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9 Jahre Blauwassersegeln und die Ausrüstung dazu
Ein Erfahrungsbericht von Bernd und Christine,
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Seit ca. 9 Jahren leben wir nun auf unserem inzwischen 28 Jahre alten Katamaran und sind in dieser Zeit von der Türkei bis New Zealand gesegelt. Dieser Bericht soll sich mit den Ausrüstungen beschäftigen die vor allem das Leben an Bord während des Ankerliegens leichter machen. ![]() Vorschiff im BauDie Daten zu unserem Schiff:
Schlaf- Doppelbett mit LautsprecherWir haben einige Dinge an Bord die unser Leben oft leichter machen. Das sind im wesentlichen folgende Einrichtungen:
Sicher wäre ein schallgedämpfter Dieselgenerator in der Anschaffung preisgünstiger gewesen, aber jetzt nach 9 Jahren wissen wir, dass die Entscheidung für Solarpaneele die bessere war. Zum einen ist die Lebensdauer der Paneele deutlich größer (bis heute konnten wir keine spürbare Leistungsminderung feststellen) und der Service ist absolut minimal. Auf den tropischen Inseln entfällt sogar das gelegentliche Reinigen, bedingt durch ausreichende heftige Regenschauer. Gelegentlich kommt es vor, dass wir mehr Strom erhalten als wir benoetigen und speichern koennen. In diesen Faellen wird der Ueberschuss mit dem Wassermacher in Trinkwasser umgesetzt und so gespeichert. Bei länger anhaltendem schlechten Wetter (länger als 3 Tage) wird gelegentlich einer der beiden Dieselmotoren zum Laden benutzt. Wir verwenden handelsübliche Bosch Lichtmaschinen aus dem Kfz Bereich mit einer Nennleistung von je 90 Ampere und die schaffen es locker die Batteriebank mit dem maximal zulässigen Ladestrom von 60 Ampere (10 % der Batteriekapazitaet) zu laden. Die Nennleistung der Lichtmaschine ist ein theoretischer Wert und darf auf keinen Fall als normale Ladeleistung angesehen werden, zumal beim Laden der Motor ja meistens nur im Leerlauf dreht. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass 2/3 der Nennleistung ein guter Wert ist der am Ankerplatz genutzt werden kann. Als Regler wird der standardmäßig angebaute Kfz Regler verwendet. Allerdings mit der Modifizierung durch Dioden in der D+ Leitung die wahlweise mit Kippschaltern zugeschaltet werden können (siehe Bericht in den TO Nachrichten „Volle Batterien“ von Helmut van Straelen, Seite 37, Oktober 1993). Diese Lösung arbeitet störungsfrei, kostet nicht viel und kann selbst eingebaut werden. Diese Dioden helfen auch bei niedriger Motordrehzahl den gewuenschten Ladestrom zu errreichen. Auf jeden Fall sollte ein gutes digitales Voltmeter vorhanden sein. Conrad Electronic bietet mit Best. Nr. 12 15 41 KM ein LCD Panelmeter an, das zusammen mit dem Messbereichsadapter fuer 0-20 Volt weniger als EUR 30,-- kostet und das bei einer Genauigkeit von 0,1 %. Dieses Digitaleinbauvoltmeter wird direkt von der Bordspannung, die zwischen 8 und 30 Volt liegen kann, versorgt. Seit 1998 betreiben wir an Bord eine Seewasser Entsatzungsanlage von Village Marine „Little Wonder“. Diese Anlage produziert nun seit fast 5 Jahren unverändert ca. 20 Liter pro Stunde bei einem Stromverbrauch von 18 Ampere. Unser taeglicher Wasserbedarf am Ankerplatz liegt typisch bei 40 Liter, d.h. der Wassermacher laeuft taeglich 2 Stunden im Schnitt. Für eine gute Funktion des Wassermachers ist neben einer entsprechenden Wartung der Membrane mit einem Präservativ bei längerem Stillstand ein gut dimensioniertes Filtersystem zu empfehlen. Der Hersteller schreibt lediglich einen 5 Mikron Vorfilter vor. Zusätzlich haben wir noch einen 25 Mikron und einen 100 Mikron Filter vorgeschaltet. Beim 100 Mikron Filter handelt es sich um einen normalen Filter wie er in Hauswasseranlagen verwendet wird. Wir setzen von Honeywell Braukmann den Typ Feinfilter FF08 R 3/4", Ident.