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Segeln in den Seychellen
von Beate Sammer, S/Y Taniwani
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Wenn man von "Segeln in den Seychellen" spricht, meint man das Gebiet um die Granitinseln auf dem Unterwasserplateau rund um die größte Insel Mahe. Die äußeren Inseln, zum Teil hunderte Meilen von Mahe entfernt, sind Korallenatolle und für den Chartersegler unerreichbar. Auch eigentlich für den Fahrtensegler, denn man muß in der Hauptstadt Victoria auf Mahe ein- und ausklarieren. Somit ergeben sich für die inneren Inseln angenehme relativ kurze Segeldistanzen. Die weiteste Entfernung, zB. zwischen der Insel La Digue und Mahe ist nicht über 30 Meilen. Anreise: unproblematisch, zB. nonstop mit der Condor ab Frankfurt, 10 Stunden Flug Zeitzone: minus zwei Stunden zur Sommerzeit in Deutschland Charterfirmen: mehrere, zB. Dreamyachts, Moorings, Sunsail. Hauptsächlich werden Katamarane verchartert, auf Wunsch auch mit lokalem Skipper. Behördengänge und Formalitäten für den Fahrtensegler: Einklarieren geht hier zügig und freundlich. Ankommende Schiffe sollten sich etwa zwei Stunden vorbei bei Harbor Control auf Kanal 16 oder 12 melden. Man wird dann angewiesen entweder in der Nähe des Leuchturms zu ankern oder an die kommerzielle Pier zu kommen. Die diversen Behördenvertreter kommen dann bald und ziemlich gleichzeitig an Bord. Der Papierkram ist der übliche. Man bekommt dann ein Visa für einen Monat und eine Rechnung für’s Einklarieren von 100 Rupien. Die sollte man beim Hafenbüro in den nächsten 24 Stunden bezahlen, dabei wird dann auch das Schiffspapier einbehalten. Man bekommt es erst beim Ausklarieren zurück und bezahlt dann je nach Aufenthaltsdauer die Gebühren für das Schiff. Die sind für Schiffe bis 20 Tonnen: Für die ertsen 5 Tage 50 Rupien/Tag, für die nächsten 5 Tage 40 Rupien/Tag und danach 30 Rupien/Tag. Bleibt man länger als einen Monat, muß man die Visas rechtzeitig verlängern lassen. Dazu werden die Pässe für etwa 1 Woche behalten, man kann sie aber auch länger dort lassen wenn das einem nicht in den Plan paßt. Die Verlängerung ist dann bis zu einem Gesamtaufenthalt von 3 Monaten möglich. Will man Port Victoria verlassen um die inneren Inseln zu bereisen, muß man sich vorher im Hafenamt die Genehmigung holen – am besten alle Inseln aufschreiben und ein weit vorausliegendes Rückkehrdatum angeben. Man kann immer eher zurückkommen, aber man muß dann nicht jedes Mal zum Hafenamt laufen. Man sollte sich dann bei Verlassen des Hafens bei Port Control abmelden: „Leaving port, cruising inner islands“ Um die fernen Inseln wie Cosmoledo zu besuchen, kann man sich für ca. $30 pro Insel bei der Island Development Company eine Genehmigung holen. Theoretisch dürfte man dann nicht in Victoria ausklarieren und müßte wieder zurück, praktisch wird das aber wohl nicht so eng gesehen. Für Aldabra ist nochmals ein anderes Amt zuständig und die Genehmigung teurer, etwa $40/Tag, aber angeblich in Victoria günstiger als vor Ort. Wetter: im Prinzip zwei Jahreszeiten. Nordwestmonsun von Dezember bis März, Südostmonsun von Mai bis Oktober, dazwischen ca. ein Monat Übergangszeit. Die Grenzen zwischen dem Wechsel der Windsysteme sind fließend. Wir kamen zu Beginn des Südostmonsuns Ende Mai an. Unsere