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Petroleum - der (fast) vergessene Brennstoff

Ursel und Friedel Klee (+), SY. „Vagant“, L: 8,49, T: 1,75
Eine Antwort auf diesen Artikel

„... und es gibt Leute, die arbeiten ihr Leben lang mit Dynamit. Sie werden alt dabei, weil sie wissen wie man das macht.“ So beschloß eine schwedische Segelzeitschrift vor Jahren einen ausführlichen Vergleich der Gefährlichkeit verschiedener Brennstoffe auf Jachten. Aus dieser Sicht schnitt Gas dabei am besten ab - und trug zugleich auf einem seltsamen Umweg zur Gefährlichkeit anderer Brennstoffe bei. Gar mancher war nämlich von den Gefahren des Gases so beeindruckt, daß er alles Andere für harmlos hielt, und das kann ja nun wirklich gefährlich werden als richtig behandelter Brennstoff.

Als wir das lasen, hatten wir es schon Jahre lang ahnungslos richtig gemacht. Zufrieden kochten wir uns mit einer vorschriftsmäßig eingebauten, ordnungsgemäß abgenommenen und ständig beobachteten Gasanlage einmal ganz um unsere herrliche Welt und flogen am Ende der Reise damit beinahe in die Luft. Nur ein paar glückliche Umstände verhinderten das Schlimmste. AUS, entschieden wir, NIE WIEDER GAS!! Also rüsteten wir unsere Pantry mit einem schönen, modernen Petroleumkocher aus, zweiflammig, kompakt gebaut, mit fortschrittlicher Schnellzündung, sehr knapper Gebrauchsanweisung und der strengen Ermahnung, nur ALLERbestes, ALLERfeinstes, ALLERklarstes, ALLERreinstes Supersonderextraspezialpetroleum zu verbrennen.
Um diesem hohen Ziele auf Dauer auch einigermaßen genügen zu können, bauten wir eigens einen 601 Tank ein, für die Entnahme der edlen Flüssigkeit eine Pumpe mit Filter und hatten damit nach späteren Erfahrungen so ziemlich alles falsch gemacht, was nur falsch zu machen war. Aber wie konnten wir das wissen? Wer konnte uns denn wirklich raten? Kompetente Blauwasserberater schrieben von „einfach“ und „gesundem“ Menschenverstand und in einer willigen Spezialwerkstatt lernten wir, daß das stimmte. Alten Brenner raus, Tank mit Spiritus reinigen, Kopfschütteln über das trübe Zeug, das herauskam, neuen Brenner rein, dicke Rechnung schreiben und die ernste Ermahnung dazu geben, nur ALLERfeinstes, ALLERreinstes, stes, stes.... Wirklich ganz einfach. Wohlgerüstet mit unserem neuen Wissen aus allerersten Quellen, erschüttert von den Ersatzteilpreisen und den Tank voll vom ALLERfeinsten liefen wir aus und erst ging alles, alles gut wie erwartet! Hervorragend! Schnellzündungen rauschten, Brenner summten, Suppen brodelten, Gebratenes prasselte, Sorgfalt und gesunder Menschenverstand waltete. Aber die Teufelchen lauerten schon im Detail.

Schnellzündungen versagten spuckend und qualmend. Brenner starben röchelnd. Müdes Brennen und feurige Ausbrüche verrußten alles. Essen blieb lauwarm.


