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Karte gross
Karibik und retour
Mit Kindern in die Karibik - 1. Teil

Ulla und Thorsten Behring SJ "Christa"
E-Mail: the_christa@hotmail.com

Zweiter Teil des Törnberichts mit SJ "Christa"

Die Vielzahl und Vielfalt der karibischen Inseln auch nur annähernd kennenzulernen ist unmöglich, wenn man wie wir nur 4 Monate Zeit hat. Im ersten Teil unseres Berichts (TO 97/02) haben wir ja schon auf die Vorzüge der französischen Inseln hingewiesen, was Versorgungsmöglichkeiten und Lebensqualität angeht.

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Hurrican-Opfer auf Dominica
Mit karibischem Flair können diese Inseln allerdings nicht aufwarten. Dafür empfehlen wir Dominica. Wenn man sich nicht von den drängelnden Boatboys abschrecken läßt, ist die Prince Rupert Bay ein angenehmer Ankerplatz. Die beste Methode, um dort einigermaßen unbehelligt liegen zu können, ist folgende: Man wähle sich aus der großen Schar von Boatboys einen aus und mache mit ihm ein paar Geschäfte. Unser besonderes Glück war wohl, dass wir mit Bounty zufällig den Platzhirschen erwischt hatten. Wir brauchten künftig nur noch seinen Namen zu erwähnen, und alle anderen ließen uns in Frieden.

Die Einklarierung am nächsten Morgen war zügig erledigt. Bounty brachte den Schiffer in seinem schnellen Boot quer über die fast 2 sm breite Bucht zu den Behörden. Die Fahrt ging vorbei an nicht weniger als 7 gestrandeten Frachtern und Schleppern. Alle Opfer von Hurricans der letzten Jahre.

Am nächsten Tag hat uns Bounty den Indian River hinaufgefahren, einen Fluß überwuchert vom bloodwood tree. Wenn man den Trampelpfaden am Ende des schiffbaren Teils folgt, tauchen noch vereinzelt Bananenplantagen auf, ansonsten gibt es nur noch Urwald. Bäume, an denen Lianen hängen. Bambussträucher, so groß wie Einfamilienhäuser. Farne, so groß wie deutsche Obstbäume. Unsere Kinder waren begeistert.

Auch die Inselrundfahrt per Taxi war ein Erlebnis. Dominica gehört zu einem der regenreichsten Gebiete der Erde, aber wir hatten Glück. Als wir den Regenwald besuchten, war gerade ein Schauer durchgezogen. Zur Erfrischung haben wir trotzdem im Emerald Pool gebadet, einem Urwaldtümpel mit Wasserfall.

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Shopping auf St. Maarten
Das Allerbeste an der Karibik ist aber die Vielseitigkeit. Gute 20 Meilen von Dominica entfernt erwartet uns auf den Iles des Saintes wieder europäisches Klima. Zwischen Grenada und St. Martin haben wir fast jede Insel besucht, und jede war einzigartig. Besonders gefallen haben uns die Grenadinen (wegen der fantastischen Unterwasserwelt, v.a. bei den Tobago Cays), Dominica (wegen der Landschaft), Mayreau (wegen der traumhaften Ankerplätze) und St. Barts (wegen der eleganten Atmosphäre). Nicht so toll fanden wir St. Vincent, St. Lucia, Antigua und St. Martin.

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Tim im Anglerglück: Ein 2m Blue Marlin hat angebissen
Besonders unangenehme Erinnerungen haben wir an Union Island, was aber weniger mit der Insel selbst zu tun hat als mit einer nächtlichen Havarie. Eine dänische Yacht hatte uns unsanft aus dem Schlaf gerissen, als sie mit voller Wucht gegen unsere Bordwand krachte. Bei starkem Wind war ihre Muringleine durchgescheuert und zu ihrem großen Glück und unserem Pech lagen wir genau zwischen ihnen und dem Riff. Während wir nun alle Hände voll zu tun hatten, die Yacht zu retten, saßen die Dänen gemütlich in einem Restaurant und ließen sich die Lobster schmecken.

