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Karte gross
Vom Ijsselmeer nach Lagos / Portugal - Ein Praxisbericht

SY Lhasa, 11 m x 3.90 m / 1.60 m Monika Rintelen, Arno Pilger
Email: Lhasa-tours@web.de+

2 Jahre lebten wir schon auf unserem Segelschiff Lhasa auf dem Baldeneysee in Essen (aber das ist eine andere Geschichte), als wir wieder einmal kündigten um Lhasa endlich wieder unter Segeln zu sehen. Mit Motorkraft ging es über Ruhr, Rhein und Kanälen zum Ijsselmeer um den Mast zu setzen und noch notwendige Reparaturen durchzuführen.

Ende Mai ging es dann endgültig los:

Über Amsterdam (der Sixthafen ist immer wieder schön) kamen wir endlich auf die Nordsee und segelten bis Blankenberge/Belgien. Es gilt zwar als Seebad ist aber bemerkenswert hässlich. Blankenberge hat jedoch den großen Vorteil, dass hier noch einmal sehr billig Diesel getankt werden kann (im Juni 2001, 1 Liter: 0,94 DM). Die Tankstelle ist direkt vor dem Jachthafen. Außerdem gibt es einen ALDI in unmittelbarer Marinanähe. Ein umfangreiches Bunkern (Bier, Lebensmitteldosen, Grundnahrungsmitteln und verschiedenes mehr) ist zu empfehlen.

Wir überlegten lange, ob wir an der französischen oder englischen Küste entlang segeln sollten, entschieden uns nach längerem Hin und Her für die französische Küste. Diese Entscheidung haben wir auch niemals bereut. Es ist natürlich Geschmacksfrage und uns wurde von der grandiosen Küste Südenglands vorgeschwärmt, aber letzten Endes war auch die französische Küste beeindruckend und trotz des hohen Preisniveaus in Frankreich sind dort die Preise noch regelrecht niedrig, gegenüber dem was in England gefordert wird. Dazu später ein paar Beispiele. Für Segler mit Tieren ist es auf keinen Fall ratsam England anzulaufen, da es dort wie auch auf den Kanalinseln nicht möglich ist mit Tieren an Land zu gehen.

Bei mitlaufendem Strom war die Durchquerung der Straße von Dover kein Problem, so dass wir in angemessener Zeit von Dünkirchen bis Boulogne kamen. Die Stadt ist eigentlich schön, aber tatsächlich ist es so, dass der Hafen durch auftretende Gase heftig stinkt.

Das erste von mehreren Seegebieten, welches nur zu genau errechneten Zeiten erreicht werden sollte, ist der Pointe de Barfleur vor Cherbourg. Wir segelten dort von Dieppe aus hin und machten den einzigen gravierenden Navigationsfehler während dieser Fahrt - wir kamen zu früh an. Wir dachten schon unser GPS hätte endgültig den Geist aufgegeben, bis wir feststellten, dass wir über Grund rückwärts fuhren. Es ist richtig, dass die vier gefährlichsten Stellen an der französischen Küste zur rechten Zeit erreicht werden sollten und dass sich - zumindestens Langzeitsegler - keinen Streß machen sollten sondern das richtige Wetter und den richtigen Wind abwarten.

Wir warteten in Cherbourg einige Tage ( Liegegebühren über 30,-- DM, aber bei Bezahlung für eine Woche sind zwei Tage frei!)

Vor uns lagen noch drei problematische Kanäle: 1. Aldernaye Race hinter Cherbourg auf der Fahrt nach Guernsey
2. Quessant kurz vor Brest
3. Raz du Sein auf dem Weg über die Biskaya.

Für die nautischen Informationen eignete sich sehr gut der britische Macmillan Nautical Almanach, für die Gebiete von Cherbourg (Barfleur), Aldernaye und Quessant sollten zusätzlich spezielle Stromatlanten vorhanden sein (z.B "The Yachtsman's Tidal Atlas" mit genauen Angaben zu Alderney, Russel Channels, Ile d'Quessant, darüber hinaus sind noch Anagaben zu anderen englischen und französischen Gebieten angegeben). Für die Gebiete: Ansteuerung St. Peter Port, l'Alberwach, Quessant und Raz du Sein empfehlen wir großformatige Karten.

