Print pageprinter.gif 15x15 Letzte Änderung / Last change: Dienstag, 28. Juli 2009 Translate
back-revier.gif 300x15
nz-alaska.jpg 300x240
Karte gross
Von Neuseeland nach Alaska
in einer Saison

von Susanne Huber-Curphey SY.So Long
and SY. Galenaia E-Mail: susanne_tony@web.de

?
Dies ist ein Bericht ueber unsere ueber 9.000 Seemeilen lange Seestrecke und keine Laenderbeschreibung fuer Yachttouristen, denn wie wunderbar Neuseeland ist, wieviele Yachten in den Marquesas ein Paradies fanden, oder wie abgelegen Kiribati ist – das wurde schon haeufig beschrieben.

Um in nur etwa 5 Monaten von Neuseeland nach Alaska zu segeln, muss man zwischen den Jahreszeiten der suedlichen und der noerdlichen Hemisphere im Pacific jonglieren. Wir wollten im Hochsommer auf 40º S starten und zu Beginn des kurzen Sommers auf fast 60º N in Kodiak, Alaska ankommen.

Auf der direkten Route via Fiji herrscht bis Ende April Cyclonegefahr, man hat also keine Zeit fuer Stops in Pacific Inseln und muss gegen den SE und NE Passat anknueppeln. Eine weitere Alternative ist es, via Japan nach Alaska zu segeln, das ist jedoch in einem halbem Jahr zumindest fuer kleinere und damit langsamere Yachten zeitlich nicht moeglich.

so-long01.jpg 1178x1048
"So Long" und "Galenaia"
Es hat sich herumgesprochen, dass Tony und ich beide einhand segeln und trotzdem (oder vielleicht deswegen?) gluecklich verheiratet sind:

Tony segelt auf GALENAIA, eine robuste Sperrholzsloop, Kutterrigg, 27 Fuss Rumpflaenge mit Bugspriet, Baujahr 1958, 16 PS Yanmar Diesel, (bis vor kurzem nur mit 5 PS Aussenborder). Ich segle auf SO LONG, ein klassischer Langkieler, GFK, ebenfalls Kutterrigg, 41’ ü.A., 28’ Wasserlaenge, Baujahr 1964, 27 PS Yanmar Diesel.

Es hat sich ueber zahlreiche Seepassagen gezeigt, dass ich auf So Long mit Etmalen von 120 sm rechnen kann, wobei ich bei Flaute auch gerne sehr langsam segle oder treibend auf Wind warte und kaum motore. Im Southern Ocean reduziert sich das Durchschnittsetmal auf etwa 100sm.

Da Galenaia ein wesentlich kleineres Boot ist, kann Tony nur mit Etmalen von bestenfalls 100sm bzw 80sm kalkulieren.

Im Suedpacific herrscht von Dezember bis Ende April Cyclonegefahr, von den Marquesas bis Australien. Es war deshalb unser Plan, in der Westwindzone des Southern Ocean bis zur Laenge der Gambier/Tuamotugruppe nach Osten zu segeln (3.200 sm), also suedlich der Cyclonegefahr. Dann nach Norden zu den Marquesas (850 sm) und danach zu den selten besuchten Line-Islands (Kiribati), die nahe am Aequator suedlich von Hawaii liegen (1.400 sm). Hurricangefahr herrscht in Hawaii im Nordsommer. Danach direkt nach Alaska (3.600 sm), ohne in der Inselgruppe von Hawaii zu stoppen. Dafuer gab es drei Gruende: Zum Einen ist es ein Schlag hart am Wind, zweitens blieb dafuer nur wenig Zeit uebrig und drittens ist mein Bordhund Honey in Hawaii bei strikter Quarantaene nicht erwuenscht. Also insgesamt etwa 9.000sm in vier Etappen und in Form einer riesigen S-Kurve.

cook-strait.jpg 300x225
In der Cook Strait
NELSON - COOK STRAIT
(4.-5. Febr. 2009, 100 sm)