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Badetag
Die dänische Yacht, eine Phantom 42, war zunächst an unserer Positionslampe hängengeblieben. Nachdem die abgerissen war, verhakte sich ihr Anker an unserem Wantenspanner. Wir sicherten das Boot mit Leinen und mit letzter Kraft schafften wir es, die Phantom aus unseren Wanten zu ziehen. Sie rauschte nach achtern, aber die Leine hielt, offenbar konnte auch unser Anker die zusätzlichen 12 Tonnen Gewicht verkraften. Aber bei 20 Knoten Wind war das natürlich keine Dauerlösung. Wir leuchteten also die Restaurants am Ufer ab, um die Besatzung herbeizurufen. Endlich ertönte ein Außenborder. Die Mannschaft, zwei Frauen, zwei Männer stapften an Deck. Blöde Gesichter nach dem Motto: Warum habt Ihr unser Boot auf den Haken genommen. Wir erklären ihnen die Situation. Die Dänen machen aber überhaupt keine Anstalten, sich von uns zu entfernen. Unsere Aufforderung, doch mal ihre Maschine zu starten, quittieren sie nur mit einem verständnislosen "For what?" Jetzt sind wir sprachlos. Wir fordern sie noch mal auf, selbst zu ankern. Zögernd fragt der dänische Skipper nach der Wassertiefe. Da erkennen wir sein Problem. Der Anker ist gar nicht angeschlagen, an Deck liegt ein kümmerliches Häuflein 6mm Kette und die Wassertiefe beträgt 13 m. Da haben wir fast Mitleid und leuchten ihm den Weg zu seiner Muring aus.

Am nächsten Tag erfahren wir dann, warum die Yacht so schlecht ausgerüstet ist. Sie ist bei der ARC mitgefahren und die Dänen hatten extra für die Rallye einen Profiskipper engagiert. Der dachte wohl nur an Geschwindigkeit, ein vernünftiges Ankergeschirr war da nur unnötiger Ballast. Tatsächlich hat die Phantom bei der ARC mehrere Preise geholt. Immerhin bezahlen die Dänen unseren materiellen Schaden. Trotzdem sind wir sauer, als sie am nächsten Tag unbeschwert weiterziehen können, während wir uns vor schmerzhaften Prellungen und Hautabschürfungen kaum bewegen können. Drei Tage liegen wir fest, bis wir es endlich schaffen, unseren Ankerplatz zu verlassen. Eigentlich wollten wir noch einmal für ein paar Tage ins Horse Shoe Riff, weil Tim und Lena unbedingt wieder zu den bunten Fischen wollten. Doch mit unseren Blessuren war an Schnorcheln und Baden leider nicht zu denken. Außerdem lief uns die Zeit davon.

Wir dachten nun immer häufiger an die Rückreise. Bis Ende Juni wollten wir wieder in Europa sein, damit die Kinder wenigstens noch die letzten Tage des alten Schuljahres miterleben konnten. Als Ausgangspunkt für die Rückfahrt hatten wir uns St.Martin ausgesucht, wir hätten aber genausogut von Martinique, Guadaloupe oder irgendeiner anderen Insel starten können. Bei den Distanzen, die uns auf dem Atlantik erwarteten, spielten die paar Meilen, die wir noch im Antillenbogen gutmachten, kaum eine Rolle.

Offenbar hatten aber viele St. Martin als Absprung auserkoren. Die Ankerbuchten waren gut gefüllt, und überall herrschte emsige Geschäftigkeit. Wir trafen dort einige Gleichgesinnte, mit denen wir eine tägliche Funkrunde für die Rückfahrt verabredeten. Die Nervosität stieg, aber TO-Kamerad Kai beruhigte uns: Er mache die Reise schon zum 2. Mal und zwar nur wegen der Rückreise. Der Törn sei abwechslungsreich, es gebe viel zu sehen und vor allen Dingen falle die tagelange Rollerei wie auf der Passatroute weg. Später in Horta hat sich Kai noch oft für seine Schwärmerei entschuldigt. Aber so weit sind wir noch nicht.

