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Karte gross
Malediven, ein Paradies mit Schatten

Ludwig F. und Lotti Drapalik, SY ELDORADO (CH)

Bemerkungen dazu von Ortwin Ahrens
Email: o.ahrens@igrin.co.nz


Und dann ist er plötzlich da. Der Tag unserer Ankunft. Nach einer Überfahrt von 13 Tagen auf See erwarten wir den Landfall. Auch im GPS-Zeitalter ist es immer wieder ein prickelnder und erhebender Moment, wenn am Horizont plötzlich Land auftaucht. Genau da wo man es erwartet. Und auch zur vorberechneten Zeit.

Auf dem Radar können wir Male schon auf eine Distanz von etwa 15 sm ausmachen, mit den Augen zu sehen ist noch gar nichts. Erst als wir dem Atoll auf etwa 8 sm genähert sind, ruft plötzlich Liliane: "Land in Sicht!" Wir stürzen alle ins Cockpit und wirklich, ganz hinten am Horizont sehen wir einige Häuser und links und rechts daneben einige weitere, kleine Inseln. Als wir näher kommen, glauben wir unseren Augen nicht zu trauen. Da fährt doch ein grosses Flugzeug auf das Meer hinaus und wendet. Und hebt gleich darauf ab. Grund für diese Sinnestäuschung: Die internationale Flugpiste von Male liegt auf Hulule, einem Nachbaratoll. Und das besteht praktisch nur aus der Flugpiste und den dazugehörenden Gebäuden. Als wir kurz darauf um die Insel Male herum kurven rufen wir per Funk Port Control an. Eine nette Stimme weist uns einen Ankerplatz zu, zwischen Male und der Nachbarinsel Villigilli. Dazu muss man wissen, dass auf den Malediven auch innerhalb der Atolle oft Wassertiefen is zu 60 m herrschen, unmöglich zum ankern für kleine Yachten. Die nette Stimme gehört Mohamed, ein Agent, der uns beim Check in behilflich ist.

Wir ankern und melden uns nochmals via Funk. Man verspricht uns etwas zaghaft, dass die zuständigen Beamten mit einer Barkasse zu uns hinaus fahren würden. Wir glauben, nun eine mehrstündige Wartezeit vor uns zu haben und relaxen ein bisschen. Aber, völlig überraschend, schon nach einer Stunde klopft es an unsere Bordwand. Sechs Beamte, je zwei von Immigration, Customs und Quarantäne und Agent Mohamed trampeln auf die ELDORADO. Sie sind dann aber immerhin so anständig und ziehen alle ihre Schuhe aus, bevor sie in den Salon kommen. Es folgt ein grosser, intensiver Papier-kram, der aber erstaunlich schnell erledigt ist. Bereits nach einer Stunde gehen alle wieder von Bord, wir sind einklariert auf Male. Der Yachtankerplatz ist etwas ausserhalb der Hauptinsel, gleich am Ende der Flugpiste. Dorthin verholen wir unsere ELDORADO und ankern in einer schönen Lagune. Froh über unsere Leistung genehmigen wir uns zuerst mal ein kühles Bier. Herrlich, wie das schmeckt!

Die Malediven sind eine Insel Republik. Schon seit 3'500 Jahren wohnen hier Menschen, heute sollen etwa 270'000 Leute hier wohnen. Sie sprechen Maldivian oder Dhivehi, es gibt sogar eigene Schriftzeichen. Die Staatsreligion ist Sunni Muslim, eine ge-mässigte Form des Islams. Das Gebiet umfasst etwa 1200 Inseln und Atolle, in den Weiten des Indischen Ozeans, von denen allerdings nur die wenigsten bewohnt sind. Rund 300'000 Touristen sollen jährlich hierher kommen. Die meisten gehen direkt vom Flughafen in eines der vielen Resort-Hotels hier.

