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Zu Reisen mit Kindern an Bord - Bonaire 2004
Segler aus Östereich berichten von ihren Erfahrungen


Schulunterricht an Bordleft.gif 40x15
Die "Gummibärchen" Flaggeleft.gif 40x15

Unser Sohn Nick 12 begleitet uns seit 2 Jahren und wir haben wirklich viel Freude mit ihm.

Die Schule erfolgt an Bord nach dem gleichen Stundenplan wie in der richtigen Schule. Montag bis Freitag von 8h bis 13h, einmal die Woche bis 16h, da ist nachmittags Geometrisch Zeichnen angesagt und einmal die Woche kommt noch Haushalt und Ernährung dazu.

Er schließt jetzt die 7. Klasse ab.

Prinzipiell ist es in Österreich so, dass ein Kind, das bereits in Österreich in die Schule gegangen ist, in dieser Schule oder in der, die für seinen Hauptwohnsitz zuständig ist (laut Meldezettel), einen Antrag zum Staatsschulrat, bzw. Bezirksschulrat, stellen muss, bezüglich einer Bewilligung für häuslichen Unterricht.

Dieser Antrag muss jedes Jahr neu eingebracht werden. In der Regel wird dieser Antrag wegen dem Auslandsaufenthaltes des Kindes genehmigt. Bedingung ist jedoch ein jährliches persönliches Antreten zur Schulabschlussprüfung - Externistenprüfung genannt und ein jeweiliges Nachweisen des Zeugnisses beim Staatsschulrat.

Besteht das Kind die Prüfung über das ganze Jahr, kommt es in die nächst höhere Klasse und erhält alles Material für das nächste Schuljahr von seiner Schule mit. Die Externistenprüfung findet aber in einer anderen Schule statt, da es für jedes Bundesland nur eine Schule gibt, die für Externistenprüfungen zugelassen ist. Bei uns ist es, in dem Fall, die Schule in Klosterneuburg, die für ganz Niederösterreich zuständig ist.

Im Zuge der Schulbuchbestellung, unterschreibe ich immer auch gleich den Antrag für das nächste Jahr bei unserer Schuldirektorin am Wohnort. Ein kleiner Selbstkostenbeitrag von 9,80€ ist für die Schulbücher zu bezahlen. Es ist nicht Pflicht ein Heft zu führen und es wird auch nicht bewertet, trotzdem haben wir uns in allen Fächern ein Heft zur Hilfe angelegt. Wir bestellen zu den Büchern auch immer ein Lösungsbuch für Lehrer, wofür unsere Schuldirektorin vollstes Verständnis hat, besonders bei Mathematik ist das eine wertvolle Hilfe. Auch für Physik und Chemie haben wir heuer die Lehrerausgabe mit Lösungen bekommen.

In www.bildung.at findet man für Deutsch und Englisch wertvolle Hilfsprogramme zum downloaden, die speziell die Grammatik und Rechtschreibung trainieren. So etwas entspannt auch die oft anstrengenden Mathematikstunden, wo es vorkommen kann, dass auch nach dreimaliger Wiederholung alles falsch ist.

Wir wollen gar nicht erst von Geometrisch Zeichnen reden, war dies doch mein Lieblingsfach, als ich noch zur Schule ging. Aber ein Kind ist nun einmal kein Klon von den Eltern, sondern zu einem eigenständigen Wesen geboren. Deshalb sollte man auch nicht das Gleiche oder gar zu viel erwarten. Es hilft nur sich in Geduld zu üben, auch wenn das Verständnis schon aufgebraucht ist und positiv denken!!! :o))

Beim Segeln gibt es prinzipiell keine Schule, der Tag wird dann am Wochenende nachgeholt. Ganz weglassen ist nicht zu empfehlen, wenn man einmal im Verzug ist, ist es kaum mehr auf zu holen. Gute Arbeiten sollten immer belohnt werden und schlechte wiederholt. Haushalt und Ernährung ist schwierig allein zu lernen, deshalb kocht bei uns einmal in der Woche Nick, auch wenn es dann fallweise nur zu "take away" reicht, die Lebenserfahrung kann ihm keiner nehmen. Allerdings kann Nick seine Lieblingsgerichte wie Pizza oder Palatschinken schon besser als wir selbst. Kaffee und Reis kochen unter Aufsicht ist auch kein Thema. Beim Gemüse putzen und Kartoffel schälen oder Zwiebel schneiden, ist er ebenfalls ein braver Maat.