Aber noch siegte immer wieder die geballte Kraft unseres Wissens, kluge Auslegungen magerer Anweisungen, der wohlgefüllten Ersatzteilkiste und des gesunden Menschenverstandes mit entschlossenem Einsatz guten Werkzeuges im Kampf gegen die Vulkane. Das wäre doch gelacht! Ja, Kinners, erst haben wir noch gelacht, dann tapfer gelächelt und viel zu bald nur noch geflucht. Aber auch zu lernen begonnen, und wir lernen immer noch. „Wir kennen den Petroleumkram gut genug“, so möchten wir in Anlehnung an ein Wort über unsere Einstellung zur See sagen, „wir kennen ihn gut genug um zu wissen, daß wir ihn nie genug kennen werden“. Wir sind ja Amateure mit sehr begrenzten Möglichkeiten und Erfahrungen und keine staatlich geprüften Experten mit Diplom, die alles wissen und noch mehr. Hinzu kommt, daß wir auf hoher See segeln, um genau dieses zu tun und dabei etwas von unserer schönen Welt zu erleben, nicht aber um wissenschaftlichtechnische Forschungen über das Kochen und Heizen mit Petroleum zu betreiben. Unsere Erfahrungen sind deshalb ein ganz und gar unfachmännisches Durcheinander von unvergeßlichen Erlebnissen, Fehlern, verrückten Ideen, Erfolgen, Vermutungen, Gesprächen mit Anderen, Improvisieren und Versuchen, fast unberührt von brauchbarem Rat wirklicher Fachleute. Die wissen nämlich ALLES über ihre Geräte, ihre Konstruktion, Produktion, Kalkulation, Verkauf und Reparatur, so viel in der Tat, daß selbst ganz behutsame Fragen schnell als Provokation erkannt und abgetan werden, wenn sie auch nur im Allergeringsten an den alleinseligmachenden Glaubensatz vom ALLERfeinsten rühren. Oder hüten sie vielleicht Geheimnisse, die sie unsereins nicht preisgeben dürfen? Wissen sie es vielleicht selbst nicht? Spekulieren wir mal: Bauweise Moderne europäische Kocher sind elegant, kompakt und reparaturfeindlich gebaut. Als wir das überstanden hatten, setzten wir einen neuseeländischen Kocher sehr einfacher und praktischer Bauweise ein: oben die übliche Platte mit Topfhaltern, unten als Gegengewicht der halbkardanischen Aufhängung ein Blechrohr als Tank. Zwei seitliche Platten hielten das Ganze zusammen.

Alles war in Nirosta gebaut. Die Brenner standen auf dünnen Rohren nach oben wie Blumenstengel aus dem waagerechten Tankrohr heraus und waren daran mit überwurfmuttern verschraubt insgesamt eine fast genial einfache Lösung. Fast, denn einige Teufel steckten auch da im Detail - wie bei allen Kochern mit mehreren Brennern: Wenn da einer verstopft ist, kann man zwar mit dem anderen weiterkochen, doch das ist wohl nicht Sinn der Sache. Wenn aber eine der vielen Verbindungen leckt, ist sofort eine Reparatur fällig. Ohne Gnade. So kamen wir zu unserer derzeitigen Endlösung: in einem halbkardanisch aufgehängten Rahmen (oben die übliche Platte mit Topfhalter) stehen zwei einfache, einflammige Kocher. Ein weiterer lauert als Reserve in der Nähe, Austausch mit wenigen Handgriffen, Reparatur ohne Zerlegen der ganzen Anlage. Aber wie oft kommen solche Basteleien denn überhaupt vor? Giles aus Paris gab uns in Patagonien eine klassische Antwort: - Sag mal Giles, wie oft mußt du deinen Kocher denn zerlegen?
- Oooch, nicht oft.
- Was heißt „nicht oft“?
- Oooch, höchstens 2-3 mal die Woche.


Wir lachten, denn soweit waren wir damals noch nicht. Noch nicht. Brenner sind launische Feuerteufel. Manche fauchen nur ein paar Tage, andere brausen wacker durch Wochen oder gar Monate regelmäßigen Gebrauchs. Wenn sie versagen ist Abhilfe ganz einfach. Düse, Nadel und Ventilspindel austauschen, raten die Fachleute, oder am besten gleich den ganzen Brenner - und schon wieder kichern die Teufelchen im Detail. Scheuchen wir sie mal: Beim Brennen wird der Brenner oben heißer als unten.

