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Brisbane - Sydney - Hobart
Catamaran ZERO GRAVITY, Klaus Schmidt
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Mit 2 Nichtseglern angenehmer Törn von Brisbane nach Sydney. ACHTUNG, viele Häfen auf dieser Strecke sind Flusshäfen mit oft gefährlichen Barren. Am besten mit 4. Flutstunde einlaufen aber vorher durch die Volunteer Coastal Patrol Informationen über VHF 16 einholen. Diese Voluntäre begleiten Yachten auf vielen der Küsten Australiens und reichen die Schiffe von einer Station zur anderen weiter. Gut und professionell. Sydney - ohne Frage einer der beeindruckensten Häfen der Welt. Tausende von Schiffen, jeden Tag irgendwo Regatten, Segelvereine überall, 600 Meilen Küste in dem Sydney Hafen/Bucht, dazu das Opernhaus und die Brücke, eine Stadt der Weltklasse. Liefen mit 9 NM Speed und 25 NM Wind an der Raume durch die Heads ( Einfahrt mit Felsen Steilküste auf beiden Seite ) in die Bucht ein - toll. Natürlich teür und schwierig einen Anleger zu finden, besonders für einen Katamaran. Hatte Glück und konnte 12 Tage an einem Dock des Cruising Yacht Clubs of Australia ( Veranstalter der jährlichen Sydney-Hobart Regatta )sehr zentral, natürlich nicht billig, liegen. Alle Arbeiten können hier gemacht werden und daher ideal für mich, neüs Trampoline, neü Segelverkleidung für das Gross über dem Baum, neü Cockpitverkleidung und für die rauheren Seen die ich weiter südlich erwartete liess ich mir eine orange farbenen Sturmfock schneidern. Die wird über die eingerollte Genoa gestülpt, hat eigenes Fall und eigene Schoten. In Brisbane hatte ich Zero Gravity bereits mit Fallschirm Seeanker, Fallschirm Drogü und 6 Personen Rettungsinsel ausgerüstet. Damit war das Schiff recht komplett. Ankern kann man in Sydney auch. ZG lag an 3 Ankerplätzen, in der Farm Bay, nächste Bucht vom Opernhaus an den Botanischen Gärten mit Blick auf O. Haus und Brücke ( nur Anleger für das Beiboot gibt es nicht ). Weiterhin ankerten wir vor dem Zoo, auch recht zentral und vor Manly. Mit neuer Crew die Küste New South Wales gen Süden nach Eden. Eden ist an der Südost Ecke Australiens, der letzte Hafen vor der berüchtigten Bass Strait. Hier sollte man auf günstiges Wetter für die überfahrt nach Tasmanien warten. Wir ankerten für 3 Tage und machten dann den 360 NM Schlag zur Wineglas Bay in Tasmanien. Die Bucht sollte man sich nicht entgehen lassen. Bevor die englischen Steuerzahler der Königin die Brittania wegnahmen, war sie wiederholt hier und nannte diese Bucht, die schönste Bucht die sie in aller Welt kenne.. Ich setzte ZG bei 75% Flut auf Land und wir reinigten das Unterwasserschiff. Von hier ein langer Tag nach Hobart. Der Wind frischte auf und aus den angesagten 30 NM wurden 45. ZG lief mit Doppelgerefftem Gross und 10% der Genoa 9 - 11 NM an der Raume. Von Süden kommend umrundet man die Tasman Insel und segelt in die Storm Bay und dann in den Derwent Fluss nach Hobart. Wir segelten in die Sturm Bucht, ca 1/2 NM von der Tasman Insel enfernt als ich an Steürbord mit etwas Schrecken die Fallbö/Williwaw, mit aufgepeitschtem Wasser auf uns zu rasen sah. Wir konnten noch gerade das Gross fallen, aber nicht sichern, als der Wind einfiel. Ich sah nur eine 8 links auf der Windgeschwindigkeitsanzeige, an rechts kann ich mich nicht mehr erinnern, dann ging es auf 0. Der Windmesser hatte sich von der Mastspitze verabschiedet ( $ AU 492 ). Als nächstes ein verbrannter Geruch, ein lautes Knallen und dann ein entsetzliches Knattern. Ohrenbetaübender Lärm. Der Code Zero, 80 Quadratmeter aus Kevlar, das vor der Genoa aufgerollte, Leichtwetteervorsegel, war zerfetzt ( AU $ 6.000 ). Das Segel war stramm eingerollt. Es brauchte wohl nur eine kleine Ecke wo die 80 NM plus Wind reinpusten konnten und das war es. Inzwischen richtete das nicht verstaute Grosssegel einigen Schaden an der Segeltasche und den Lazy Jacks an. Tja, dann war da noch die BBQ Abdeckung, die war auch weggeflogen. Die crew guckte mich ängstlich und entgeistert an. Ich hatte inzwischen beide Diesel gestarten und lief unter Motor und mit der 10% ausgerollten Genoa vor dem Wind ab. Ein Katamaran kränkt ja so gut wie garnicht und deflektiert damit auch nicht den Wind. Der Spuk dauerte keine 5 Minuten, dann ging der von mir geschätzte Wind auf 50 - 60 NM und wurde weniger und weniger, je weiter wir uns von der Tasman Insel entfernten. Das war ein VENTURI Effekt, klar ich war zu dicht unter der Insel, hatte davon aber auch in keinen Segelanweisung gelesen. In Hobart, wie auch durch Andreas Wagner, TO Stützpunkt Hobart, hörte ich dann das die Tasman Insel dafür bekannt ist. Kommt hier vor, nicht regelmässig aber gelegentlich und ich bin nicht der erste den es hier erwischt hat. Wäre schön wenn es in den Segelanweisungen stehen würde. Ich rief dann Hobart Harbour Control an und die sagten nur, kein Problem in H., hier blässt es nur mit 15 NM. Ein 18 Meter Katamaran, den wir dann in H. trafen und der 1 Stunden vor uns um die Tasman Insel kam, hatte NUR 56 NM Wind. Wir besuchten das historische Hobart, machten Reparaturen und hängten uns an das Ende einer Depression, die gerade von SW durchgezogen war, setzen Segel und Kurs nach Bluff, Südspitze der Südinsel Neuseelands. Es sah nach 5 Tagen einigermassen günstigen Wetters aus. An Bord war ein Ehepaar aus meinem Klub, Royal Victoria Yacht Club, Victoria, BC, Kanada. Die beiden sind Segler aber nicht ' offshore '. Beide waren auf der Sydney-Hobart Passage seekrank aber bekamen das mit Medikamenten in den Griff. Ich war etwas erstaunt das die beiden weiter mit machen wollten und hatte mich bereits auf eine Solopassage vorbereitet. Die ersten drei Tage waren Wind und See wie erhofft. 20 - 35 NM Wind aus SW oder NW. Leider wurde meine CREW bereits am ersten Tag seekrank und mit jedem Tage stand es schlechter um die beiden. Eine Konseqünz war das ich weniger Segel setzte und konservativer/langsamer fuhr. Etmal am ersten Tag 155 NM. Am 4. Tage kam dann die erste ' gale ' aus NW und brachte uns recht weit vom Kurs, etliches südlich vom 46 Breitengrad. Die Wellen waren als ' rough to very rough ' angesagt und so waren die auch. Meine Crew war in einem entsetzlichem Zustand, krank, schwach, seit Tagen kein Trinken und Essen, die konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten und lagen mehr oder weniger permanent in der Koje. Nach der ersten ' gale ' wechselhafte Winde und dann kam die nächste ' gale' , diesmal aus SW, angesagt bis zu 45 NM Wind und ca 48 Stunden Daür, See sehr rau. Ich versuchte weiter zu segeln, sehr konfuse Seen aus verschiedenen Richtungen, rutschte manchmal seitlich die Wellen runter, lief dann sicherer aber sehr langsam höher in Wind und Wellen. Nachmittags am 5. Tag, es wehte mit 40 Kn in Böen jetzt die Frage, was mache ich in den nächsten 48 