Wir lagen in Nelson, auf der Suedinsel von Neuseeland. Von dort ist es nicht leicht, das sehr wechselhafte Wetter in der Cook Strait zu kalkulieren, denn es blaest in schnellem Wechsel immer nur aus Norden oder Sueden. Da wir in Nelson ausklarierten war ein Stop danach nicht mehr erlaubt und so war das timing fuer die Ankunft in der Cook Strait wichtig. Wir starteten am 4. Februar 2009, als uns der freundliche Zollbeamte morgends in der Marina offiziell verabschiedete, Betreten von Land ab sofort verboten!

nelson-nz.jpg 350x242
Nelson - NZ
Der Abkuerzer durch den sehr engen “French Pass” lief bei Regen perfekt und selbst bei beginnender Ebbe schob uns der Strom bereits mit 3 kn durch (Max 7kn). Bei letztem Suedwind vor dem Wetterumschwung kamen wir von den Marlborough Sounds in die Cook Strait. Starke Stroemungen, sehr wechselhaftes Wetter, belebte Schifffahrt und reger Faehrverkehr zwischen Nord und Suedinsel geben der Cook Strait ihren schlechten Ruf, nicht umsonst bekam “Windy Wellington” am Suedende der Nordinsel diesen Spitznamen.

Nach kurzer Flaute kam schnell der erwartete Nordwind und blies auch bald mit Starkwind durch die Windduese der Cook Strait. Auf So Long hatte ich die gefaehrliche Ecke um Wellington nachts abgekuerzt und konnte nach Osten ablaufen, waehrend Tony es nicht ganz schaffte und beidrehen musste. Dabei wurde er selbst nach Absprache am UKW von einem Kuestenschiff beinahe ueberfahren, bei guter Sicht und Tageslicht, allerdings bei 40kn Wind und hoher See.

NEUSEELAND – FRANZ. POLYNESIEN
(5. Febr. – 5. Maerz 2009, 3.150 sm)

Die erste Woche im Southern Ocean verlief auf 42 ºS bei meist guenstigen Winden sehr gut, waehrend die zweite Woche (Mitte Februar) durchziehende Tiefs in Sturmstaerke brachte. Ich musste in einer Woche sogar zweimal meinen Jordan-Series-Drogue/Seeanker ueber’s Heck ausbringen. Das Barometer fiel/stieg mit bis zu 4 mb/h und es blies auch entsprechend. Ich lag sicher, wenn auch etwas ruppig vor dem Drogue, der meiner Meinung nach in extremen Wetter die einzige Moeglichkeit ist, eine Yacht vor Durchkentern zu bewahren.

Waehrend des ersten Sturms wurde die Selbststeueranlage auf Galenaia zerschlagen und damit began eine truebe Zeit fuer Tony. Zwei Wochen lang steuerte er entweder per Hand oder auf abweichenden Kursen mit belegter Pinne, bis er endlich die Anlage mit Bordmitteln auf See neu bauen konnte! Wir hatten gute Funkverbindungen und es war mir klar, dass Tony mit einem Schnitt von 58sm/Tag sehr langsam sein wird. Nach 24 Tagen auf See lagen 1.000 Seemeilen Distanz zwischen Tony und mir!

Die zwei letzten Segelwochen liefen recht gut bei mir und ich erreichte die Gambier Gruppe nach 29 Tagen auf See. Ich hatte den Laengengrad von Mangareva noch auf 30º S erreicht aber trotzdem waren die letzten vier Tage bei ENE um 25 kn hart am Wind.

Die Westwinde hatten sich weit nach Sueden verlagert, schon auf 39º S bekam Tony Ostwind und auf 35º S Nordost. So konnte Tony Gambier unmoeglich anliegen und lag nach harter Knueppelei 250 sm in Lee der Insel. Zu diesem Zeitpunkt wartete ich bereits zwei Wochen lang im abgelegenen Mangareva, das einen Besuch wert ist.

chrismas.jpg 350x262
Brütende Seevögel
GAMBIER – MARQUESAS
(19. – 25. Maerz 2009, 850 sm)

Tony beschloss, ohne Stop direkt zu den Marquesas und quer durch die Tuamotu Groppe weiterzusegeln. Wie zu erwarten war es fuer mich perfektes Passatsegeln mit frischem Ostwind auf Nordkurs. Eine Woche spaeter traf ich meinen salzigen Ehemann in Tahuata am Tag seines Landfalls, nach 50 Tagen auf See. Grosse Wiedersehensfreude in der Suedsee.

