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Hobart (Tasmanien) nach Whangarei (Neuseeland) durch die Tasmansee
von "SY ISIS" mit Stefanie und Hans
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Heute ein Bericht über die Fahrt von Hobart (Tasmanien) nach Whangarei (Neuseeland) ... als erstes: wir sind gesund angekommen. ... Ich bin froh, dass ihr auch auf diesem Teilstück unserer Weltumseglung "nur mentale Mitsegler" seid. Der bisher kürzeste Toern war auch der härteste. Glaubten wir doch, dass uns "Rasmus" am "Kap der guten Hoffnung" mit seinem Agulhasstrom eine ausgiebige Lehre erteilt / und auch das fürchten gelehrt hatte, so wurde uns von der Tasmansee eine weitaus härtere Lehre erteilt. Nachdem wir 8 Wochen in Hobart (Tasmanien) im "constitution docksicher" glegen hatten, zog es uns weiter. Die Nordinsel von Neuseeland (NZ) war das nächste Ziel. Ca. 1.400 sm lagen vor uns und wir kalkulierten für diese "kurze" distanz 12-14 tage ein. Im Tank waren noch ca. 300 l Diesel, die würden allemal bis dorthin reichen.. Ausserdem ist der Diesel in NZ erheblich billiger. 23.3. der Wetterbericht sagte keine Störungen voraus. Zwei verspätete Zyklone hatten 1-2 Wochen zuvor Nordaustralien (Queensland) heimgesucht. Nun würde sich das ganze Wettergeschehen "ordnen" und wir rechneten mit einer problemlosen Überfahrt. Doch das erste Problem gab es bereits am frühen Morgen: die Zollbeamtin vergass den fuer 7.30 uhr angesetzten Termin an Bord der ISIS ... "sorry"! Der Brückenmeister - zuständig fäer das Öffnen der Hubbrücke - musste um 8.00 Uhr unverrichteter Dinge von dannen ziehen ..."see you later". Hans eilte mit den Formularen und Unterlagen zum Zoll und bekam dort - ganz gegen die Vorschriften - alle Stempel (die Ausklarierung hat eigentlich an Bord zu geschehen und danach muss das Schiff unverzüglich den Hafen verlassen). Endlich, um 9.00 Uhr sind wir wieder "auf Fahrt", haben ein neues Ziel vor Augen. Unter Motor schaukelt ISIS über den Dervent-River in Richtung Storm-Bay. Der Wind steht uns auf der Nase. Das nächste Problem lässt nicht lange auf sich warten: der Motor hustet und stottert, aber nachdem Hans auf die 2. Filteranlage umgestellt hat, läuft er wieder wie gewohnt. Aber warum ist der Filter verstopft? Hans hatte ihn in Kapstadt ausgetauscht. Wir vermuten, dass wir in Südafrika unreinen Diesel getankt haben und werden in NZ eine Tankreinigung vornehmen lassen. Der Autopilot stellt seine Tätigkeit ohne Vorwarnung ein. Wir hatten ihn in Hobart ausgetauscht. Unsere Hoffnung, dass wir am Südkap Segel setzen können, erfüllt sich nicht: mit der Kursänderung dreht auch der Wind, er kommt aus Nordost und so lautet auch unser Kurs. Bei Anbruch der Dunkelheit haben wir das „Cap Pillar“ hinter uns. Wir versuchen das Genuasegel zu setzen, bemerken aber bald, dass die – in Kapstadt reparierte und in Hobart nochmals überprüfte - Rollreffanlage nicht zuverlässig arbeitet... sie hakt, das Segel lässt sich nicht vollständig einrollen. 