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Polen: Fehmarn-Danzig und zurück-
eine Reise zum EU-Beitritt

von SY QUESTUS (Invicta 26´) 7,9 x 2,2 x 1,2 m, Anna + Hans-W. Otto
E-Mail: otto.ing@t-online.de

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"Questus" am Wind

Was trieb uns dazu, über diese Reise zu berichten und aus unseren Aufzeichnungen möglichst kurzweilige Informationen für alle zu erarbeiten?

Vier gute Gründe:
  1. Eine große Zahl von deutschen TO-Segelkameraden befindet sich in deutschen Gewässern, entweder, weil der "große Törn" beendet ist oder noch bevorsteht, aus beruflichen, familiären oder Gründen einer Erkrankung. Leider finden diese Segler nur selten Berichte über Erlebnisse und Erfahrungen aus ihren Heimatrevieren und angrenzenden Gewässern in unserer Zeitung.
  2. Die Erweiterung der EU um eine Vielzahl von Ostseeanrainern mit schönen und seltener bereisten Küstengewässern, die auch uns sehr interessierten.
  3. Und um beizutragen, Vorurteile abzubauen. Vorurteile bei uns Deutschen und bei den Polen in der heutigen Generation, heute am 01. September 2004 - exakt 65 Jahre nach dem Überfall von Hitler-Deutschland auf Polen.
  4. Da laufend in einer Vielzahl von Segelmagazinen (und über die Kreuzer-Abteilung) teils nicht mehr aktuelle Informationen über das wirkliche Ein- und Ausklarieren im EU-Polen beschrieben werden (TO-105/04 Seite 39 als Zitat aus dem "Palstek" von 03/04).
Nachfolgend sind die polnischen Häfen und Begriffe teils wie folgt bezeichnet: Polnischer Name, "lautsprachig" und der (ehemalige deutsche Name).

Die Reise beginnt Ende Mai in Orth a. Fehmarn und führt über die Route:
Stralesund/Peenestrom/Stettiner-Haff/Wollin/Dziwnow nach Gdansk (441 sm), der Rückweg nur über freie See:
Gdansk/Dziwnow/Rügen/Fehmarn (381 sm).

Der Rückweg ist also um 60 sm kürzer und für größere Yachten ein zügiger Anmarschweg. Unser Hinweg führt schnell bei starker Westwindlage über den Strelasund in den Peenestrom. Dort wollten wir eigentlich noch auf den Spuren von Wernher von Braun wandeln und in der kleinen Marina neben dem alten Peenemünder Marine Hafen festmachen, aber die gute und relativ neue Marina Kröslin an Steuerbord lockte dann doch mehr, außerdem hatten wir einen Versorgungsengpass in der Kombüse zu beklagen. Einkaufen in der alten, kleinen Ortschaft war dann auch angesagt. Obwohl viel Geld im Aufbau Ost in die Marina floss, sind in der Ortschaft doch nicht alle Investitionen im gewünschten Maß erfolgt. Nach einer Nacht in der Marina ging es schon früh am Morgen weiter durch die Wolgaster Brücke. Im Werftbetrieb auf dem Südufer lag gerade ein deutsches U-Boot Typ 206 zum Werftaufenthalt an der Pier.

Wenige Seemeilen später liefen wir den Naturhafen Usedom - Krummin an. Schon von früheren Reisen kannten wir diesen idyllischen Hafen, der es dem Segler leicht macht, über die nahe gelegene Bahnstation, mit der Usedomer Bäderbahn die Insel zu erkunden und die legendären Seebrücken in Ahlbeck oder Seedorf zu besuchen. Der Törn von Kröslin war mit 18 sm eher kurz. Das Wetter ließ uns so richtig durchatmen - nach den anfangs bitterkalten ersten 3 Tagen genossen wir jetzt jeden Sonnenstrahl beim wellenlosen Achterwassersegeln. Krummin bot uns außerdem die Möglichkeit zum Crewwechsel, da der Hafen auch gut mit dem PKW zu erreichen ist. Das Marinapersonal steht bei der Versorgung aus den Billigmärkten mit einem Shuttleservice gern zur Verfügung. Marina Krummin ist ein echtes Familienidyll, neben dem Schäferhund pflegt der Hafenmeister jetzt noch zwei Hängebauchschweine.

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Baudenkmal Zecheriner Eisenbahnbrücke

Pfingstsonntag auf nach Ückermünde, sonnig mit wenig Wind, hierbei ist die Zecheriner Brücke zu passieren. - Nach der Ankunft Essengehen in der Stadt, dann verlegen wir nach vorn an die Mündung der Ücker in die Laguna Marina (tolle Duschen). Ückermüde hat drei eigene Liegeplatzmöglichkeiten, von der jede für sich ihren Charme hat: der Stadthafen an der Ücker, die Vereine an Steuerbord und die Laguna Marina gleich hinter dem Eingang in die schmale Flusseinfahrt an Backbord.

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Stadthafen Ückermünde

Pfingstmontag auf zum Grenzschiff an Tonne 17 im großen Stettiner Haff; die polnischen Grenzbeamten im Boot leiten uns zur Einklarierung nach Nowe Warpno "nowe warpno" (Neuwarp) weiter. Dies ist der erste polnische Hafen gegenüber vom deutschen Hafen Altwarp. Altwarp eignet sich auch gut zum deutschen Ausklarieren. Bei uns entfällt das jedoch, da wir eine gültige "Grenzerlaubnis", ausgestellt vom BGS-Amt Lübeck, besitzen. Für die zollrechtliche Ausklarierung sind wir mit unserer "Freistellung von der Beförderungspflicht…" ergänzend gegenüber unseren deutschen Behörden ganz frei! Die polnischen Beamten klarieren uns dort schnell und freundlich ein; nur unseren Reisepass benötigen wir; man spricht Englisch und Deutsch; zu meiner Signalpistole Kaliber 4 (waffenscheinpflichtig) gibt es einige Nachfragen; diese lassen sich jedoch an Bord schnell klären. Segler sollten grundsätzlich keine Waffen, insbesondere Gaspistolen, nach Polen einführen; es wird damit Schwierigkeiten geben.