-Nr. 0 900 709 ein. Bei diesem Filter besteht der Filtereinsatz aus Edelstahl und ist einfach, z.B. mit Chlor, zu reinigen. Den gleichen Filter setzen wir auch als Vorfilter für die Salzwasserversorgung in der Küche und für die Salzwasserspuelung in der Toilette ein. Honeywell Braukmann hat diesen Filter nicht für Salzwasser vorgesehen, aber wir können nun nach 5jaehrigem Einsatz im Salzwasser noch keine Korrosion feststellen. Ein kpl. Filter fuer ¾“ Anschluss kostet im Sanitärhandel in Deutschland um die EUR 100,--. Für die 25 und 5 Mikron Filter verwenden wir gewickelte Baumwollfilter. Diese Filter werden, wenn Sie deutliche Verschmutzungen zeigen, mit Bleach (Chlor) gereinigt, wobei darauf zu achten ist, dass Chlor der größte Feind für die Membrane des Wassermacher ist. Es ist aber kein Problem, wenn der gereinigte Filter mindestens 8 Wochen Zeit zum Austrocknen hat. In dieser Zeit wird das im Filter befindliche Chlor vollständig an die Umgebungsluft abgegeben. Auf diese Weise koennen wir die Baumwollfilter zwischen 5 - 10 mal wieder verwenden. Seit wir den Wassermacher in Betrieb haben hat sich zum Einen die bevorratete Wassermenge halbiert und zum Anderen sind wir vollkommen unabhängig von irgendwelchen Wasserhähnen am Land und ein ganz wichtiger Punkt, wir kennen die Qualität unseres Bordwassers, bei dem wir auch regelmässig den Leitwert kontrollieren. Seit Beginn unserer Reise in 1994 haben wir einen Waschvollautomat von Candy, Aquamatic 3 W an Bord in Betrieb. Es handelt sich bei diesem Typ um eine normale Haushaltswaschmaschine, allerdings nur für 3 kg Trockenwäsche was für uns aber bisher nie ein Problem war. Es ist ein Frontlader mit den Abmessungen 69,5x51x40 cm und wiegt ca. 45 kg. Für ein normales Waschprogramm ist die Wassermenge mit nur 10 Liter angegeben. Wir haben in die Maschine einen zusätzlichen Schalter zum Abschalten der Heizung eingebaut, dadurch bleibt der Stromverbrauch niedrig und die Wascheigenschaften sind vollkommen ausreichend, bei Bedarf kann auch heisses Wasser eingefuellt werden. Die Waschmaschine hat eine gute Elektronik und der Waschmotor arbeitet nur in Intervallen. Grundsätzlich versuchen wir für alle Geräte die kritischen Ersatzteile an Bord zu haben und das war der Grund weshalb wir 1994 bei Candy in Ratingen alle erforderlichen Teile für den Tausch des Trommelhauptlagers bestellt haben. 2000 auf dem Weg von den Tuamotus nach Tahiti ist dann dieses Hauptlager defekt geworden und in Papetee haben wir die Ersatzteiletuete herausgeholt und zu unserer großen Freude waren alle Teile, einschließlich des Mikrofilms den normalerweise nur die Servicestellen haben, in der Ersatzteiltüte. Die Waschmaschine läuft wieder unverändert zu unserer vollen Zufriedenheit. Bei unserer Abreise hatten wir den Katamaran mit einem 12 Volt Kühlschrank von Danfoss mit 110 Liter Inhalt für viel Geld ausgerüstet. Die Elektronik dieses Kühlschranks war inzwischen 2mal defekt und nur weil ich in der Lage bin die meisten Reparaturen an der Elektronik selbst auszuführen bin ich jedes Mal verschont geblieben eine neue (in Trinidad z.b. für US$ 350,--) zu kaufen. In Martinique haben wir uns dann zusätzlich einen 160 Liter Haushaltskühlschrank gekauft der treu und problemlos funktioniert. Wir haben seit 6 Jahren 270 Liter Kuehlraum