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Verwertbarkeit von Korallenfischen
Noch mehr über essbare Fische

Artur Schmid u. Linda Foley, "Tangaroa", L.: 12,20m, T.: 1,80m


Im TO 81/98 ist ein Artikel abgedruckt, bezüglich der Verwertbarkeit von Korallenfischen, dem ich gerne ein paar Gedanken widmen möchte. Dieser Artikel - besonders unter der Rubrik "Gesundheit" - erweckt den Eindruck, daß man praktisch jeden Fisch essen kann, wenn er nur richtig zubereitet ist. Das ist falsch!

In allen tropischen Gewässern, besonders in der Nähe zerstörter (z. B. von Stürmen) Korallenriffe, gibt es die sogenannte Fischvergiftung CINGUATERA: In unserem Gebiet, der Karibik, besonders in den nördlichen Antillen, der nördlichen Zentralkaribik und Jamaika.

Es gibt etliche wissenschaftliche Veröffentlichungen zu diesem Thema; bekannt ist, daß dieses Gift in einem Einzeller entsteht, welcher in oder bei zerstörten Korallen lebt und durch die Nahrungskette akkumuliert wird. Da Fische selbst nicht empfänglich sind für dieses Gift, kann man es ihnen auch nicht ansehen. Man kann aber vorsichtig sein: die meisten Einheimischen wissen, ob es in ihrem Gebiet Cinguatera gibt, oder nicht. In gefährdeten Gebieten (siehe oben) verzichtet man besser auf Korallenfische und auf größere Raubfisch-Exemplare - die großen Brocken also lieber schwimmen lassen. Cinguatera hat unangenehme bis fatale Auswirkungen, die ersten Symptome gleichen einer starken Allergie - man sollte dann, mit Resten des Erbrochenen, möglichst schnell das nächste Krankenhaus ansteuern. Unangenehme Begleiterscheinungen: einmal an Cinguatera erkrankt, darf man für wenigstens 12 Monate überhaupt keinen Fisch mehr essen.

Zitat aus einem amerikanischen Fisch & Angelbuch:
Gebiet- und Jahreszeitabhängig wurde Cinguatera bei Fleisch- und Pflanzenfressenden Fischen gefunden. Besonders betroffen sind:
Snapper, Baracuda, Doktorfische (Surgeons), Grouper (Zackis), Jacks (Stachelmakrelen) und Muränen - speziell größere Exemplare von Baracudas und Snapern. Wenn Sie in Ihnen unbekannten Gewässern einen der erwähnten Fische geangelt haben, sollten Sie zuerst Einheimische, speziell Fischer, befragen.

7 % der Cinguaterafälle verlaufen tödlich.


Über die Giftwirkung von Pufferfischen gibt es nicht viel zu sagen; kein vernünftiger Mensch geht dieses Risiko ein. Soweit die Medizin.

Was die Gaumenfreuden betrifft, so soll hier nochmal das Fisch- und Anglerbuch zitiert werden:

Fische essbar Fische essbar
all groupers good hamlets poor
soapfish poor chubs poor
angelfish poor Butterfly-fish poor
damselfish poor hogfish excellent
all Wrasses poor Queen trigger good-fair
other triggers poor putterfishes poor
puddingwive poor all Parrotfishe poor
Cardinal fish poor squirrlfish poor
peacock flounder poor surgeons & tangs poor
filefishe poor lizardfish poor
spotted scorpionfish good, dangerous otjer scorpionfishes poor, dangerous


Es gibt aber noch einen ganz anderen Aspekt , der diesen Artikel (eigentlich eine versteckte Werbung) zum Ärgernis macht. Nämlich die immer wiederkehrende Einstellung, daß es die Freiheit der Meere bedeutet, wenn wir uns nehmen, was uns passt. Ob es legal ist, oder nicht, ob wir dabei genau das kaputtmachen, was uns so reizte - das spielt kaum eine Rolle. Übertreibung?