Das Aldernaye Race durchquerten wir zur rechten Zeit und segelten bis Guernsey/St. Peter Port. Die Einsteuerung durch den Little Russel ist bei guter Sicht und entsprechendem Kartenmaterial nicht schwierig. Es muß aber jederzeit mit Nebel gerechnet werden. Im Vorhafen von St. Peter Port kann man auch für längere Zeit liegen, so dass man nicht auf den richtigen Tidenstand warten muß um über die Barre in den Victoriahafen zu müssen. Die Stege sind allerdings nicht mit dem Land verbunden, so dass ein Beiboot notwendig ist, oder das Wassertaxi genutzt wird. Die Hafengebühren halten sich mit ca. 3o,-- DM im Rahmen. Außerdem kann man hier auch wieder billig Diesel bunkern. Darüber hinaus besteht eine Ankermöglichkeit in der Bucht südlich des Hafen. Das waren die guten Nachrichten. Aber: die Lebenshaltungskosten sind horrend: eine Kartoffel kostet 0.50 DM, ein Ei 1,50 DM, die Preise für Obst und Gemüse sind ähnlich furchterregend.

Alkohol ist unerschwinglich, alles in allem können wir nachvollziehen wie es früher DDR-Bürgern in der BRD beim Einkauf gegangen ist. Allerdings sind die Menschen sehr hilfsbereit und freundlich. Auch halten sich die Preise für Reparaturen eigenartigerweise in Grenzen, so dass wir für eine kleinere Motorreparatur nur 50,-- DM bezahlen mussten.

Mit einem Zwischenstop in l'Alberwach (Boje: 26,-- DM) wählten wir als Ausgangshafen für die Biskayaüberquerung Camaret Sur Mer. Auch hier gibt es die Möglichkeiten Steg/Boje.
Die Versorgungsmöglichkeiten sind gut. Es werden Wetterberichte in englisch und französisch ausgehängt.

Internetmöglichkeiten

(Abkürzung: Einsatz einer eigenen Diskette möglich: d: ja / d: nein

In Frankreich und Spanien gibt es Internetmöglichkeiten über Post oder France Telekom. Hierzu braucht man eine Art Telefonkarte, die bei der Post zu erwerben sind.

Cherbourg:
Internet durch France Telekom in Capitainerie, d: n
Camaret sur Mer:
Place St. Thomas, Computerladen, 14,-- DM Stunde d :ja Post : d :n
Cascais:
zwei Internetcafes im Ort, sehr teuer, 1x in der Marina, Bar "Tempus" 7,-- DM/Std., d :ja
Lagos:
1 x in der Marina, 10,-- DM/Std., d: ja, Computerladen neben Busbahnhof, 7,-- DM/Std., d: ja, Bar Imperio, 7,-- DM Std., d: ja


Wir konnten also in Ruhe auf einen geeigneten Zeitpunkt warten und motorten/segelten in 60 Std. bis Carino, die nördlichste Ankermöglikchkeit in Galicien.

Über Coruna (Ankern möglich, Marinamöglichkeiten können genutzt werden) segelten wir nach Cies einer wunderbaren Insel kurz vor Bajona. Hier gibt es mehrere Ankermöglichkeiten über Sandgrund und mit ein bisschen Karibikgefühl. In Bajona kann geankert werden, die Marina sieht es aber nicht so gerne und versucht es mit ein bissel Schikane (Dusche nicht benutzen etc.) Reparaturen und Ersatzteile gibt es eher in Vigo. In Bajona machten wir den Fehler, noch einmal vollzutanken. Wir stellten erst in Portugal fest, dass dort der Diesel billiger ist (z.Zt. 1,25 DM)

Von Bajona aus erreichten wir endlich Portugal und landeten direkt im ersten Hafen Viano de Castello. Wer nicht die allerneusten Karten und Hafenführer hat, für den ist eventuell folgende Information wichtig:
Selbst im "Revierführer Atlantik" des DSV von 1999 ist die Marina falsch angegeben. Man muß dem Flusslauf bis kurz vor der Brücke folgen. Erst kurz davor ist auf der linken Seite die schmale Einfahrt der Marina zu sehen (27,-- DM täglich, beim Buchen einer Woche im voraus, 2 Tage frei) Ca. 1,5 km von der Marina entfernt befindet sich eine Wäscherei mit vielen Maschinen, darunter einer für 16 kg (gegenüber dem Kaufhaus Continente).

