Ist in den Tropen häufig. Er bessert
sich meist mit oder ohne Therapie; und was ein Durchfall ist, weiß jeder;
dennoch tun sich gerade die Fachleute schwer mit einer Definition. Allgemein
gilt als Durchfall, wenn ungeformter oder flüssiger Stuhl öfter als etwa 4 mal
pro Tag abgesetzt wird. Er ist in der Regel dann harmlos,
ð wenn weder Blut noch Schleim im Stuhl
zu sehen sind und ð wenn Fieber, Erbrechen, Schmerzen und Kreislaufstörungen
fehlen.
Bei anderen Arten der Erkrankung soll primär ein Arzt
entscheiden! Ursachen für Durchfälle gibt es in großer Zahl. Entsprechend
genügt bei einigen Fällen eine Diätumstellung, andere sind nur mit speziellen
Tabletten (Antibiotika, Parasitenmitteln o.a.) behandelbar; wieder andere sind
auch durch häufige Stuhluntersuchungen nicht klärbar und bessern sich erst im
Urlaub, bei Stellenwechsel oder nach der Überwindung einer Lebenskrise.
Daher gibt es keine Standardtherapie des Durchfalls!
Beispiele
/ Übersicht:
| Ursachen |
Beispiel |
Untersuchung |
Therapie
(i.d.R.) |
Infekte:
Parasiten Bakterien Pilze Viren
Allergie
Klima
Psyche |
Amöben /
Lamblia Salmonellen Hefepilze Enteroviren
Gewürze /
Eiweiß Hitze / Schwüle Lebenskrise |
parasitologisch Stuhlkultur (Stuhlkultur) (Stuhlkultur)
"probieren"
./. . /. |
spezielle
Tabletten spezielle Tabletten spezielle
Tabletten symptomatisch vermeiden anpassen
bewältigen |
seltener: Würmer,
Erkrankungen der Leber, Schilddrüse oder andere Organe (z.B. "Blinddarm");
auch: Malaria! |
|
|
|
I. Vorgehen bei "harmlosen"
Symptomen: 1. Wasser- und Salzersatz (= "symptomatische
Therapie"): Bei Durchfallerkrankungen sind die allgemeinen Beschwerden
durch die Verluste von Wasser und Salzen (Elektrolyten) bedingt: alle Organe
sind betroffen! Kraftlosigkeit und Niedergeschlagenheit (d.h. Muskeln und
Psyche) besser sich rasch, wenn man ausreichend viel von einer Lösung zur
"Oralen Rehydration" (ORS) trinkt. Exaktes Rezept: (Abkürzungen
s.u.) Erwachsene pro 1 l Trinkwasser: 3,5 g NaCl 2,5 g NaHCO³ 1,5 g
KCl 20 g Glucose Kinder pro 1 l Trinkwasser: 2,3 g NaCl 3,3 g
NaHCO³ 2,6 g KCl 20 g Glucose Fertigpräparate wie Elotrans® für alle bzw.
Oralpädon® für Kinder sind Variationen der ORS, z.T. mit mehr Zucker und auch
gut wirksam. Sie gehören in jede Haus- und Reiseapotheke. Erwachsene trinken ¼ l
jede Stunde bis zur Besserung. Bei Säuglingen, Kleinkindern und Nierenkranken
muß ein Arzt die Therapie überwachen. Vorsicht: G Diabetes mellitus
("Zuckerkrankheit") G
verschiedene Konzentrationen bei den Fertigpräparaten. Zucker ist für die
Aufnahme der Salze im Darm zwar notwendig, zuviel kann aber Durchfall
auslösen. Zur Not (ohne Apotheke) gibt man "SSS" (Abk. s.
u.)
SSS-Rezept: In einem Liter abgekochtes Wasser gibt
man:
| **Zucker |
(ca.): |
5 gestrichene
Eßlöffel |
| **Kochsalz |
(ca.): |
1,5 gestrichene
Teelöffel |
| **Frucht-(Orangen-)Saft |
(ca.): |
1 Glas (enthält
Kalium) |
Die Lösung darf nie salziger schmecken als
Tränen. Coca Cola (wenig) ist oft schon bei Kindern und Erwachsenen wirksam
(auf Reisen mitnehmen! Nichts für Säuglinge!). Ein Meßlöffel für
Salz/Zuckerlösung erhältlich über: Institute of Child Health, 30 Guilford
Street, London WCIN, GB;
2. Diät: Eine Diät, die immer
hilft, gibt es nicht; die meisten Erwachsenen reagieren gut auf folgende
unspezifische Aufbaudiät:
"Drei-Tage-Diät" für Erwachsene: (Säuglinge
und Kleinkinder: Heilnahrung [z.B. Milupa])
| 1. Tag |
trinken
essen |
nur (!) leicht (!) gesüßten,
dünnen, schwarzen (!) Tee oder ORS/SSS; frühestens nach 8 Stunden dann nur (!) dünne Fleischbrühe,
gesalzen (z.B. "Maggi", o.ä.) |
| 2. Tag |
trinken essen |
s.o. s.o., zusätzlich z.B.