Wir stoppten vier Wochen lang auf meist abgelegenen Ankerplaetzen in den Marquesas, tankten Sonne und hatten Zeit fuer kleine Reparaturen. Bordhund Honey durfte nach langer Zeit (einschl. NZ) endlich wieder an Land. Wir hatten uns in NZ umfangreich verproviantiert, denn Franz. Polynesien ist teuer. Frisches Obst und Gemuese bekamen wir ausreichend, unsere Zwiebeln und Kartoffeln aus NZ wuerden noch bis Alaska reichen.

MARQUESAS – LINE ISLANDS
Christmas Island und Fanning Atoll
(25. April – 6. Juni 2009, 1.270 + 170 sm)

nuku-hiva.jpg 300x225
Nuku Hiva
Ende April verliesen wir Nuku Hiva und bei bald schwachem SE Passat duempelten wir langsam nach Nordwesten und ueber den Aequator. Nach 11 Tagen erreichte ich Christmas Island und Tony kam fuenf Tage spaeter gut an. Leichtwettersegel auf Vorwindkursen waren hilfreich. Bei der Wassertermperatur von ueber 28º C wurde es langsam unertraeglich heiss. Check-in kostete uns 100 Aus$ je Boot, aber es gibt sonst nur wenig Gelegenheit, auf Christmas Island Geld auszugeben. Die Versorgungslage ist sehr einfach und Trinkwasser sammelt man am besten selbst an Bord in den Regenschauern.

fanning.jpg 300x225
Fanning Atoll
Danach besuchten wir Fanning Atoll und hatten eine turbulente Passage bei heftigen Gewittern und Boen in der ITCZ (Doldrums). Das Atoll ist sehr urspruenglich und das Leben dort einfach, aber es war bis vor kurzem noch das Ziel von Kreuzfahrtschiffen, die “unberuehrte Suedsee” anboten. Die Einheimischen konnten kleine Souveniers verkaufen und es gab ein “Kopfgeld” von 1US$ je Tourist fuer das Dorf. Jetzt sind alle ungluecklich, dass diese Einnahmequelle nicht mehr fliesst und bereits jetzt sinkt Fanning wieder in seinen Suedseeschlaf: kein Strom, kein Flugplatz, kein Telephon, kein Krankenhaus oder Hotel und das Versorgungsschiff kommt alle 3 Monate, hofft man. Der Pass in die Lagune ist kein Problem und wir ankerten auf der Westseite, abseits vom Dorf. Leider hat das Seewasser in der Lagune eine natuerliche Truebung, sodass Korallenriffe kaum zu sehen sind, aber im Pass ist es kristallklar. Das Schnorcheln dort war bei Ruhigwasser phaszinierend (Stroemung bis zu 6kn). Das tuerkisfarbene Licht der Lagune ist einmalig.

FANNING ATOLL – KODIAK, ALASKA
(30. April – 29. Juni 2009, 3.604 sm)

Dies ist die aufregendste Etappe der langen Strecke. Vom Herz der Tropen in die kuehlen hohen Breiten. Ueber 54 Breitengrade auf fast reinem Nordkurs und von 28º C zu 7º C Wassertemperatur!

In der ersten Woche segelten unsere beiden Boote in bester Form, auf So Long ueber 1.000 sm in frischem NE Passat um 6-7 Bft. Es waere unmoeglich gewesen, von Fanning z.B. Hawaii oder auch Kauai anzusteuern. Ich passierte die Inselkette von Hawaii auf 163º W bei French Frigate Shoal.