Der nächste sichere Hafen ist Porto De Leixoes. Es ist gut möglich im Vorhafen zu ankern und von dort aus mit dem Beiboot zur Marina zu fahren. Direkt vor der Marina fährt der Bus nach Porto. Die Fahrt dauert allerdings über eine Stunde. An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal ausdrücklich bei den TO-Stützpunktleitern in Portugal bedanken, die wir dort kennengelernt haben, nämlich die Herren Burmeester in Leixoes und Brendel in Cascais. Sie haben uns sehr nett und engagiert bei Postsachen bzw. bei Übersetzungen und Kontakt mit Behörden geholfen. Auch Herr Schmittgen in Portimao hat sofort auf e-mails reagiert und Informationen gegeben.

Nach Figuera de Foz kommen noch die Häfen Nazare und Peniche. Sie eignen sich nur zum Übernachten, da durch Fischereieinrichtungen Lärm über die ganze Nacht herrscht, sowie bei südlichen Winden Schwell im Hafen steht. Wir haben auch noch die Insel Berlenga angesteuert. Ankern war hier auch bei ruhigem Wetter nur mit viel Wellengang möglich.

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Ankern vor der Insel Berlenga - auf dem Weg nach Cascais.
Endlich erreichten wir Cascais. In der weitläufigen Bucht kann gut geankert werden. Mit dem Dinghi sollte man den Anleger in der Stadt meiden, da bei Flut die Gefahr besteht, dass die Dinghis unter den Betonanleger gequetscht werden. Obwohl der Weg länger ist, raten wir an der Tankstelle der Marina anzulegen. In den Sommermonaten sollen angeblich kaum Südwinde herrschen. Das hat sich bei unserem Aufenthalt beim Wettergott noch nicht rumgesprochen, so dass wir oft mit südlichen Winden zu kämpfen hatten - also Schwell ohne Ende. Dann kann unproblematisch die Marina angelaufen werden. Sie ist sehr teuer und bei südlichen Winden wird es auch dort schwellig.

Leider gibt es dort keine Wäscherei mehr und auch die Frage nach Segelmachern konnte nicht beantwortet werden. Allerdings kann auch hier Herr Brendel von TO weiterhelfen. Waschen ist möglich in der Wäscherei des Kaufhauses Jumbo. Von Cascais aus kann mit der Bahn in einer gut einstündigen Fahrt Lissabon erreicht werden. Eine Fahrt mit dem Schiff können wir nur bedingt empfehlen, da der Hafen von Belem zur Zeit ausgebaggert wird und der Haupthafen - Alcantara - fast direkt unter der Autobahnbrücke liegt. In den Kneipen des Hafen standen verdächtig viele großformatige Musikboxen , die sehr gut geeignet sind mitten in der Nacht brüllend zum Leben zu erwachen. Der Hafen im Expogelände war bei unserem Besuch leer und soll - wie wir gehört haben - im November 2001 geschlossen worden sein. In Cascais mussten wir leider noch eine schlechte Erfahrung einstecken. Ein Schiff hatte sich von der Mooring losgerissen und uns gerammt. Es war unbemannt und mit einem anderen Schlauchtboot zusammen enterten wir das Schiff - eine Masters 52 - und warfen den Anker. Das Schiff heißt "Dads Mistress" und so war leider auch der Besitzer. Er weigerte sich unsere zerstörte Reelingsstütze einzubauen und auch seine Versicherung half uns nicht weiter. Leider hatten wir keine Zeit einen langwierigen Rechtsstreit anzustrengen und haben alles selber wieder gerichtet. Auch in dieser Sache half uns Herr Brendel bei Übersetzungen usw.

Sines eignet sich als Zwischenstation auf der Fahrt nach Lagos. Der Hafen ist relativ offen und bei südlichen Winden wird es sehr ungemütlich. Wir verbrachten dort einige Tage bei einem Südsturm und es zerfetzte mehrere Fender und Leinen. (Herbstpreis: 19,-- DM täglich). Allerdings hat Sines eine unschlagbare Attraktivität - eine Waschmaschine! Umsonst! Einen Trockner! Umsonst!