Freunde, wenn Ihr heute in den Tobago Cays schnorchelt, dann schnorchelt Ihr in einem fast toten Riff. So sieht das in der ganzen Ostkaribik aus. Weg sind die Zackenbarsche, die Schildkröten, die vielen Papageienfische. Oh ja, man sieht schon Fische, und wer es nicht anders kennt, der glaubt, es sei schön. Es ist ja auch noch immer schöner, als in der Nordsee , aber, es war mal anders.

Positive Vergleiche: EinTeil der Virgin Island, Bonaire (ganz im Besonderen!) und die Caymans. Ausnahmen sind auch Gebiete, die selten von Seglern frequentiert werden: abgelegene Riffe in den Caicos Inseln, in der Westkaribik. Es ist doch nicht schwer, die Zusammenhänge zu erkennen:

Entlang des karibischen Highways Los Testigos, Los Roques, Isla Aves - wo es vor 12 Jahren noch bei jedem Tauchgang große Barsche in Mengen gab, überall Conch herumlagen, aus jeder 2. Koralle die Fühler einer Languste ragten, da ist heute tote Hose angesagt. Denn jeder denkt, auf den einen Fisch kommt es sowieso nicht an, selbst wenn man mal was gelesen hat von der Empfindlichkeit des Riff-Biotopes, auch wenn man leicht erkennen kann, daß es nicht so viele Exemplare unter den einzelnen Arten gibt, ja auch wenn es der letzte Zacki wäre, wir kriegen ihn.

Ungerührt der Tatsache, daß der VDST sich seit Jahrzehnten für ein Umdenken einsetzt, daß in Deutschland praktisch keiner mehr Harpunen verkauft, daß die alten Gurus wie Hans Hass in Neuauflagen ihrer Bücher den eigenen Fehler bedauern - da publiziert das TO-Magazin Kochrezepte für Korallenfische und verbreitet diesen Unsinn sogar im Internet. Das war schwach, liebe Redaktion!

Ihr bemerkt noch nicht mal den Widerspruch, wenn Ihr im gleichen Heft einen St. Vincent-Artikel druckt, in welchem steht, daß dort Harpunieren nicht mehr legal ist. So sieht es nicht nur in St. Vincent aus - fast in der ganzen Karibik hat man bemerkt, welchen Schaden die vielen Jachten anrichten. Den freiheitsliebenden Segler kümmert das aber nicht, wer soll es auch schon sehen. Langusten kriegt jeder Trottel mit seinem Dreizack und Engelsfische haben eine praktische Pfannenform.

Wie schade! Seit Jahrzehnten haben die deutschen Taucher der Hapune abgeschworen; wir schießen mit der Kamera. Wir tauchen, weil wir das Meer lieben und es auch gerne so erhalten möchten. Keiner der Jachtsegler, groß oder klein, hat Proviantprobleme, wenn er in einem tropischen Riff ankert.

Warum also das zerstören, was wir selbst und andere nach uns sehen möchten? Riffe sind kein Supermarkt und nicht auf eine Produktion hierzu eingerichtet. Wenn wir nun alle drangehen, diese leicht schießbaren Fische zu räuchern, weil jemand behauptet, sie seien lecker, dann wird es demnächst keine mehr geben, es gibt jetzt schon erschreckend wenige.

Bitte schießt keine Korallenfische und akzeptiert die Schonzeiten von Langusten und Conch.! PS: Statt einer Proviantbibel gibt es auch sinnvolle Bücher, mit denen man viel Freude haben kann. Zum Beispiel Paul Humans REEF SET: das beste, uns bekannte Werk über karibische Korallenriffe mit hervorragenden Fotos und guten Beschreibungen.

Es gibt 3 Bände:
  1. Reef Fish Identification,
  2. Reef Coral
  3. Reef Creature Identification.
Leider nur in englisch, aber sehr informativ. Die 3 Bände kosten etwa 100 US $, also etwa so viel wie eine gute Harpune. Erhältlich in jedem amerikanischen Dive-Shop, oder durch den deutschen Buchhandel. Nahezu alle abgebildeten Tiere kann man in den karibischen Riffen beobachten - falls nicht vorher die Harpunettis da waren.




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Letzte Änderung / Last change: Montag, 28. Juli 2003