verunreinigung führen diese Mikroorganismen außerdem zu "mikrobieller Korrosion". Solche Korrosionsschäden werden nicht durch die Bakterien, sondern durch ihre Stoffwechselprodukte erzeugt. Es tritt vermehrt rostbrauner bis schwarzer Schlamm auf. der sich seifig anfühlt.

Bei Brennstofftanks aus VA-Material ist im Tank kaum mit Korrosionsschäden zu rechnen. aber nicht ganz auszuschließen. Dieser Schlamm mit Fasern durchsetzt. es sind die Pilzgeflechte oder Algen, was nur unter dem Mikroskop erkennbar ist, verstopft den Kraftstoffilter mit den hinlänglich bekannten Folgen.

Wie schon erwähnt, können auch im Schmieröl Mikroorganismen vorhanden sein. Durch ihre sauren Stoffwechselprodukte zerstören sie partiell den Ölfilm und führen dadurch zu Schäden - an Lauf- und Gleitflächen. Tritt kontaminiertes Motorenöl in den Kühlwasserkreislauf, so kann das Wachstum von Mikroorganismen stark gefördert werden und Kühler und Wärmeaustauscher verschlammen "Ein wirklich teuflischer Kreislauf'.

Aus der Beschreibung der Problemstellung ergibt sich schon der Erste Lösungsschritt: Sauberen und wasserfreien Kraftstoff tanken. Entzieht sich aber meist einer gezielten Kontrolle.

Auch den Brennstoff beim Betanken über einen Vorfilter laufen zu lassen, ist meist auf Yachten nicht realisierbar. Bei starkem Befall des Kraftstoffes. des Tanks. der Kraftstoffleitungen. Filter. etc.. hilft als erste Maßnahme die mechanische Reinigung. Auch häufiges Entwässern des Kraftstofftanks ist absolut notwendig. Den Kraftstoff im Bypass über einen Filter umpumpen, läßt sich ebenfalls in den wenigsten Fällen mit Bordmitteln auf einer Yacht durchführen. Der Einsatz von Bioziden /Bakteriziden ist der problemloseste und beste Lösungsweg und kann auch vorbeugend eingesetzt werden.

Von diesen Produkten sind einige auf dem Markt, z.B. von den Firmen Nalco, Thor-Chcrnie, Bode-Chemie, Rohm & Hass.
Namentlich ist mir das Produkt "MAR 7l" von der Fa. Schülke & Mair bekannt.

Infos vom Hersteller:
Neuere Testergebnisse belegen, daß die Einwirkzeit von GrotaMar 71 nur 24 Stunden beträgt (Test-Bericht senden wir Ihnen auf Anforderung gern zu). Zusätzlich empfehlen wir als Sanierung von bereits hochgradig befallenem Kraftstoff eine Einsatzkonzentration von 1,0 Liter GrotaMar 71 auf 1000 Liter Kraftstoff. Die von Ihnen genannte Einsatzkonzentration von 0,3 - 0,7 Liter kann u.U. ausreichend sein - stützt sich dann aber auf die vorherige mikrobielle Untersuchung des Dieselkraftstoffes (diese Untersuchungen werden z.B. bei großen Lagertanks durchgeführt) - dies ist in der Regel bei Privatbooten schwer möglich.Um hier auf der "sicheren Seite" zu sein, ist die von mir genannte Dosierung von 1 l / 1000 l somit sinnvoll und notwendig.

Nachtrag zum Bericht: "Mikroorganismen im Dieselkraftstoff"

Aufgrund mehrerer Rückfragen zu meinem Bericht im letzten Intermar-Heft, möchte ich an dieser Stellc noch ein paar zusätzliche Dateninfos über das Einsatzprodukt "GrotaMar 71®" hinzufügen.

Mit dem Produkt GrotaMar 71® steht uns ein hochwirksames Konservierungsmittel als Biozid mit einem breiten Wirkungsspektrum, welches bei niedrigen Konzentrationen Bakterien. Pilze und Hefen vernichtet, zur Verfügung.
Mar 7l ist sowohl in Dieselkraftstoff als auch in Wasser löslich (Verteilungskoeffizient Wasser/Dieselöl = 28), so daß eine Anreicherung in der besonders gefährdeten Wasserphase stattfindet. Aufgrund seiner Alkalität kann das Einsatzprodukt die durch mikrobielles Wachstum gebildete Säure neutralisieren und einen Korrosionsschutz für Stahl aufbauen, es bildet keine korrosiven Verbrennungsprodukte !

GrotaMar 71® ist eine wasserfreie, wasserhelle Flüssigkeit mit aminartigem Geruch., gut löslich in Wasser und löslich in den handelsüblichen Umlaufölen und Dieselkraftstoffen. Die Zusammensetzung ist: N,N-.methylen-bis-(5-methyloxazolidin).


Anwendung: Das Einsatzprodukt kann direkt dem Dieselkraftstoff zugesetzt werden. Auf eine gute Durchmischung und eine ausreichende Einwirkzeit. von ca. 72 Stunden ist zu achten.

Die Einsatzkonzentration richtet sich nach der Stärke des mikrobiellen Befalls und soll P.,3 bis 0,7 l/t Kraftstoff betragen. Ein Langzeitschutz ist durch seine hohe Lagerstabilität gegeben, nach drei Monaten sind noch 80% der Ausgangskonzentration vorhanden. Damit bleibt auch bei einer Nachbefüllung ein ausreichender antimikrobiller Schutzstatus über längere Zeit erhalten. Ein präventiver Einsatz, in kleiner Dosierung, bei unklaren Kraftstoff- und Tankverhältnissen ist sinnvoll. Häufiges Entwässern des Kraftstofftanks ist vorzunehmen.

Ich hoffe, daß ich alle relevanten Daten aufgeführt und beschrieben habe. Bleibt nur noch zu erwähnen, wo bekommt man dieses "GrotaMar 71®":
Fa. Schülke & Mair / Robert-Koch-Str. 2, 22851 Norderstedt.
Preise und meitere Infos auf Anfrage.
oder: Wer mal mit seinem "Dampfer" im Seegebiet südl. Alicante bis nördl. Cartagena kreuzt, kann sich bei Bedarf bei mir auf La Manga del Mar Menor "ein Viertele" von GrotaMar 71®, für seinen Tank abholen.

Ich bin meistens auf der QRG
  • 14.307/14.313KHz zu den bekannten Zeiten,
  • oder auf UKW 145.375MHZ
  • oder auf Seefunk-Kanal 69
  • oder EA-Mobiltelefon: 909637431 zu erreichen.

Einen rundlaufenden "Jockel"!
Bis dahin gute Fahrt vy 73 de

Willy/DL1WHA

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