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Erfahrung mit griechischen Behörden
SY "ANTARES" Ingrid und Jürgen Rinne
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Am 29.4.2002 befahren wir - das heißt meine Frau und ich - unter Motor und bei Flaute die Straße von Simi. Wir kommen aus einer Ankerbucht der Türkei, unser Ziel ist der türkische Hafen Datca. In Höhe Simi-Hafen drischt ein Boot der Griechischen Küstenwache aus der Bucht von Simi mit Kurs auf Rhodos. Dann hat man uns wohl bemerkt, ändert den Kurs und hält mit Höchstgeschwindigkeit auf unser Boot zu. Das Schnellboot fährt sehr dicht an unserer Backbordseite vorbei, um dann äußerst knapp vor unserem Bug vorbeizurasen. Erschrocken reiße ich den Gashebel zurück, es scheint mir als würde das Schnellboot unseren Bugkorb und Anker wegreißen. Die hoch aufgeworfene Bugwelle schwappt jetzt seitlich über unser stark krängendes Boot. Gottlob haben wir alle Seitenfenster geschlossen, so dass unser Schiffsinnere trocken bleibt. Nicht auszudenken was passiert wäre wenn jetzt jemand am Herd mit kochendem Wasser hantiert hätte, oder kleine Kinder an Bord wären! Nun umkreist uns die Coastguard, ein Besatzungsmitglied macht dauernd das Zeichen der gekreuzten Hände, also man wolle uns festnehmen! Nachdem das Boot nun langsam fährt und in Rufweite ist, frage ich was man denn eigentlich von uns wolle. Erst keine Antwort, dann bedeutet man uns auf englisch, wir befänden uns in griechischen Gewässern und würden die türkische Gastlandflagge fahren. Das mit der türkischen Gastlandflagge stimmt, wir kommen ja aus der Türkei und wollen in der Türkei bleiben, also habe ich keinen Grund gesehen die Gastlandflagge zu streichen. Ob wir uns in griechischen Gewässern befinden mag ja sein, die Seekarte gibt eine solche Grenze jedenfalls nicht her. Außerdem ist es ja wohl nicht verboten griechische Gewässer zu befahren. Da es offenbar dem Seelenfrieden der griechischen Besatzung dient, hole ich die türkische Flagge ein, in der Hoffnung nun Ruhe zu haben. Aber nun werden Fender ausgebracht, die Coastguard kommt nun längsseits, ein Mann steigt über und will unser Boot durchsuchen. Was er wohl auf dem Boot eines älteren Ehepaares finden will? Nun gut, natürlich hat die Küstenwache das Recht ein Boot zu inspizieren. Auf meine Frage was denn wohl gesucht würde bekomme ich keine Antwort. Überall wird herumgeschnüffelt und zu guter Letzt auch noch der Verschluss einer Schranktür abgebrochen. Gefunden wird natürlich nichts, was wohl auch? Wortlos geht der "Seeheld" von Bord und ab geht's mit Höchstfahrt Richtung Rhodos, vielleicht um weitere Sportbootbesatzungen zu erschrecken. Damit keine Missverständnisse aufkommen; ich akzeptiere sehr wohl das Recht von Behörden ein Boot in den Hoheitsgewässern zu inspizieren. Dieses ist uns drei Jahre zuvor schon zweimal in spanischen Gewässern an der Atlantikküste passiert. Aber es ist ein völlig unmögliches Verhalten mit wagehalsigen Manövern eine Yacht und deren Besatzung in Gefahr zu bringen. Nun noch einige Sätze zu den "Befahrungsgebühren" in Griechenland. Da wir uns eigentlich auf der Reise von der Türkei nach Spanien befinden, ist es nahezu unumgänglich auch Häfen und Ankerplätze in Griechenland aufzusuchen. Also laufen wir einige Tage später Kreta an und machen in der Marina "Agios Nikolaos" fest. Zu unserer Freude ist diese Marina fertig gebaut worden und funktionsfähig! Eigentlich sind wir in Griechenland nur "Euroleichen" gewohnt, wie z.B. Pylos in der Bucht von Navarino oder Monemvasia. Sogar ein Marinero ist zugegen und nimmt die Leinen an und übergibt die Mooringleine. Das Personal ist freundlich und es hat uns gut in dieser Marina gefallen, außerdem sehr preiswert, für unser 34 Fuß Schiff werden gerade mal 6 Euro pro Tag fällig (allerdings ist es Mai und somit Vorsaison). Im Marinabüro werde ich gebeten die Hafenkommandantur aufzusuchen und mich dort anzumelden. Mache ich auch. Die Schiffsdaten werden in ein großes Buch eingetragen und man bittet mich doch am nächsten Mittwoch noch einmal zu kommen, dann wäre ein Beamter zugegen bei dem wir uns noch melden müssen. Warum, war wegen Sprachproblemen nicht zu klären. Aber ich ahne schon, dass dann der "Geldeintreiber" zugegen ist. Allerdings ist heute Freitag! Da wir aber ohnehin einige Tage auf Kreta bleiben wollen und es uns in der Marina so gut gefällt gehe ich also einige Tage später, am Mittwoch, wieder zur Hafenpolizei. Tatsächlich ist jetzt ein weiterer Beamter zugegen. Ich komme natürlich ungelegen, es ist Kaffeepause, aber ich glaube bei der Hafenpolizei ist immer Kaffeepause. Nun kommt Leben in die Bude. Gleich drei Beamte beschäftigen sich mit meinem Fall. Bücher, Richtlinien, Taschenrechner, Stempel -und was weiß der Himmel noch alles- werden gesucht und dann auch tatsächlich gefunden. Palaver her und hin, nach einer guten halben Stunde habe ich dann ein großes Heft (größer als DINA4) in der Hand und bin um genau 68,33 Euro ärmer. Mit diesem Heft solle ich nun in jedem griechischen Hafen die Behörden aufsuchen und mir jeweils einen Einreise- und Ausreisestempel holen. Ein umständlicheres Verfahren kann ich mir kaum noch vorstellen, außerdem ist mir der Sinn überhaupt nicht klar. Für die "Befahrensgebühr" bringe ich noch Verständnis auf (wenn auch nur ein sehr geringes), aber die ständige Lauferei in die Hafenbüros geht dann doch zu weit. Zum Vergleich; in der Türkei kauft man ein Transitlog (gültig für 3 Monate) und hat dann mit den Behörden nichts mehr zu tun! Nun gut, nach zwei Wochen verlassen wir Griechenland mit Ziel Sizilien und haben für die zwei Wochen also 68,33 Euro bezahlt. Aber wenn man mit dem Auto durch die Schweiz fährt muß man auch eine Vignette für das ganze Jahr kaufen. Fazit: Die griechischen Behörden lassen nichts unversucht den internationalen Yachttourismus zu vergraulen. Eigentlich schade, denn Griechenland hat durchaus viel zu bieten. Es ist unter diesen Umständen kein Wunder das in der Türkei der Bootstourismus boomt und Griechenland in dieser Hinsicht stark abfällt. Wir waren jetzt zwei Jahre in der Türkei. Wenn wir das Mittelmeer nicht verlassen würden, wäre die Türkei als Dauerrevier nach wie vor erste Wahl. SY "ANTARES" Ingrid und Jürgen Rinne |