Das erste Ziel für uns bestand nun darin, aus dem Passat herauszukommen. Seit Monaten blies es jetzt aus östlicher meist nordöstlicher Richtung. Der letzte Regenschauer der über St. Martin niederging, wurde abgewartet, dann tief Luft geholt. Die Winde zieht den Anker hoch. Unter Motor laufen wir am 24. April aus dem Ankerfeld der Marigot Bay Richtung Anguilla. Den Motor lassen wir noch 2 Stunden laufen, da der Wind wechselhaft ist und wir vorankommen wollen. Wir passieren ein Fischerboot und viele Fischerbojen. Als wollte uns die Karibik festhalten, bleibt das Hilfsruder an einer Leine der Bojen hängen. Als genügend Zug darauf ist, rutscht sie glücklicherweise ab.

Groß und Genua gerefft, laufen wir am Wind mit 10 Grad über Grund in unsere erste Nacht. Die Taktik lautet Nord machen, ohne Ost zu verlieren. Bereits nach 4 Breitengraden sind wir den Passat auf 22 Grad N los. Schwache Winde bis Flaute in den nächsten Tagen. Wir wollen Diesel sparen, obwohl wir mit unseren 400 Litern fast 800 Meilen motoren könnten. Die See wird immer ruhiger. Die Dünung läßt ebenfalls nach. Irgendwann verschwinden auch die Kräuselungen auf der Wasseroberfläche, weniger als Windstärke 1. Die Anspannung der letzten Tage, die einen immer vor einer Abreise quält, ist verschwunden. Bordroutine kehrt ein.

Die Wassertemperatur beginnt deutlich zu sinken. Unsere Etmale, die uns nach Norden bringen, sind klein. Wir schaffen nur 60 bis 100 sm am Tag. Trotzdem sinkt die Wassertemperatur fast täglich um ein Grad. Die Nächte sind aber noch warm. Nachts liegen wir in kurzer Hose im Cockpit und bestaunen den Nachthimmel. Wir wundern uns über die Selbststeueranlage. Die Windfahne schlägt immer noch aus und steuert das Boot. Die Windanzeige zeigt 0 kn Wind. Aber manchmal beschleunigt das Boot von 1 kn auf 1,5 kn. Des Rätsels Lösung: Der Wind reicht nicht aus, um den Instrumenten ein sinnvolles Signal zu entlocken. Dafür weht das kleine rote Fähnchen an der Windfahne noch aus, dreht das Pendelruder, das dann ausschlägt und durch die Wasserströmung genügend Kraft entwickelt, um das Hilfsruder zu bewegen. Wir genießen die Ruhe, es ist wie am Anker, nur dass man etwas Fahrt macht.

Nach einer Woche zieht südlich von uns ein Tief durch. Nord-Nordwestwind bis 30 kn. Das 2. Reff ist im Groß, von der Genua steht nur noch ein Viertel. Wir laufen nach Südost 110 - 120 Grad über Grund. Die Taktik heißt jetzt Ost machen, ohne Nord zu verlieren. Nachts haben wir über VHF Kontakt mit einer niederländischen Yacht, die auch Richtung Azoren will. Sie kommt uns entgegen und läuft nach Nordwest. Wir tauschen Wetterinformationen aus. Schnell verschwinden die Positionslichter wieder in der Nacht. Die Wolken hängen tief. Nach 2 Stunden begegnen sich die Yachten wieder. Beide haben den Bug gewechselt. Beide wurden unsicher, ob der Kurs des anderen vielleicht doch besser ist. Der Wind kommt inzwischen aus NO, genau dort her wo wir alle hinwollen. Es ist frustierend, nass und kalt.

Die notwendige Bekleidung nimmt rasch zu. Von Tag zu Tag braucht man mehr. Zuerst lange Hose, dann Pullover, Socken und schließlich sogar lange Unterhosen. Das Wasser ist auf der Breite von den Bermudas nur noch 21 Grad warm. Auf den Bahamas hat sich ganz ungewöhnlich ein Sturmtief gebildet, das Richtung Norden zu den Bermudas zieht. Damit ist klar, dass wir unsere ursprüngliche Planung, einen Zwischenstopp auf Bermuda einzulegen, vergessen können.