Erfahrungen beziehen sich also auf diese Zeit. Bei Ankerplätzen muß man während des Nordwestmonsuns zum Teil andere Buchten anlaufen. Der Ankergrund war meistens hervorragend (Sand), bis auf den Small Craft Harbour in Victoria, der aber nur von Fahrtenseglern und kaum von Charterbooten benutzt wird. Fast alle Buchten neigen dazu, dass ein Schwell hereinstehen kann (Wetter abhängig). Da mag ein Katamaran komfortabler sein als ein Einrumpfboot. Fischen: Wir waren nicht sehr erfolgreich. Das kann Jahreszeit abhängig sein. Wir schleppen immer eine Leine mit einem Plastiktintenfisch, der etwas unterhalb der Oberfläche schwimmt und ab und zu aus dem Wasser springt. Schwimmen: warmes Wasser, herrliche Brandung an wunderbaren Sandstränden mit roten Granitfelsen Tauchen und Schnorcheln: Wir sind verwöhnt, da wir gerade vom Chagos Archipel gekommen sind. Deswegen sehen wir diesen Punkt vielleicht zu negativ. Wir haben großflächig keine intakten Korallen gesehen. Das ist wohl alles in dem warmen Jahr 1998 kaputt gegangen. Die Granitfelsen unter Wasser sind sehr eindrucksvoll und an den Felsen sind auch vereinzelte (neue?) Korallen zu sehen. Auch die Fische und Fischschwärme sind schön anzuschauen. Für Schnorchler zu empfehlen: 1.Runde um das Inselchen St. Pierre im Osten von Praslin und 2. die Coco Inselchen bei Felicite. Dort sind wir mit einer Schildkröte geschwommen, die sich sogar anfassen ließ. Für das Flaschentauchen ist die Südostmonsunperiode auch nicht die beste Zeit, da Wind und Seegang doch recht kräftig sein können und damit einige interessante singuläre Felsen nicht anzutauchen sind. Das dürfte bei ruhigem Wetter sehr schön sein, da die Unterwassersicht immer besser ist, wenn man nicht direkt an einer großen (grünen) Insel taucht. Landausflüge: ZB. eine Inselrundfahrt mit dem Mietauto auf Mahe, Preis für einen Tag ab 50 Dollar, muß in harter Währung bezahlt werden. Achtung: Linksverkehr, also das Auto rechts gesteuert und unser Auto war auch Hand geschaltet (gewöhnungsbedürfig). Man kann auch ein Taxi für eine Inselrundfahrt anmieten (800 Rupees). Mahe und Praslin haben ein gut ausgebautes öffentliches Bussystem. Jede Fahrt, egal wie weit, kostet 3 Rupees, die man beim Einsteigen dem Busfahrer gibt. Auf Praslin: Besuch des Valle de Mai mit den Coco de Mer Palmen. Auch in harter Währung zu bezahlen. ( 20 Dollar) Auf La Digue: Fahrrad mieten. Preis 50 Rupees pro Tag. Dann gibt es noch einige Naturparks, deren Eintritt ähnlich wie beim Valle de Mai ist. Z.B die Insel Cousin im Nordwesten von Praslin, die auch Vogelinsel genannt wird. Empfehlenswert! Es wird eine informative Inselführung (französich oder englisch) angeboten, überall in den Bäumen und auf dem Boden sitzen brütende Vögel, die keinerlei Scheu vor den Menschen zeigen. Achtung. Insektenschutz mitnehmen, dies war der einzige Platz, wo es Mosquitos gab. Die Menschen: sind zurückhaltend, hilfsbereit und absolut nicht aufdringlich. Keine lästigen Boatboys wie in der Karibik. Wenn man sie anlächelt, lächeln sie zurück. Wenn man sie anspricht, sprechen sie zurück. Auf den kleineren Inseln sind sie etwas lockerer und gelassener als auf Mahe Sprache: das für uns unverständliche Kreol, Französisch und Englisch. Preise: Die Seychellen müssen nicht als überteuert gelten. Abgesehen von