4-5 tage kreuzen wir an Tasmaniens Südspitze hin und her ! Aber mit unserer Schwerfälligen und Behäbigen REINKE SUPER 10 können wir kaum an Höhe gewinnen. Wir werden von der Strömung sogar zurück getrieben. Frust und Enttäuschung machen sich breit. Sollen wir nach Hobart zurück. Wieder einklarieren... Diesel tanken? Wir entscheiden uns in "Wartestellung" zu bleiben und den vorhandenen Diesel nur zum laden der Batterien einzusetzen (unser Windgenerator ist nach einer Reparatur in Hobart doch nicht bereit, seiner Aufgabe - die Batterien zu laden - nach zu kommen) . Soviel Probleme gleich zu Anfang einer Strecke ist mehr als frustrierend, doch wir sind zuversichtlich : "wir werden schon in NZ ankommen!!" Endlich am 9. Tag auf See - es ist der 31.3. - dreht der Wind. Die Freude ist groß, zumal uns für einige Stunden eine riesige Herde Delphine begleitet. Die kurve des Barographen sinkt, der Nachthimmel ist von anhaltendem Wetterleuchten taghell. Regengüsse und Böen mit 45-5- kn gehen über uns hinweg. Die Genua rappelt und zappelt, das Tuch schlägt. Das Vorschiff wird ständig von überkommenden Seen überspült und Hans vollführt dort vorne eine Akrobatennummer: Er versucht - nur mit dem Surferanzug bekleidet - das „Spifall“ um die Genua/Rollreffanlage zu wickeln - aber der Erfolg ist nur von kurzer Dauer .. leider ! Die neue Genua werden wir nicht retten können. Der Wind entwickelt sich rasch zu einem ausgewachsenen, schweren Sturm und dann lesen wir auf der Windmessanzeige 77.. 79 kn ab ... Orkan! Die Nacht ist pechschwarz die Seen unberechenbar wild . Sie hämmert und schlägt auf unsere ISIS ein. Seitlich überkommende Brecher drücken die in Kapstadt angefertigte Cockpitabdeckung („Kuchenbude“) ein. Bis zu den Knien stehen wir im Wasser, die „Graetings“ schwimmen auf. Nun haben Wind und Wellen ungehinderten Eintritt. Wir fühlen uns diesen Naturgewalten gegenüber so machtlos, gehen unter Deck, verriegeln die Tür und lassen das Schiff "vor Top und Takel vor dem Wind treiben" ... und es treibt mit 60 grad auf Kurs Richtung NZ! Fast 3 Tage dauert dieses Unwetter an. Eine Fockschot hat sich gelöst. Wir hoffen, die zweite hält... ein neues Einbinden ist bei dieser See unmöglich. Das Großfall hat sich hinter den Maststufen und der Decksbeleuchtung vertörnt .. wir können nun auch das groß nicht mehr zum Einsatz bringen. Was kann jetzt noch passieren?! Viel gibt es nicht mehr. Unsere ganze Hoffnung ist die Fock, dass sie bis NZ durchhalten möge. Dieser Sturm mit Orkanböen bringt uns erstmals an die Grenzen unserer Belastbarkeit. Wir schlafen nur in kurzen Abständen, ernähren uns von Schokolade, Nüssen, Dosenbrot und Milch. Unsere Sorge um das Schiff wächst von Minute zu Minute und wir halten den Atem an, wenn Böen mit 60-70 kn über uns hinwegfegen, das Schiff auf die Seite drücken. In diesen Stunden gibt es aber doch noch aufheiternde Momente: mit einer Welle wurde auch ein recht grosser „fliegender Fisch“ an Deck gespült. Wir freuen uns auf eine Fischmahlzeit, wenn Kochen wieder möglich ist. Hans setzt sich - bei Dunkelheit- auf den Fisch, der noch einmal "alles" von sich gibt..! Nun ist er fast flach wie eine Flunder... wir haben endlich etwas zum lachen. Am nächsten Morgen ist unser Fisch nicht mehr an Bord .. eine Welle hat ihn wieder mit ins Meer gezogen. Endlich lässt der Sturm nach, aber die See gibt noch lange nicht auf. Kreuzseen schlagen über der ISIS zusammen, das Schiff ist kaum noch steuerbar. Diese Art der Wellen haben wir selbst im Agulhasstrom am 'KAP DER GUTEN HOFFNUNG' nicht erlebt. Das Leben an Bord ist kräftezehrend. Ein Ausrutscher im Cockpit bringt mir eine blutende Nase... Glück gehabt: die Zähne wurden nicht getroffen. 