Man sollte dem Kind auch immer wieder eine Aufgabe geben, wobei er sein Selbstwertgefühl bestätigen kann und darauf achten, dass er auch wirklich in Kontakt mit anderen Kindern kommt. In Bonaire, auf den ABC - Inseln haben wir unseren Sohn in einen Youth Club eingeschrieben gehabt, wo er dreimal die Woche hingehen durfte, wenn mit der Schule soweit alles in Ordnung war.

Von 14h bis 18h werden die Kinder vom 12 -16 Lebensjahr dort nach der Schule beaufsichtigt und sie können Freizeitbeschäftigungsfächer wählen, wie PC, Tennis, Surfen, Rollerbladen - Hockey, Ping Pong, kochen, singen, Theater, Altenbetreuung, Fußball, zeichnen und malen, segeln, Schnorcheln und tauchen, man kann den Tauchschein machen - das dauert dort aber 2 Jahre und vieles mehr. In erster Linie war bei Nick jedoch Rollerbladen gefragt gewesen und PC, ein paar Mal versuchte er sich in Tennis, einmal war er Windsurfen, Ping Pong - wenn es regnete statt, Rollerbladen, tja ihm ging es in erster Linie um Freunde, Mädchen und nicht darum, dass er was lernen könnte. 9

Die Pädagogen dort, meinten jedoch bei einem Gespräch aber, das sei ganz normal, er ist erst 12, das sei ein schwieriges Alter und sein Verhalten sei unauffällig und OK. Immerhin blecht man dem Verein dort, als Ansässiger bis zu 150,-USD pro Kind und Monat! Wir haben, als arme Segler, die keine Einkommensbestätigung vorweisen konnten 30,-USD pro Monat bezahlt. Er hätte aber auch jeden Tag von Montag bis Freitag hingehen können, nur ließ das sein Stundenplan nicht zu.

Also aufgepasst Kinder in Bonaire, ab nach "Young Bonair" !!! Eurem englisch schadet es sicher nicht, mit spanisch oder dutch geht es auch prima, nur Papiamento ist ein etwas schwieriger Kauderwelsch. Übrigens waren wir 4 Monate in Bonaire, bevor wir wieder zurück auf die Las Aves fuhren, denn segeln konnte man nicht dazu sagen! :

In Bonaire kann man 24 Stunden rund um die Uhr einklarieren, es kostet nichts und ist völlig problemlos. Man bekommt 3 Monate bewilligt, mehr nicht und das gilt dann auch für Curacao, denn die Inseln gehören zusammen. Harpune haben wir am Zoll abgegeben (Pflicht!) und ohne Probleme beim Ausklarieren wieder bekommen. Immigration gibt es auf der örtlichen Polizeistation auch rund um die Uhr, als erstes ist aber Zoll gefragt.

Das war es auch schon. Man kann alles zu Fuss oder mit dem Dingi erledigen und man muss auch nicht jede Nacht sein Dingi an Bord holen, Boaire ist wirklich s a f e !!!! Wir lagen genau vor Karels Bar, die örtliche Disco. Klar die Musik ist laut jede Nacht, aber uns hat es nicht gestört. Der Steg ist auch Anlegestelle für Dingis und ein paar Eiswürferl fallen bei Nachfrage für Segler hier immer gratis zum Mitnehmen ab. Man kann aber auch einen ganzen Sack hier kaufen.

In Bonaire geht alles sehr liebenswürdig, freundlich und ruhig zu, ganz im Gegensatz zu Curacao, wo man von Haus aus nur 2 Wochen Aufenthalt zugestanden bekommt und von Bonaire aus kommend, muss man dann schon froh sein, überhaupt eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Mit dieser kann man dann auch gleich eine Woche später um eine Extention ansuchen gehen, was wohl auf der dortigen Immigration mit einem ungeheuren Papierkrieg gesegnet ist.

Zurück zu Bonaire: Ankern in ist überall verboten!!!!

Man muss an eine Boje gehen und für die bezahlt man allerdings täglich 5,95 USD an den Marineschutzpark in der Village Harbour Marina, wo man mit dem Dingi hinfahren kann. Bonaire hat holländisches Flair und ist nach Venezuela durchaus europäisch, auch von den Preisen her, waren wir gar nicht geschockt - durchaus vergleichbar mit Österreich.