Entlang der Bundesgrenze geht es zurück zum polnischen Grenzschiff an Tonne 17. Dort werden wir nach Identifizierung weiter gewunken. Zu keinem Zeitpunkt war bei unserer Reise eine Crewliste notwendig; gerade hierzu haben wir auch alle anderen Segler unterwegs befragt. Wind aus Nord-Ost und auf unserem Kurs nach 090° stehen zahlreiche Stellnetze und außerdem Reusen. Teilweise werden die Fischernetze auch mit Auftriebskörpern senkrecht gehalten. So ist unsere volle Aufmerksamkeit gefordert. Es ist nicht empfehlenswert, den Weg durch das große Haff bei unsichtigem Wetter oder gar nachts durchzuführen. Das Segeln im polnischen Haffgewässer ist nachts nicht erlaubt. Wir arbeiten uns mühsam, unter Segeln (auch mit Motorunterstützung), gegen an. Abends erreichen wir die Stadt Wollin auf der gleichnamigen Halbinsel - noch immer strahlender blauer Himmel - Wind NO 3 Bft. Und wie immer läuft auch an diesem kalten Abend nach Pfingsten die Heizung.

Der Bosman (Hafenmeister) ist bereit, die Wolliner Straßenbrücke um 08:00 Uhr zu öffnen. Überhaupt ist es in den Nebensaison sehr empfehlenswert ihn persönlich auf der Westpier unter der Brücke und nicht nur über UKW-Funk anzusprechen (Ruf: Most Wollin auf Kanal 12). Die Durchfahrt über Wollin und die sehr alte Stadt Kamien Pomorski kamiän pomorski in der Dziwna "dschiwna" können wir jedem nur empfehlen, der nicht über 1,4 Meter Tiefgang und einen Mast garantiert unter 12,4 Meter Höhe hat (inkl. Lametta am Top). Ein einmaliges Erlebnis in einer beeindruckenden Natur! Bei unserer Brückendurchfahrt Wollin hätte es um ein Haar einen schweren Unfall gegeben. Wir haben bereits den Hebel nach vorn gelegt, da durchbricht ein PKW mit hoher Geschwindigkeit die Straßenschranke und rast über die sich bereits öffnende Drehbrücke… - an der anderen Schranke (hinter der Drehbrücke) kommt er aber nicht mehr weiter.


















polen11.gif 366x529 Nach einer längeren Fahrt unter Segeln oder Motor in der malerischen aber stark verkrauteten Dziwna, sind wir im Ostseebad Dziwnow "dschievnov" (Dievenow) angekommen - noch immer strahlender Himmel und 5 Bft. aus..... ja, genau gegen an. Wir legen uns in den Fischereihafen zu anderen deutschen Seglern, die wir dann auch näher kennen lernen. Wir sind mit unserem Langkieler hier das einzige Schiff, das den Weg über die Dziwna genommen hat. Zu diesem Entschluss hatten uns letztlich auch die schlechten Einklarierungsmöglichkeiten in Swinoujscie "schwinousje" (Swinemünde) bewogen. Wir erhielten Berichte über sehr viel Schwell an der Zollpier; dieser wird zum einen bei entsprechender Windrichtung von See ausgelöst, aber auch durch den beruflichen Verkehr der großen Schiffe verursacht. Obendrein sei der Anleger in einem erbarmungswürdigen Zustand.

Die nächsten Tage werden wir hier im Fischerhafen von Dziwnow verbummeln. Es sind weiterhin östliche Winde angesagt. Morgens haben wir 2,2 kg Steinbutt am Kutter nebenan erworben - diese sind filetiert vielleicht noch 900 Gramm schwer und kosten 24 Zloty, das sind rund 5 Euro. Nun müssen wir auch Geld umtauschen. Für 1 Euro gibt es 4,55 Zloty (dieser Kurs schwankt heute sehr wenig). Generell hat man drei Möglichkeiten, an die polnische Währung zu gelangen: 1. bei den Banken, 2. am EC-Automat und 3. bei den staatlich lizensierten Tauschkontoren (auf das Wort KANTOR achten). Die Umtauschgebühren und die Kurse weichen nur geringfügig voneinander ab, jedoch ist der Tausch im Kontor einfach und günstig.

In Dziwnow haben wir 3 Nächte für insgesamt 27 Zloty (umgerechnet 6,70 Euro) mit Strom und neuen Duschen (ohne Münzautomat, also kostenlos) gelegen. Heute gibt es bei uns an Bord Schweinefilet geschmort (eine große Menge für 2 Personen kostete umgerechnet 1,00 Euro) und jede Menge Obst und Radieschen. Unsere ersten Eindrücke: Polen ist sehr sauber, teils einfach, aber sehr ordentlich wirkt wirklich alles auf uns. Die Hafenmeistereien (Bosmanate) sind ständig um alles bemüht und bewachen ihre Gäste und die Abläufe in ihren Häfen. Ihnen übergeordnet ist das jeweilige Kapitanat Portu des Hafens.

Der polnische Zoll (GPK "Graniczna Kontrola Polska") wurde von uns immer als nett und entgegenkommend empfunden. Wir würden es uns nicht im Traum einfallen lassen, den Beamten Alkohol hinüber zu reichen, wie mir das übereinstimmend in mehreren ostdeutschen Segelclubs - von Seglern vor Ort - empfohlen wurde ...damit es schneller geht. Wir finden es beleidigend ...wir sind doch in der EU und nicht in einer Bananenrepublik.