verfuegbar und das ist vor allem in den Tropen sehr angenehm fuer Obst und Gemüse. Als Stromversorgung verwenden wir einen sinusähnlichen Wechselrichter der Firma Berel, Typ EC 2000S gekauft bei Conrad Electronic, Hirschau für ca. DM 1.500,--. Dieser Inverter hat einige Besonderheiten. Er hat nur auf der 12 Volt Seite Transistoren und die 220 Volt Seite besteht aus einem gut dimensionierten Ringkerntransformator. Er verursacht nur geringe Störgeräusche im Kurzwellenfunk durch seinen sinusaehnlichen Ausgang und ist auch in der Lage durch die Blindstromrückgewinnung z.B. eine Mikrowelle effizient zu betreiben. Die Besonderheit ist aber, dass dieser Wechselrichter im Standby betrieben wird. Er aktiviert sich augenblicklich selbst, wenn eine Last größer 25 Watt eingeschaltet wird. Nach Abschalten des Verbrauchers geht er wieder in den Standby Mode zurueck. Das ist fuer uns die optimale Loesung fuer unseren 220 Volt Kuehlschrank. Der Standby Strom beträgt weniger als 0,04 Ampere. Sein einziger Nachteil ist das Gewicht von ca. 10 kg für den 1.000 Watt und 19 kg für den 2.000 Watt Typ, aber beide Typen eignen sich zum Betrieb von Kühlschraenken. Auf einen Gefrierschrank haben wir bewusst verzichtet da uns das Risiko zu hoch ist mal in schlechten Wetterperioden nicht genuegend Strom hierfuer zu haben. In all den Jahren hat sich auch gezeigt, dass bei entsprechender Haushaltsfuehrung er nicht notwendig ist. Christine hat sich schon bald zu Beginn unserer Segelreise an die alten Rezepte zum konservieren und einmachen von Lebensmitteln erinnert. Vor allem Fisch und Fleisch laesst sich mit einem Dampfkochtopf bestens einwecken. Diese Lebensmittel sind dann, auch in den Tropen, fuer Monate haltbar. Sehr bewaehrt hat sich auch das Marinieren von Fisch und Fleisch, wodurch die Lebensmittel bis zu 4 Wochen und laenger im Kuehlschrank gut konserviert werden koennen und das alles ohne chemische Zusaetze. Verwendet wird hierfuer Essig, Soyasosse, Salz, Zucker, Pfeffer und andere Gewürze. Auch wenn wir über 12 Solarpaneele verfügen wollen wir auf keinen Fall Strom sinnlos verbrauchen. Das hat uns veranlasst alle Leuchten im Schiff gegen 4 Stift Energiesparlampen mit speziellen 12 Volt Invertern auszutauschen. Solche Inverter fuer 12 Volt baut z.b. die Firma Osram. Zusätzlich haben wir noch die Positionslampen und die 3Farben Toplaterne jeweils auf 5 Watt Energiesparlampen, die eine Lichtleistung von 25 Watt haben, umgebaut. Das macht es uns problemlos möglich auch auf langen Strecken die vorgeschriebene Beleuchtung zu fahren. Dass unsere Laternen nun keine DHI-Zulassung mehr haben stört uns nicht weiter. Wir sind auf jeden Fall sicher, dass wir nachts eine gute Beleuchtung haben. Von der Firma Sachs Bikes, (früher Herkules) haben wir 2 Saxonetten an Bord. Das sind normale Fahrräder mit einem kleinen Hilfsmotor mit 0,7 PS, Elektrostarter und Automaticgetriebe. Ein solches Fahrrad wiegt ca. 29 kg und verbraucht ca. 1 Liter Benzin auf 100 km. Alles was so im Radius von 35 km liegt ist recht bequem zu erreichen. In all den Jahren hatten wir in keinem Land Probleme wegen der Zulassung. Als Nummernschild haben wir lediglich FAN CHUAN angebracht. Gleichgültig ob in der Türkei zum Bazar, in Gibraltar um in Spanien zum Einkaufen zu fahren oder auch einfach so zum Spaß Tahiti zu umrunden, sie funktionieren immer und wir möchten auf keinen Fall auf sie verzichten. Sehr angenehm sind diese Saxonetten in Marinas und Haefen wo teilweise die Wege recht lang sein koennen. ![]() Saxonette mit ChristineGanz zum Schluss noch ein Negativerlebnis aus der Rubrik „Firmenkontakte“. 