Die ständigen Funkwarnungen vor zwei entmasteten Segelyachten in unserem Seegebiet tragen zwar nicht gerade zu unserer Beruhigung bei, aber Kurs auf Bermuda zu nehmen und damit genau in das Tief zu steuern, ist auch keine Lösung. Also Augen auf und durch. Wir kreuzen, bis der Nordost ein Einsehen hat und zumindest auf Ost dreht. Damit können wir wenigstens Nord machen. Doch der starke Ostwind zwingt uns immer weiter nach Norden. Wenn das so weitergeht, sind wir bald in Grönland. Aber es geht natürlich nicht so weiter. Bei 33° N und 56° W erwischt uns die nächste Flaute. Unsere Gefühle sind zwiespältig. Einerseits genießen wir die unverhoffte Ruhe. Es ist schon ein irres Gefühl, mitten im Atlantik auf spiegelglattem Wasser zu schweben und die Wasserschildkröten und unzählige Portugiesische Galeeren zu beobachten. Zur großen Freude der Kinder sehen wir sogar zwei Wale. Auf der anderen Seite sitzt uns aber das Sturmtief im Nacken. Deshalb beginnen wir nach einem wunderschönen Ruhetag doch mit dem Motoren.

Bis zu den Azoren sind es noch 1000 Meilen. Gebannt beobachten wir das Barometer, das das drohende Tief bereits ankündigt. Unser Wetterfrosch Hugo rät in seiner Funkrunde allen, nicht weiter nördlich als 35° zu fahren. Für uns kommt die Warnung zu spät, wir sind bereits auf 37° N angekommen. Das Baro fällt jetzt sehr schnell, wir bereiten uns auf viel Wind vor. Doch als das Tief endlich durchzieht, sind wir genau in seinem Auge und haben zeitweise sogar Windstille. In unserer Funkrunde erfahren wir, dass es weiter südlich ordentlich zur Sache ging. Glück gehabt. Es folgt sehr wechselhaftes Wetter mit viel Regen und unangenehmem Seegang und schließlich kommt doch noch, worauf wir seit zwei Wochen warten: Westwind.

Gegen Ende der Reise hatten wir dann noch Ärger mit der Maschine. Die Drehzahl ging plötzlich für einen kurzen Moment hoch. Ein unerklärliches Phänomen. Ein Absacken der Drehzahl kann man sich mit Spritmangel erklären, aber ein Ansteigen nicht. Die Vermutungen reichten von Schlupf im Getriebe, über loser Propeller bis zu defekter Einspritzpumpe. Um auf der Brennstoffseite alle Fehlerquellen auszuschließen wurde eine neue Förderpumpe angebaut und die Brennstofffilter gewechselt. Die Aktion hört sich leicht an, war aber für alle eine Anstrengung, die an die körperlichen und psychischen Grenzen ging. Wir hatten inzwischen wieder Starkwind mit fast 30 kn und liefen tiefgerefft hart am Wind. Die See ging 3 bis 4 Meter hoch. Und zu allem Unglück lief auch noch eine NW-Dünung gegen eine SW-Dünung. Außerdem waren wir nach 3 Wochen auf See auch nicht mehr ganz frisch für solche Aktionen. Die Seen klatschten gegen die Bordwand und fanden zielsicher unsere Rücken. Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld. Dieselgestank, Schmiere, Salzwasser, alles war feucht. Die Arbeiten wurden ohne Erfolg eingestellt. Doch am nächsten Tag kam uns endlich die Erleuchtung. Der erste Brennstofffilter hinter dem Tank war verstopft, obwohl der erst vor kurzem gewechselt worden war, der Tank gereinigt war und Diesel nur aus unseren Kanistern nochmals gefiltert in den Tank gelangte. Der Filter wurde ersetzt, und der Motor lief wieder. Die erfahrenen Weltumsegler wechseln vor so einer langen Passage immer präventiv die Filter. Jetzt wissen wir es auch.

100 sm noch bis Horta. Der Wind kommt exakt aus rechtweisend 50 Grad, genau dorthin wollen wir. Unseren Ausweichhafen Ponta Delgada auf Sao Miguel können wir auch nicht direkt anlaufen. Wir beschließen gegenan zu motoren, bis wir ankommen oder der Wind dreht. Das nächste Tief rollt an und soll sich mit Südostwinden ankündigen. Ohne die Maschine zu quälen, erreichen wir bei der hohen See noch 2,5 bis 3 kn. Sobald es dunkel wurde, drehte der Wind, die See ließ nach und wir konnten fast zum erstenmal auf dieser Reise mit einem Schrick in den Schoten direkt Horta ansteuern. Und bei Sonnenaufgang ragte der Pico, Portugals höchster Berg, direkt vor uns aus den Wolken.

