Hilfe bei Kakerlaken( Cockroaches)
von Timm und Ingrid Pfeiffer SY SONNENSCHEIN
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Sieht man einmal von Tasmanien und Neuseeland ab, so sind wir in den 9 Jahren unserer Weltumsegelung nur in warmen tropischen Gebieten gesegelt. Das war unser Traum: Wärme von allen Seiten, Sonne, warmes sauberes Wasser, jeden Tag baden, einfach die Tropics! Nun zum Schluss bei unserem Landfall in den Azoren (38 N 28 W) trugen wir tagsüber wieder Pullover und deckten uns nachts, wenn der kalte Wind ins Schiff blies, wieder mit dicken Decken zu. Nicht nur der Mensch ist in seinem Leben von einer warmen Umgebung abhängig und nicht immer finden Menschen und Tierchen zu einem harmonischen Miteinander. Ich denke hier heute an die Kakerlaken. Wie gross sind doch unsere Vorurteile gerade gegenüber diesen Lebewesen und wie wenig wissen wir über sie! Dabei sind sie völlig harmlos. Die Überraschung ist gross, begegnet man ihnen erstmals auf den Kanarischen Inseln. "Was sollen wir machen", so gehen die Fragen von Boot zu Boot: wichtigste Massnahme ist absolute Sauberkeit, keine Kartons aus den Supermärkten an Bord bringen, alles abwischen, Bier nur aus den grossen Kühlschränken kaufen, Schuhe wegen der daranhängenden Eier nicht an Bord bringen, sondern im Dingi lassen oder die Schuhe immer abwischen. So oder ähnlich sind die Ratschläge. Es gibt noch viele Vorsichtsmassnahmen und dennoch: fast keiner bleibt verschont, wenn nicht in den Kanaren, dann eben in der Karibik ,Panama, Fidschi oder wo auch immer. Es gilt der Satz: sieht man 1 , hat man 10, sieht 10 hat man 100 usw.. Sehr früh schon begannen wir mit der Prophylaxe und legten Fallen aus. In diese kriechen die Kakerlaken auf Grund eines anlockenden Duftstoffes hinein, versorgen sich mit Gift und sterben, sollen sterben. Wir hatten den Eindruck, nachdem wir die Methode mehrfach im ganzen Schiff angewandt hatten, dass keine Kakerlake starb, sondern dass sie diese Häuschen als Versteck benutzen, um sich weiter zu vermehren. Uns erwischte es erst relativ spät. Die grossen, fliegenden "Maikäfer" erschrecken in der Regel die Bordfrau am stärksten, sie sind aber ungefährlich, da sie sich nicht vermehren. Wir erledigten sie gezielt mit Spray. Die ersten grossen hatten wir schon, soweit wir uns erinnern können, in Fidschi. Sie kommen angeflogen und machen es sich an Bord gemütlich... Ernst wird es dann mit den kleinen, genannt die "germans". Sie entwickeln sich aus den Eiern, die man an Bord geschleppt hat. Das passiert in der Regel dadurch, dass man eine Kakerlake mit dem Schuh "erledigt" und sich hierbei die aus dem Körper ausgepressten Eier an der Schuhsohle anheften. Sind die Kakerlaken erst einmal an Bord, wird es ernst und man wird sie kaum wieder los. Uns erwischte es irgendwo bei Madagaskar. Plötzlich waren sie dann da. Es ist wahrscheinlich, dass wir sie aus den Supermärkten eingeschleppt haben. Diese sind ein idealer Sammelplatz gerade für Lebewesen wie Kakerlaken. Anfangs war Ingrid noch sehr geschockt und übergab mir die Aufgabe der "Erledigung". Sie meinte, sie könne keine Lebewesen ( Fliegen, Spinne, Moskito usw.) töten. Das änderte sich aber im Rahmen des Überlebens. Da die Kakerlaken nachtaktiv sind, muss man sie auch nachts erledigen. Unsere Taschenlampen kamen nun so richtig zum Einsatz. In der einen Hand die Lampe, in der anderen die Spraydose. Wenn die Spraydose nachts beim Gang zur Toilette nicht greifbar war, dann