den Touristenattraktionen, siehe oben, sind die Ausgaben nicht außergewöhnlich hoch. Ganz wichtig: mit genügend Euro oder Dollar anreisen und das lokale Geld "Rupee" auf dem schwarzen Markt eintauschen. Dies scheint fast normal zu sein und wir kennen niemand der dabei Probleme bekommen hat. Am Schwarzmarkt kostet die Rupee etwa 60% vom offiziellen Preis. Alle Banken und auch ATMs rechnen zum offiziellen Kurs um. In Geschäften wird in Rupees bezahlt. Hotels und bessere Restaurants rechnen für Ausländer in Dollar ab (zum offiziellen Kurs), ebenso die Nationalparks. Wenn wir essen gehen, erkundigen wir uns vorher, ob wir in Rupees bezahlen können, was bisher immer der Fall war. Vorschlag für eine ein bis zweiwöchige Segelrundreise ab Mahe in der Südostmonsunzeit: Bei nur einer Woche sollte man sich überlegen, ob man das Boot nicht in Praslin übernimmt und abgibt und nur bei Praslin und La Digue segelt. Mahe: Zum Eingewöhnen von Victoria in die Beau Vallon Bay segeln. Von dort Tagesausflug in die Anse Major, Anse Jasmin, oder zur Insel Therese, abends zurück nach Beau Vallon. Überfahrt in den Norden von Praslin, ca 26 Meilen. Früh lossegeln. Eventuell Lunchpause in der Bay Georgette im Nordwesten von Praslin. Von dort ist es nur ein Katzensprung in die Lazio Bay, unsere Lieblingsbucht auf Praslin. Mindesten einen Tag bleiben. Von hier ist in unmittelbarer Nähe zu erreichen 1. die sogenannte Cote d Or, auf den Seekarten Anse Volbert genannt. Der Ankerplatz an der kleinen Insel Chauve Souris war meistens zu rollig, um über Nacht zu bleiben, aber ideal um mit dem Dinghi zum Inselchen St. Pierre zum schnorcheln zu fahren. 2. Ebenso schnell sind die Ankerplätze bei der Insel Curieuse, auch ein Naturpark, zu erreichen. 3. Auch kann man noch einmal zurück zu Cousin Island (Vogelinsel) fahren, die man schon auf der Fahrt von Mahe nach Praslin passiert hat. Die Überfahrt von Praslin nach LaDigue kann im Kanal zwischen beiden Inseln etwas rauh werden, aber es dauert nicht lange. Bei gutem Wetter sollte man unbedingt den Abstecher nach Felicite machen, um dort zu ankern. An Land darf man nicht, dies ist eine Privatinsel. Aber vom Ankerplatz ist man in weniger als einer Meile bei den Coco Inselchen, das schönste Schnorchelrevier in der Gegend. Man parkt das Dinghi hinter einem kleinen Riff (von Westen kommend anfahren). Am besten noch vorher auf den Tidenkalender schauen. Bei starkem Seegang und Flut wird es zu ungemütlich, als dass man das Schnorcheln genießen kann. In La Digue sollte man versuchen, einen Platz in dem kleinen Hafen La Passe an der Westseite der Insel zu bekommen. Falls der Hafen voll ist, kann man auch davor ankern. Die Zufahrt ist durch eine rote und grüne Tonne gekennzeichnet. Im Hafen liegt man absolut schwellfrei. Angelegt wird Mittelmeer mäßig. Man braucht mindestens eine lange (40 - 50 Meter) Leine. Man ankert im Hafenbecken und geht dann rückwärts Richtung Ufer. Da es recht flach wird, muß man ca ein bis zwei Bootslängen Abstand vom Ufer halten. Es empfiehlt sich, das Dinghi für das Ausbringen der Leinen bereit zu machen. Alternativ haben wir auch schon Segler mit der Leine an Land schwimmen gesehen. Die Überfahrt von La Digue zurück nach Mahe stellt im allgemeinen kein Problem da, es sei denn, der Südostwind wird sehr südlich und