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Auf den Spuren Vasco da Gama's - der Weg nach Indien

von Siggi und Jürgen und Bordhund Julie,
SY. Petit Prince
E-Mail: only plain text an bord!
Home: www.sjpetitprince.de
Bildergalerie der Reise HIER left.gif 40x15

Der Abschied von den Malediven ist uns denkbar leicht gefallen. Nicht nur die negativen Erlebnisse waren ausschlaggebend, nein, auch der rollige Ankerplatz hat sein Übriges dazugetan.

Täglich gingen Starkwindböen übers Atoll. Meistens nachts mit mehr als 40 Knoten. Es war ganz einfach ungemütlich. Mehr als 1 Meter Welle baute sich auf, unmöglich mit dem Dinghi irgendwelche Fahrten zu unternehmen. die Sicht im Wasser war trübe, Schnorcheln unmöglich. Es mag ja sein, dass auf den kleinen Resorts, welche die Schnorchler und Taucher aus Europa aufnehmen und entsprechende Tauchtouren unternehmen, bessere Möglichkeiten herrschen, aber für uns waren die Malediven absolut uninteressant. Das liegt natürlich auch daran, dass wir vorher in Chagos ausgiebig Schnorcheln konnten und tatsächlich eine vollkommen unberührte Unterwasserwelt kennen lernen konnten. Chagos war bisher mit nichts vergleichbar.

Als wir uns entschlossen hatten, den Anker zu liften, blies es wieder mal 45 Knoten Wind, der das Wasser waagerecht über den Ankerplatz fliegen liess.

Abwarten bis es wieder ruhiger war und dann um 14 Uhr war's soweit. Endlich wieder unterwegs.

Auf dem Weg nach Indien hat sich der Indic von seiner besten Seite gezeigt. Zwar wenig Wind aber dafür auch das Wasser platt wie auf dem Ententeich. Wie schon so oft, machte es uns wirklich nichts aus, tagelang unterwegs zu sein. Wir haben's genossen. Unterwegs hatten wir viele Begegnungen mit der Grossschiffahrt, aber diese riesigen Containerschiffe haben uns in weitem Bogen umfahren. Wie bisher geübt, haben wir uns im 3 Stunden Rhythmus abgewechselt und Wache gehalten. Eine schöne Fahrt. Essen hatten wir genug gebunkert, kochen war kein Problem bei der ruhigen See, Reiswein gärte in 2 grossen Kanistern, was will Man(n) und auch Frau mehr.

Nach 7 Tagen waren wir eigentlich in Sichtweite des indischen Kontinents. Aber wie sie sehen, sehen sie nix. Dichte Nebelwolken machten die Sicht auf Land unmöglich. Jede Nacht furioses Wetterleuchten, aber kein Gewittersturm. Rings um uns zucken Blitze. Manchmal kommt ein Regenschauer, Zeit zum duschen.

Je mehr wir uns der Küste nähern, desto mehr Fischerboote umzingeln uns in der Nacht. Bei einer Wache hab ich 38 gezählt. Manche mit den üblichen Lichtern, manche einfach mit 'ner brennenden Blechdose als Licht an Bord. Einige nur als Schatten auszumachen, ohne Licht.

Allerdings kann sich keiner anschleichen, Julie sieht alles und meldet es sofort. im Morgengraün, wir haben noch ca. 15 Meilen bis zur AnsteUErung, kommt ein grosses Fischerboot genau auf uns zu. Schon von weitem rufen und zeigen sie uns einen grossen Pott. Also, keine Sorge, Piraten sind das nicht. Langsam tasten sie sich näher und zeigen stolz ihren Fang. Fette, rosige Prawns und etliche Steingarnelen. Schnell werden wir uns handelseinig. Zigaretten sind das Objekt der Begierde und so wechseln 3 Schachteln Zigaretten gegen einen Eimer Prawns den Besitzer. Mit lautem Gebell wird Julie von der Fischercrew verabschiedet und wir mit fröhlichem Winken. Das Frühstück ist gesichert, noch 3 Stunden bis Cochin. So hab ich mir indien vorgestellt.