musste die flache Hand oder Faust ran. Man muss schnell sein. Anfangs hatte ich mich noch über das " Bumsen" in der Pantry gewundert, später störte es mich nicht mehr. Die "Mörderin" war am Werk. So "bumsten" wir vorbei an Kapstadt, St.Helena , Brasilien bis in die Karibik/ Grenada. In St. George in der Spice Island Mall fanden wir dann die Bombe, einen Spray, den man startet und der sich dann völlig entleert. Man muss das Schiff für Stunden schliessen und verlassen. Anschließend legten wir kleine Häufchen eines Gels aus, dass wir in der selben Mall erwarben. Seitdem haben wir keine Kakerlaken mehr. Gewonnen!! Viele andere Boote haben diese Methode mit dem gleichen Ergebnis angewandt. Zur Vertiefung des Wissens über Kakerlaken/Cockroaches zitiere ich ein wenig aus einem hochinteressanten Artikel aus der Zeitschrift NATIONAL GEOGRAPHIC von 1981: Der eremitierte Prof. Dr.Frank M. Carpenter für Zoologie fand in einer Mine bei Illinois den zweifelsfreien Abdruck einer Kakerlake. Das Alter wurde auf 320 Millionen Jahre berechnet!!!! Zitat Dr. Carpenter: "Cockroaches have survived dinosaurs, ice ages, and who knows what since they first appeared early in Upper Carboniferous times," Dr. Carpenter told me. "Astonishingly, there's almost no difference in form between ancient cockroaches and those in our homes. They're the only insects to have lasted so long with so little change." Fingering the fossil imprint, Dr. Carpenter added, "Millions of years from now there will be creatures as roachlike as anything today. Other than destroying the planet, probably nothing we can do will have much effect on the cockroach." Soll man nun vor diesem Insekt verzweifeln? Wohl kaum, eine gewisse Bewunderung lässt sich vor diesem mehr als 320 Millionen Jahre alten Lebewesen nicht unterdrücken, das gewillt ist, überall zu leben und sich zu vermehren, eine weltweite Pest. Die Kakerlaken trennen ihre Nahrung bevor sie in den Mund kommt und wisssen Giftiges von Ungiftigem zu unterscheiden. Sie frühstücken auch auf Wellpappe und Fernsehkabeln, fressen sich aber auch gegenseitig (Kannibalen) ,wenn sie nichts zu essen finden. Die amerikanische Kakerlake kann 3 Monate nur von Wasser leben und 1 Monat ohne alles. Die meisten der 3500 verschiedenen Kakerlaken fliehen bei Gefahr, einige rollen sich ein, einige spritzen sogar eine Flüssigkeit gegen den Angreifer. Einige schnorcheln auf dem Boden von Flüssen, andere halten sich unter dem Wüstenboden auf. Die weibliche Surinam Kakerlake klont sich selbst und produziert von Generation zu Generation genetisch identische Nachkommen. Ein deutsches Kakerlakenpärchen und deren Nachkommen produziert 400 000 Kakerlaken in einem Jahr!! Man unterscheidet nach Regionen grob 5 verschiedene Arten von Kakerlaken: Die deutsche Kakerlake (Blattella germanica). Sie ist klein, kann sich in den engsten Spalten verkriechen, man findet sie häufig in Haushalten auch in Einkaufstüten und sie ernährt sich besonders von Küchenabfällen. Sie ist die meist verbreiteste in der Welt. Die Amerikanische Kakerlake(Periplaneta amerikana). Sie ist die grösste ( wie sollte es auch auch anders sein!!), wird ca 4,5cm lang und springt von Schiff zu Schiff und von Kontinent zu Kontinent. Waliser Kohlenminenarbeiter entdeckten sie 1920 ca. Meile unter der Erde. Meist jedoch findet man sie in Restaurants, Supermärkten und Bäckereien. Die rauchbraune Kakerlake(Periplaneta fuliginosa).Sie ist kleiner und dunkler als die Ameriknische