Einige Erfahrungswerte zum Verhalten mit den Behörden in polnischen Gewässern:

Einlaufend in jeden polnischen Hafen ist es eine polnische Besonderheit, sich bei den Hafenbehörden z.B. Kapitanat "Portu XY" anzumelden und um die Erlaubnis zum Einlaufen in den Hafen XY zu bitten. Die Arbeitskanäle sind unterschiedlich und leider nur dem polnischen Hafenführer (Literaturhinweis) zu entnehmen. Nur im Ausnahmefall sollte auf Kanal 16 angerufen werden. (Liste der Arbeitskanäle der angelaufenen Häfen am Ende) In der Regel befindet sich auf diesen gleichen Arbeitskanälen auch der Zoll (GPK), der unmittelbar nach dem UKW-Gespräch mit der Hafenbehörde (Kapitanat Portu XY) anzurufen ist. (Ruf an den Zoll z.B.: "GPK kowobtschek this is SY XY") Ein guter (also informativer) UKW-Funkverkehr führt -in der Regel- zu keiner Anlegeaufforderung vom GPK (Zoll) und man wird an den gut kenntlich gemachten Zollanlegern (meist in der unmittelbaren Einfahrt gelegen) durch gewunken. Eine Crewliste war in denen von uns besuchten Häfen nie verlangt worden, andere Segelkameraden berichteten identisch.

Zu einer korrekten UKW-Funk-GPK-Anmeldung gehört:
  1. Schiffsname
  2. Typ des Sportbootes (SY/MY)
  3. "unter deutscher Flagge"
    (polnisch: Niemiecka Bandera "niämiätzka bandera")
  4. Anzahl Personen an Bord
  5. Letzter Hafen (Nationalität, wenn nicht Polen)
  6. Vorraussichtlicher nächster Hafen
Ein Springen von Hafen zu Hafen innerhalb polnischer Hoheitsgewässer erfordert generell, in jedem Hafen, eine An- und Abmeldung mit dem Fahrtziel beim GPK über UKW Funk oder persönlich. Sollte der letzte Hafen außerhalb Polens gelegen haben, so ist ein Anlegen beim GPK im nächsten polnischen Hafen ausnahmslos obligatorisch. Der UKW-Verkehr sollte vorzugsweise in polnisch bzw. englisch durchgeführt werden. Man darf sich nicht wundern wenn "sauer" reagiert wird, gerade vor dem geschichtlichen Hintergrund, wenn eine deutsche Segelyacht -wie selbstverständlich- auf Deutsch anruft und erwartet dann auch noch eine Antwort in deutscher Sprache. Bereits an dieser Stelle kann den Behördenvertretern ein internationaler Respekt, gerade von uns Deutschen, demonstriert werden, das kommt immer gut an!

Der viele östliche Wind hat uns 3 Tage in Dziwnow festgehalten, dann aber ging es endlich weiter mit dem Ziel Kolobrzeg "kowobtschek" (Kolberg). Zwischen Dziwnow und Kolobrzeg existiert noch ein weiterer Hafen. Wir geben diesen aus zwei Gründen hier nicht näher an: 1. Ist die Einfahrt bei nördlichen Winden unpassierbar und 2. ist der Hafen stark versandet. Von einem Einlaufen mit Kielbooten würden wir abraten! Nach 31 sm sind wir am Ziel. Es gibt mäßige Liegeplatzmöglichkeiten beim Club am alten Fort, und es ist laut dort. Die Fischräucherei im Fort entschädigt nicht für den Trubel am Liegeplatz. - Wir fahren viel mit dem Taxi, da es meist unter 2 Euro kostet. In "kowobtschek" ist die nächste Tankstelle zum Treibstoff holen 3 km stadtauswärts zu erreichen (an der Hauptstraße nach rechts). Der Preis des Kraftstoffes unterscheidet sich etwa um 15% günstiger im Vergleich zu unseren aktuellen Preisen. Morgens gibt es an Bord fast immer polnische Bulkie "buhkie" (Brötchen); sie sind sehr preisgünstig (unter 10 Cents) und teils auch qualitativ sehr gut. Der nächste östliche Hafen ist dann Darlowo "darwowo" (Rügenwalde). Die folgende Nacht an einer sauberen Pier für Yachten, gleich hinter der Schubbrücke an Backbord mit einem Toiletten/Duschcontainer im guten Zustand, war schwellig. Die vor uns liegenden Warngebiete zwischen Darlowo und Ustka werden nur am Sonn- und Montag nicht zu Sperrgebieten (Nr. 6, 6a und 6b und 9) erklärt. Nur "Warngebiet" waren sie außerdem täglich von 00:00 Uhr bis 05:00 Uhr.

Tipp:
Immer auf die nautischen Warnnachrichten der polnischen Küstenfunkstelle achten (Kanal 16), hier werden auch die in den Seekarten ausgewiesenen Warn-/Sperrgebiete nochmals mit ihren Koordinaten benannt.

Wir sind mit West 6-7 Bft. über 50 sm gleich nach Leba "webba" (Leba) durchgefahren. Die meisten Fahrtensegler haben unterwegs Ustka "ustka" (Stolpmünde) angelaufen.
Die Welle von achtern war schon hoch, aber das ist QUESTUS-Wetter. Im Schmetterlingsstil mit kleiner Fock und gerefftem Groß zieht sie mit ihrem langen Kiel unter Autopilot ihre Bahn, mit 6 Knoten, wie auf Schienen.

