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Piraten im Jemen
Brief an die Deutsche Botschaft in Jemen |
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Nach Problemen mit Piraten im April 1999 - über die uns Wolfgang - D. Jonas berichtete (Email: sfstph@mail.cscoms.com) - hatten im Januar 2001 erneut deutsche Segel Probleme in jemenitischen Gewässern. Damals hatte sich ein Motorboot in unzweifelhafter Weise der SJ "Poulette" genähert. Folgen waren nur durch einen entsprechenden Funkverkehr auf UKW und das daraus resultierende Erscheinen eines Tankers nicht eingetreten. Die Meldung an den Hafenmeister von Aden interessierte diesen offensichtlich in keinster Weise. Zu den neuerlichen Vorfällen lesen Sie hierzu ein Schreiben des betroffenen Schiffers der SJ "Mintaka", TO-Mitglied Manfred A. Habich an die Deutsche Botschaft im Jemen, z.Hd. Herrn Klein, Hadda Street, Sanaa/Jemen; sowie den Bericht der DGzRS in diesem Heft. Sehr geehrter Herr Klein, die Seenotleitung MRCC Bremen hat mir mit einer Inmarsat-C Nachricht mitgeteilt, dass Sie mit der Aufklärung der Umstände, die Seenotmeldung vom 27.01.01 betreffend, befasst sind. Nachfolgend werde ich Ihnen den bzw. die Vorfälle aus meiner Sicht schildern, die letztlich zu dieser Meldung führten. Zunächst die Vorgeschichte: Wir hatten zuverlässige Berichte über mehrere Piratenzwischenfälle in den Gewässern vor der jemenitischen Küste. Diese betrafen sowohl Sportboote wie auch Handelsschiffe. Das Inmarsat-C System warnt fast täglich vor dem Befahren insbesondere der somalischen Gewässer und dem südlichen Rote Meer Ausgang. Die Schiffer aller drei Boote hatten letztes Jahr die Möglichkeit in Larnaka, Zypern, die australischen Boote Aphrodite III und "Gone Troppo" zu besichtigen. Das Boot Aphrodite III wies mehrere Einschusslöcher auf und wurde, mit zwei kleinen Kindern an Bord, in jemenitischen Gewässern (ca. 5 Meilen von der Küste, zwischen Mukallah und Aden) am 11.11.99 beschossen und ausgeraubt. Ähnlich erging es der "Gone Troppo", der noch schlimmer mitgespielt wurde. Der Frau des Schiffers wurde durch den Oberschenkel geschossen. Kurz bevor wir Aden am 24.01.01 verließen, hatten wir eine Email von dem französischen Boot "Ouma" erhalten, in der von einem Piratenüberfall auf das französische Boot "Lys Estrambord" berichtet wurde. Dieser Überfall ereignete sich am 24.12.00 (!)ca. 70 Seemeilen westlich von Mukallah und wurde, wie wir inzwischen wissen, durch den Schiffer den Behörden in Mukallah gemeldet. Am 09.01.01 hat der Konvoi, bestehend aus den Segelbooten "Mintaka", "Tosimoh" (beide unter deutscher Flagge), das Rote Meer durch die kleine Straße bei Bab-el-Mandab verlassen. Etwa 5 Seemeilen südlich der Straße verfolgten uns bei Windstärke 5-6 und starkem Seegang zwei Schnellboote jemenitischen Typs. Diese kamen "Tosimoh" und "Freedom" bedrohlich nahe. Diese Schnellboote konnten von offizieller Seite nicht identifiziert werden. Der entsprechende Bericht, der dem Hafenmeister von Aden - Herrn Ali - übergeben wurde, liegt ebenfalls bei. Herr Ali räumte ein, dass das weite Küstengebiet , u.a. das Gebiet um Maqatin nicht unter der Kontrolle der staatlichen Behörden sei. Er bot an, dass sich die Boote im 3 Stunden Rhythmus über SSB zunächst bei dem