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Madagaskar- hier ein Erfahrungsbericht über die Insel

Claudie Brachet u. Dietmar Kaluscha, "Quo Vadis"
E-Mail: quovadis1@hotmail.com


Quo Vadis - Madagaskar?

Zeige mir das Geld das Du hast .... und ich sage Dir wer Du bist.

Dieses etwas abgewandelte Sprichwort gilt für die meisten Länder in dieser Welt - und auch für MADAGASKAR. Es scheint eine Regel zu geben, daß je ärmer ein Land ist, desto größer und nullenreicher sind seine Geldscheine, allerdings umgekehrt proportional zu ihrem Wert.

Also, der größte Geldschein in Madagaskar ist 25.000,-- FM (Franc Malgasy) und hat einen Gegenwert von ca. 8,-- DM, meistens sind 10 diese Scheine mit einem Büroschnellhefter zusammengezwickt. Der kleinste Geldschein ist 500 FM (ca. 15 Pf.) dafür kann man gerade noch etwas auf dem Markt kaufen (1 Zitrone z.B.). Erstaunlicherweise gibt es auch noch jede Menge Münzen, auf manchen steht 25, sie sollen aber angeblich 100 FM wert sein, dann gibt es noch kleinere Münzen, aber die anzunehmen, weigern sich sogar die kleinen Jungen am Hafen, die sich für alle Arten von kleinen Jobs anbieten, z.B. aufs Dingi aufpassen.

Man sieht also, daß Madagaskar ein sehr armes Land ist, sogar eines der ärmsten der Welt. Ein Großteil der Bevölkerung muß von 100.000 FM im Monat leben, das sind umgerechnet ca. 32,-- DM. Was einen in solchen Ländern immer wieder erstaunt, ist wie die Leute unter solchen Umständen überhaupt überleben können. Für uns ist Madagaskar ein sehr billiges Land, mit dem oben beschriebenen 25.000,-- FM-Geldschein kann man immerhin ein sehr gutes Mahl in einem guten Restaurant bezahlen, oder ein Kilo Zebu-Filet kaufen, oder 20 L Diesel, oder auch 3 L Rum, der hier noch eigenhändig aus Zuckerrohr hergestellt wird.

Aber ein Einheimischer, der gerade mal vier solcher Scheine im Monat hat, zahlt auch 4.000,-- für ein Kilo Kartoffeln oder 15.000,-- für ein Kilo Hühnchen, die er sich also fast nie leisten kann, außer er stellt all dies selber her.

Das Touristenzentrum ist Nosy Be (große Insel) an der NW-Küste Madagaskars mit dem Hafen Hellville, und hier treffen sich auch die wenigen Fahrtenjachten, hauptsächlich Franzosen und Südafrikaner. Hier kann man auch einklarieren, und zwar absolut problemlos und unbürokratisch, eigentlich muß man den Behörden fast schon ein bißchen hinterher laufen. Das Dreimonatsvisum kostet 50,-- DM und kann (offiziell) nicht verlängert werden. Man muß also kurz das Land verlassen, entweder per Flugzeug (das Schiff kann bleiben) oder man segelt kurz mal rüber nach Mayotte oder die anderen Komoren (ca. 180 sm ruhige See).

Rund um Nosy Be und die benachbarten Inseln gibt es eine Reihe schöner Ankerplätze. Die Eingeborenen sind ungemein freundlich und einem Plausch oder einem kleinen Tauschhandel nie abgeneigt. Die beliebteste Tauschwährung ist ein T-Shirt, und dafür bekommt man Langusten, Krabben, Fisch, eine Ziegenkeule oder Obst und Gemüse, begehrt sind auch Angelzeug, Arbeitskleidung, Tauchmaske. Als kleine Gastgeschenke eignen sich leere Flaschen, Zigaretten oder Medizin, wie z. B. Brandsalbe, Desinfektionsmittel, Verbandszeug, Schmerztabletten etc.

Die Einheimischen leben in kleinen Dörfern wie aus dem tropischen Bilderbuch, palmengedeckte Bambushütten, Einbaumkanus mit Segeln aus Reissäcken, überall picken Hühner, watscheln Enten und grasen Zeburinder. Die Frauen in bunten Tüchern stampfen in großen Holzmörsern und gehen schwanger, die Männer gehen fischen oder in die Plantagen, wo Bananen, Reis und Maniok angebaut werden. Und überalle lachende, spielende, lärmende Kinder mit großen braunen Augen und gesunden weißen Zähnen.

Das Einkaufszentrum ist Hellville, der Hafen von Nosy Be, eine typische Stadt aus der französischen Kolonialzeit. Pausenlos legen am Kai Versorgungs- und Fährschiffe an. Jachten ankern frei in der Bucht, die ausreichend geschützt ist gegen die vorherrschenden SE-Morgenwinde und die Westbrise am Nachmittag. Am Kai bekommt man Wasser und zollfreien Diesel, der vorher im Stadtbüro der staatl. Petroleumgesellschaft in Devisen gekauft werden muß (30 Pf der Liter!!!)

Für unseren Katamaran war Nosy Be und Umgebung eine Wohltat.
So konnten wir in Helville recht günstig einheimisches Antifouling kaufen (25,-- DM pro Liter) und an einem der malerischen Strände in derUmgebung trockenfallen und das Unterwasserschiff neu streichen, ein vergnügliches Kinderspiel bei 4 m Tidenhub. Alle Materialien und Werkzeuge, die man dafür so braucht, sind in Hellville erhältlich.