Im Kielwasser von Vasco da Gama, der rund 507 Jahre vor uns als erster Europäer Indien erreichte, laufen wir Fort Cochin an. Vor unserem Bug öffnet sich ein riesiges Flussdelta, 40 Flüsse ergießen sich in den indischen Ozean. Allerdings wird dieses Delta dann zu einem gut betonnten Nadelöhr mit einem Gegenstrom, der bis zu 5 Knoten erreichen kann (Seglerlatein???). Als wir rein fahren, können wir nur eine Strömung von ca. 1 Knoten feststellen. aber wie gesagt, bei Berichten von Seglern wird oftmals, warum auch immer, übertrieben. Ebenso war es mit den Einklarierungsformalitäten. Ein Segler berichtete uns, wir müssten alle Dinge die an Bord sind in einer Liste aufführen, diese mindestens 10 mal kopieren, für den Zoll. Der Zoll käme an Bord und nähme alles weg, was nicht aufgeführt ist. Waffen an Bord zu haben ist absolut gefährlich und verboten. Am besten wir würden sie verstecken, damit sie keiner sieht. Wir hatten alles aufgeschrieben, auf dem Weg nach Indien und keine Fotocopien gemacht. Über die Waffen haben wir uns lange unterhalten und sind zu dem Entschluss gekommen, diese zu deklarieren, also kein Risiko einzugehen.

Dies alles war eine gute Entscheidung. Der Zoll kam an Bord. Alle sehr freundlich. 4 Formulare in 4facher Durchschrift mussten ausgefüllt werden. Alles easy. Die Waffen wurden deklariert. Mit dem Zollboot zum Office, Unterlagen abgeben, dann wieder zurück zum Boot, Waffen wurden kontrolliert und im Schrank (abschließbar) mit einem Zollsiegel versehen. Das wars. Keine weiteren Fragen, keine Liste mit all den Dingen die wir an Bord haben. Alles klar. Manchmal hatten wir schon das Gefühl, dass sich Segler immer wieder mit Horrormeldungen interessant machen müssen, um zu zeigen, welch Mordsmollis sie sind. Forget it.

Zwei Tage nach der Einklarierung haben wir den interessanten Platz an der Riverfront verlassen und sind weiter flussaufwärts in die Brackwaters gefahren. Hier lagen wir nun vor einer Brücke, sicher auf 3 Meter Wassertiefe verankert zwischen zwei Inseln. Auf der einen Seite Bolgatti-Island, eine schmale Insel mit einem Hotel und der Ferrystation, auf der anderen Seite die grosse Stadt Ernakulam mit allen Einkaufsmöglichkeiten, die man sich nur vorstellen kann.

Nachdem wir jetzt hier gemütlich vor Anker lagen, wurde es uns zum ersten mal bewusst, dass wir ja jetzt bereits mit dem europäischen Festland verbunden sind. Sozusagen könnten wir mit dem Auto nach Hause fahren. Aber keine Angst, machen wir nicht.

Der Eindruck bei unserem Stadtgang war überwältigend. Es stellt alles, was wir bisher an quirligen Städten rund um den Globus gesehen haben, in den Schatten. Ernakulam ist umwerfend. Natürlich haben wir uns am ersten Tag noch nicht getraut, mit unserem "zarten" Dinghi in die Stadt zu fahren. Also haben wir die Fähre genommen. Auf der anderen Seite angekommen werden wir schlagartig von der Geräuschkulisse getroffen. Pkw, Busse, kleine Motor-Rikschas, Motorräder und Mofas alles trötet und hupt ununterbrochen. Ein Verkehr, das 10-fache vom Stachus zur "Raschaür" (für Nichtbayern, der Stachus ist in München). Man traut sich kaum über die Strasse. Macht nix, man muss durch. Dazwischen am Straßenrand Imbissbuden, Früchte, Getränke mit den Verkäufern, die alle lautstark ihre Ware anpreisen und den Lärm noch zu überbieten versuchen.