Yoghurt/Salzstangen/Zwieback |
| 3. Tag |
trinken essen |
s.o. s.o., zusätzlich etwas
Reis oder Kartoffeln |
| 4. Tag und folgende |
|
auf leichte Normalkost
übergehen |
3. Stuhluntersuchungen: Wenn nach 48
Stunden keine Besserung eintritt, 3 x 2 Proben (auf Parasiten und
Bakterien). Der Erregernachweis gelingt dann wesentlich besser, wenn die frische
Probe noch warm untersucht wird: Toilette des Labors
benutzen!
II. gezielte Therapie (= "kausale
Therapie") Wenn dann die Gründe für den Durchfall bekannt werden
(Laborergebnisse), so ist immer diejenige Therapie die beste, die gegen diese
Ursache wirkt. Das kann ein spezielles Antibiotikum sein oder auch ein
Medikament gegen Würmer oder Parasiten: die Auswahl muß immer der Arzt treffen, da fatale Fehler des Patienten möglich sind! Loperamidhydrochlorid (z.B.
Imodium®, Aperamid®) ist kein Allheilmittel! Es unterdrückt den Durchfall: das ist bei Vorträgen, Sitzungen bzw. Fahrten wertvoll. Die Anwendung über mehr als
einen Tag kann aber gefährlich werden ("der Darm wird lahmgelegt"). Nur bei
harmlosen Symptomen nehmen, nie Kindern geben! Viele schwören auf Kohle oder
Perenterol-Tabletten, schaden kann man sich damit wohl nicht.
In den
Tropen soll man grundsätzlich soviel trinken, daß die
Urinfarbe immer hell-wässrig bleibt
(nicht dunkel!). Säuglinge, Kleinkindern, auch
Diabetiker können durch fehlende Nahrung, Wasser- und Salzverlust rasch
lebensgefährlich erkranken! Oft muß nach wenigen Stunden (!) eine Infusion durchgeführt werden.
Verstopfung: Zeiträume bis zu
3 Tagen ohne Stuhlgang gelten als normal; Bei "Darmträgheit" hilft
schlackenreiche Kost, täglich 1/2 Stunde Spaziergang, etwas Sport oder
Gymnastik, täglich 1 l Wasser mehr (denn der Flüssigkeitsbedarf liegt
meist über der Durstgrenze!). Oft ist der Stuhl auch zu hart, nur weil zu wenig
und in falschem Rhythmus getrunken wird: nicht stoßweise zu den Mahlzeiten
trinken, sondern stetig über den Tag verteilt; Getränke gehören in den Tropen
auch an den Arbeitsplatz, und nebenbei beugt dies Gallen- und Nierensteinen vor.
Wechsel von Verstopfung und Durchfall kann auch ein Zeichen z.B. einer
Amöbeninfektion sein! Dann - auch bei eigentlich harmlosen Symptomen - ärztliche
Beratung sowie Stuhluntersuchung (auf Amoeben und Blut im
Stuhl!)
Abkürzungen: g = Gramm; mg = Milligramm;
ORS = Oral Rehydration Solution;
SSS = Simple Sugar Salt-solution; NaCl =
Kochsalz/Natriumchlorid; NaHCO³ = Natriumbikarbonat/"Bikarbonat"; KCl =
Kaliumchlorid; Glucose = Zucker. Ein Heft über Leben und Arbeiten in den
Tropen, das auch die Merkblätter enthalten soll, ist in
Vorbereitung.
Aus alten Büchern zum alten Problem: "Alle
Gelehrten sollten sich täglich eine oder zwei Stunden der Leibesübung widmen.
Das bloße Spazierengehen hat seine Vorteile, ist aber alleine nicht hinreichend,
und ich kann nicht genug empfehlen, oft zu reiten; diese Bewegung ist sehr
vortrefflich für den Kopf, für die Brust, und vornehmlich für die Eingeweide des
Unterleibes, worin es den Verstopfungen zuvorkommt und sie zerstreut,
welches eine gewöhnliche Krankheit vielsitzender Personen ist." (Tissot
1769/80). "Sehr oft entstehen Durchfälle aus Betrübniß und
Gemütsbewegungen und sind fast immer unheilbar, wenn die Ursache des Grams nicht
gehoben wird." (Stoll 1795/73). Durchfälle werden oft durch natürliche
oder künstlich erregte Schweiße gehoben. Daher sind Dinge nützlich, welche die
Ausdünstung zu befördern pflegen, wie warme Bäder, Hemden von feinem Flanell,
und die Bewegungen des Körpers. Auch der Ehestand hat vielen Personen bei dieser
Beschwerde geholfen." (Lieutaud 1785/38)
Quelle: Bundesgesundheits- Minister |