Desgleichen fanden wir weißes Skaimaterial für unsere gesamte Polsterung im Salon. Das Nähen der neuen Polsterbezüge nach Maß mit Einsetzen von Reißverschlüssen erfolgte in einer Handschusterei und kostete für 12 Polster ca. 30,-- DM und zwar Toparbeit.

In einem kleinen Dorf auf der Lemureninsel Nosy Komba, malerische Insel 5 sm südlich von Hellville, fanden wir eine Frau mit einer Handnähmaschine (auf der Insel gibt es keine Elektrizität). Auf dem Boden ihrer kleinen Bambushütte nähte sie für uns eine neue Großsegelpersenning und ein Sonnendach für unser Trampolin und für Claudie und mich lange Hosen und Hemden nach Maß aus leichtem Pareostoff, Arbeitskosten 2,-- DM pro Stück.

In Hellville konnten wir unsere Lichtmaschine reparieren lassen, wir konnten Batterien kaufen und einen Außenborder, einen 2 PS Viertakt Honda.

Die schönen Handarbeiten und Schnitzereien Madagaskars sind eine einzige Verführung, der auch wir nicht entgehen konnten. So hängt jetzt in unserem Cockpit eine schwarze Holzmaske aus Südmadagaskar, halb Zebu halb Mensch, von außergewöhnlicher Ausdruckskraft.

Einem handgearbeiteten Schachbrett mit Intarsien aus verschiedenfarbigen Hölzern konnte ich genau so wenig widerstehen wie Claudie ein paar Vanillekästchen mit Einlegearbeiten und den feinen farbigen Bastkörben. Überhaupt ist Madagaskar ein Land mit erstaunlicher Lebensqualität. Das fängt schon mit den Behörden an. Alle sind ungemein freundlich und umkompliziert. Man kann sich überall frei bewegen und niemand kümmert sich um einen, sehr erstaunlich für ein Land, das genau so wie die Seychellen jahrzehntelang kommunistisch war.

Der gleiche wohltuende Unterschied zu den Seychellen besteht im Angebot von Essen und Trinken, und der gesamten Gastronomie überhaupt. In Nosy Be quellen die Märkte über von lokalen Früchten, Gemüsen, Meeresfrüchten und Wurst- und Fleischprodukten. Im Angebot sind lokale Produkte wie Camembert, Foie gras und Rillette de Canard, Cassoulet, Tripe a la Mode, Pasteten vom Wildschwein oder Hasen, Confit de Canard, eine Variation von Weinen und Spirituosen, 20 verschieden arrangierte Rumsorten.....wohlgemerkt alles Eigenprodukte, die es auf den Seychellen als angebliches Touristenparadies zum großen Teil nicht einmal als Importware gibt.

Und wenn man in ein Restaurant geht, merkt man eben sofort, daß Madagaskar eine französische Kolonie war (genau so wie auf den Seychellen die britische Kolonialzeit "schmeckbar" ist).

Und dann kostet in Madagaskar alles nur einen Bruchteil dessen, was man dafür auf den Seychellen aus den Taschen gezogen bekommt; was auch kein Wunder ist, wenn auf alkoholische Getränke 400 % Steuern erhoben wird und fast nichts im Lande produziert sondern lieber importiert wird (was allerdings nicht erklärt, warum auf den Seychellen eine Ananas zwischen 15,-- und 20,-- DM kosten muß).

Und zum Schluß muß ich noch ein Stück Lebensqualität erwähnen, das so auch nur in frankophiler Umgebung zu finden ist und das sind die jungen, unglaublich hübschen und sexy Mädchen. Junggesellen und Einhandsegler meidet die puritanischen oder bigotten Ecken dieser Welt und segelt nach Nosy Be, Madagaskar!!

Denn es gibt in Hellville die heißeste Disko des Indics, sie heißt "Le vieux port" und jeden Freitag spielt dort die Band "Les Tigres du Vieux Port" die heißesten Rhythmen und all die hübschen Mädchen, die im Volksmund "crevetten" heißen, treffen sich dort mit den Junggesellen des Abends. Und je mehr der Abend fortschreitet, umso heißer die Musik, umso erotischer die Luft und ab Mitternacht besteht der ganze Saal aus einer homogenen Masse zuckender Leiber, die Bewegungen werden immer gewagter und fröhlicher, ohne daß es jemals öbszön oder lästig wird. Und jeder, der will, hat am Ende der Nacht seine "crevette" am Haken, umd man sieht so manchen single-hander zu zweit im Dingi nach Hause pullen, mit dem hübschesten und fröhlichsten Mädchen seinesLebens. Über Geld wird dabei nicht geredet, aber jeder weiß, daß am nächsten Morgen ein kleines Geschenk angebracht ist.

Ich weiß dies alles übrigens nicht, weil ich dort alleine hingegangen wäre, sondern weil mich Claudie, meine Frau, so ziemlich gegen meinen Willen dorthin geschleppt hat. Und hier auf den Seychellen bin ich ja Gott sei Dank vor derartigen Anfechtungen sicher.




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Letzte Änderung / Last change: Mittwoch, 11. Mai 2005