Translate

Der elektronische Gehilfe

Autopilot - selbstgebaut
S.Y. -Victoria-, Heimathafen Bremen, eine Reinke M12, Stahlkonstruktion, Eigenbau,

Lothar Jürgens Freizeitgestaltung!

Vor jetzt etwas nehr als fünfeinhalb Jahren verließen wir Deutschland mit unserem Kimmkieler, Baujahr 1989. Papeete, Tahiti, August 1992. Durch eigene Probleme und die anderer Segler mit den Autopiloten, wurde ich an meinen Beruf ALIGN=ABSBOTTOM erinnert. Wir alle möchten eine Anlage, von jedem Segler zu reparieren. Robust, um die vorgenannten Reparaturen möglichst auszuschlieSen. Wenig Strom verbrauchen, daran mangelt es den Seglern ständig. Universell, auf allen Jachten, gleich welcher Art und Größe, einsetzbar. Einfache Bedienung und exakte Steuerung sollten selbstverständlich sein.

Vielleicht ein hochgestecktes Ziel, aber als wir Deutschland verließen, wurde unsere Jacht sehr gut mit Meßgeräten und Bauteilen ausgerüstet. Alles Brauchbare, mit welchem unser Nachfolger bei der Geschäftsübergabe nichts anzufangen wußte, kam auf unsere Jacht. Elektronik ist nicht nur mein Beruf, sondern auch eines meiner Hobbys. Es wäre sicherlich einen Versuch wert, so leicht gebe ich ja nicht auf.

So verließen wir Polynesien und erreichten in den ersten Novembertagen Samoa. Bedingt durch diesen Umstand, es war kurz vor der Cyclonzeit, richteten wir uns auf einen längeren Aufenthalt ein. Pago Pago, kein schöner Platz, um länger zu verweilen, aber die Cyclonsaison ließ uns keine Wahl. Die Insel kannten wir nach kurzer Zeit, es gibt kaum Sehenswertes. So widmeten wir uns unseren Hobbys. Meine Frau Victoria griff zu Handarbeiten, ich beschäftigte mich mit meinem neuen Projekt.

Es wurde geplant, gerechnet und wieder verworfen, alles war nicht gut genug. Doch, so nach und nach kristallisierte sich das Konzept eines sehr einfachen Autopiloten heraus. Die größten Kopfschmerzen bereitete mir der Kompaß. Ein Fluxgate-Kompaß macht die Sache zu kompliziert und unreparabel bei Problemen. Ein Kompaß mit Hallgeneratoren ist zu empfindlich und anfällig gegen Statik. So entschied ich mich für einen optischen Kompaß, doch sollte dieser, so wie ein Fluxgate 360º Arbeitsbereich haben. Das Problem wurde gelöst, sehr einfach, wie man hinterher sagen kann.

Nach einigen Monaten klapperte unser erster Autopilot in der Bay von Pago Pago, ja er klapperte, es waren keine geeigneten Transistoren für die Motorsteuerung vorhanden, er hatte Relais. Das ist ein Nachteil, doch dieses Manko soll später geändert werden, wenn geeignete Transistoren vorhanden sind.

Ende März 2001 verließen wir das gastliche Samoa- wir wollten nach Tarawa, Kiribati, ehem. Gilbert Inseln, segeln. Etwas früh, die Cyclonzeit war noch nicht zu Ende. Die Vorhersagen versprachen gutes Wetter. Unser Kurs war nördlich, in Äquatornähe bestand keine Gefahr mehr.

Der neue Autopilot steuerte unsere »Victoria« gut, damit war unser Glück auch schon ausgeschöpft. Das Wetter verschlechterte sich zusehends, starke Regenschauer mit Sturmböen häuften sich. Bei 5· Süd war es uns klar, wir sind in einer Depression. Im letzten Bericht, vor drei Stunden, war gutes Segelwetter in dieser Region. Wir haben 45 Knoten Wind, kochende See, nicht gerade angenehm. Der neue Autopilot bewährt sich auch hier, wird jedoch mißtrauisch überwacht, immer bereit einzugreifen. Nur der Rudertrimm fehlt ihm noch.