Im „Grenzbereich“ verkokt auf die Dauer selbst der beste Brennstoff, po nehmen wir an. Vorübergehend hilft dagegen vorsichtiges Klopfen im Bereich der Ventilspindel. Auf die ersten Schläge reagiert der Brenner mit wunderschön sprühenden Funken und dann, oft bis meistens, mit hohem Eifer. Auch kräftiges aber vorsichtiges Auf- und Zudrehen und gezielte Rührbewegungen mit dem Regulierhebel können helfen. Der hängt nämlich mit seinem wenigen Gewicht ein klitzekleines Bißchen nach unten, wodurch die Verkokung ungleichmäßig wird. Da reicht es vorübergehend manchmal schon, irgendetwas drunterzuklemmen oder dranzubinden, das ihn hochdrückt oder zieht. Manchmal kann es auch helfen, den Brenner ganz abzustellen und schnell (am besten mit wartend brennendem Streichholz) wieder anzuzünden, bevor er kalt wird. Man muß nur die Fantasie entwickeln, ihn immer mal wieder mit etwas Neuem zu überraschen. Düse und Nadel auszutauschen ist wirklich einfach, wenn man den richtigen Schlüssel dafür hat, der natürlich nicht zum normalen Lieferumfang gehört. Neue Ventilspindeln passen dagegen nur selten in das ausgeriebene Lager. Dann leckt es, Petroleum tritt aus mit prächtigen pyrotechnischen Effekten bis hin zu rußig qualmenden, gelborange flackerneden Vulkanausbrüchen. Am Ende bleibt dann wirklich nur die einfache Lösung der Fachleute: austauschen, und da locken neue Herausforderungen.


Zunächst einmal braucht man Reservebrenner. Die haben wir natürlich. Gut ein Dutzend. Aber wie lange reicht das bei Dauergebrauch wirklich? Solch antike Technik gibt es nur noch selten zu kaufen, und die Lieferanten in Deutschland zeigten bisher wenig Eifer, Aufträge schnell und vollständig auszuführen. Und dann die Preise. In den USA und Kanada kostet ein Regulierbrenner umgerechnet etwa DM 50,-, in Deutschland DM 30,- bis DM 36,-, und das ist uns für beiläufiges Wegschmeißen einfach zu teuer. Umso heftiger staunten wir, als uns zufällig eine Händler-Exportpreisliste von 1991 in die Hände fiel. Da waren solche Brenner mit DM 7,15 bis 8,60 notiert. Gewiß, ab Lager und eine Großhandelsmenge mußte es schon sein, Verpackung, Versand, Steuern, Zoll und eine angemessene Handelsspanne kamen noch hinzu. Rechtfertigt das aber solch hohe Preise für ein unzuverläßiges Verbrauchsteil? Oder sind das schon Antiquitäten? Vielleicht beißt sich da der Hund in den eigenen Schwanz: überholte Technik = wenig Umsatz = teure Lagerhaltung und Vertriebskosten = hohe Preise = wenig Umsatz .... Also haben wir immer wieder nachgedacht, herumgefragt, führende Hersteller vergeblich angeschrieben, alles Mögliche versucht und wieder nachgedacht. Ein kleiner Fortschritt waren da schon die ganz einfachen, nicht regulierbaren „Geräuschbrenner", für den Großhandel mit DM 2,75 bis DM 3,35 notiert, also etwas leichtherziger wegzuwerfen als die Regulierbrenner. Bei denen half selbst härteres Klopfen, Auskochen, verschiedene Verdünner und selbst scharfe Säuren nicht. Die kranken Brenner blieben verstopft. Erst spät kam uns die Idee, durch Hitze verstopftes durch noch mehr Hitze zu lösen. Erst das brachte die Lebenserwartung der fauchenden Flegel endlich auf einen besseren Durchschnitt. So geht das: Alle losen Teile des Brenners (Düse, Nadel, Spindel) demontieren. Brennerkörper kräftig erhitzen; nicht gerade bis Rotglut, aber doch kräftig. Dann in kaltem Wasser abschrecken, daß es nur so zischt.


Diese Mißhandlung wiederholen bis sich der Brenner (die öffnung der Ventilspindel dabei mit dem Finger zuhalten) leicht durchblasen läßt. Zu Anfang haben wir den Erfolg mal kontrolliert und fanden ganze Teelöffel voll mit einer harten, dunklen Substanz, die nur vom Inneren des Brenners abgeplatzt sein konnte. nebenbei erkannten wir noch etwas: wer mehrere Brenner gleichzeitig brät sollte beim Zusammenbau die Spindel nicht verwechseln, denn „fremde“ Spindeln können genauso lecken wie neue.