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So friedlich können es eigentlich nur die Pauschal-Touristen geniessen.
Für Yachties sind die Malediven eher nicht zu empfehlen.
Beim Besuch in Male bei unserem Agenten kriegt das Ferien-Image bereits erste Krat-zer. Ja, die Malediven, leider ist der erste Eindruck eher etwas zwiespältig. Die Einklarie-rung kostet den happigen Betrag von 165 US$, den höchsten Betrag, den wir auf unserer bisherigen Weltumsegelung je bezahlen mussten. Man muss hier nämlich einen Agenten nehmen, ohne kann man nicht einklarieren. Und der verlangt alleine 100-150 US$! Die offiziellen Gebühren, wie Health Certificate, Port Control, Entrance fee, Cruising Permit für ein Atoll und der Transport der Officiers von Male zur ankernden Yacht kosten 65 US$. Auch kostet der Transport mit einem Dohni vom Ankerplatz zur Stadt jedes Mal 15 US$. Es ist etwa 3 sm weit, mit unserem Dingi mit 4 PS Motor natürlich viel zu weit. Auch kann man in Male sein Dingi nirgendwo sicher anbinden, man muss damit rechnen, dass es bei der Rückkehr aus der Stadt nicht mehr dort ist. Diese Situation sorgt dafür, dass man den teuren Dohni-Transport benutzen muss.

Die maximale Aufenthaltsdauer hier beträgt 90 Tage, also 3 Monate. Zuerst erhält man ein Visum für 30 Tage kostenlos. Dann kann man eine Verlängerung von 2 Monaten bean-tragen für 45 US$ pro Person. Danach muss man ausreisen in ein anderes Land und wie-derkommen, dann erhält man nochmals 90 Tage. Das würde heissen, kurz nach Indien fliegen, Kosten rund 220 US$! Noch etwas Neues haben sich die Behörden einfallen lassen, um die Yachties zu schröpfen: Eine Ankergebühr. Ankern ist hier auf den Malediven ist nur die ersten 14 Tage kostenlos, vom 16. Bis zum 45. Tag kostet s 5 US$ , vom 46. bis zum 90. Tag 8 US und ab dem 91. Tag 15 US$. Pro Tag notabene! Wenn man länger auf den Malediven bleibt, kommen so schnell mal einige Hundert US$ zusammen. Nur zum Ankern, ohne irgend eine Leistung dafür zu bekommen. Eine Frechheit sondergleichen, um so mehr wir in ei-nem Touristik-Prospekt gelesen haben, dass die Yachties hier sehr willkommen sind. Wohl nur deren Dollars, müssen wir heute anfügen. Bei SunSail kostet es zusätzlich nochmals 15 US$ pro Tag, in diesem Betrag ist dann aber immerhin ein Platz im kleinen Hafen auf Giravaru Island und das Wasser inbegriffen. Wenn man Wasser offiziell beim Agenten be-stellt, kostet es 40 US$ pro 1'000 Liter, zusätzlich einer Liefergebühr von 15 US$.

Leider haben die Malediven auch noch ihre berühmten Korallengärten verloren. Im Jahr des 'El Nino', als die Wassertemperatur über längere Zeit hindurch die 32 Grad-Marke überschritten hatte, sind alle oberflächennahen Korallen abgestorben. Nur noch graubrau-ne Überreste stehen unter Wasser, der Schnorchler sieht so gut wie nichts mehr vom eins-tigen Farbenreichtum. Erst in 25 bis 30 m Tiefe stösst man wieder auf die phantastisch bunten Lebewesen. Sicher werden diese Korallen wieder in die Höhe wachsen, es dauert nur eine ziemliche Zeit, bis das passiert. Die Touristik-Manager sprechen von vier bis fünf Jahren, ernsthafte Naturwissenschaftler gehen eher von 20 bis 30 Jahren aus.