Fröhliche Gesichter rundum. Fast jeder fragt, wie geht's dir, wo kommst du her, wo willst du hin. Nun ja, das Erste, was wir suchen ist ein Supermarkt, sofort wird uns geholfen. Supermarkt, Liquershop, 'ne kleine Bar, wo man schnell zwischendurch ein Bierchen schlappen kann, alles ist in erreichbarer Nähe. Und endlich mal wieder Preise, die sich auch Segler leisten können. Zwei Stunden in der Stadt und wir waren fertig. Überwältigt.

Wieder zu Hause angekommen, lag die Petit Prince eingebettet in ein riesiges Feld blühender Wasserhyazinthen, wie auf 'ner riesigen Wiese. Diese Teppiche werden von der Strömung flussabwärts getrieben, bleiben bei Stillwasser liegen und schweben bei auflaufendem Wasser wieder in den Fluss. Ein tägliches, tolles Schauspiel. Jürgen meint, schau doch mal, was da für ein Geld rund ums Schiff liegt, zuhause hab ich eine Handvoll im Spezialgeschäft erstanden für'n Gartenteich und geblüht haben die auch nie. Jedenfalls hat er mir ein Sträusschen für das Whiskyglas von Bord aus gepflückt.

Gleich am nächsten Tag hat's uns nicht mehr gehalten. Wir mussten wieder in die Stadt. Mit Camera bewaffnet, um in Ruhe alles zu sehen und festzuhalten. Inzwischen wussten wir ja auch wo der grosse Gemüsemarkt ist und das zieht uns immer an. Allerdings haben wir wieder die Fähre genommen, wir haben uns mit dem Dinghi immer noch nicht getraut. Die Hyazithenwiesen krallen sich nämlich auch am Aussenborder fest und der hat nur drei Ps.

Die Fähre kostet sage und schreibe 5 Cent. Unglaublich. Also wieder rein ins Gewühl. Diesmal haben wir eine Rikscha (Tuc-Tuc) zum Markt genommen, 50 Cent. die Rikscha ist ein umgebautes Motorrad, hinten Kabine, vorn der Fahrer, also für 2 Fahrgäste (allerdings sassen wir inzwischen auch schon zu viert drin). Die Fahrer, ununterbrochen hupend, fahren wie die Helldrivers. Kein Schlagloch ist ihnen fremd, die nehmen sie auch alle. Und dann kam der Markt. So was hab ich noch nie gesehen. Alle Wohl- und auch nicht Wohlgerüche des Orients strömen auf uns ein. Gemüse, Obst, Gewürze, Klamotten, Schuhe, Fische, alles in farben prächtigstem Durcheinander. Dazwischen die Frauen mit ihren bunten Saris, Männer mit langen Tüchern um die Hüften gebunden, Tuc-Tucs, Lastenträger und ausnahmslos fröhliche Gesichter. Ein Eindruck, den man mit Worten nicht beschreiben kann. Wir haben die Kameras mit und versuchen zumindest einen Teil davon einzufangen. Es ist einfach faszinierend.

Schnell auf dem Nachhauseweg noch ein Bierchen und dann, wie die Packesel beladen mit allen Schätzen des Orients, zurück zur Petit Prince. Essen und Trinken reicht nun für 2 Tage. Jetzt ist wieder mal arbeiten angesagt.

Trotz der vielen Arbeit die uns wieder mal angefallen hat, haben wir uns die Zeit genommen die wunderschöne Altstadt Fort Cochin zu erkunden. Mit der Fähre haben wir nach Kochi, wie es in der Landessprache heisst, übergesetzt.

