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Porto Santo - Insel mit zwei Gesichtern
von Dieter Schreiber
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Porto Santo ist dank des 9 km langen goldgelben Sandstrandes überwiegend die Ferieninsel der wohlhabenden Madeirenser. Die Insel ist schön, sie ist anders als Madeira, anders als das Festland Portugals. Neben hohen Bergen (bis 530 m) mit wunderschönen Wanderwegen - die Inselkarte gibt es kostenlos im "Turismo" Büro - bietet sie je nach Jahreszeit blühende Wiesen oder braunes Gestrüpp, Pinienwälder an den Berghängen und kahlen Fels auf den Leeseiten. Das eigentliche Kapital der Insel sind für uns die Portosantenser, die oft ihre bäuerliche Vergangenheit nicht verleugnen können oder wollen. Die Insel ist einen längeren Besuch wert. Die zweite Seite sind die Einrichtungen für Yachten. Die Marina im Porto Abrigo einschließlich des Hafengrundes wurde vor 4 Jahren in gutem Zustand privatisiert und von einem Senhor Miguel der privaten Firma Assistencia Nautica übernommen. In dieser Zeit haben sich die Verhältnisse in der Marina in dramatischer Weise verändert. Die bestehenden Steganlagen werden kaum gepflegt; die Bojenreihen für ehemals ca.10 Boote sind zum großen Teil abgesunken und stellen mit ihren unter Wasser schwebenden Tauen eine ernste Gefahr für die Propeller dar. Die noch bestehenden Bojen gelten als marode. Trotz der Möglichkeit der Änderung sind die Befestigungsklampen auf den Schwimmstegen auf zu schwachen Fingern oft an falschen Positionen angebracht. Es fehlen jegliche Rettungsmittel wie Rettungsringe, Leitern, Feuerlöscher und so weiter, die Stege sind nicht abschließbar. Die Sanitäranlagen entsprechen nicht dem untersten Standard. Die falsche Absicherung der elektrischen Anlage mit 300 mA - FI-Schaltern auf dem seeseitigen und keinen FI-Schaltern auf dem landseitigen Steg kann unter besonderen Umständen Lebensgefahr bedeuten. Das Personal hat nach Aussage eines Augenzeugen keine Erste-Hilfe-Ausbildung. Im Fall eines durch einen Propeller verletzten Seglers mußte über Madeira Erste Hilfe angefordert werden! Die Liste der Mängel ließe sich beliebig fortsetzen. Im März 2002 erfolgte nach den Kriterien von Lloyds Register Yacht Service eine Beurteilung der Marina. Das Ergebnis: Von 130 möglichen Punkten erhielt die Marina 24 Punkte und damit das Prädikat "Mangelhaft". Dem gegenüber stehen Preise, die angesichts der beschriebenen Qualität nur als Wucher bezeichnet werden können. Für ein 11 m Schiff pro Tag 16,62 Euro plus z.Zt. 10% Taxa, in der englischen Übersetzung völlig irreführend als Tax in der Bedeutung von Mehrwertsteuer bezeichnet, (das Geld soll angeblich zur Verbesserung der Infrastruktur der Marina ausgegeben werden?!), am Mooring oder am eigenen Anker im Hafen 9,07 Euro plus Taxa. Ein 20%iger Aufschlag auf die gültigen Preise ist für den Fall vorgesehen, dass die Yacht verlassen wird, wenn sie vor Anker oder an einer Mooring liegt. Für eine Zwei-Personen Crew ist damit gemeinsames Brötchenholen wohl nicht möglich. In der französischen Übersetzung gilt diese Regel nur im Fall einer achttägigen Abwesenheit. Es erfolgt kein Hinweis auf den 10% Rabatt bei wöchendlicher Vorauszahlung. Eine deutsche Preisliste gibt es nicht. In diesem Jahr hat es bereits mindestens 2 Preiserhöhungen gegeben. Der Travellift kostet für 2 Bewegungen 277,08 Euro, je Stunde! Preise im Boatyard bis zu 21,16 Euro pro Tag, wenn man z.B. einen externen Dieselspezialisten braucht, alle Preise für 11 m Bootslänge. Die Arbeitsstunde durch die Assistencia Nautica kostet zwischen 31 und 71 Euro. 6-7 Euro pro Stunde verdient dagegen ein Facharbeiter auf Porto Santo. Unsere Empfehlung: Wenn Porto Santo als wirklich lohnenswertes Ziel gewählt wird, dann sollte man bei NW-ONO vor dem Strand ankern und mit dem Dinghi an den Steg der Fischer vor der festen Innenmole im Hafen anlanden (die Fischer fragen!). Beim Festmachen in der Marina wurde für das Dinghi bereits ein "Liegegeld" von 2-3 Euro verlangt! Bei vorhergesagtem SW nach Funchal segeln und dort im Hafenbereich ohne Gebühren ankern. Wenn man in Porto Santo in den Hafen muss, selbst ankern und sich nicht in die Marina nötigen lassen; auf keinen Fall Liegegeld für die Liegezeit vor dem Hafen zahlen, wie mehrfach gefordert wurde. |