Der Wetterbericht meldet weiterhin West 7 (die polnische Küstenfunkstelle meldet regelmäßig nach Ankündigung mit DSC Alarm auf Kanal 16, dann auf den Arbeitskanälen 24, 25, 26, etc. (je nach Seegebiet)) in Polnisch und Englisch. Es geht wohl erst am Mittwoch für uns weiter. Die Einfahrt nach Leba war schon ein, uns sehr forderndes, seemännisches Husarenstück. Mit Maschine und Segeln sollte es möglichst schnell hinein gehen - Grundseen standen in der Einfahrt und dann hatten wir bei der Ansteuerung Trouble mit der Maschine und seinem Gaszug, plötzlich war die Leistung weg und die Maschine lief nur noch mit Standgas.

Leba... jeder kennt wohl den Namen z.B. von dem hier vor der Küste torpedierten Lazarettschiff "Wilhelm Gustlof". Bei dem Unglück sind etwa 6000 Seelen im Januar 1945 auf der eisigen Ostsee geblieben (das war das größte Schiffsunglück aller Zeiten) oder z.B. den Wanderdünen. Es ist sehr schön hier, auch wenn mancher Schiffer auf See warten muss (in der Welle) bis das Kapitanat Portu "webba" ihm den Bagger in der Flusseinfahrt zur Seite gerückt hat. Überhaupt haben wir hier sehr viele nette Kontakte in der Fahrtenseglerszene und mit den TO-Kameraden geschlossen. Wir können die Berichte über abweisende/mundfaule TO-Kameraden in der Ostsee, aus den vorigen TO-Heften, nicht bestätigen.

Wir haben in "webba" zwei wunderschöne Liegetage verbracht. Diese waren wieder durch Starkwind aus West und später aus Nord gekennzeichnet. Auch zu den Wanderdünen sind wir geradelt. Es war schon imposant an der See 42 Meter hohe Sandberge zu sehen, diese wandern jährlich 2 bis 12 Meter nach Osten. Hier mussten wir die deutsche Gasflasche (graue 5 kg Flasche) bei der Firma "Autoservice" (in der Nähe der Brücke, stadtseits) füllen lassen. Wir waren froh, für eine deutsche Flasche in Polen eine Füllmöglichkeit gefunden zu haben! Schon nach 16 Tagen ohne Gas im Sommer, das hat es auf unserem Schiff noch nicht gegeben! - Sonst haben wir uns treiben lassen, gut und preiswert eingekauft und den Klönschnack mit der "eastgoing"-Karawane gehalten. Inzwischen sind wir an die acht Boote, die sich untereinander ganz gut kennen. Mit dem GPK gab es bis jetzt (wie in der EU zu erwarten) keinerlei Probleme. So, dann ging's los. Unruhige Nacht gehabt. Der Schwell steht bis zum Liegeplatz durch. In der Einfahrt stehen entsprechende Grundseen, und wir müssen uns durch 150 Meter grobes Wasser arbeiten - nur mit Maschine, denn es weht kein Wind. Das macht uns immer große Sorgen; wenn der Motor ausfällt, ist das Schiff schnell verloren, wir liegen schneller am Strand, als wir Hilfe rufen könnten! Und unsere second source (der Wind!) steht nicht zur Verfügung.

Also ...Augen zu und durch. Unser Ziel ist Wladyslawowo "wadiswawowo" am Anfang der Halbinsel Hel (Hela). 32 sm weiter, vor dem Hafen, gehen die ersten Entscheidungen rum....... wir gehen weiter nach Hel, also noch einmal 20 sm; ETA (estimatet time of arrival) ist für 20:00 Uhr errechnet. Wir haben dazu keine Lust, uns nervt die Maschine, aber die Wende bringt der Wetterbericht der Deutschen-Welle Bonn über Radio; die sagen für morgen Regen und SO Wind 5 Bft. voraus (für das Seegebiet südöstliche Ostsee). Die polnische Küstenfunkstelle bestätigt das später in Englisch und Polnisch. Na ja, also ...weiter geht`s heute nach Hel. Gegen Abend bekommen wir irgendwas in den Propeller. Inzwischen ist unsere Flottille nicht mehr zu sehen. Wir sind nicht nur die Kleinsten, nein unter Maschine sind wir auch immer die Nachzügler. Teile des Beutels im Propeller können wir durch verschiedene Manöver rausspülen, aber irgendwas stimmt dann doch nicht ganz mit dem Antrieb; wir haben Vibrationen im Schiff. Gegen 19:00 Uhr sind die "Tiefsee"-Gebiete vor Hel erreicht, wir messen 80 Meter unter dem Kiel, das ist in der Ostsee vom Durchschnitt schon weit entfernt! Gegen 21:00 Uhr sind wir fest in einem dreckigen Hafen für uns ohne Toiletten und Waschräume, da diese derzeit verschlossen sind.

Nach einer schwelligen Nacht schauen wir um 04:30 Uhr erstmals aus dem Schiff. Es regnet draußen und wirklich weht es aus SO mit runden 5 Bft.. Die 12 sm bis zur Hafeneinfahrt Danzig kreuzen wir mit der Mütze auf ...meint die Crew. Na ja, die Welle ist jetzt schon durch die Abdeckung Danziger Bucht moderater. Unser erster langer Schlag geht zwischen Sopot (Zoppot) und Gdynia "gdynia" (Gdingen oder Godenhafen) ...nur nicht nach Gdansk "gdansk" (Danzig). Dann kreuzen wir mit kleinen Schlägen die Küste entlang. Um 11:00 Uhr in der Einfahrt. Kapitanat Portu Gdansk erlaubt das Einlaufen, und der Beamte vom GPK will uns wieder einmal nicht kennen lernen, aber wir werden aufmerksam aus einer Kabellänge Abstand durch ein Fernglas beobachtet. Nach 1 sm passieren wir an Backbord das Monument der Westerplatte in Richtung Hafen...Flagge runter, Gruß nach Backbord....... später mehr.

Mit der Marina Gdansk haben wir unseren Umkehrpunkt gesund und munter erreicht. Eine Woche später soll es dann auf die Heimreise gehen. Diese wird wohl, durch die derzeit bestehende Westwindlage und das große Natosperrgebiet zwischen Ustka und Darlowo, sehr erschwert werden.