Unglaublich krass ist der Gegensatz zu Ernakulam, der City. Der Blick wird von kleinen Häusern und schmalen Gässchen gefangen genommen. Kein Trubel, Ziegen stöbern in Mülleimern, Kühe grasen am Strassenrand auf den kleinen Grünflächen oder sind einfach vor dem Haus angepflockt. Wir machen uns auf den Weg zu den chinesischen Fischernetzen. Diese eigenartigen Gebilde haben wir schon bei der Einfahrt in den Fluss vom Boot aus gesehen. Riesige Netze, die mit überdimensionalen Bambusstangen gehalten werden und so austariert sind, dass ein Mann sie ins Wasser lassen und auch wieder herausheben kann. Diese Schwebenetze wurden 1350 von den Chinesen errichtet, die mit ihren Familien die Halbinsel bewohnten und werden noch heute unverändert von einheimischen Familien betrieben.

Kaum hatten wir die Netze besichtigt, bot uns ein Tuc-Tuc Fahrer seine Dienste an. Er wollte uns alles sehenswerte in Kochi zeigen und sehenswert ist alles. Alte portugiesische Häuser aus dem 15ten Jahrhundert, Kirchen, Basiliken, Tempel aus allen Jahrhunderten kann man zu Fuss an einem Tag kaum bewältigen. Wir konnten uns auf einen Preis von nur 300 Rupias einigen, er hat verstanden, dass wir nur arme Segler sind und uns einfach nicht mehr leisten können.

Mit diesem Fahrer haben wir einen Glücksgriff getan. Nicht nur, dass er perfekt englisch sprach, sondern er konnte uns auch viel aus der Historie erklären und vor allem kamen wir an Plätze, die dem "normalen" Touristen einfach nicht zugänglich sind. Da gibt's z.B. ein grosses Lagerhaus in dem säckeweise Gewürze, Pflanzen und Heilkräuter zur Herstellung von Medizin gelagert werden. Schon an der Eingangstür empfängt uns ein unbeschreiblicher Duft, würzig, schwer, süss. Durch den Torbogen eines 600 Jahre alten Hauses kommt man in einen Innenhof in dem auf riesigen Flächen Ingwerwurzeln ebenfalls zur medizinischen Verarbeitung getrocknet und in Becken mit ungelöschtem Kalk konserviert werden. Nachdem er uns dann durch sämtliche Kirchen, den chinesischen Tempel, den Dutch Palace (ein interessantes Museum), in dem man unter anderem die prunkvollen Sänften der Maharadschas besichtigen konnte, geschleppt hatte, wären wir gerne bereit gewesen, uns in ebensolcher sanft davontragen zu lassen.

Aber dann hatte er noch die Idee, dass ja heute noch ein grosses Tempelfest stattfinden soll, nur rund 20 km entfernt, mit den grossen indischen Elefanten und das müssten wir unbedingt auch noch sehen - ist natürlich im Preis inbegriffen. Jetzt ging's holterdipolter mit der Rikscha übers Land. Ein riesiger Tempel, viele Gläubige, 16 grosse Elefanten, Fackeln, Priester - ein Fest, eine unglaubliche Atmosphäre. Wir waren sprachlos. Das ist Indien!

Bevor wir uns für den nächsten grossen Schlag nach Oman bereitmachen, lockt uns noch Goa und die Tempelstadt. Unterwegs von Cochin nach Goa - mich triffst wieder mal hart oder auf bayrisch: wie mir das Fernglas aufs Hirn "nauf dipfelt" ist.

Rund 70 Seemeilen liegen bereits hinter uns. Der Weg nach Goa sind zwar nur 350 sm aber er verspricht lang zu werden, wenig oder auch kein Wind aus Nord ist angesagt. Na ja, das kennen wir ja schon. Ich hab Freiwache, Jürgen sitzt im Cockpit und beobachtet die entsetzlich vielen, kleinen Fischerboote, gemischt mit Trawlern, die alle um uns rumkreisen.