Bereits auf 23º N verlies uns der Passat und wir hatten in der zweiten Woche auf See vorherrschend schwache suedliche Winde. Tony startete in Fanning zwei Tage vor mir, und ich passierte ich ihn nach 9 Tagen auf See im Abstand von 147 sm. Mit Beginn der dritten Woche auf 33º N kam wechselhaftes Wetter, erste Auslaeufer der Tiefs im Norden, Nebel und Regen. Tagelang duempeln bei Flaute und hohem Schwell und ein ewiges Segelwechseln in heftigen Boen.

In der vierten Woche lag ich ueber 400 sm nordlich von Tony, und musste meinen Vorsprung beim Durchzug von den Tiefs zwischen 45º und 50º N buessen. Aber diese “Sommer-Tiefs” sind relativ harmlos, ziehen schnell durch und brachten nur fuer etwa 6 Stunden um 8 Bft.. Leider kam auf der Rueckseite oft Nordwind, der schnell eine steile See aufwarf. Ein Tag spaeter ist dann wieder Flaute und Schwell aus allen Richtungen, so kamen wir nur langsam voran.

Zwei dieser Tiefs wuchsen sich jedoch zu Stuermen von 50kn Wind aus, die Richtung Vancouver und Sitka weiterzogen und eigentlich Ende Juni nicht mehr vorkommen sollten. Die Pilotcharts hatten trotzdem recht, es gab viel Nebel und die Wasser/Lufttemperatur lag auf 50º N bei 7º C, Eiswasser aus der Beringsee laesst gruessen.

Ein letztes Tief brachte mir 3 Tage lang frischen NW Wind und in grossen Schritten segelte So Long von 51 º bis 57 º trotz Gegenstroemung Richtung Kodiak. Morgends um 5 Uhr drehte irgendwer den Windhahn zu und 2 Stunden spaeter lag ich in Lee der schneebedeckten Berge von Kodiak in Flaute! Die letzten 50 Seemeilen musste ich motoren und konnte noch bei Tageslicht nach 30 Tagen auf See in den Fischereihafen von Kodiak einlaufen. Ueber 500 Fischer und nur 5 Segelboote im Hafen!

Das Einklarieren verlief via Telephon und Fax nach Anchorage recht zuegig, ich wurde als eine der seltenen fremden Yachten herzlich begruesst und im Hafenbuero bekam Honey immer einen Hundekuchen! Zehn Tage lang blauer Himmel und warmes Wetter war fuer Kodiak extreme ungewoehnlich.

Leider war Tony nicht ganz so gut dran, denn der Windhahn blieb zwei Wochen lang geschlossen und Tony duempelte tagelang in der Flaute. Schliesslich motorte ich ihm 40 Seemeilen entgegen und bei dickem Nebel konnten wir uns nur mit Funkkontakt auf See finden. Wie ein Geisterschiff tauchte Galenaia aus der Nebelwand auf, ich schickte ihm an einer Leine einen Kanister mit 25 Liter Diesel rueber und bald war mein Mann nach 46 Tagen wieder im Nebel verschwunden, habe ich etwa getraeumt?

Am 13. Juli kam Tony endlich gut in Kodiak an, wieder ein aufregender Landfall und noch immer Flaute und blauer Himmer! Seit Neuseeland lagen mittlerweile fuenf Monate und 9.290 Seemeilen im Kielwasser.
Fuer So Long 79 Tage auf See (Schnitt von 4,9 Knoten) und 67 Tage vor Anker in Gambier, Marquesas und den Line Islands

Fuer Tony beachtliche 116 Tage auf See (Schnitt von 3,3 Knoten) mit nur 45 Tagen Stop in den Inseln.
Wir wollen den restlichen Sommer hier im phaszinierendem Alaska verbringen und dann in Canada oder im suedlichen Alaska ueberwintern. Mit zwei betagten Booten und entsprechenden Arbeiten an Bord wird es uns wohl kaum langweilig werden.



heimathafen.gif 63x81

mail-hvans-bluewater.gif 130x25

NeDesign