Unsere ersten Stunden bei strömenden Regen auf dem Törn liegen erst heute hinter uns, aber über dem Krantor lacht die Sonne; wir finden einen super Liegeplatz für die Hafentage an modernen Schwimmstegen, und alles ist gut bewacht. Wir klaren erstmal unser Mädchen ganz ordentlich auf! Unsere alte, englische, analoge Logge zeigt 474 sm, QUESTUS hat uns gut hergebracht. Nichts defekt, auch die Gas-Heizung läuft tadellos.

Zur Westerplatte:

Wenige Polen leisten dem Panzerkreuzer "Schleswig-Holstein" erbitterten Widerstand (1. September 1939), die "Schleswig-Holstein" schießt daraufhin auf der Halbinsel an der Hafeneinfahrt nach Gdansk mit 280 mm Kaliber alles kurz und klein. Der Panzerkreuzer liegt dabei bereits in der ersten scharfen Kurve zum inneren Hafen (Westerplatte war eine polnische Enklave in der freien Stadt Danzig). Einige glauben heute noch, dass der Panzerkreuzer von See aus feuerte. Die polnischen Soldaten leisten der Reichskriegsmarine erbitterten, aber letztlich erfolglosen Widerstand. Dieser heldenhafte Widerstand weniger Soldaten war aussichtslos gegen den Panzerkreuzer; das war einzigartig in Polen. Die Westerplatte ist heute das Widerstandsmonument gegen den Hitlerüberfall auf Polen.

Wir können in Danzig nicht los, überall in der Ostsee Sturmwarnung aus West. Mir ist nicht gut bei dem Gedanken, wie wir das in 2 Wochen nach daheim wohl schaffen können. Aber zunächst ein bisschen was aus Danzig: Sehr interessante Menschen, die wir hier treffen. Montags kommt der Segelmacher aus Danzig; er vermisst alles, und ich ordere ein neues Großsegel, ein großes Vorsegel, einen UV Schlauchschutz für das Vorsegel und eine Großbaumpersenning. Der Gesamtpreis liegt bei 1500 €, und ich muss 20% anzahlen. Liefertermin ist an Bord (unser ausdrücklicher Wunsch, der mich 80 € extra kostet), entweder in Greifswald, Stralsund oder Fehmarn im Juli und nach Absprache. Die drei Teile liegen zusammen wohl bei 50% des Preises meines Segelmachers daheim. Seit Sonntag wurde das Wetter richtig schlecht, nun gibt es täglich Regen, und es ist kühl geworden. Wenn wir hier endlich die 6 sm aus der Stadt raus sind, dann ist unser Ziel Hel oder Wladislawowo. Sicher müssen wir dort dann erneut warten, bis wir endlich mit Kurs West um die Ecke können.

Gestern tauchte hier die Polizei alle Schiffe nach Rauschgiftpäckchen (über Bord hängend oder von anderen heimlich angeheftet) unter Wasser ab. Als sie neben uns auftauchte, baten wir den Polizeitaucher gleich mit dem Ruf "scruba" unter unserem Schiff die Schraube zu kontrollieren. Es war aber alles in Ordnung; die Reste der Plastiktüten sind wohl doch irgendwie ausgespült worden. Sonst haben wir noch unzählige Stadtbummel unternommen.

Am Montag feiern wir den offiziellen Abschied beim Pizzabäcker am Hafen, obwohl wir jetzt bereits wissen, dass wir am Dienstag nicht fahren können!

Wir kamen dann nach genau einer Woche in Marina Gdansk am Donnerstag endlich los. Unser erster Trip gen West ging bis zur Südspitze von Hel und dann außen an Hel herum, bei Gegenwind und Gegenstrom, nach Wladislawowo. Unterwegs hörten wir über Funk noch viel die Freunde, die nach Klaipeda oder nach Kaliningrad gingen. Wir haben viele nette Bekanntschaften in Danzig unter Seglern geschlossen, es war sehr interessant, u.a. TO-Kamerad Robert und Frau, gerade aus der Karibik zurück, TO-Kamerad Werner Wommelsdorf (TO- und Schlimmbach-Preisträger). Werner ist hier verheiratet und lebt in Danzig. Dem einen oder anderen haben wir dann noch in der Bordelektronik weitergeholfen. Tankanzeigen repariert, uns mit setup Menüs von Radargeräten herumgeschlagen etc. Inzwischen gibt es auf QUESTUS als Sundowner nur noch Büffelgraswodka (Bison Zubrówka) "bison jubrowka", super und unvergleichlich! Eine Verkostung mit der Exportflasche nach Deutschland erbrachte den Beweis: der echte polnische ist weit besser!

Auf der Fahrt nach Hel im Sonnenschein mussten wir uns aber buchstäblich jeden Meter erdienen! Inzwischen ist auch unser alter Autohelm ST1000 in die ewigen 'Yachtgründe' eingezogen. In Glowe auf Rügen wartet dann bei Segelkamerad Uwe ein neuer Raymarine ST2000 mit Fernsteuerung. Uwe konnten wir in Brest mit einem Getriebe helfen, jetzt revanchiert er sich. Abends sind wir spät und durchgefroren in Wladyslawowo angekommen, was ist das bloß für ein Sommer!