Stunden. Vor dem Wind mit dem Drogü in die verkehrte Richtung ablaufen = aktives Segeln aber ermüdend. Manüll zu steürn, nachts die Berge rauf und runter, wie lange könnte ich das alleine machen? O.k. für diese Situation hatte ich ja den Fallschirmanker an Bord. Hatte so ein Ding noch nie gesetzt und anstatt wie vom Hersteller geraten, es einsatzbereit an Deck zu haben, lagen der Anker, 100 Meter dicke Leine, 20 Meter Bridle, Boje und 10 Meter Bojenleine, verstaut vorne an Steürbord in einer Lucke von der man nur über Deck hin kommt. Also in die Lucke, Leiter runter, grüne Seen kommen mit in die Lucke, hievte das schwere Gechirr nach draussen, baute es auf dem Trampoline von Wellen gewaschen zusammenen, unbedingt alle Schäkel mit Nirostadraht sichern, setze den Anker dann auf der verkehrten Seite aus ( immer auf der Windward Seite aussetzen, nie auf der Leewardseite, aber das sah mir verkehrt aus). Boje und Bojenleine verheddern sich unter dem Steuerbord Ruder und Schraube. Der Treibanker hing lustlos und desinteressiert 5 Meter hinter dem Schiff. Ausser der Bojenleine hatte auch der starke Fischhaken der Treibangel, für 20 Pfund und grössere Thunfische, sich den Fallschirm geschnappt. Kappte beide Leinen und endlich drehte sich das Schiff, der Fallschirm öffnete sich und Zero Gravity lag vor Anker. 4000 Meter Wasertiefe, ca 450 NM von Tasmanien entfernt und ca 400 NM von der Südspitze der Südinsel Neuseeland entfernt. Elektronische Kommunikation hat mich noch nie besonders interessiert und leider konnte ich weder das HAM Radio noch das SSB an Bord bedienen. VHF o.K. und da meine Partnerin in Victoria, Kanada, von mir hören wollte, hatte sie mir noch gezeigt wie ich sailmail per Laptop senden und empfangen konnte ( nur Abends 2-3 Stunden ). Nun schrieb ich ein paar emails, u.a. gab ich Maritime Rescü AU und NZ bekannt wo ZG vor Anker lag um mögliche Schifffahrt darauf aufmerksam zu machen, ersuchte um einen Wetterbericht und berichtete über den Gesundheitszustand meiner crew. Weiterhin schrieb ich an Alby McCracken, den australischen Hersteller des Seeankers. Es wurde Nacht, in Böen waren es jetzt 50 NM Wind, die brechenden Seen schätzte ich auf 6 Meter, Brecher stürzten über dem Schiff zusammen. Wie konnten die 12 Scheiben des Deckhauses diese Kräfte aushalten, wie das Schiff allgemein, so stark können diese Schiff doch garnicht gebaut sein? ZG stampfte, schüttelte sich, ruckte wie verrückt nach Backbord, dann nach Steürbord. Ohrenbetäubender Lärm. Männliche Crew comatos in der Koje, weibliche Crew klammerte sich an mich, weinte, stöhnte, kroch am Boden, Todesangst, ersuchte mich wieder und wieder den EPIRB zu aktivieren, den Mayday auszurufen. Mir war auch recht mulmig zu Mute. Versuchte zu erklären das wir nicht in unmittelbarer Lebensgefahr sind, das jede Seite des Katamarans 4 abgedichtete Schotten hat, das auch wenn wir kentern sollten, das Schiff schwimmfähig bleiben wird. Ohnehin inzwischen Nacht. Für eine Hubschrauber Rettung sind wir zuweit von Land. Rettung durch einen möglichen Frachter sehr, sehr gefährlich. überlegte mir wie ich an den EPIRB, an die Rettungsinsel komme, sollte der Mast nach unten zeigen. 