Die meisten der so harsch behandelten brenner taten danach wieder wacker ihre feurige Pflicht, manche überstanden sogar mehrere solcher Operationen. Doch irgendwann kündigen kleine rußie Nebenflammen das nahe Ende an. Sie blühen aus winzigen Rissen, die mit einigem Geschick vielleicht noch einmal durch Hartlöten geflickt werden können. Doch dann ist bald endgültig Schluß. Beflügelt von der freudigen Hoffnung auf eine neue schöne Zeit unbeschwerten Kochens wird nun ein neuer oder freigeglühter Brenner eingebaut. Mit ein paar Dichtungen dazwischen. Steigrohr Dichtung - Vorheizschale - Dichtung - Brenner. Das sind 8 (ACHT!) aufeinanderliegende schmale Metallflächen, die ohne Dichtungsmasse ständig wechselnden Druck und Hitze aushalten sollen. Damit das überhaupt gelingt, müssen all diese Flächen zunächst einmal absolut sauber und glatt sein. Das ist natürlich kein Problem; wie könnte sonst je ein Dieselmotor laufen. Es gibt ja auchsehr gute Dichtungen, besonders diese Ringe aus gerolltem Kupfer. Die kosten aber gleich mehrere Mark das Stück und sind wirklich nur einmal verwendbar. Fiberdichtungen taugen nach unserer Erfahrung nicht viel.
Wir verwenden deshalb einfache Vollkupferdichtungen und arbeiten sie nach jedem Einsatz auf: Vorsichtig Glattklopfen, vielleicht etwas feilen, dann ausglühen. Man kann den Geiz auch auf die Spitze treiben. Und dann die Verschraubungen selbst. Das mitgelieferte Werkzeug ist ein Witz. Aber selbst mit eigens gebogenen, genau passenden Schlüsseln für jeden einzelnen Zweck gehört immer etwas Glück dazu, alles nicht nur dicht, sondern auch richtig ausgerichtet fest zu bekommen. Da wären die Hohlschraubenverbindungen der Druckleitungen von Dieselmotoren (mit Dichtungen für ein paar Groschen) schon besser als die antiken Kocherverschraubungen, so meinen wir. Bei denen ist aber seit mindestens 50 Jahren noch niemand auf die Idee gekommen, etwas besseres zu erfinden. Schnellkupplungen für heißgeschossene Maschinengewehrläufe mag es wohl geben, aber für Kocher? Schnellzündungen sind eine wunderbare Erfindung, ein echter Fortschritt - solange sie funktionieren. Spart man damit doch den Vorheizspiritus, der nicht nur teuer sondern auch in vielen Teilen der Welt kaum zu bekommen ist. Wir kennen zwei Typen: Coleman und Optimus. Beide neigen auf die Dauer zum Lecken und Verstopfen, die Demontage ist Fummelei und Düsennadeln für die Spezialdüsen gibt es nicht. „Zu fein, um zu funktionieren“, knurrte Tom aus Neuseeland, der sonst ziemlich alles reparieren kann, und die Herstellerfirmen enthielten sich jeder Auskunft, obwohl wir ihnen die Wahl mehrerer Sprachen für die Auskunft gaben. Wir wollten dieser hervorragenden Technik dennoch eine besondere Chance geben, kauften den Tank einer Drucklampe, bauten nichts als eine Coleman - Schnellzündung drauf, um das ganze wie eine Art Lötlampe ohne Vorwärmung einzusetzen und gaben die Versuche schnell wieder dran.