Freitagmittag den 18.05.2001 laufen wir unter Segel in den Hafen von Horta. Das Einklarieren ist schnell erledigt und ein Platz im Päckchen an der Innenmole des Yachthafens zugewiesen. Der Hafen ist voll.

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Malkunst auf der Mauer - Azoren
Fazit der Überfahrt: Aus 2200 sm direkter Kurs St. Martin - Horta wurden 2870 sm. Die Strömung lief mal mit, mal gegen uns. Gesegelte Strecke dürfte auch gleich Strecke über Grund sein. Gebraucht haben wir 25 Tage mit knapp 100 Motorstunden.

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Café Sport auf den Azoren
DER Treffpunkt der Atlantiksegler



Erleichtert feiern wir die gelungene Überfahrt, dabei liegt der unangenehmste Teil der Reise noch vor uns. Das europäische Festland ist zwar "nur" noch rund 1000 Meilen entfernt, aber gegen einen starken Portugiesischen Norder hat man kaum Chancen, ins Mittelmeer zu gelangen. Von anderen Crews hören wir, wo ihre vergeblichen Bemühungen endeten - von Casablanca bis Madeira ist alles dabei. Damit uns das nicht auch passiert, versuchen wir gleich auf die Breite von Lissabon zu kommen.

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Fahrt durch Gibraltar
Die ersten Tage bringen problemloses Segeln bei schwachen Winden. Am fünften Tag hat uns der geliebte Nordost allerdings wieder fest im Griff. In den nächsten beiden Tagen dreht der Wind auf Ost und legt auf 30 kn zu. Uns reicht es jetzt, aber leider kann man hier nicht aussteigen. Zu allem Überfluß macht uns auch noch ein nächtlicher Kabelbrand zu schaffen. Es dauert Stunden, bis wir die Ursache herausfinden: ein Kabel an den Solarzellen ist duchgeschmort. Kaum haben wir den Schaden behoben, hat auch der Wind ein Einsehen, und wir können endlich Cabo Vicente anvisieren. Nach 10 Tagen auf See können wir das Kap im Dunst mehr erahnen als sehen. Es herrscht Verkehr wie auf der Autobahn. Wir reihen uns in den Treck nach Gibraltar ein.

Bis Tarifa läuft alles abgesehen von dem Mordsverkehr problemlos. Dann dreht der Wind leider wieder auf Ost. Wir haben das Gefühl, rückwärts zu segeln. Nicht besonders angenehm, wenn direkt neben einem ein Tanker nach dem anderen vorbeizieht. Inzwischen ist es dunkel geworden, da wollen wir auch nicht nach einem Ankerplatz suchen. Doch der Wind wird immer stärker. Er zwingt uns, das Groß ganz herunterzunehmen, aber nur unter Maschine haben wir gegen den Wind keine Chance. Erst als wir das Groß mit 3 Reffs wieder setzen und beherzt kreuzen, bessert sich unsere Lage. Gegen Mitternacht erreichen wir sehr erleichtert Gibraltar. Die Kinder liegen wie immer nachts ruhig in ihren Kojen und schlafen.

Jetzt kommt der Endspurt. Die letzten 400 Meilen bis zu unserem Zielhafen Calpe glauben wir schon sicher im Logbuch, als wir uns bei herrlichem Westwind von Gibraltar verabschieden. Unser Leichtsinn wird prompt bestraft. Während wir noch diskutieren, wann wir reffen wollen, nimmt uns der berstende Spi-Baum die Entscheidung ab. Natürlich hält der Wind nicht durch. Am nächsten Tag haben wir schon wieder Gegenwind und müssen sogar in Cartagena einen Zwangsstopp einlegen.

Doch nach 2 Tagen ist der Spuk vorbei, und so können wir am 13. Juni kurz vor Mitternacht in unserem Ausgangshafen Calpe festmachen. Ein Jahr ist fast vorbei, das Log zeigt ziemlich genau 10 000 Meilen, aber die Summe der Erfahrungen läßt sich mit keiner Zahl ausdrücken.



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NeDesign
Letzte Änderung / Last change: Freitag, 09. Mai 2003