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Vom Tafelberg zum Zuckerhut
Ingrid und Jürgen Mohns, S/Y JOSI
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Kapstadt erreichten wir am 20.2.2002. Wir bekamen schon beim Einlaufen im rötlichen Licht der Abendsonne einen wunderschönen Eindruck von der Stadt und dem alles überragenden Tafelberg. Alte Freunde nahmen uns im Royal Cape YC die Leinen ab. Mit einer grossen Flasche Schampus a la Schumi wurde unsere Rückkehr in den Atlantik, nach dem wir ihn ja 1992 verlassen hatten und zwischendurch einmal um die Welt gesegelt waren, gefeiert. Es ist immer wieder grossartig, wenn vor Ort wohnende Freunde mit Rat und Tat Hilfe anbieten. Auch in Kapstadt war das so. So genossen wir das Bummeln in der "Harborfront", einem alten Hafengelände, welches vor nicht langer Zeit mit viel Geschick für den Tourismus hergerichtet worden war. Klaus, von "Gemini Contender", der jetzt in Kapstadt wohnt, brachte uns mit vielen seiner in Kapstadt lebenden Freunde zusammen. In den Gesprächen erhielten wir einen weit umfassenderen Eindruck über das Leben in dieser Stadt, als es je ein Buch über Kapstadt könnte. Auch hier kann man sich wie in allen grossen Städten der Welt ungefährdet bewegen, wenn man einige wichtige Regeln beherzigt. Die Armensiedlungen meiden, einsame Ecken im Hafen genauso und nachts besonders aufpassen, das sind eigentlich Selbstverständlichkeiten. Wir besuchten die Weinanbaugebiete in der Nähe von Kapstadt und genossen den hervorragenden Wein. Die Winzer vermarkten ihren Wein ganz anders wie bei uns in Deutschland. Man hat die grossen Weingüter wie Boschendahl, Spiers und Stellenbosch mit grosszügigen Anlagen für die Besucher ausgerüstet. Dazu gehören Picknickplätze, Theatervorführungen, Kinderspielplätze etc. Die Weinproben und der Verkauf stehen natürlich im Vordergrund. Es gibt in Kapstadt, für uns nach so langer "Abstinenz" im Indischen Ozean endlich wieder einen "Deutschen Schlachter" im Einkaufszentrum "Gardencenter", wo man all die Köstlichkeiten bekommt, die hier in Deutschland überall selbstverständlich sind. Der weibliche Teil unserer Yachtcrews genoss natürlich ganz besonders das Bummeln in den riesigen Einkaufszentren. Apropos Einkauf; Kapstadt, ein idealer Platz, um all die kleinen und grossen Reparaturen an den Booten durchzuführen. Ganz in der Nähe des Royal Cape YC befindet sich ein grosses Industriegebiet, wo man fast alles bekommt, was der Skipper so benötigt. Durch den günstigen Umtauschkurs von Euro/Rand konnte unsereins dort äusserst günstig einkaufen, zumal auch die Mehrwertsteuerrückerstattung, die allerdings durch die Bearbeitung in Johannesburg viel Zeit in Anspruch nimmt, dazu beiträgt. Wir kauften uns eine neue Segelgarderobe, ein Schlauchboot mit 15PS-Yamaha, Sonnendach, Sprayhood und LazyJacks, sowie eine neue Ankerkette und vieles mehr. Das Unterwasserschiff der JOSI versahen wir auf einer Slipanlage in Ranger Bay mit einem neuen Antifoulinganstrich. Man kann dort die Arbeit sehr preisgünstig machen lassen, aber auch selbst daran gehen. Unser alter Freund Günter von der "Nova", der sich in dem Nachbarort von Simonstown einen neuen Wohnsitz geschaffen hat, half uns hier tatkräftig. Von Kapstadt aus besuchten wir mit unseren Freunden Richard und Krista von der "Cloud Seven" das Land Namibia. Zur Hauptstadt Windhuk sind es ca. 1400km. Dort wohnen deutsche Funkamateure, die ich schon weit vor Afrika im Indischen Ozean per Funk kennengelernt hatte. Wir hatten viel Spass mit ihnen und bekamen reichlich wertvolle Tips für die einzelnen Reiseabschnitte. Höhepunkte waren natürlich die "Etoschapfanne" mit dem grossen Tierbestand und "Sossusvlei", die gewaltige Sandwüste wo es die höchste Düne der Welt gibt. Unser alter "Golf-Ferrari" wie wir ihn