Durch diese Depression wurden wir nach Canton Island, in die Phönixgruppe, verschlagen, Tarawa war wieder weiter entfernt. Der sehr freundliche Empfang auf Canton, entschädigte uns für die Strapazen. Die Phönixgruppe wird von Segeljachten kaum berührt. Besucher sind dort selten, entsprechend schön waren unsere zehn Tage, unter diesen gastfreundlichen Leuten. Am 17. April ging es Anker auf, das zweite Mal Ziel Tarawa. Jetzt konnten wir vergleichen, durch ein Kupplungsstück war es nun möglich, beide Autopiloten sofort auszuwechseln. Der Unterschied war gering, kaum feststellbar, nur schneller war unser Eigenbau. Das lag an der Relaissteuerung, hier fehlte der Spannungsverlust an den Schalttransistoren, der Motor läuft schneller. Auf Tarawa angekommen, beschäftigten wir uns erst einmal mit Land und Leuten. Durch eine Marineschule unter deutscher Leitung fanden wir schnell neue Freunde. Wir bereiteten uns wieder auf einen längeren Aufenthalt vor. Unser Wechsel vom Süd- in den Nordpazifik war zur falschen Jahreszeit. Die Taifunsaison im Norden begann. Somit war genügend Zeit, den Autopiloten zu verbessern und mit Rudertrimm zu versehen.

Bauteile mußte ich bestellen. Durch unsere neuen Freunde bestellte ich in Australien und Deutschland. Alles kam, nur die heißersehnten Transistoren zur Motorsteuerung nicht. Der Autopilot wurde mit Rudertrimm und zusätzlich mit Kursalarm ausgerüstet. Der Alarmbereich ist sogar in Grad einstellbar. Alles arbeitet wie gewünscht. Bei den folgenden Testfahrten, den unsere Freunde von der Marineschule mit Kapitänsaugen überwachten, bekam unser Autopilot nur die besten Noten.

Nach unserem Abschied von Tarawa segelten wir bis in die Philippinen ausschließlich mit unseren Eigenbau-Autopiloten. Der Rudertrimm verbesserte die Steuereigenschaften erheblich. Der einstellbare Alarm machte uns auf eventuelle Gefahr aufmerksam. Doch muß der Alarm noch ausschaltbar sein, so ergibt jede Kursänderung erst einmal Alarm, was nicht erforderlich ist und nur stört.

Mit unserem Autopiloten gab es keine Probleme, die waren anderer Art, ich berichtete bereits darüber, ohne technische Störungen erreichten wir die Philippinen.

Hier in den Philippinen wollte ich das ganze Konzept neu bauen und modernisieren. Diese Rechnung machte ich ohne den Wirt. Elektronische Bauteile gibt es hier, doch was für welche. Hier kommt wohl alles an, was vor 30 bis 40 Jahren in zivilisierten Ländern nicht verkauft wurde. Es wird in Deutschland bestellt, das erste Paket geht verloren. Nach fünf Monaten, seit unserer Bestellung, sind die gewünschten Bauteile hier. Fast 100 Prozent Zoll müssen wir zahlen. Eine Jacht in Transit, die Teile verbleiben nicht in den Philippinen, zählt hier nicht. Das verlorene Paket müßten wir eigentlich auch noch verzollen, die Teile sind sicherlich auch in den Philippinen, doch er ist sich nicht ganz sicher. Aus diesem Grunde will uns der Zollbeamte die Gebühren erlassen. Bei so viel Unverschämtheit fehlen uns die Worte.

Neue Schaltpläne werden angefertigt, Druckvorlagen für die Leiterplatten, Bestükkungspläne, Stücklisten. Der »Victoria Autopilot« wird professionell unter großen Schwierigkeiten in diesem Land.