1994 kauften wir über die Firma Frisch München, Vertretung von Harken, ein kugelgelagertes Mastrutscher System für unser durchgelattetes Großsegel mit 27 qm. Die Harken Komponenten hatten damals ca. DM 5.000,-- gekostet (ohne Segel). Nach ca. 5 Jahren waren die Kugeln verschlissen. Zu diesem Zweck hatte ich von unserem Sohn Ersatzkugeln mit nach Tahiti mitbringen lassen die wir für viel Geld bei P. Frisch gekauft haben. Bei genauer Betrachtung war dieser Defekt sogar noch ein Garantiefall, da die Fehlfunktion innerhalb der 5jaehrigen Garantiefrist aufgetreten war. Bei der Montage hatte ich dann festgestellt, dass ein paar Kugeln gefehlt haben (war meine Schuld) und ich konnte die Anlage nicht fertig montieren. Wir hatten P. Frisch per Email gebeten Kugeln für ca. DM 10,-- in einen Briefumschlag zu stecken und nach Tahiti zu schicken, so dass wir keine Zollabwicklung machen müssen.Daraus hat sich ein 14taegiger Schriftwechsel ergeben der letztendlich die Aussage beinhaltet hat, dass dieses System nur für Binnengewässer und Küstensegeln geeignet wäre, was definitiv lt. Harkenkatalog nicht gestimmt hat. Die Kugeln haben wir nicht bekommen und ich habe teilweise die alten Kugeln wieder einbauen muessen. Allerdings habe ich dann anschließend ein Email an Harken Milwaukee geschickt und von dort nur die Frage bekommen wie viele Kugeln sie an welche Anschrift senden sollen. Harken USA hat dann noch einige Teile zusätzlich geschickt und das alles kostenlos. Der Firma P. Frisch München würde ich gerne die silberne Zitrone für ihren Service verleihen. Aber wie gesagt, in 9 Jahren segeln war das die große Ausnahme. Allgemein zur Ausrüstung ist zu sagen, dass es gelegentlich besser sein kann einfache Geräte zu kaufen die leichter zu reparieren und zu warten sind. Wir hatten z.b. Anfangs 2 Mikroprozessor gesteuerte 30 Ampere Solarladeregler eingebaut. Beide wurden defekt und ich habe sie durch einfache Schwellwertschalter ersetzt die ich jederzeit selbst reparieren kann. Grundsätzlich ist es immer lohnend direkt mit dem Hersteller Kontakt aufzunehmen. Im Normalfall haben die Firmen erbarmen mit unseren Problemen und geben gerne Hilfe die meistens weit ueber das hinaus geht was von einem Haendler zu erwarten ist. Ganz besonders möchten wir der Firma Sachs Bikes, Nürnberg, Siemens Augsburg, Farymann Lampertheim (ohne der Hilfe durch Herrn Diefenbach würden unsere beiden Dieselmotoren bestimmt schon Schrott sein), Candy, Ratingen, Steiner Bayreuth und anderen Firmen, für die Hilfe die sie uns gewährt haben, danken. In Trinidad wollten wir 1998 unseren Kat verlängern lassen. Nach 2 fehlgeschlagenen Versuchen mit einheimischen Firmen habe ich zusammen mit einem Arbeiter vorne verlaengert mit gesamt 2,8 to. mehr Auftrieb und hinten Badeplattformen mit zusaetzlich 0,8 to. Auftrieb zusammen angebaut. Diese Verlaengerungen haben eine spuerbar bessere hochseetauglichkeit bei schlechtem Wetter gebracht. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit, gemessen ueber ca. 10.000 sm lag bei 5,3 kn. Unsere Fahrt wird Ende April von New Zealand wieder nach Fiji gehen. Viele Grüße Bernd und Christine Katamaran FAN CHUAN fan.chuan@bigfoot.com Liefernachweise: Berel Wechselrichter EC1000S, 1.000 Watt für EUR 509,-- und EC2000S, 2.000 Watt für EUR 769,-- Firma Conrad, Hirschau, Tel. 0180 5312111 Candy Waschvollautomat Aquamatic 3W, Email edda.krause@candy-hoover.de Saxonetten, Sachs Bikes, Nürnberg, Email dieter.scholz@sachs-bikes.de |