und findet sich in den Küchen Asiens, Südamerikas und den USA. Die orientalische K. (leucophäa orientalis). Die ursprünglich in Russland ansässige K. bevorzugt kalte Böden und kann im Winter ausserhalb der Häuser überleben. Trotz ihres Namens ist sie eine grössere Pest in Europa als im Orient. Die Madeira K. (Leucophäa maderä). Sie ist ein Neuling in den USA und in Südamerika und ist aus der Karibik eingewandert. Sie gibt einen besonderen Duftstoff ab. In den letzten Jahrzehnten hat diese grosse K. New York erobert und versteckt sich gerne im Gepäck von Einwanderern aus Puerto Rico. Die Madagascar Kakerlake (Gromphadorina portentosa) . Ihre Besonderheit ist, dass sie bei Gefahr Zischlaute abgibt . Überall, wo die Sauberkeit zu Wünschen lässt, geraten die Kakerlaken ausser Kontrolle. Das ist besonders auf Schiffen der Fall, wo sie zu einer Tradition geworden sind. Als Sir Francis Drakes im 16ten Jahrhundert ein Spanisches Schiff enterte, übernahm er zusammen mit der Mannschaft zahllose Kakerlaken. 1789 versuchte Captain Bligh seine Bounty mit heissem Wasser zu reinigen. Die Kakerlaken waren dabei, seine Brotfruchtladung auf zufressen. Auch in der modernen Schifffahrt konnte man der Kakerlaken trotz aller aggressiven Pestizide nicht Herr werden. Welche Methoden der Bekämpfung man auch anwandte, die Kakerlaken passten sich an und überlebten. Noch sieht es so aus, als wenn die Kakerlake immer einen Weg findet zu überleben. Abschliessend noch ein Zitat aus dem National Geographic : Cockroaches Won't Give Up there is always some little thing that is too big for us Hier beende ich meinen Auszug aus der Literatur über die Kakerlaken. Es ist nur ein winziger Teil dessen, was über diese Lebewesen bekannt ist. Ich wollte nur einen kleinen Einblick in das Wissen über unsere "Freunde", die Kakerlaken wiedergeben und den Rahmen eines solchen Berichtes nicht überziehen. Bei uns an Bord sind die Kakerlaken verschwunden. Vielleicht war es doch die Chemie, die uns zu diesen Glück verhalf, vielleicht ist es aber auch die derzeitige Kälte der Azoren, die die Kakerlaken lähmt und in ihren Verstecken verharren lässt. Den weiterhin Interessierten empfehle ich : National Geographic, January 1981 und das Internet. Hinweise aus Wickipedia.de: de.wikipedia.org/wiki/Kakerlake (Von der Redaktion) Bekämpfung Im Vordergrund von Gegenmaßnahmen steht die rechtzeitige Entdeckung von Befällen. Hierzu sind Detektoren (Klebefallen) mit entsprechenden Lockstoffen bestens geeignet. Befälle von deutschen Schaben bekämpft man durch das Ausbringen von Fraßködern oder durch Sprays. Hierbei ist die Beköderung mit Fraßgiften zu bevorzugen, da sie die wenigsten Risiken für die Umwelt bergen. Da Schabenbekämpfung durch Einzelmaßnahmen keinen durchschlagenden Erfolg bringt, können nur kontinuierlich durchgeführte und überprüfte Bekämpfungen nach einem festen System zu einem dauerhaft wirkungsvollen Ergebnis führen. Chemische Bekämpfungsmaßnahmen sollten stets nur durch sachkundige Schädlingsbekämpfer ausgeführt werden. Die Entwicklung von Deutschen Schaben ist stark vom Nahrungs- und dem Wasserangebot in den Befallsbereichen abhängig. Deshalb erhöhen Sauberkeit und die Abwesenheit von Wasser den schnellen Tilgungserfolg bei Bekämpfungen und verringern das Risiko einer erneuten Ansiedlung. Deutsche Schaben nutzen alle Spalten im Mauerwerk, Maschinen etc. als Niststätten. Deshalb sollten alle Ritzen in Wänden, am Fußboden etc. verschlossen werden. |