13 Grad Aussentemperatur, Wasser 10 Grad, was mache ich eigentlich hier unten? Ich muss zwei Sinne ausschalten, keine Freude mehr von diesem wilden Meer zu sehen, ziehe alle Vorhänge zu und stopfe mir weiche Ohrenstöpsel tief in die Ohren. Gleiches für die Crew. Essen, trinken, schlafen. Der nächste Tag das gleiche. Bekomme Wetterberichte, es wird noch 24 Stunden so bleiben. Alby, Hersteller rät mir das Schiff nicht aufzugeben, sein Seeanker wird Zero Gravity durchbringen. Maritime Rescue AU und NZ wollen wissen wie es mit der Gesundheit der Crew aussieht. Sehr, sehr schlecht. Erhalte Warnungen per email das nach 5 - 6 Tagen ohne Flüssigkeit, akutes Nierenversagen sehr bald der Fall sein wird. Einmal am Tag gehen/kriechen die beiden Crewmitglieder zur Toilette, ein wenig dunkel oranges Urin. Die beiden können nicht mehr schlucken. Informiere Maritime Rescü AU und NZ. Alles schön und gut das Schiff zu retten, hier geht es jetzt über das Leben von zwei Menschen. Die nächste Nacht das gleiche. Am nächsten Morgen dann nur noch Wind von 25 - 30 Knoten. Will den Seeanker ( $ 2.500 ) nicht aufgeben, vielleicht brauche ich den noch einmal vor Neusseeland. Ersuche die Crew, sollten sie noch ein bisschen Energie haben, um Hilfe. Einer muss per Diesel in Richtung des Treibankers fahren, der andere meine Zeichen weitergeben. Die beiden sind hilflos, verstehen nicht worum es geht, irgendwie ziehen sie sich doch Ölzeug an und helfen gerade lange genug, damit ich auf dem Trampolin liegend, den Treibanker einziehen kann ( nicht so einfach ). Segel setzen und es geht weiter in Richtung Bluff. Bin in grosser Angst um die beiden. Fünf Stunden später, VHF 16, Containerschiff Edith, ca 25 NM entfernt hatte Kurs geändert um ZG zu treffen. 2 Stunden später Rendevouz mit der Edith. Kein Arzt an Bord, Crew des Frachters nicht für Übernahme einer kranken/schwachen Crew von einem Segelschiff trainiert. Edith schlingert in der hohen See. Unmöglich für meine Crew ein Cargonetz oder eine Jacobsleiter die 10 Meter Bordwand hoch zu klettern. Weiss nicht ob ich das könnte. Bedanke mich. Edith bleibt noch eine 1/2 Stunde bei uns. Der nächste Tag bringt die Rettung für die Crew. 100 Meilen enfernt ist das Kreuzfahrtschiff Sapphire Princess. Wir treffen uns, professionelle Übernahme meiner Crew, Arzt, Krankenhaus, IV drips, enorme Erleichterung bei mir, habe Tränen in den Augen die Verantwortung für die beiden jetzt nicht mehr zu haben, sie in professionellen Händen zu wissen, nehme Brot und Whisky dankend vom Kapitän an, lehne Angebot eines Crew Mitglieds des Schiffes, mit mir zu segeln ab. Bekomme Genehmigung Milford Sound, ca 200 NM gen Ost als Nothafen anzulaufen. Wind und See haben mich weiter und weiter nach Norden gedrückt. Konnte Bluff nicht anlegen. In den Milford Sound segeln ist für mich wie in die kanadischen Rocky Mountaine, zu segeln. Zoll und Einwanderung warten in diesem inoffizielem Hafen, werde nach NZ einklariert und schlafe 16 Stunden. Klaus Schmidt, 12.37m x 7.00 m x 1.20m- Lagoon 410 Katamaran PS Was habe ich verkehrt gemacht/gelernt? Vieles. Am wichtigsten: 1.) Ausrüstung wie Fallschirm Treibanker fertig an Deck zum Einsatz haben. 2.) Wenn man Verantwortung für Andere übernimmt und z.B. SSB an Bord hat, sollte man es auch beherrschen. HERSTELLER DES FALLSCHIRMSEEANKERS UND DROGüS AN BORD ( die werden in vielen Grössen, u.a. auch an die Fischereischiffe in der 'wilden' Bass Strait geliefert ). ERSTKLASSIGE, STARKE UND JETZT DAS WICHTIGSTE GESCHIRR FüR DAS üBERLEBEN DER MANNSCHAFT AUF DER ZERO GRAVITY. PARA-ANCHORS AUSTRALIA, ALBY MCCRACKEN, ALBY@PARAANCHORS.COM.AU, PHONE 61(0)3 5144 1244 |
