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Piratenüberfall Tortuga Venezuela
an Bord der SY Jan Wellem 3 /Rudolf und Isolde Nuß / Email: RudolfGunter@aol.com

In der Nacht vom 27.3.01. zum 28.3.01.,um 2Uhr 15 wird Isolde durch Geräuche an Deck wach und weckt mich.

Wir hören, daß sich mehrere Personen an Deck zu schaffen machen. Durch das Fenster in der Achterkajüte an Backbord, sieht Isolde ein kleines Fischerboot liegen. Ich sehe durch ein Fenster ins Cockpit eine Gestalt in Räuberzivil mit Pistole. Isolde sieht dann sogar drei Leute .Ich sage zu ihr ganz ruhig bleiben ich versuche über Funk die Costguard zu verständigen aber niemand antwortet . Ich schalte die Decksbeleuchtung ein vieleicht fühlen sie sich entdeckt und flüchten,aber sie rufen open open. Ich antworte: No, No.

Sie fangen an den Niedergang aufzubrechen einer öffnet das Luk im Salon. Da hole ich meine Pistole und gebe einen Warnschuss durch das offene luk ab. Nun eröffnen diese rücksichslos das Feuer durch die Scheiben im Deckshaus in Richtung Luke. Dabei wird auch das Dinghy zerstört . Nun muß ich um unser Leben kämpfen. Ich schoß jetzt das ganze Magazin leer . Die Piraten flüchteten Hals über Kopf , aus der Ferne gaben sie noch einige Schüsse ab.

Ich lud die Waffe neu und gab sie Isolde. Sie sollte Wache halten, wärend ich versuchte über Funk die Costguard zu rufen. Nur einmal hörte ich eine Stimme, die ich aber nicht verstehen konnte. Später kam ein Schiff auf uns zu, ohne Positionslichter, aber mit großem Scheinwerfer. Wir glaubten, die Piraten kämen nun mit einem größeren Schiff zurück und verbarikadierten uns wieder. Das Schiff entfernte sich jedoch und wir sahen, daß es Suchschleifen fuhr. Nun glaubten wir das könne doch die Costguard sein. Das Schiff kam zurück und gab sich als Costguard zu erkennen. Wir wurden aufgefordert an Deck zu kommen und die Waffe abzulegen. Dem folgten wir nur zu gerne den nun waren wir gerettet. Einige Leute von dem Costguardschiff sprangen ins Wasser und kamen zu uns an Bord. Sie trugen nur Hemd und kurze Hose und statt nach den Piraten zu fragen, fingen sie an unser Schiff zu durchsuchen und als ich dann fragte was das zu bedeuten hat, sagten sie ,sie wären Drogenfahnder und die "Piraten" von vorhin.

Wir waren Sprachlos!
Die Durchsuchung war so dilettantisch, dass wir glaubten, dies sollte ein mißlungenes Unternehmen kaschieren. Sie nahmen uns die Waffe und alle Papiere, einschliesslich Tauchschein und Impfausweis, ab. Nachdem keine Droge zu finden war, gingen sie von Bord und legten sich hinter uns vor Anker.

Am nächsten Morgen,wurde ein Junge in Badehose übergesetzt bekam noch ein Schnellfeuergewehr nachgereicht und schien nun unsere Wache zu sein. Das Costguardschiff fuhr weg.

Um 9 Uhr in der Caribicfunkrunde berichteten wir über diesen Vorfall. Sofort wurde eine Hilfsaktion gestartet, innerhalb kürzester Zeit war die Deutsche Botschaft in Carracas ,die ONSA eine Hilfsorganisation die sich um Menschen kümmert die von Piraten überfallen worden sind, das Amerikanische Funknetz und somit die USA und auch das Auswärtige Amt in Berlin informiert.

Dieser Druck von aussen führte dazu ,das man uns am 29.3.01. in Begleitung von zwei Nationalgardisten nach Puerto La Cruz fahren lies. Dort wurde eine Zeugenaussage von uns zu Protokoll genommen wozu Herr Pulgrabia als Vertreter der Deutschen Botschaft und eine Dolmetscherin hinzugezogen wurden.

Sämtliche Papiere sind wieder in unseren Besitz und die Pistole soll nach Ballistischen untersuchungen zurückgegeben werden.

Wir sind froh und glücklich, daß wir und auch sonst niemand zu Schaden gekommen ist . Die Guardia National hat einen Fehler gemacht und entschuldigt sich. Wir nehmen diese Entschuldigung an.

Hiermit möchten wir uns herzlich bei allen bedanken die uns mit Rat und Tat zur Seite standen. Das war an erster Stelle: Die Caribicfunkrunde, unter der Leitung von Hugo die alles Unmögliche möglich machten. So war in kürzester Zeit die Deutsche Botschaft in Carracas , das Auswärtige Amt in Berlin das Amerikanische Funknetz und somit die USA und die ONSA informiert.

Einen besonderen Dank möchte ich den Seglern aussprechen , die uns in der Nacht auf der Fahrt von Cayo Herradura bei Tortuga nach Puert la Cruz stündlich über Funk aufriefen ,Kurs ,Geschwindigkeit und Position abfragten und so immer wußten wo wir waren.

Hiermit möchte ich folgende Segler in den Adelsstand erheben:
  • Gretel von Stocksiefen
  • Peter von Antares
  • Walter von Batida
  • Jean Pierre von Vito
  • Herrmann von Pegasus
Puerto La Cruz den 1.4.01.
 



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Letzte Änderung / Last change: Freitag, 06. April 2002