Der neue Autopilot ist fertig, jetzt modern, mit Power-Mosfet-Tranistoren für die Motorsteuerung, sonst das gleiche bewährte Prinzip. Bei den nachfolgenden Testfahrten arbeitet alles wie gewünscht, wir vermissen nur das Klappern der Relais. Die Testfahrten werden auf anderen Jachten fortgeführt, einen 46-Fuß-Katamaran, eine 24-Fuß-Jacht, eine 45-Fuß-Motorjacht, werden meine Testobjekte. Den vorhandenen Antriebsmotor des jeweiligen Autopiloten verwende ich der Einfachheit halber. Das Resultat, ich muß drei Autopiloten anfertigen, was mich wieder in den Bauteileruin treibt.

Das Fazit.
Diese jetzt dritte Generation arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie die erste. Es wurde nur erweitert und modernisiert. Die Bedienungselemente bestehen aus Kompaß, Ruder, Seegang und Alarm, wobei dieser jetzt abstellbar ist. Der Rudertrimm ist mit der Rudereinstellung verkoppelt und benötigt keine Einstellung. Durch die stufenlosen Einstellmöglichkeiten ist der Autopilot universell auf jeder Jacht einzusetzen. Es können kleinste Motoren und große bis zehn Ampere Stromaufnahme angetrieben werden. Die Ruderzeit sowie die Kursabweichungen nach Steuerbord oder Backbord werden durch drei LOW-POWER-Leuchtdioden angezeigt.

Die gesamte Elektronik ist konsequent symmetrisch aufgebaut. Hierdurch konnte auf Spannungsstabilisierung völlig verzichtet werden. Die Schaltung arbeitet zwischen 10 und 16 Volt ohne Arbeitspunktverschiebung. Der Stromverbrauch der gesamten Elektronik liegt bei 0,05 Ampere, das sind bei 12 Volt nur 0,6 Watt, was sehr wenig ist.

Der Autopilot ist hochfrenquenzsicher und wasserdicht. Der Temperaturtest von+70º C bis knapp unter den Gefrierpunkt ergab keine Probleme, doch müßte dieser unter besseren Bedingungen wiederholt werden. Die gesamte funktionsfähige Grundversion hat drei integrierte Schaltkreise und neun Transistoren. Durch einfaches Einstecken von zwei kleinen Leiterplatten, in vorhandene Fassungen, kann der Autopilot mit Rudertrimm und Kursalarm ausgerüstet werden. Alle wichtigen Bauteile sitzen in Fassungen, sind farbig gekennzeichnet und somit leicht auswechselbar. Die Leistungstransistoren sind elektronisch gesichert. Die gesamte Schaltung ist verpolungssicher.

Windfahne und Fernbedienung sind in Vorbereitung. Unsere Antriebseinheit, der Motor, ist seit Papeete ain Scheibenwischermotor, er hat sich sehr gut bewährt. Nach über zehntausend Seemeilen zeigen sich keine Gebrauchsspuren, selbst die Kohlebürsten sind wie neu.

Dieser -Victoria Autopilot- sollte hier in den Philippinen in Serie gehen. Nun, dieses ist in einem solchen Land unmöglich. Einen Weg zur Serienfertigung werde ich finden, damit viele Wassersportfreunde an meinem Erfolg teilhaben können.

Einen besonderen Dank verdient meine Frau Victoria für ihre Geduld und moralische Unterstützung bei diesem Projekt in solch einem Land.

S/J -Victoria-, Victoria und Lothar Jürgens, c/o Martin Jürgens, Brinkstraße 7b, 31275 Lehrte/Arpke. Telefonkontakt in Deutschland: 05175/6137




heimathafen.gif 63x81 heimathafen.gif 63x81

e-mail-hvsbluewater.gif 120x23

NeDesign

Letzte Änderung / Last change: Mittwoch, 02. Juli 2003