nannten, brachte uns bis auf Reifenpannen sicher nach Kapstadt zurück. Zwischendurch war unser Ruderschaft für die Windpilot Pacific-Plus-Selbststeueranlage von Hamburg aus zugesandt worden, so dass wir das für uns so wichtige Windselbststeuer reparieren konnten. Nach einer Motorüberholung, einem Generalcheck des stehenden und laufenden Guts und dem Seeklarmachen der JOSI, starteten wir am 11.4.02 Richtung Walvisbay in Namibia. Vorher bunkerten wir noch 300ltr Diesel für -.28Eur/ltr und holten uns das letzte Mal vor der Abreise die Wetterinfomationen, was dort unten ungemein wichtig ist. Für die 410sm entlang der Küste nordwärts brauchten wir 6 Tage. Wir hatten überwiegend schwache Winde aus Süd, da das grosse Südatlantikhoch im Westen einen grossen Isobarenabstand hervorrief. Der nach der Hälfte der Strecke auftretende nächtliche teils dichte Nebel, welcher sich erst im Laufe des Vormittags auflöst, ist ganz typisch für die Gegend dort. Er wird durch den kalten Benguelastrom verursacht, welcher uns so kalte Nächte auf See beschied, dass wir sogar nach 10 Jahren zum ersten Mal die Heizung starteten. Mittels unseres Radars und durch den geringen Schiffsverkehr unter der Küste, hatten wir aber keine Probleme. Walvisbay liegt hinter einer grossen Halbinsel tief im Inneren einer grossen Bucht. Wir kamen erst bei Sonnenuntergang am Eingang der Bucht an und mussten die Ansteuertonne und das Fahrwasser, welches durch die flache Bay führt, mit Radarunterstützung durchfahren. Eine Anmeldung bei Walvisbay port control ist zwingend vorgeschrieben. Die Weiterfahrt entlang der offenen Kaianlagen in westliche Richtung bis zum am Ende liegenden Yachtclub ist kein Problem. Dort lagen mehrere einheimische Yachten an Moorings (eine Steganlage gibt es nicht). Wir ankerten in der Dunkelheit zwischen den Mooringtonnen. Sofort am nächsten Morgen, ich wollte gerade mit dem Dingi an Land um mich im Yachtclub zu melden, hupte es uns gegenüber und jemand winkte. Es war Günter Kock, der TO-Vertreter. Er ist auch Comodore des YC und gab uns sofort die Gästemooring. Dann fuhr er mit uns zum Einklarieren; es ging schnell und einfach. Günter kennt fast jeden Menschen, auch die höher angesiedelten Behördenvertreter und ist ganz offensichtlich überall gern gesehen. Er half uns unglaublich. Da auch er, wie ich, früher einmal beruflich zur See gefahren war, gab es auch von daher viele Gemeinsamkeiten. Auch durch ihn, wie schon in Kapstadt erlebt, lernten wir sehr interessante Menschen kennen und bekamen einen ziemlich umfassenden Eindruck über Land und Leute. Namibia, besonders, solche Städtchen wie Walvisbay und natürlich auch der Nachbarort Swakopmund ist fast deutscher als hier in Deutschland selbst. Überall deutsche Namen, überall deutsche Laute, überall deutsche Geschäfte, Restaurants, Cafes, richtig heimatlich. Leider waren wir viel zu kurz dort, da wir mit der Gesamtreise schon viel weiter sein wollten. Mit einem Ehepaar aus Kiel, die in Walvisbay eine Zweitwohnung haben und dort jedes Jahr einige Monate verbringen, fuhren wir zu einem sehr interessanten Ausflug in ihrem 4wheel-drive-Auto. Es ging zuerst in die Sandwüste, dann landeinwärts zu einem grossen Anwesen namens "Gut Richthofen", welches ein interessantes Herrenhaus mit einem rittersaalähnlichen Hauptraum hat, wirklich beeindruckende Architektur. Natürlich ist dort alles Deutsch! Weiter ging die Fahrt zur "Rössingmine", von wo wir auch interessante Eindrücke mitnahmen. Die Strecke nach St. Helena, Verbannungsinsel von Napoleon im Südatlantik, so hofften wir, sollte "easy-sailing" ergeben. Tatsächlich bekamen wir mit jeder Meile die wir uns von Afrika entfernten, besseres Segelwetter. Der Südostpassat hatte im Durchschnitt 15kn und schob uns Tag für Tag gleichmässig nach Westen. Eine