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Porto Santo - ein paar Richtigstellungen
Artikel: Porto Santo - Insel mit zwei Gesichtern

von Wolf-Walter Ernst, E-Mail: canariascharter@ctv.es

Der Text von Dieter Schreiber über die zwei Gesichter Porto Santos liest sich gut und bedient fleissig Klischees, die schon seit längerem in die Welt gesetzt wurden.

Dass dabei etliches nur vom Hörensagen stammt, kann ich sicher behaupten, denn Dieters Text stammt vom Oktober 2002, aber die meisten Aussagen gegen den "bösen Senhor Miguel" hörte ich aus anderem Mund schon bei Besuchen in der Marina vor dieser Zeit.

Fragen wir also weniger, wo sie herstammen und welchen Zweck sie verfolgen, sondern lediglich, was von deren Richtigkeit zu halten ist:

1. Aussage:
die Marina war, als sie privatisiert wurde, keinesfalls in gutem Zustand, sie war verlassen und ohne Aufsicht, aber dafür sehr billig bis kostenlos. Das hörte mit der Privatisierung auf und man kann das bedauern oder auch nicht.

2. Aussage:
Rettungsmittel waren in der ersten Phase sehr wohl montiert, man sieht heute noch die Spuren der Befestigungen auf dem Steg, aber sie wurden schlicht nach und nach von Yachties geklaut. Zur Zeit werden in der Werkstatt moderne geschlossene Kästen mit Notverschluss hergestellt, die Rettungsmittel und Feuerlöscher enthalten. Wer in die Werkstatt geht, kann sich über den Fortgang der Montage überzeugen.

3. Aussage:
Ich weiss nicht, welche Standards es für Sanitäranlagen gibt, aber die dortigen Anlagen sind in etwa denen in Pto. de Mogán, immerhin dem Renommierhafen der Kanaren vergleichbar. Ich bestehe aber darauf, dass unsere - ich wohne in Puerto de Mogán - Anlagen ungepflegt und vor allem zu knapp ausgelegt sind. In Porto Santo gibt es für weniger Liegeplätze z.B. mehr Duschen und Klos.

4. Aussage:
Erste-Hilfe-Ausbildung hat nicht ein einziger Marinero in unseren (teureren) Marinas hier, ich bezweifele auch, dass dies z.B. in den Balearen-Marinas der Fall wäre. Oder z.B. in der Marina Cux in Cuxhaven oder auf Helgoland, wo es gar nicht erst Marineros gibt.

Erste Hilfe ist jedoch gerade in Porto Santo sehr, sehr nahe: die Inselklinik liegt gerade mal 10 Gehminuten vom Hafen, noch vor der Stadt. Wenn im Falle dieser Propeller-Verletzung Hilfe aus Madeira kommen musste, dann hat das sicher ganz andere Gründe gehabt und lag vielleicht an den begrenzten Möglichkeiten der lokalen Klinik. Von einem Marinero sollte man aber nicht mehr erwarten als von einer Inselklinik und etlichen lokalen Ärzten, nicht wahr?

5. Aussage:
Im März 2002 hat jedenfalls Lloyds Register Yacht Service (mit Sitz in HH) keinerlei Bewertung der Marina vorgenommen. Eine solche geschieht auf Anforderung - die Marinaleitung hat sie nie angefordert, LRYS hat sie nie durchgeführt und auch niemanden ermächtigt, nach "ihren Kriterien" zu bewerten. Dies ist eine schlichte Lüge und kann durchaus ein Nachspiel haben, denn die Marinaleitung - Deutsch spricht man dort wirklich nicht, was sicher eine Schande ist! - hat erst durch Schreibers Veröffentlichung und meine Nachfragen von dieser Aussage erfahren.

6. Aussage:
die Marina-Preise liegen auf vergleichbaren Niveau in unserer weiteren Region, wenn auch im oberen Feld. Wirklich hohe Preise habe ich auf den Balearen und z.B. auf Sardinien bei teils vergleichbarem Service erlebt und dennoch waren die Häfen voll.

Niemand muss eine Ware kaufen, wenn sie ihm nicht gefällt und obendrein als Wucher erscheint. Aber es gibt in Porto Santo immer ein gutes Kontingent an Yachten aus Frankreich, England, Skandinavien z.B., deren Eigner die Marina positiv sehen und deren Berichte sich in der Fachpresse ihrer Länder sehr wohl widerspiegeln. Es gibt auch Positiv-Berichte von TO-Yachten, die sicher irgendwann auch in unser Magazin Eingang finden werden.

7. Aussage:
die Madeira-spezifische Steuer beträgt tatsächlich 10% und ist einer MWSt vergleichbar, wenn sie auch anders definiert wird. So etwas gibt es bei uns auf den Kanaren und auf allen peripheren Archipels der EU. Die englische Übersetzung ist eigentlich korrekt, denn im Portugiesischen heisst sie ebenfalls Steuer. Allerdings hat sicher niemand behauptet, dass sie für die Infrastruktur der Marina erhoben wird, das vertrüge sich ja nicht mit einer Steuer, die an den Fiskus abzuführen ist.

8. Aussage:
eine deutsche Preisliste gibt es nicht - richtig, das ist verdammenwert! In der Marina - Büropersonal und Chef - spricht man tatsächlich neben Portugiesisch nur Französisch (hervorragend), Englisch (sehr ordentlich) und Spanisch (klingt manchmal lustig). Wir sollten Deutsch als Weltsprache fordern, einverstanden?

9. Aussage:
also, entweder kostet der Travellift 277,08 Euro für 2 Bewegungen oder es gilt ein Preis per Stunde! - Nun, ich kenne die Tarifstruktur der Marina. Zwei Bewegungen sind gemeint, die vielleicht nur eine Stunde dauerten? Aber mit 1 - 2 Beschäftigten, Abpallen etc., nicht wahr? In den Marinas der Kanaren hätte der gute Mann etwas über 300 Euro bezahlt.

10. Aussage:
die Arbeitsstunde in kanarischen Werft- und Fachbetrieben für Yachten liegt zwischen 36 (z.B. GFK-Arbeiten) und 75 Euro (Elektroniker) Dazwischen alle Bandbreiten, z.B. 45 Euro für den Segelmacher. Und der Facharbeiter-Lohn hat weder in Portugal noch in der BRD eine direkte Relation zum Stundensatz einer Werkstatt.

Mein Fazit nach gründlicher Recherche vor Ort:
Asistancia Náutica bemüht sich, umfassende und korrekte Leistungen anzubieten und fordert dafür - bedauerlicherweise - landes- und revierübliche Preise. Die Marktwirtschaft ist leider so, sie setzt sich global durch und verdirbt die Eingeborenen völlig!

Im Vergleich der Marinas im Revier der Atlantischen Inseln insbesondere auf dem Weg in die Karibik liegt sie im guten Mitteldfeld, hat aber einen unbestreitbaren Vorteil - es gibt hier speziell im Sommer und Herbst sowohl im Wasser als auch auf der Werft mehr freie Kapazität als auf den Kanaren. Die Werkstätten sind sauber und gut geführt, der Stellplatz im Freien wartet mit vorbildlichen Einrichtungen zum Abpallen auf und in der geräumigen Lackier- und Laminierhalle können auch umfangreiche Arbeiten an grossen Yachten durchgeführt werden.
Die Marina ist einen Besuch wert und die Insel ist es allemal.



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Letzte Änderung / Last change: Mittwoch, 15. Januar 2003