Hafenmeister in Aden und nach der Hälfte des Weges in Mukallah melden. Nach meiner Meinung sind diese Bemühungen zwar ehrenvoll aber nutzlos, wie sich auch gezeigt hat. Am 24.01.01 haben die drei o.a. Boote und die englische "Fiddler's Green II" den Hafen von Aden im Schutze der Nacht verlassen. Der Plan war das etwa 300 Seemeilen entfernte Mukallah ohne Zwischenstop anzulaufen und dabei einen Abstand zur Küste von etwa 20 Seemeilen einzuhalten. Die Reise verlief bei sehr wenig Wind und glatter See bis zum 27.01.01 gegen 08.30 Uhr ereignislos. Den Konvoi hatte die "Fiddler's Green II" wegen Treibstoffmangel inzwischen verlassen, um eine Abkürzung zu fahren. Die drei verbleibenden Boote fuhren in geringem Abstand parallel den gleichen Kurs. Unsere ungefähre Position war: 13°52N, 48°56E, also 17 Seemeilen von der Küste und 44 Seemeilen von Mukallah entfernt. Zu dieser Zeit sahen wir im Osten etwa 2 Seemeilen hinter uns 2 Schnellboote herankommen. Eines kam von Richtung Küste, das andere vom offenen Meer. Auf unseren Booten wurden die Signalpistolen bereitgelegt. Ungefähr 10 Minuten später rasten zwei weitere Schnellboote parallel fahrend auf den Bug von "Mintaka", die südlich im Konvoi stand, zu. Mit Handzeichen bedeutete ich den Männern in den Booten abzudrehen, was diese ignorierten. Danach zeigte ich meine Signalpistole, keine Reaktion, die Boote verminderten ihre Geschwindigkeit nicht. Jetzt schoss ich in flachem Winkel eine Blitz-Knall Rakete. Die detonierte zwischen den Booten und hinterließ Eindruck. Beide Boote drehten unmittelbar, in etwa 50 Meter Entfernung , in Richtung offenes Meer ab. Wir alle beobachteten zu diesem Zeitpunkt vier Boote. Nach weiteren 20 Minuten schlossen sich weitere zwei Schnellboote den inzwischen zusammenliegenden vier Booten an. Der Abstand zu uns betrug ca. 2 Seemeilen. Es wurden wohl die Erfahrungen mit uns ausgetauscht. Zwanzig Minuten später verschwanden vier der Schnellboote in verschiedene Richtungen. Zwei folgten schnell unserem Kurs, eines etwa 200 Meter entfernt, das andere näherte sich, diesmal langsamen als zuvor, auf ca. 30 Meter. Ich forderte die drei Männer wieder mit Handzeichen auf zu verschwinden und zeigte auch wieder meine Signalpistole. Zwei gaben zögerlich Handzeichnen und fuhren in die von mir gezeigte Richtung. Es waren andere Schnellboote als bei der ersten Annäherung. Wir und sie kamen mit dem Schrecken davon. "Tosimoh" hatte inzwischen sowohl Seenotalarm über Inmarsat-C ausgelöst, wie auch mit dem UKW- und SSB-Gerät die Hafenbehörden alarmiert. Später erfuhren "Mintaka" und "Tosimoh" über ihre Inmarsat-Anlagen von der Seenotleitung MRCC in Bremen, dass um ca. 15.00 UTC (18.00 Ortszeit) ein jemenitisches Marineboot zu unserer Unterstützung ausgelaufen war. Dieses Marineboot, das alle drei Boote lange Zeit nicht als solches erkennen konnten, traf schließlich gegen 19.30 Uhr in völliger Dunkelheit etwa 3 Seemeilen (!) vor dem Hafen Mukallah bei den drei Booten ein. Inzwischen war "Freedom" der Treibstoff ausgegangen und wurde von "Tosimoh" geschleppt. Zunächst blendete dieses Marineboot "Mintaka" mit einem starken Scheinwerfer, ohne sich zu identifizieren. Danach fuhr es zu dem eine Seemeile zurückliegenden Schleppverband. Beide Boote wurden auch geblendet