Zeitlang segelten wir mit Genua und Gross raumachterlich, später mit den Passatsegeln, max. 2x 55qm. Die Wassertemperaturen stiegen kontinuierlich von anfangs 18° jeden Tag etwas an, bis zuletzt 25°. Die Lufttemperaturen erreichten zuletzt 26°. Nur die Sonne liess sich fast die gesamte Zeit nur sehr zögerlich sehen, mal waren es Cumulus, mal Stratocumulus, mal 3/8 mal 8/8. Anfangs passierten wir noch grosse Robbenherden, wie ja schon an der gesamten Südafrika- und Namibiaküste. Auch die dort lebenden kleinen Pinguine hatten wir unter Land des öfteren gesehen. Kurz vor St. Helena fingen wir dann zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine der so köstlich schmeckenden Golddoraden von 1,5m Länge. Wir benötigten vorher auch noch keinen Fisch, da wir von Namibia her noch eine ganze Menge sehr wohlschmeckender Springbock-Steaks hatten. Zwischendurch kam die grosse Diskusion bei uns auf, ob wir nun schon einmal kpl um die Welt gesegelt waren, da wir den Längengrad von Hamburg, unserem Abfahrtsort, ja nun schon hinter uns hatten und nun in Zukunft immer parallel aber weit im Süden zu unserem früheren Kurs gen Westen segeln würden. Schiffsbegegnungen hatten wir nur 2x. Einmal war es ein Fischer, das zweite mal war es ein grosses Containerschiff, welches unseren Kurs 1sm achteraus passierte, nachdem es kurz bevor ich es per UKW ansprechen wollte, plötzlich seinen Kurs zum Ausweichen geändert hatte. Am 5.5.2002 morgens um 0530 peilten wir St.Helena auf 2Strich BB voraus. Ein grauer Klotz im Wasser, reichlich unwirtlich, schälte er sich langsam aus der Dunkelheit heraus. Mit 1sm Abstand rundeten wir mit achterlichem Wind von 30kn das Nordkap und mussten dann schnell die Passatsegel eindrehen und die Bäume bergen, um auf Lee der Insel zu kommen. Die Insel ragt auf ihrer Ost- und Nordseite schroff und steil aus dem Wasser. Auf ihrer Westseite gibt es einen tiefen Einschnitt auf ungefähr Meereshöhe, welcher sanft ansteigt und von hohen steilen Felswänden eingerahmt wird. Dort liegt der einzige Ort Jamestown. Nur hier kann man anlanden. Der Ankerplatz auf der Reede ist nicht gerade komfortabel da es sich praktisch um offenes Wasser, wenn auch in Lee der Insel, handelt. Der Schwell lief kräftig um die Insel herum. Grund, wir hatten gerade recht windige Tage erwischt, die entsprechenden Seegang aufbauten. Trotzdem ist es natürlich eine Erholung einmal wieder ohne Wachablösungen gemütlich in der Koje zu liegen. Die Behörden kamen an Bord klarierten uns vorweg ein und bedeuteten uns, am nächsten Tag ins Office zu kommen und dort den Rest erledigen zu lassen, sowie zu bezahlen. Uns kam das alles wie Strandräuberei vor. Jeder wollte Geld haben. Man erwartete sogar, dass wir krankenversichert seien. Wenn wir das nicht beweisen könnten, sollten wir eine Privatversicherung abschliessen; sonst könnten wir nur 48Std bleiben. Das Anlanden per Dingi ist ein Abenteuer für sich. Man fährt an eine flache Betonplattform heran, die bei Flut meist überschwemmt war. An einem von oben herunterhängenden Tampen springt man auf die Plattform und versucht das Dingi schleunigst soweit hochzuziehen, dass es auf dem Trocknen liegt. Die Natur hat uns sehr gefallen. Oben auf dem Oberland alles tief grün und fruchtbar! Die Rundfahrt mit einem Pickup war sehr interessant. Der Fahrer konnte uns auch viel aus der Geschichte von Napoleons Verbannung erzählen. Proviantkauf ist teilweise möglich, Gemüse und Obst, was zu bekommen ist, frisch und wohlschmeckend. Aber natürlich ist alles teuer und vor allen Dingen alle Waren die von England oder Südafrika herangeschafft werden müssen. Einen Flugplatz gibt's noch nicht; man denkt über den Bau nach. Donnerstag, 9.5.2002 Anker auf, Anfang der Seereise um 10°°. Es wird ein wunderbarer, angenehmer Trip....bis kurz