Zum Tauchen ist Bonaire ein Muss! Man liegt direkt am Riffsteilhang und kann vom Schiff aus bereits die schönsten Fische und auch immer wieder Schildkröten in jeder Größe bewundern. Letztere nisten regelmäßig auf Kleinbonaire, das man mit dem Dingi bequem erreichen kann. Das Blau des Wassers blendet richtig und die glasklare Wasserqualität hatten wir nicht einmal auf den Los Roques gehabt. Auch Schnorchler kommen hier auf keinen Fall zu kurz. Nimmt man einem in Curacao 175,-USD fürs Schwimmen mit Delphinen ab, schwimmen diese in Bonaire gratis teilweise nur 3m vom Boot entfernt vorbei und laden zum Mitschwimmen ein

Etwas Interessantes in Bonaire für Einrumpfsegler:
Die Marina Club Nautico VHF Ch 69, links von Karels Bar, bietet Slips gegen den gleichen Preis, wie an einer Boje und man hat direkten Landanschluss ins Zentrum, separat zu bezahlen sind Strom und Wasser, der Liter zu 0,02 USD Cent. Allerdings ist das nur zu empfehlen, wenn kein Schwell reinsteht und das Wetter ok ist! Leider sind wir zu breit für diese Marina.

Am Funk gerufen wird auf Kanal 77 und gesprochen auf Ch 71, alle anderen Channels sind der Berufsschifffahrt vorbehalten. Auf 77 gibt es auch, gesetzt dem Fall, Wetter Warnungen vor Windreverse.

Jeden Donnerstag kommt eine Gratiszeitung heraus, The Reporter, mit Tips und News.
Der Cultimara Supermarkt hat das beste Brot, wie zu Haus in Österreich.
Das Restaurant Spanhök, Vis a Vis vom örtlichen Krankenhaus, hat das billigste "take away" Essen - surinamesisch, chinesisch. Eine relativ große Frühlingsrolle 1,- USD (1,75 Naf) und einmal Chicken fried um 2,30 USD (4 Naf), besteht aus zwei riesigen Teilen paniertem Huhn, Happy Hour von 16 bis 20h!

Wir konnten auch gleich am ersten Tag unser venezolanisches Handy um knappe 15,- USD (inkl. Sprechguthaben mit Rubbelkarte - Easy Phone nennt sich das) in Stand setzten lassen, man kann auch Handys mieten. Vorsicht beim Internet, wenn man nicht Member werden möchte, ist es etwas überzogen teuer. Als Member dafür ist es mit einem 23 Stunden Code um knappe 2,- USD die Stunde (75,-Naf, Membership einmalig 25,-Naf) vorzüglich, egal ob City Cafee - sehr zu empfehlen oder Mall. Eine Woche bevor unsere Zeit ablief, gingen wir auf die Immigration fragen, ob wir nicht doch länger bleiben könnten. Nachdem wir eine Krankenversicherung nachweisen konnten, gestanden sie uns, nach langem hin und her, einen Monat mehr zu.

Erwähnt sei auch noch ein ganz gutes Restaurant, das Swiss Chalet. Geführt von den wirklich herzlichen Schweizern Susi und Noldi, ist es sicher einen Besuch wert. Mittwoch geschlossen und sonst täglich mit Happy Hour von 16 bis 18h, man trifft immer wieder Schweizer, Deutsche oder Holländer und erfährt hier alles wissenswerte.

Ebenfalls erwähnt sei auch noch Budget Marine, wo man höchstens durch einen absoluten Zufall das bekommt, was man als Segler braucht oder von Budget Marine erwarten würde. Wir hatten gleich bei unserer Ankunft eine neue Ankerkette bestellt. Budget Marine war nicht fähig sie innerhalb von 7 Monaten aufzutreiben... Wir waren nach unserer Abreise drei Monate später zurückgekommen und wieder nichts, außer leeren Versprechungen und Ausreden.

Generell bekommt man auf den ABC - Inseln nicht wirklich etwas für unsere schwimmenden Behausungen, allerdings haben wir uns ohne Probleme von Holland aus, eine Kette schicken lassen, die binnen 3 Wochen am Schiffsweg nach Curacao geliefert wurde.

Wir wünschen allen Seglern immer einen Fingerbreit Bier im Glas!




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Letzte Änderung / Last change: Montag, 28. Juni 2004