Es funktionierte einfach nicht. Am Ende blieb es beim althergebrachten Vorheizen mit Spiritus. Die Jungs der Wetterstation auf Raoul/Kermadecs schenkten uns aus ihrer Schatzkiste voll uralter Wunderdinge dafür sogar ein sinnreiches Spargerät: eine Federklammer (ähnlich einer großen Wäscheklammer) mit zwei Halbschalen voll mit einer asbestähnlichen Substanz. Dieses Ding wurde einfach in Spiritus getaucht, dann unter dem Brenner auf das Steigrohr geklemmt und angezündet. Sehr praktisch, besonders bei heftigen Bewegungen des Bootes. Leider war dies eine Antiquität, die es überhaupt nicht mehr gibt. Anstelle des üblichen Spiritus geht's auch mit Methyl-Alkohol und sogar Aceton. Ja, Freunde, Aceton! Von Methyl wird zwar abgeraten, aber ist oft sehr viel billiger als der übliche Spiritus. Nur die Augen können davon etwas tränen. Brennstoff Wir haben es mal gewagt, einer, wenn nicht gar DER führenden deutschen Firma auf diesem Gebiet über unsere Erfahrungen und vermutungen zu berichten. Vier scharf konzentrierte Seiten lang.

Erfüllt von jener Ehrfurcht, wie sie dummen Leuten gegenüber dem allwissenden Fachmann geziemt. Gekrönt von der bescheidenen Bitte um Rat. Die Antwort aus dem Petroleum - Olymp war einschließlich Briefkopf, Anschrift, höflichkeit und Unterschrift fast eine dreiviertel Seite lang und enthielt sich jeder technischen Einzelheit, denn „bei den in Deutschland im Handel befindlichen Petroleum sind diese Erscheinungen bisher nicht aufgetreten“.
Ist das nicht schön? Nun ist Deutschland vielleicht doch nicht ganz das einzige Land auf Erden, in dem es hochwertigstes Petroleum gibt. Wir haben in Gebieten gesegelt, wo die Qualitätsansprüche vielleicht sogar noch höher sind, soweit derart Ungeheuerliches überhaupt denkbar ist. In Alaska und Kanada zum Beispiel. Da gibt es Gegenden, in denen Zweitbestes aller Art sehr schlimme Folgen haben kann. Wir neigen deshalb zu der Annahme, daß auch Petroleum dort mindestens ebenso gut ist wie in Deutschland. Wenn wir es wagten, dort auch nur einen Hauch von Zweifel daran spüren zu lassen, ernteten wir einige male sogar erstaunte, ja vernichtende Blicke. Theoretisch verseuchte Schlauberger wie uns kannten sie wohl schon und wollten uns dann fast lieber nichts verkaufen. Dafür lernten wir schnell eine ganze Reihe möglicher Alternativen: ganz oben Farbverdünner und Lampenpetroleum, selbst wenn es nicht mit Quellwasser verwechselt werden kann. Danach kommt leichter Düsentreibstoff und arktischer-, gefolgt von normalem Winterdiesel. Erst als wir das alles einschließlich verschiedener Mischungen ausprobiert hatten, gingen uns weitere Lichter auf, die uns den Weg zu laienhaften, für uns aber recht plausiblen Theorien erleuchteten. Wir beobachteten, daß selbst das ALLERfeinste, ALLERreinste, ALLERbeste Supersonder- extraspezialpetroleum und sogar solches aus Deutschland mit der Zeit gelblich wurde, man stelle sich das vor. Langsamer in unserem kühlen Tank, schneller in Kochern und lampen, die der Wärme oder gar Hitze ausgesetzt waren. Da nahm die Verkokung immer schneller zu, Brenner verstopften, Lampendochte „vertalgten".