Wie immer haben sie gar keine Beleuchtung, oder nur ein kleines Petroleumfeuer oder auch, bei den grösseren, ein Teerfass angezündet. Fette Cargoschiffe kreuzen unseren Weg, sie sind unterwegs nach Bombay. Also ist strenge Nachtwache angesagt. Wie gesagt, ich schlafe oder versuch's zumindest und liege im Salon auf der Matte. Über mir, im Ruderhaus schwebt die Gefahr, die ich noch gar nicht kenne. Jürgen hat sein schweres Jagdfernglas, das er immer am Ankerplatz benutzt, auf der Funke platziert und es arbeitet sich beim Wellengang weiter Richtung Salon. Schlagartig, im wahrsten Sinne des Wortes, werde ich geweckt. Es trifft mich tierisch am Kopf. Das kann nicht Jürgen sein, der ist immer ganz zart. Ich fahre hoch und hab das Fernglas neben mir auf dem Kopfkissen. Jürgen durch meinen Schrei hereingestürzt, fragt mich was passiert ist. Nun, das Fernglas hat mich am Kopf getroffen, is aber weiter nix. Schmerzt ein wenig, ich fasse an meinen Kopf und hab die Hände voller Blut. Sch..., hat doch richtig getroffen. Schnell die Küchenrolle aktiviert. noch mehr Blut. Und ich dachte immer, ich hätte mehr im Kopf als nur profanes Blut...

Es ist noch dunkel, die Wunde nicht zu untersuchen. Nach zwei Stunden graut der morgen, Jürgen zupft meine Haare auseinander um den Schaden zu begutachten, und dann graut ihm. Die Kopfhaut aufgeplatzt, Mordshorn gezogen. Mit der Pinzette hat er die Haare aus der Wunde gezupft und hat sich dann gleich 2 Stunden neben mich gelegt, weil ihm schlecht war. Ich konnte es Gott sei Dank nicht sehen weil der Schnitt unter den Haaren auf der rechten Schädelhälfte ist. Dann lag ich drei Tage flach, liess mich bekochen :-)), pflegte meine Gehirnerschütterung und befürchtete, dass wir doch zum Arzt in Goa gehen müssten.

Fazit: segeln ist einfach gefährlich!!! aber am Computer konnte ich schon bald wieder sitzen!

ANGEKOMMEN!!! - Dort wo der Pfeffer wächst - in Goa

Endlich hatten wir es endlich geschafft. Nach endlosen 8 1/2 Tagen und schlaflosen Nächten sind wir in Goa eingelaufen. Jürgen hatte es wirklich schwer. Ich konnte mit meinem Matschkopf nicht draussen in der Sonne sitzen, sondern nur nachts, wenn's dunkel und kühl war, die Nachtwache abreiten und dann sind wir am letzten Tag 24 Std lang motort. Kein Wind und wir wollten jetzt doch mal ankommen. Echt stressig, denn mangels Autopilot muss am Steür gedreht werden. Julie hat allerdings ihre Nachtwachen sehr gewissenhaft erledigt. Sie hat unglaublich gute Augen und ein scharfes Gehör. Wann immer auch ein kleines Boot in unsere Nähe kam, hat sie einmal kurz gebellt, den Niedergang runtergekuckt und gewartet bis einer von uns raus kam um zu kontrollieren. Das war sehr hilfreich und sie hat bestimmt einigen Fischern das Leben gerettet - braver Hund.

Jetzt lagen wir hier in der so genannten Cocobeach, die erste Bucht im Mandovi-River, eine richtige Touribeach mit vielen, vielen Strandbars und -restaurants und Liegestühlen und Sonnenschirmchen. Wir sind nur drei Jachten und das auch nur, weil wir uns hier verabredet hatten.

Alex, einer der Strandbarbesitzer hier, hat die Segler besonders ins Herz geschlossen. Er organisiert alles für uns und macht uns Sonderpreise. Flaschbier nicht teurer als im Supermarkt und auch das Essen und alles andere nur 2/3 bis Hälfte von dem, was er den anderen Gästen abnimmt. Weiss nicht, warum er das macht. Er hätte es gar nicht nötig, es ist sowieso alles sehr preiswert hier. So kostet zum Beispiel ein Nudelgericht mit Prawns, Gemüse, spicy nur 50 Rupis, das sind 0.96 Euros.