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wunderbares Segeln an der Algarve
Ende Oktober erreichten wir unseren Zielhafen Lagos, wo wir eine ganze Reihe anderer deutscher Überwinterer trafen und sich eine gute Gemeinschaft entwickelte. Ein Halbjahresliegeplatz kostet ca. 515,-- DM monatlich. Es ist also relativ teuer. Allerdings hat die Stadt ein wunderbares Flair, ist also keine reine Touristenwüste, die im Winter tot ist, sondern eine lebendig pulsierende Kleinmetropole mit allen Möglichkeiten. Einige unsystematisch ausgewählte Fakten:

Der Hafen ist sehr sicher. Wir haben gerade einige Tage starke Südstürme gehabt. Durch den langen Kanal ist das Wasser sehr ruhig und wir spüren kaum Schwell.
  • Es können zuverlässig über die Marina Post und Faxe empfangen werden.
  • Die Damen an der Rezeption sind sehr freundlich, haben aber kaum Informationen über Dinge, die Segler interessieren.
  • 11 kg-Gasflaschen können aufgefüllt werden und zwar an der BP-Station auf der Straße nach Portimao, ca. 1 km außerhalb der Stadt (mit Fahrrad oder zu Fuß mit Wägelchen gut zu erreichen)
  • Im Reparaturhafen hinter der Marina kann man trockenfallen für kurze Arbeiten oder auch das Schiff aus dem Wasser nehmen lassen.
  • Für Elektro- oder Motorarbeiten gibt es dort kompetente Ansprechpartner.
  • In der Marina gibt es Waschmaschinen (5,-- DM eine Wäsche + 5,-- DM für den Trockner)
  • Da auch das Essen wichtig ist: hinter der Marina sind mehrere Garagen, von denen aus Fisch verkauft wird, die auch einen Navyshop enthalten und Reparaturwerkstätten. In einer Garage kann von 12 - 15 Uhr für 12,50 DM Kartoffeln, Salat und Fisch gegessen werden, soviel man will. Der Fisch ist stets frisch und wird Euch auf den Teller geschaufelt ohne Ende. Auch die härtesten Esser werden hier kapitulieren.
  • Wir sind hier noch auf eine andere Möglichkeit gestoßen: Es ist sinnvoll mit Handy und Laptop ins Internet zu gehen - zumindestens um die e-mails zu checken.
  • Last not least - ein LIDL ist in 15 Minuten Fußweg zu erreichen.

Dies geschieht wie folgt: Das Modem des Handies auf dem Lapttop installieren (bei Nokia gibt es die Software dazu, für Siemens ist es Soft Data Link, die entsprechende Software erhaltet ihr bei einem telecel-Laden direkt an der Marina Nun lässt man sich - z.B. über Telecel - eine portugiesische Telefonnummer mit Simkarte geben - kostet einmalig 20,-- DM. So sind erst mal die Telefonanrufe aus der Heimat für Euch kostenlos. Wenn man nun das Telefon als Modem auf dem Laptop installiert hat und auch die Infrarotschnittstelle kann man sich über Vitamina - einem portugiesischen Anbieter - einen Tarif - VitamiaP - geben lassen. Darüberhinaus müsst ihr Euch informieren, wie für Euer E-mail-Konto der PoP 3 Anschluß auf dem Laptop installiert wird (bei Web.de wird das z.B. unter "Optionen" erklärt) Bei einem Mindestverbrauch von 30,-- DM monatlich bietet Vitamina einen Tarif von 30 Pfennigen in der ersten Minute und nachfolgend 4,9 Pf./Minute. Zum Versenden und empfangen von e-mails ist dies sehr billig, allerdings - surfen sollte man nach wie vor im Internetcafe - da es schon recht lange dauert - eine Seite aufzurufen. Aber wir sind mit der Lösung sehr zufrieden und gebrauchen sie eifrig.

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Im Winterlager - Marina Lagos. Auch im Dezember können noch wunderbare BBQes veranstaltet werden.
Hier mit den TO-Mitgliedern: Beate, Manfred SY Ariane, Ingrid und Hans, SY Dona Blanca, Monika und Arno, SY Lhasa.


Wir können Portugal als Überwinterungsmöglichkeit nur empfehlen. Wir fühlen uns wohl und sicher. Man kann sehr viele interessante Menschen kennenlernen, die hier wohnen und arbeiten (z.B. auf den Flohmärkten, die sehr stark von den Residenten besucht werden und wo sie auch als Verkäufer/innen fungieren) Es gibt mehrere deutschsprachige Zeitungen für Residenten und Besucher mit allen relevanten Terminen.

Wenn nun jemand eine solche Tour plant und weitere Informationen benötigt, sind wir natürlich gerne bereit nach besten Wissen und Gewissen zu antworten:

Lhasa-tours@web.de
Monika Rintelen + Arno Pilger



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Letzte Änderung / Last change: Mittwoch, 26. Dezember 2002