äußere Einflüße verändern also selbst das ALLERfeinste durch Verdunstung flüchtiger Bestandteile und Reaktionen mit Kondenswasser und Schmutz, verstärkt durch das ständige Hin- und Herschwappen beim Segeln. Dafür meinen wir sogar so etwas wie einen Beweis gefunden zu haben: Tief in der Last fanden wir nämlich einen fast vergessenen 10-1 Kanister Petroleum. Die allerletzte reserve aus Tonga. In gut 5 Jahren war sie mit uns mehrfach durch mehrere Klimazonen gesegelt, mit uns gekentert und wieder in ihrem abgelegenen Loch verschwunden, einer wahren Kondeswasserhöhle mit eigenem Lenzrohr. Trotzdem war das edle Naß so hell wie beim Kauf geblieben, denn der Behälter war voll bis an den Hals und luftdicht verschlossen. So hatten äußere Einflüße keine Chance. Die launischen Kocher und sogar unsere aufsäßige Petroleum-Heizung („Farce 10“ aus Kanada, ähnlich wie „Taylor“) brausten damit jubelnd vor sich hin - und als wir zwischendurch die Tanks reinigten, fanden wir doch wieder den „Gilb“, je nach Erhitzung unterschiedlich getönt. Und Schmutz, trotz unseres sorgfältigen Filterns. Dem waren wir allerdings schon früher halbwegs auf die schmierigen Schliche gekommen. Diese Brenner arbeiten ja mit Druck und der muß aufgepumpt werden. Die Luft dafür kommt aus der Umgebung und sollte zumindest auf See noch sauberer sein, als es an Land auch nur zu träumen ist. Aber wir hatten die Anlage für unseren Dauergebrauch erst mit Fußpumpen und später sogar mit einem kleinen elektrischen Kompressor ausgerüstet, wie er als Pannenhilfe für Autoreifen hilfreich ist. Diese hervorragende Technik stand dicht über dem Boden, später sogar versteckt im verlorenen, kaum zugänglichen Ecken. Dort sorgte sie auf ihre Art für etwas Reinlichkeit und oben hatten wir immer wieder die schmierige Last damit.

Erst als wir die umfunktionierten Pumpenröhren mit Strumpfhosenresten vollstopften, besserte sich die Tankatmosphäre, und in diesen regelmäßig gewarteten „Luft“-Filtern sahen wir immer wieder warum. Nun ist solcher Dreck nach unserer Erfahrung nicht gar so schlimm.
Wenn er nicht überhand nimmt, werden die Reinigungsnadeln damit schon fertig, genauso wie mit der unvermeidlichen Verkokung der Düse.

Gegen das unvermeidliche, allgegenwärtige Kondenswasser vieler breiten hilft allerdings nur regelmäßiges Spülen, wie es die Fachleute gern so teuer berechnen, verbunden mit Kopfschütteln und der ernsten Ermahnung, nur ALLERfeinstes, ALLERreinstes, -stes, -stes..... Alternativen: Doch wieder Gas? „Dynamit“? Vielleicht Diesel. Dafür gibt es ausgezeichnete öfen und Heizungen. Fischkutter benutzen sie fast nur und viele Jachten heizen zumindest damit. Wir haben es allerdings noch nicht gewagt, eigene Erfahrungen zu sammeln, denn alles was wir bisher hörten und beobachteten deutet darauf hin, daß sie für kleine Jachten wenig taugen. Auch die kleinsten Brenner entwickeln selbst bei niedrigster Einstellung noch zu viel Hitze.

Da wird dann oft mit offenen Luken kräftig der Himmel geheizt. Einige trimmen die Regler noch unter das eigentlich mögliche Maß und versuchen, die Flamme mit einer Handvoll Stahlkugeln im Brenntopf bei guter Laune zu halten. Das soll gehen. Aber mit oder ohne solcher Tricks besteht bei zuviel Sparsamkeit immer die Gefahr eines „Blowback“, einer außerordentlich eindrucksvollen Rußkatastrophe. Wer eine solche erlebt oder auch nur ihre Folgen gesehen hat, wird verstehen, daß wir uns da noch zurückhalten. Dabei ist Abhilfe ganz einfach: ein größeres Boot kaufen. Von 15 m Lüa an aufwärts soll das schon einigermaßen funktionieren. Hier schließt sich unser Kreis mit der Rückkehr zum Allereinfachsten, unserer Anlage aus Einzelkochern. Fachleute mögen darüber lächeln, Ingenieure verwundert staunen und stilbewußte Jachtinnenarchitekten entsetzt protestieren, aber das ist wahrscheinlich der höchste Stand erschwinglicher Petroleum-Technologie im Jahre eintausendneunhundertfünfundneunzig. Wir und viele Andere wären wirklich glücklich, wenn da endlich etwas Neues käme oder wenigstens jemand das Schweigen der Fachleute brechen würde. Oder wissen die selber nicht Bescheid? Wir meinen, daß der traditionelle, vergleichsweise sichere und überall erhältliche Brennstoff Petroleum Besseres verdient.


Last change / letzte Änderung Mittwoch, 02. Juli 2003 © Webmaster / NetDesign Rheinland
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