vor dem amerikanischen Kontinent! Bis 20° W haben wir die Möglichkeit Wetterfaxkarten von Südafrika zu empfangen. Auch die Wetterinfos von Alistair, der das Amateurfunknetz von Südafrika leitet, sind hilfreich. Natürlich haben wir täglich Kontakt mit dem deutschen Amateurseefunknetz Intermar. Hier hören wir jeden Tag die Schiffsbewegungen unserer sich auf See befindlichen Segelfreunde sowie deren Wetter. Zusätzlich können wir kontinuierlich mit dem digitalen Fernschreibverfahren Pactor erreicht werden und selbst e-mails absenden. Eine tolle Sache ist das. Mit Pactor wird uns Wetter aus dem Internet geliefert, sowie Nautische Warnnachrichten. Man kann jeden Tag position-reports abgeben, die jeder zu jeder Zeit aus dem Internet abrufen kann usw. usw. Wetterfaxkarten konnten wir dann ab 20° West auch von Rio de Janeiro empfangen; sie reichen bis Kap Horn. Ja, das Wetter! 12 Tage herrlicher Wind aus SE, ESE, E, mit den karakteristischen Cumuluswolken , die in den Passatregionen über den Himmel segeln. Dann verliessen wir den Einflussbereich des grossen Südatlantikhochs und näherten uns den veränderlichen Winden entlang der südamerikanischen Küste. Natürlich erwischte es uns auch, warum sollten wir verschont bleiben. Eine Kaltfront von einem starken Tief aus der Kap Horn - Ecke nutzte die Lücke zwischen dem abziehenden Hoch auf dem Südatlantik und dem noch über dem südamerikanischen Festland liegenden Hoch und kam uns nach klassischer Art in die Quere. Langsam von E über NE auf N drehende Winde, zunehmend auf Sturmstärke mit Böen bis 50kn von vorn, also von W kommend, weiterdrehend auf SW und nach Abnahme auf 30kn aus S wehend. Beidrehen, eine Nacht abwarten, dann weitersegeln, war die Devise. Draussen heulte es wahnsinnig, aber unsere Stahlketch (Motiva42) lag schön brav verhältnismässig ruhig. Am nächsten Morgen, als wir wieder Fahrt aufnehmen konnten, hatten wir eine Abdrift von 18sm, kein Thema, wenn man wie wir genug Seeraum hat. Durch eine Kette von Bohrinseln, zwei nicht in der Karte verzeichnet, fanden wir unseren Weg zum Landfall, den wir um Mitternacht bei Cabo Frio, ca. 70sm nördlich von Rio machten. Das Aufwachen am nächsten Morgen, einem Sonntag in der Bucht Enseada dos Anjos vor dem Strand eines kleinen Badeortes war herrlich. Die Ruhe an Land, toller Sonnenschein, blaues Wasser. Endlich mal wieder ums Schiff schwimmen. Leider konnten wir nicht an Land, da noch nicht einklariert. Den ganzen Tag faulenzten wir. Um Mitternacht starteten wir dann, um morgens bei Sonnenaufgang die skyline von Rio de Janeiro zu sehen, was uns auch gelang. Ein wunderschöner Anblick, als die Sonne den Zuckerhut beleuchtete. Wir hatten diese so schöne Stadt mit ihren grossen Stränden um 07°° erreicht und mussten in die grosse Guanabarabay ohne Seekarte einlaufen. Wir hatten ursprünglich vorgehabt zuerst nach Salvador de Bahia zu segeln und uns dort dann die noch fehlenden Karten zu kaufen, auf See aber unseren Plan geändert. Na, die Betonnung (dort rot an STB, grün an BB) war einfach. Nur den Yachthafen "Gloria Marina" zu finden war kaum möglich, da er hinter einer Biegung versteckt liegt und kein Mast uns den Weg wies. Also frech via VHF die Marina gerufen und um Unterstützung gebeten. Gloria Marina liegt genau in der City, also Downtown. Unser Ziel war vorerst erreicht. Am Schiff hatte es keine Schäden gegeben. Durch die guten Windverhältnisse während der Überfahrt, hatten wir mal gerade 20ltr Diesel gebraucht. Und das auf einer Strecke von 3400sm. So gut waren die Segelverhältnisse. Weiter gings später die Küste südwärts bis Buenos Aires, wo die JOSI jetzt auf uns wartet. Dazwischen lagen wunderschöne Landausflüge mit bis zu 7000km Autofahrt. Ende 2002 wollen wir dann Patagonien erreichen und Weihnachten in Ushuaia verbringen. |