Uns begleitet derzeit die SY Thalassa (HR 312) aus Neustadt mit Volker und Uschi. Sie wollen uns noch bis Leba treu bleiben. Am nächsten Mittag treffen wir dort ein. Der Bagger hat nun bereits in die Marina verlegt (nicht nur die Dünen wandern, auch die Flusseinfahrten versanden). Dank unserer UKW Anmeldung rückten Schute und Bagger ein bisschen zur Seite, und wir mussten nicht vor der Marina, im Schwell des Flusses, warten. Ausruhen - einen Tag Pause - das Schießgebiet ist erst am Sonntag ab 02:00 Uhr auf (dann bis Dienstag 05:00 Uhr). Sonnabends wird gegrillt, mit Vodka, Zywiec (Biermarke) und reichlich Fleisch... - Nachteil, es goss in Strömen, und wir konnten kaum die Glut halten, da halfen auch die großen Sonnenschirme nichts. - Abschiednehmen, wieder einmal... von Thalassa/Neustadt, neue Starkwindwarnung aus Süd-West - unser Kurs! Aber es geht dann doch. Der Wind dreht ein bisschen, wir können immerhin anliegen, und der Starkwind kommt nicht. 48 sm sind es heute bis Darlowo. 19:00 Uhr, die Brücke auf die Minute erwischt und müde - schon früh lagen wir in den Kojen....

Am nächsten Tag um 09:00 Uhr die Brücke passiert, wir haben einen kleinen polnischen Segler ohne Motor, mit zwei älteren Männern, im Schlepp nach See. Heute geht es nach Kolberg "kowobtschek" - 34 sm. Der wärmste Tag an Bord, die Sonne knallt, wir segeln im leichten Wind… ein Genuss. Um 12:35 Uhr bekommen wir DP07 (die private deutsche Küstenfunkstelle für den öffentlichen Verkehr) im Funk !!! 19 sm östlich von Kolberg !! Klare Verständigung und wir bitten um ein Relais zu einem befreundeten Segler über Lübeck Radio. Kapitän Dietzel ist, wie immer, sehr freundlich, aber es meldet sich niemand in Travemünde und dann bitten wir noch um ein Relais zur SY Waltzing Matilda in Heiligenhafen ...auch keiner da. Schade, aber wir halten nun den Ostrekord, was die Entfernung mit 25 Watt auf UKW Kanal 66, bei einer lichten Antennenhöhe von 11 Metern, an unsere deutsche Küstenfunkstelle auf Kap Arkona angeht. Bei DP07 sind wir bereits das zweite Jahr Mitglied und fördern damit den auch für uns wichtigen Austausch unter Wassersportlern.

ABER - DP07 kündigt wieder eine Böenwarnung, vom DWD herausgegeben, an. Süd-West mit 7-8 Bft. (risk of thunderstorm, sagt die polnische Küstenfunkstelle auf Kanal 25). Momentan haben wir aber nur leichte Winde aus Südost...

15:00 Uhr - Es wird schwarz vor uns.... wir haben noch 8 sm nach Kolberg ...es wird schwärzer...es wird richtig dunkel...kein Wind, also Motor an, Kampfanzug an, Segel runter und alles geprüft. Bft. 8 aus SW ?, dann kommen wir nicht mehr zum Hafen, das ist frontal von vorn ...7 sm ...5 sm ... 3 sm... 1 sm... nein wir schaffen es nicht, ein Knall - Blitze um uns herum, ja wir sind mittendrin, dann kommt der Wind… SW 8, 2 Minuten Pause ...dann kommt der Regen... Questus steht, die 7 PS bringen nichts mehr, ich schicke die Crew nach unten und setze nur die Sturmfock in Taschentuchgröße - jetzt legt unser Mädchen aber los, wir gehen auf die Kreuz, nur unter Vorsegel, die Gischt fliegt horizontal, 0,1 sm weiter in 10 Minuten, das Schiff ist verrammelt, die Crew am Funk mit Kapitanat Portu "kowobtschek" in Kontakt, die Einfahrt ist so schmal, man möchte das kleine Schiff mit Vaseline einschmieren.

Der Hafenkapitän sagt: "Da kommt einer raus! Gegenverkehr, warten." Wir können nicht warten, heute nicht, wir sagen ihm das am Funk, also rein in den Hafen mit Gegenverkehr, im strömenden Gewitterschauer mit Blitz und Donner ineinander und direkt bei uns. Bft. 8 aus SW, es knallt fürchterlich an Einschlägen um uns herum ...unglaublich, wir müssen uns auf den Kurs konzentrieren, im letzten Schlag rasen wir halbwinds in die Einfahrt, mit Vorsegel und Maschine 7,0 kn - 35° Lage - es stehen Grundseen vor und in der Einfahrt, alle sind ganz toll zu uns, die Berufsschiffe weichen aus, der Entgegenkommer legt auch den Hebel auf den Tisch und geht an der falschen Seite an uns vorbei ...aber in Luv - und das war wichtig (Manöverraum) ...wir sind drin, im Hafen, alles wird still, der Regen rauscht, die Welle ist weg, Kapitanat Portu kowobtschek winkt aus dem Glaskasten, der GPK (Zoll) will uns auch nicht sehen...es gießt wie aus Eimern, Blitz- Knall- Krawumm und immer noch bei uns. - Ach so, heute ist ja Mittsommer! - Abends ist nichts mehr mit DP07-Empfang, also wieder Deutsche-Welle-Bonn um 21:05 Uhr. Wetter: Starkwindwarnung, morgen aus Süd West....mal was anderes!

04:30 Uhr Wecken an Bord, Reise - Reise ....wir müssen los... man schaut mich ungläubig an, was da auf der Armbanduhr steht -denkt die Crew wohl bei sich - da stimmt was mit den Zeigern nicht ...nein, es ist so, wirklich wir müssen los! Um 05:25 Uhr sind wir auf See und beginnen den Weg auf der Kreuz von Neuem..... es geht die ersten 3 Stunden gut voran, aber der Rest ist bitter, genau gegen den Wind und die kurze Ostseewelle.