Wir haben uns wieder mal ein tuc-tuc mit Driver gemietet. Es war an der Zeit, mal etwas in die Geschichte und in die nähere Umgebung einzutauchen. Zuerst war es natürlich ein muss, Altgoa zu sehen. Der gute, alte Vasco war ebenfalls mit seinem Segelboot den Mandoviriver reingesegelt und hat im Laufe der Jahre mit seinen Mannen die portugiesische Lebensart eingeführt. Gefolgt vom heiligen Franz Xaver, einem Jesuiten Mönch, der dann begann die Menschen hier zu christianisieren. Zuerst hat man alle Hindutempel platt gemacht, dann riesige Kirchen gebaut, die noch heute sehr gut erhalten und restauriert in Altgoa zu besichtigen sind. Auf engstem Raum stehen da mindestens 15 Kathedralen. Die älteste, sie ist dem heiligen Franz Xaver gewidmet, beherbergt auch noch seine Knochen im silbernen Sarg. Alle 10 Jahre wird er geöffnet um nachzusehen ob er noch da ist. (nee Quatsch, man hat festgestellt, dass der normale Verwesungsvorgang bei diesem Heiligen nicht eingetreten ist, er liegt noch sehr gut erhalten, mumifiziert in der Kiste und alle 10 Jahre pilgern die Gläubigen dahin um ihn zu sehen).

Das Gegenstück hierzu ist die Tempelstadt Ponda. Sie liegt in den Bergen und konnte sich erfolgreich den Missionaren entziehen. Man sagt, sie hätten ihre Tempel blutig verteidigt. Und das hat sich gelohnt. Wunderschöne alte Tempel aus dem 14.Jahrhundert. Ponda ist zum Pilgerort aller indischen Hindus geworden. Leider darf man in den Tempeln nicht fotografieren.

Danach waren wir natürlich da, wo uns wohl so mancher schon hingewünscht hat, nämlich da, wo der Pfeffer wächst - in einer Gewürzplantage. Wie gesagt, das war ne richtige Ochsentour.

In bezug auf Pfeffer kann ich nur sagen, so leichtfertig, wie wir normalerweise mit Pfeffer umgehen, werden wir das nicht mehr tun. Jetzt haben wir mal gesehen wie schwierig es ist, an Pfeffer ranzukommen. Dieses Gewächs klettert wie Efeu eine hohe Palme hinauf und hat dann rundum seine Früchtchen hängen. Wer also den Pfeffer ernten will, muss auf die Palme, manchmal mehr als 15 Meter hoch. Ein mühsames Geschäft. Also werd ich die Pfefferkörner die mal auf den Boden rollen nicht mehr einfach wegkehren, sondern tatsächlich Stück für Stück wieder einsammeln.

Doch bevor wir Indien verlassen noch ein paar Eindrücke, die die krassen Gegensätze, die wir hier vorfinden, zum Ausdruck bringen. Goa ist ja, wie wir schon berichteten, das touristisch am meisten frequentierte Gebiet. Bekannt durch die schönen, bernsteinfarbenen Sandstrände und sehr schöne, gepflegte Ferien Resorts. In starkem Kontrast dazu - das ursprüngliche Indien - bei dem wir uns fast in die 20er Jahre zurückversetzt fühlen. Kühe und Ochsen auf der Strasse, sie trampeln durch den stärksten Verkehr und bringen ihn zum Erliegen. Auf den Feldern wird noch mit Holzpflügen und mit Holzbrettern als Egge die Krume bearbeitet, von Ochsen oder Wasserbüffeln gezogen. Die Menschen freundlich, aufgeschlossen haben keinerlei Berührungsängste. Gestern hat Jürgen Fotos von den pflügenden Bauern gemacht. Die haben ihn dann sofort aufs Feld geholt und haben ihm lachend den Pflug in die Hand gedrückt.

Schweren Herzens werden wir uns von Indien verabschieden. Indien ist ein Land, das wir jederzeit wieder besuchen würden.



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NeDesign
Letzte Änderung / Last change: Sonntag, 30. Juli 2006