13. Tag auf See. Wir schöpfen Kraft und Hoffnung, holen Schlaf nach, ich koche ausgiebig. Die Hälfte der Strecke haben wir geschafft. Die vielen nassen Sachen flattern im Wind. Hans bringt über das Cockpit eine provisorische Abdeckung an, die uns vor Wind, Regen und Sonne schützt. 5.4. - 14. Tag auf See. Wir reparieren die Toiletten... und dümpeln in Richtung NZ . Die Kurve des Barographen sinkt auf 992 mmb ab. Ein weiterer Sturm mit 55-60 kn bringt uns wieder auf Trab. Schwere Gewitterböen und sintflutartiger Regen gehen auf uns nieder. Für einige Sekunden - die mir wie eine Ewigkeit vorkommen - wird ISIS in solch einer Böe auf die Seite gedrückt. Noch nie zuvor hatte ich in Hans´ Gesicht so viel Angst gesehen ... stumm erleben wir das Geschehen bis sich ISIS endlich wieder aufrichtet. Noch einmal holt der wind tief Luft und pustet dann aus Leibeskräften. Die beständigen 50-55 kn kommen uns nicht mehr bedrohlich vor. Wir haben uns an sie gewöhnt. Rückfronten-Wetter: Schauer, Böen, gute Sicht, Sonne und die 40-45 kn Wind kommen uns nun schon wie "FLAUTE" VOR. Die See ist noch wild und ungezähmt. Die Fock-Rollreffanlage klemmt, das Segel lässt sich nicht einrollen. Langsam steigt der Barograph und es weht nur noch mit 40-45 kn. Diesen Wind braucht unsere ISIS. Die Rollanlage beendet ihren Streik, lässt uns aber bis NZ immer in Ungewissheit. „Rasmus“ belohnt uns mit gutem Segelwetter. Die Nächte sind sternenklar und werden immer heller ... es ist Vollmond. „Cap Mariaa van Diemmen", "Cap Reinga" und "North Cap" passieren wir bei schönstem Segelwind. Bis zur Ansteuerung von Whangarei sind es noch ca. 270 sm. Ab jetzt können wir bedenkenlos und verschwenderisch unseren Diesel einsetzen. Da unser Funkgerät (Antenne) beschädigt ist, bitten wir die Besatzung eines Motorbootes, für uns die Anmeldung beim Zoll vorzunehmen . Wir stehen morgens bei Tagesanbruch bei "BREAM HAED". Wir sehen Berge, grüne Hügel, meinen den Duft von "Land " in der Nase zu haben. Nach 6 Stunden unter Motor erreichen wir die kleine Marine "Whangarei Cruising Club". Niedrigwasser zwingt uns zu dieser Pause, denn die Flusstiefe bis nach Whangarei-Stadt ist zu gering für unseren Tiefgang. Der Schweizer René nimmt die Leinen an, fährt mit Hans zum "town basin" nach Whangarei und sie benachrichtigen von dort Zoll und Quarantäne. Die Beamten sind nach knapp 1 Stunde an Bord. Die Formalitäten sind schnell erledigt. Das einzige, was der Quarantänebeamte einkassiert ist eine große Tüte voll mit Abfall. Am nächsten Morgen legen wir bei Hochwasser die letzten sm bis zum "town basin" zurück. Bei Sonnenschein und sachtem Wind wird der Anblick zum Träumen: Buchten, kleine Inseln, Sandbänke, grüne Hügel, satte, intensive Farben... wir machen direkt vor der Marina am Steg fest. Wir haben unser Ziel - Neuseeland - erreicht und können dieses alles noch gar nicht so recht fassen! Nach 22 Tagen sind wir angekommen. Ca. 1.500 sm zurückgelegt. Wir sitzen im Cockpit und geniessen unsere neue Umgebung und fühlen uns sofort so wohl. Schon nach 2 Tagen sind wir im Besitz eines gebrauchten Campingbusses, mit dem wir demnächst, wenn an der ISIS alle Schäden behoben sind, über die Nord- und Südinsel von Neuseeland reisen. Nach solch einer Überfahrt geniessen wir das 'LANDLEBEN" um so mehr. |