Der Abend entschädigt, es werden 4 Butt gegrillt. ("floandra", 1 kg für 5 Zloty, wir kaufen 2 kg für 2,35 €) …endlich - der Starkwind aus West soll heute auf Süd 3 Bft. gehen. Wir stehen um 05:00 Uhr auf und wollen direkt nach Saßnitz segeln. Dziwnow war sehr schön, und besonders gut hat es uns in der POLMAX Marina am Westufer der Ostseeeinfahrt gefallen. Ausklarieren beim GPK, diesmal müssen wir bei der Ausfahrt aus der Dziwna anlegen, es dauerte keine 2 Minuten! Unterwegs werden wir ausführlich durch die German Coast Guard von der "RÜGEN" mit zwei Umrundungen begutachtet, wird Zeit, dass die polnische Gastlandflagge `runterkommt, denken wir. - Auslaufen nach Glowe, Starkwindwarnung aus SW bis W 6 Bft., in Böen auch mehr. In Lohme geben wir auf! Eigentlich wollten wir noch 5 sm weiter nach Glowe, dort wartet Uwe auf uns, mit dem neuen Autopilot. - Telefon an Uwe, endlich bekommen wir den neuen Autopiloten.

Wir müssen weiter in Lohme pausieren, es ist sehr schlechtes Wetter und ich mache mir langsam Sorgen, wie wir die letzten 110 sm schaffen sollen. - Endlich DP07 Seefunk meldet für morgen eine Möglichkeit mit Süd-Westwindlage 5 Bft.

Um 06:00 auf See. Ziel: Warnemünde, 66 sm stehen nun an. Es geht gut los, mit Halbwind und Frühstück unter Segeln, um 07:30 Uhr haben wir den ersten großen Schauer, Flaute, dann Gewitter und nach 4 Stunden Motorfahrt geht es vor dem Darßerhaken erst richtig los. Wieder Wind gegen an, wir kreuzen uns einen Wolf bei Gegenstrom, ich will aufgeben und mich unter Land vor Anker verkriechen. Crew drängt auf Weiterfahrt, in der Nacht dann irgendwann fest im ASVW im alten Strom in Warnemünde. Auch das noch, der Hafen ist bis oben voll, in 2 Tagen ist Warnemünder Woche! Tanken und Einkaufen in Warnemünde, dann Auslaufen nach Kühlungsborn (12,7 sm), es ist wieder viel West bis SW (in Böen 9) angesagt, meine Taktik ist: … wenigstens diese 12 Meilen weniger für Sonnabend nach Fehmarn.

Vor Kühlungsborn erwischt uns wieder ein schweres Gewitter, wieder haben wir das Einlaufen durch 'Rumdaddeln' beim Kreuzen verpasst! Dann gibt es einen schweren Einschlag im Hafen, direkt vor uns. Der Hafenmeister berichtet später von den elektronischen Ausfällen in seinem Zuständigkeitsbereich. Wir kommen in strömenden Regen an.

Sonnabend, unser letzter Abschnitt steht an, der Himmel im Westen wird schon wieder schwarz, 32 sm nach Orth. Vorhersage SW 5 Bft., in Böen 9 bei Gewitter und Schauern. So kam es dann auch. Es wurde das schwerste Stück der ganzen Reise, derart viele Gewitter und Segelwechsel haben wir noch nicht in einem Juni zuvor gehabt. Wir haben Wasser im Schiff und müssen pumpen (Ursache: Der Duschschlauchdeckel an Deck stand durch die grobe See permanent unter Wasser und war nicht gesichert). Wir liegen 60° am Wind und nehmen die kurze See leider voll mit. Später wird der Kurs noch enger (wie immer im Fehmarnsund). Erst wollten wir noch im Heimathafen über Nacht bleiben, dann zieht aber doch das große Bett von daheim. Bei unserem Eintreffen in Orth setzen wir alle Flaggen unter der Steuerbordsaling, die Danzigflagge und die polnische Nationalflagge, darunter die Fehmarnflagge, die wir immer nach einem Urlaubstörn zur Rückkehr setzen. Backbord flattert weiter der jetzt lädierte TO-Stander im Wind.

Fazit:
Es war streckenweise nicht einfach, insbesondere die in der Ostsee oft auftretende dauerhafte Westwindlage macht längere Segelschläge in Richtung Ost schwer kalkulierbar. Man sollte sich dafür ein kleines Zeitpolster für die Reise lassen, so kann man den schlimmsten westlichen Starkwindlagen ausweichen. Ein Ausweichen über Bornholm und Schweden ist auch möglich. Es gab in 2004 ungewöhnlich viele extreme Wetter mit Stürmen und Gewitter im Sommer auf der Ostsee. Dennoch, wir hatten einen wunderschönen Urlaub! Um die 900 sm liegen hinter uns, wir sind auch auf unsere alte (30 Jahre), kleine Invicta 26´ "QUESTUS" (lat.: die Wehklagende) stolz. Bis auf eine Kleinigkeit hat uns auch der Motor klaglos unterstützt, dafür bekam er auch gleich einen Getriebeölwechsel.

Wir wurden vom Wetter hart getestet, von den Wellen auf 26 Füßen richtig durchgeklopft und für 2005 gilt: Wir gehen wieder nach Osten. - Vor wenigen Wochen wurden die polnischen Segel und Persenninge aus Danzig geliefert. Es ist wirklich alles beste Qualität, die Tücher stehen perfekt. - Die Marina Polmax in Dziwnow war von allen Liegeplätzen uns als am schönsten gelegen aufgefallen, die werden wir auf jeden Fall wieder einmal besuchen. Noch lange werden wir an unseren preisgünstigen aber erlebnisreichen Polentrip denken. Überall sind uns freundliche Polen begegnet, schade nur, dass es heute noch so wenig einheimische Fahrtensegler auf dieser Strecke gibt. Vielleicht ändert sich das mit dem EU-Beitritt. Wir würden es unseren Segelkameraden in Polen von Herzen wünschen!