Fische hat es allerdings viele und auch schön farbige hier. Man kommt sich manchmal vor, wie im Aquarium. Auch der Schnorchler kann sie beobachten, oft in einer Wassertiefe von nur 0,5-1 m. Kann man tiefer tauchen, also mit Ausrüstung, sieht an den Riffkanten zum offenen Meer in 10 bis 15 m Tiefe auch grosse Thunfische, Mantas und auch Haie.

Auch ist es schwierig, in den Atollen Ankerplätze zu finden. Oft sind die Tiefen zu gross, 40 bis 65 m sind für durchschnittliche Ankerkettenlängen zu viel. Wenn man sich umhört, erfährt man, dass bei einigen Resorts Ankern in geringerer Tiefe möglich sein soll. Aber auch hier lauern Tücken: Entweder sind in den Resorts die Yachties unerwünscht und werden abgewiesen. Oder es hat schlicht und einfach keine Ankerplätze, die Sandbänke sind zu schmal. SunSail, die einzige Charter-Basis hier gibt nach einer Tätigkeit von drei Jahren auf, sie verlegen ihre Schiffe zu den Seychellen und nach Langkawi, Malaysia. "Das Verständnis der Maldiver Yachten gegenüber ist eher gespannt, es ist kein Platz, an dem Segler gern gesehen werden", klagt auch John, der Base Manager hier.

Alkohol kann man in Male überhaupt nicht oder nur unter grossen Schwierigkeiten ‚mit Beziehungen', sprich Schwarzmarkt, kaufen. Die Malediven sind ja ein islamisches Land. SunSail kann Alkohol an Ausländer offiziell verkaufen, sie haben eine Lizenz dafür. 24 Dosen Bier kosten 30 US$, die Flasche Wein 15 US$, Whisky zwischen 17 und 30 US$. Das Essen in den Resorts ist auch relativ teuer, unter 10 US$ pro Person ist prak-tisch nichts zu haben. Ein Dinner etwa BBQ oder Buffet, kann aber ebenso 30 US$ pro Person kosten. Für vier Personen kann ein solcher Abend dann auch gegen 200 US$ kos-ten. Bei SunSail kostet die Laundry 1 US$ pro Wäschestück, die Internet-Nutzung im Resort 0,5 US$ pro Minute.

Heute können wir behaupten, dass die Malediven für Pauschal-Ferien in einem der vie-len Ferienresorts sicher wunderschön sein können. Besonders wenn man schnorcheln und tauchen will. Aber mit der Yacht, so wie wir uns das vorgestellt hatten, von Atoll zu Atoll zu segeln und in den Lagunen herrlich ankern zu können, das ist hier schwierig und teuer. Für einen kurzen Stop mag das ja noch angehen, aber längere Zeit hier zu bleiben, geht ganz schön in die Kasse.

In Sri Lanka wollten wir auf unserer Reise keinen Landfall machen. Der Innenhafen ist für Yachten gesperrt. Überdies werden dort jeden Tag Wasserbomben gezündet zur Ab-schreckung der militanten Tamil Tigers. Man muss also im Aussenhafen ankern. "Dort ist aber der Schwell so gross, dass wir Mühe hatten, ins Dingi zu kommen", haben uns ande-re Segler per e-mail gewarnt. Weiters wird Korruption gross geschrieben, die Einklarie-rungsgebühr beträgt dort im Moment 170 US$, Bakschisch noch nicht eingerechnet. Also insgesamt keine guten Aussichten für die Langfahrt Yachties. Es haben denn auch viele Yachten, die wir kennen, darauf verzichtet, nach Sri Lanka zu fahren. Eigentlich schade, die Insel soll ja sehr schön sein, und sie liegt auch direkt am Weg zu den Malediven. Es macht ganz den Anschein, als hätten die Maldivians sehr schnell aus den Verhältnissen in Sri Lanka gelernt.

Bald geht's weiter Richtung Seychellen und Madagaskar.



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Letzte Änderung / Last change: Freitag, 27. Februar 2004