stärker als 20 bis 25 Knoten. Dann wird es eine Fahrt hoch am Wind bei recht ruppigem Seegang. Man darf nicht vergessen, dass das Unterwasserplateau nur eine Wassertiefe von ca 30 bis 40 Meter hat, während rundherum der Indische Ozean mehrere tausend Meter tief ist. Wir haben keine Stelle wirklich überfüllt erlebt. Manchmal häufen sich die Boote an den Ankerplätzen, aber da die Buchten groß sind, ist für alle genug Platz. Insgesamt stellen wir Fahrtensegler die Minorität gegenüber den Charterern. Unsere Lieblingsrestaurants: Der Yachtclub in Victoria. Kreolische Hausmannskost, billig und gut, und sehr unterhaltend, weil man immer andere Segler trifft. Tagesessen 35 Rupees (wer will dafür einkaufen, kochen und abwaschen?). Die Flasche französicher Wein: 110 Rupees. Zum Dessert unbedingt die Kokoseiscreme probieren. Die Baobab Pizzaria in Beau Vallon, direkt am Strand, gleicher Maßen geliebt von Einheimischen und Touristen. Dünner, knuspriger Teig, sehr lecker. An einem Tag, ich glaube es ist Sonntag, gibt es Livemusik dazu. Nicht teuer. Jeden Mittwoch ab 18 Uhr ist ein Markt mit Essensständen am Strand von Beau Vallon. Wenig bekannt, aber einen Besuch wert, wenn es einem nichts ausmacht, ohne Tisch und Stuhl zu essen. Den Sonnenuntergang gibts umsonst, nicht zu spät kommen, sonst sind die besten Sachen weg. Wir bringen immer unsere eigenen Getränke mit. Die Alternative sind Kokosbier oder Fruchtsäfte. Praslin hat etliche Restaurants, wir waren dort nicht essen, haben aber gutes gehört. In La Digue haben wir auch unsere Favouriten. Die La Digue Island Lodge, das beste Ressort auf der Insel, bietet zu durchaus akzeptablen Preisen ein vorzügliches Lunch auf der Aussichtsterrasse am Swimmingpool. Dazu super freundliches und aufmerksames Personal, Stoffservietten und eben das Ambiente eines guten Hotels. Wenn man dort übernachten will wird es schon etwas teurer. Zwischen 300 und 550 Euro muß man für eine Nacht mit Halbpension berappen. Ein Abendessen gönnen wir uns immer im Hotel und Restaurant Patatran Village. Die Lage ist wunderschön, direkt an der Nordspitze von La Digue, mit Blick auf Felicite und die Sister Inseln. Man sollte also noch im Hellen ankommen, um die Aussicht zu genießen. Auch hier ist das Essen gut, die Bedienung auf Draht. Die Dekoration mit Liebe überlegt. Zum Beispiel sind die Tischplatten wie Schubladen mit einem gläsernen Deckel gestaltet. Darin befindet sich auf ausgestreutem Sand eine Sammlung von Meeressouvenirs wie Muscheln, Krabben usw. Das Restaurant hat einen kostenlosen Taxiservice. Man wird zur verabredeten Uhrzeit im Hafen abgeholt und auch wieder zurückgebracht. Getränke: Das lokale Bier heißt SEYBREW, wird nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, die Brauerei ist von EKU aufgebaut worden. Das Bier wird wie in Deutschland in Pfandflaschen in Kästen ausgeliefert, fast wie Zuhause. Revierführer: Alain Rondeau, Seychelles Nautical Pilot, ISBN: 2-901096-38-7 Durch die Zweisprachigkeit (Französisch und eine schlechte englische Übersetzung) und den nicht allzu übersichtlichen Aufbau wirkt das Buch zunächst etwas chaotisch. Aber nach einiger Zeit hat man sich daran gewöhnt und kommt ganz gut damit zurecht. Viele Bilder, einige, zum Beispiel der Hafen in La Digue, sind nicht auf dem neuesten Stand! |