Brückenöffnungen (in der Reihenfolge der Fahrt von West nach Ost):

Klappbrücke Stralsund ( Ziegelgrabenbrücke )
05:20 Uhr, 09:20 Uhr, 17:20 Uhr, 21:20 Uhr,
02:30 Uhr (Anmeldung)

Klappbrücke Wolgast
05:40 Uhr, 07:40 Uhr, 12:40 Uhr, 16:40 Uhr, 20:40 Uhr, 23:30 Uhr (Anmeldung)

Klappbrücke Zecherin
05:35 Uhr, 08:35 Uhr, 12:35 Uhr, 16:35 Uhr, 20:35 Uhr

Drehbrücke Wollin
Werktäglich 08:00 Uhr und 14:00 Uhr, um Brückenöffnung persönlich bitten (unter der Brücke am Westufer), beidseits gute Anlegemöglichkeit, Vorsicht es kann Strom setzen!

Klappbrücke Dziwna in Dziwnow (hinter den Liegeplätzen in Richtung zur Tankstelle)
Täglich alle geraden Stunden (08:00 Uhr - 10:00 Uhr usw.) Ruf auf Kanal 10 oder 71 an Kapitanat Portu Dziwnow zur Voranmeldung und/oder 10 Minuten vorher auf den gleichen Kanälen an Most Dziwnow (Most=Brücke), die nicht immer besetzt ist!

Schubbrücke Darlowo
Täglich tagsüber zur jeden vollen Stunde ohne weiteren UKW Ruf (vor der Brücke aufhalten, nicht festmachen, zur Nachtzeit gibt es Sperrungen).

Literatur:

  • Hafenhandbuch Sejlerens Nr. 4, neueste deutsche Ausgabe 2004 mit großem Polenteil und kostenlos bei fast jeder deutschen Marina.
  • Polnisches Hafenhandbuch (in Polnisch) von Stettin bis Elba ( ? ) (Bezugs e-mail: smart@smart.gda.pl) ISBN 83-906791-2-4 oder Hafenhandbücher vom BSH.
  • Anfang 2005 (Bootsmesse Düsseldorf) wird bei einem großen deutschen Verlag ein sehr aktueller und neuer Revierführer für Polen und Litauen erscheinen.
Seekarten:

(nur 2 Bezugsmöglichkeiten von vielen)

  1. Nautische-Verlagsgesellschaft mbH in 24399 Arnis www.nv-verlag.de, www.maptech.de Ostseekartensätze 2 (Lübecker Bucht) und 4 (Rund Rügen + Stettin) umfasst auch die detaillierte Dziwna Durchfahrt.
    Ferner die digitalen Seekartensatz NV Verlag Ostsee CD 2 + 4 (enthalten im o.a. Kartensatz) sowie die Maptech BALTCD 3 Kolberg to Riga (extra).
  2. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
    www.bsh.de
    Sportbootkartensatz Polen 3020, 3021, 3022
    und Deutschland 3005, 3006, 3007 und 3008
Das polnische Grenzboot an Tonne 17 im Haff führt keine Klarierung durch, es überwacht sie lediglich und weist die Einreisenden an, die unten aufgeführten Zolldienststellen aufzusuchen, bzw. kontrolliert von den aus Polen Ausreisenden, ob und wo sie in den u.a. Zollstellen klariert haben! (Klarierung mit Pässen, Bootspapiere und ohne Crewlisten)
Einklarieren von Deutschland nach Polen
Weg über nach Einklarierung in
Das kleine Haff Stettin Trzebiez (Ziegenort)
Das kleine Haff See Swinoujsce (Swinemünde)
Das kleine Haff See Nowe Warpno (Neuwarp)
Das kleine Haff See via Dziwna Nowe Warpno (Neuwarp)
Das kleine Haff
See (z.B. von Rügen) Polen allen polnischen Seehäfen*
  *nicht in Mrzezyno (bei Kolobrzeg)


Orte
von Orth/Fehm. nach
Distanz* sm
einzel
Distanz* sm
gesamt
UKW-Verkehr mit Kapitanat Portu
(Bosmanat) / GPK (Zoll)
und (so vorhanden) Marinas über Kanal:
Tankmöglichkeit**
Diesel/Benzin

Warnemünde

41

41

Warnemünde-Traffic 73

Im alten Strom (Warnow)

Stralsund

55

96

Stralsund-Traffic 67

Nur Diesel am Querkanal

Kröslin

29

125

keine Angaben

In der Marina

Ückermünde

37

162

keine Angaben

Nähe zum Segelclub Stb.

Nowe Warpno

12

174

keine Angaben

keine Angaben

Wolin

17

191

71, kein Zoll am Ort

Stadttankstelle 2 km

Most Wolin

. .

71 (nicht immer besetzt)

.

Dziwnow Fischerhafen

14

205

10 und 71, Zoll nur 71

Flusstankstellei.d. Dziwna

Dziwnow POLMAX

. .

Marina kein UKW, Zoll 71

wie vor

Most Dziwnow

. .

10 (nicht immer besetzt)

.

Kolobrzeg

31

236

12, Marina auch 12

Stadttankstelle 3 km

Darlowo

37

273

12

Stadttankstelle 3 km

Ustka

29

302

12

nur Diesel am Hafen

Leba

30

332

12, Marina 12, 14 und 17

in Marina und im Stadthafen

Wladyslawowo

34

366

10

Stadttankstelle-weit entfernt-

Hel

23

389

10

keine Angaben

Gdansk City

21

410

14, Marina 14 und 04

Stadttankstelle 2 km


* die Distanzen verstehen sich als reale Strecke im Fahrwasser ** angegeben sind nur Tankstellen die „PKW Qualität" anbieten




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Letzte Änderung / Last change: Sonntag, 31. Oktober 2004