und in gutem Englisch zum Stoppen aufgefordert ("). Eine Erklärung wurde nicht gegeben. Daraufhin fragte die "Freedom" per UKW bei der Mukallah Hafenkontrolle an, ob diese etwas von dem fraglichen Boot wisse. Diese verneinte und gab Anweisung weiterzufahren. Das Marineboot versuchte weiterhin den Schleppverband zu stoppen und wurde schließlich ignoriert. Gegen 20.40 Uhr trafen die drei Boote unversehrt im Hafen ein. "Fiddler's Green II hatte schon 2 Stunden zuvor den Hafen erreicht. Am gleichen Abend bzw. am nächsten Morgen kamen mehrere jemenitische Sicherheitsbeamte mit einem englisch sprechenden Übersetzer an Bord von "Mintaka" im Beisein der Besatzungen von "Fiddler's Green II " und "Tosimoh". Die Fragen dieser Herren, bezüglich Ort, Zeit und Hergang des Vorfalls, sowie Aussehen der fraglichen Personen und deren Boote, wurden erschöpfend beantwortet und niedergeschrieben. Soweit schilderte ich den Hergang aus meiner Sicht, nun meine Meinung zu den Ereignissen: Es muss niemanden wundern, dass wir, durch all die alarmierenden vorhergehenden Nachrichten, vor dem Befahren der jemenitischen Gewässer berechtigte Sicherheitszweifel hatten. Aus diesem Grund reagierten wir abweisend und feindselig den ankommenden Booten gegenüber. Wir glauben, es handelte sich um Gelegenheitspiraten, die obwohl vorwiegend fischend, sich eine leichte Beute nicht entgehen lassen. Wir fühlten uns durch ihr aggressives Verhalten unmittelbar bedroht. Der Zustand ihrer Boote war nach meinem Eindruck für jemenitische Verhältnisse ungewöhnlich gut, das Gleiche gilt für ihre westliche Kleidung. Im Nachhinein beurteilen wir unsere Gegenmaßnahmen als angemessen und richtig. Das kann man von dem Verhalten der jemenitischen offiziellen Seite nicht behaupten. Auf die sogenannte Hilfe des Marinebootes, die mehr behinderte und ängstigte als half, hätten wir gut verzichten können. Hiermit bitte ich Sie, dem Deutschen Botschafter nahe zu legen, dass er bei nächsten Gelegenheit dem zuständigen jemenitischen Ministerium empfiehlt, die Küstenregionen besser zu kontrollieren. Dies könnte leicht durch die bereits vorhandenen Marineboote gewährleistet werden, indem diese in den Küstengewässern täglich patrouillieren. Dies würde wohl die meisten sogenannten Fischer, die auch der Piraterie nachgehen, abschrecken. Die Mannschaften der Patrouilleboote sollten Uniform tragen, unter jemenitischer Flagge fahren und sich nähernden Booten durch die englische Sprache auf UKW Kanal 16 identifizieren. Selbst in einem nicht wohlhabenden Land wie Jemen sollten diese, nicht kostenintensiven Maßnahmen, möglich sein. Durch ein wenig mehr Organisation wäre gewiss ein durchschlagender Erfolg sicher. Wir haben uns in den Gewässern ärmerer Länder, wie zum Beispiel Sudan und Eritrea, immer sicher gefühlt. Eine weitere Maßnahme von der jemenitischen Seite sollte eine Benachrichtigung und Warnung an die sogenannten Fischer an der Küste sein. Diese sollten sich Booten auf dem offenen Meer nicht nähern. Des Weiteren sollten diese Fischer, sofern beobachtet, entwaffnet werden. Diese Maßnahmen würden nicht nur den durchkommenden Seglern sondern auch dem Ruf des Landes Jemen zugute kommen. Ich danke Ihnen ausdrücklich für Ihre bisherigen und die noch folgenden Bemühungen. |
