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Bericht zum Hurricane „Ivan“ Hilfe für TO und FTLF Boote nach dem Wirbelsturm IVAN SY "Filia Venti", Heike u. Klaus Biernatzki
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Hurricane „Ivan“ (der Schreckliche) hatte Grenada am 07.09. voll im Visier. Genau an diesem Tag wollten wir ins Wasser. Filia Venti war in Bestform. Alle Reparaturen erledigt, die Aussenhaut hochglanzpoliert, das Unterwasserschiff 3-fach gestrichen und Lebensmittel gebunkert. Erst am Montag war klar, allerdings wollte es niemand so richtig glauben, Ivan wird uns gegen Abend treffen. Wir hatten nur noch Zeit, das Boot so gut wie moeglich zu praeparieren. Mehr Stuetzen an den Rumpf, alles unter Deck und den Rest bestens verzurrt. Mehr konnten wir nicht tun. Die Boatyard kuemmerte sich um Hotelzimmer fuer alle z.Zt. auf den Booten Lebenden. Am Nachmittag trafen wir dort ein, Kleidung und Nahrungsmittel fuer 2-3 Tage mit uns. Im TV konnten wir noch Zugrichtung und Diskussionen verfolgen, aber es geschah nichts. Irgendwann und spaet schliefen wir doch ein und wachten erst am anderen Morgen auf. Was war passiert? Wo ist IVAN? Er hatte noch einmal vor Grenada richtig aufgetankt und sich dadurch verspaetet. Gegen 1400 ging es los. Der Strom wurde abgeschaltet, dann kein Wasser mehr. Wind, Sturm, Orkan, -----Hurricane! Etwa 2 Std. lang bearbeiteten uns die vorderen Quadranten mit bis zu 185 kn Geschwindigkeit aus Nord. Straeucher, Baeume, Daecher und ganze Dachkonstruktionen flogen an uns vorbei oder trafen. Tonnenschwere Regenfaesser wurden von Geruesten gestuerzt, Strommasten knickten wie Streichhoelzer. Wassermassen wie nie vorher gesehen wirbelten durch die Luft, Sichtweite zeitweilig nur wenige Meter, Scheiben zersprangen oder bewegten sich bedrohlich in ihren Rahmen. Dann ein fuerchterliches Krachen ueber uns, unser Dach nun auch weg. Menschen aus der oberen Etage kamen in dieser lebensbedrohlichen Situation ueber die Aussentreppe zu uns ins Parterre. Recht schnell drang Wasser durch die Decke und drueckte durch Tueren und Fenster. Es war die Hoelle. Gegen 1600 Windstille, das Auge von IVAN. Wir besorgten weitere Eimer fuer das fliessende Wasser von Decken und Waenden und nutzten es fuer die Toilettenspuelung, besorgten trockene Sachen, besonders fuer die Nacht. Wir waren nun zu sechst, zwei Italiener, eine franzoesische Mutter und ihre 2-jaehrige Tochter und wir. Keine 30 Minuten liess das IVAN-Auge uns Zeit, dann ging die Fahrt anders herum. Weitere 4 Stunden mit aehnlichen Geschwindigkeiten aus Sued mussten wir ueberstehen, dann Besserung. Niemand aus unseren Reihen verletzt, und notduerftig alles zur Nacht vorbereitet tranken wir noch eine Flasche Rum und auch diversen Gin. So konnten wir ganz gut einschlafen, ... und morgen werden wir sehen. Wueste, nichts als Verwuestung um uns herum. Grenada rasiert. Wie wird es wohl unseren Yachten gehen? Wie geht es weiter? Was kommt danach? Der 2 Km lange Weg zur Boatyard brachte noch mehr Schrecken und letztlich das Bild der Boatyard. 150 Segelyachten schwer oder auch ganz zerstoert. Kaum ein Mast stand noch und Filia Venti war auch dabei. Schaeden in Kurzform: Filia Venti liegt auf der Stb.- Seite, Rigg und Seereling kompl. zerstoert, feste Scheibe herausgebrochen, Sprayhood inkl. Gestaenge defekt, Mittelklampe im Laminat verbogen (fiel auf das Ruder des Nachbarn), Teak-Relings-Suell gesplittert, Schaeden an der Aussenhaut noch nicht absehbar.Rumpf, Kiel, Ruder scheinen i.O. Auch von befreundeten Seglern liegen Yachten mit aehnlichen Schaeden hier: SY StaVast (D), SY Marou (D), SY Meridian (D), SY Hobbit (CH), SY Shaka (CH) Nun sind schon 17 Tage vergangen. Viele Eigner aus aller Welt kommen angereist, um dieses Desaster mit eigenen Augen zu sehen und um zu retten was zu retten ist und um zu sichern. Eine amerikanische Firma mit mangelndem Equipment ist angerueckt. Kran zu klein, groesserer soll kommen. Wir haben jetzt schon zeitweilig Strom und Wasser, also ist fuer das Noetigste gesorgt, und leben auf einem Nachbarboot. Es ist wie ein Wunder stehengeblieben und Laine und Kevin (USA/ AUS) sind schrecklich nett. Die Segler-Kamaradschaft ist z.Zt. besonders gut, es wird geholfen und getroestet, nicht jeder ist versichert. Du siehst hier Traenen, Verzweifelung, zerstoerte Existenzen. Die Schadensbearbeiter verschiedener Versicherungen sind vor Ort und muessen die meiner Schaetzung nach mehr als 10 Mio.Euro Schaeden nur an den Yachten in dieser Boatyard aufnehmen. Firmenvertreter aus dem Umland wie z.B. Trinidad oder Martinique sind ebenfalls vor Ort und machen erste Angebote. Sobald wir geborgen sind, die Wetterlage stimmt (wir sind ohne Rigg), geht’s ab nach Trinidad, um dort die Filia Venti reparieren zu lassen und zu einem normalen Segler-Leben zurueck zu finden. Wie lange wir dort auf Materialien aus Europa und USA warten muessen, wissen wir nicht, ebenso nicht die Dauer der Reparatur. Vielleicht sind wir noch Weihnachten dort, vielleicht auch laenger, vielleicht auch nicht. Heike traeumt von Spaghetti-Eis und ich von 5 kalten Bieren. Wir sind gesund. Heike und Klaus von zur Zeit S/Y Rite of Passage, Spice Island Marine, Grenada Schaut im Internet mal unter: www.spiceislandmarine.com |
