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Karte gross
Durch die Strasse von Melakka
nach Phuket

von Renate und Manfred Urich, SJ "La Rossa"

Es war bereits recht spät im Jahr, als wir Singapore am 10. November 2004 in Richtung Malakka-Strasse verließen, wenig Wind, Gewitterwolken und eine unaussprechliche Hitze sollten für die nächsten Wochen unsere Begleiter sein.... und Hunderte von Fischerbooten mit ihren Netzen!

Vorbereitungen
Der Marina Manager der Raffles Marina, Philipp Blake, hält etwa alle 2 Wochen für die Segler, die in Richtung Thailand aufbrechen wollen, einen sehr informativen Vortrag mit wertvollen Tipps für Malaysia und Thailand. Wir erwarben auch den Segelführer "Andaman Sea Pilot", Ausgabe 2004, Cougar Cat (Thailand) Co., Ltd, email: giant603@phuket.ksc.co.th

Dieser Segelführer ist recht gut aufgemacht, enthält aber, wie wir später feststellen, viele falsche Positions-Angaben und falsche Entfernungen. Strecken planen sollte man damit also nicht. Die Angaben über Marinas basieren auf Daten von 2002, und Malaysia entwickelt sich in rasendem Tempo, etliches ist also in dem Segelführer noch gar nicht enthalten. Auch ist nach der Flutkatastrophe vom 26.12.2004 einiges zerstört - ich werde versuchen, soweit es uns bekannt ist, darauf einzugehen. Preisangaben machen wir in lokalen Währungen. Umrechnung

  • 1€ = 52 Baht (Thailand)
  • 1€ = 11.000 Rupiah (Indonesien)
  • 1€ = 2,08 $ (Singapore)
  • 1€ = 2,26 Ringgit (Malaysia)
Fischer, Fischer, Fischer...
Wir hatten beschlossen, außerhalb des Fahrwassers der Großschifffahrt zu fahren und dafür jede Nacht zu ankern. Diese Taktik war uns lieber, als ständig die riesigen Containerschiffe im Auge behalten zu müssen, die mit 20 bis 25 Knoten heranrauschen. Dafür handelten wir uns die Fischer ein. Am ersten Tag, gleich hinter Singapore, waren wir noch frisch und guter Dinge und fuhren um die langen Stellnetze, die an ihren Enden mit Fähnchen gekennzeichnet sind, herum. Zwischen den beiden Fahnen befinden sich im Abstand von ca. 20m weiße Bojen, die am Tag gut zu sehen sind. Nach dem 4. umfahrenen Netz wagten wir den Versuch, genau in der Mitte zwischen 2 Bojen mit ausgekuppeltem Motor hindurchzufahren - und siehe da, es klappte, ohne etwas zu beschädigen. Unsere La Rossa ist 2m tief.

Während der ersten Nacht ankerten wir bei der Insel Pisang auf Pos. 1°28,07'N 103°16,04'E und fuhren am nächsten Tag weiter bis kurz vor Melaka. Wir hatten gehört, dass sich auf der Insel Pulau Besar ein Resort sowie ein Dorf befinden, und dass es einen Fährbetrieb zum Festland gibt. Wir ankerten auf Pos. 2°06,72'N 102°20,4'E und fuhren mit dem Dingi zur Insel, um uns über die Möglichkeiten zu erkundigen, von hier aus Melaka zu besuchen. Es gibt zwar eine Fähre, aber sie fährt nicht nach Melaka und man muss von der Anlegestelle doch noch ein Taxi nehmen, um in die Stadt zu kommen. Das war uns zu umständlich, zumal uns der Ankerplatz wegen des NW-Windes nicht so ganz geheuer war, um das Schiff so lange unbeaufsichtigt zu lassen. Aus diesem Grund schied für uns auch das Ankern vor der Stadt aus, denn das Wasser war so unruhig, dass wir uns vorstellten, wie wir mit nassem Hosenboden aus dem Dingi klettern und dann durch Melaka wandern würden.

Port Dickson und die alte Stadt Melaka
Wir fuhren also weiter bis in die Admiral Marina, etwa 4sm vor Port Dickson. Die Marina liegt auf Pos. 2°28,5'N 103°16,04'E. Die Einfahrt ist erst spät zu erkennen; man folgt dem langen Wellenbrecher und fährt dann in großem Bogen von NW her in die Marina hinein. Die Admiral Marina ist sehr schön, mit einem Swimming Pool, Bar usw. Wir bezahlten für 3 Nächte 200 Ringgit incl. Strom und Wasser (ca. 40 Euro). Von hier aus fuhren wir zu viert mit dem Taxi für 160 Ringgit (ca.32 Euro) nach Melaka und wieder zurück. Die Fahrt dauert 1 ½ Std, und man hat dann den ganzen Tag Zeit, sich alles anzusehen. Man kann auch mit dem Bus fahren, dann wird das ganze aber zu einem 2tägigen Unternehmen.

Wir hatten mit unserem Schiff seit 2 Tagen Probleme, und zwar verloren wir Öl an der Antriebswelle. Etwa jede Stunde mussten wir 1 Liter Öl nachfüllen, Tendenz steigend. In Port Dickson deckten wir uns daher noch mit etlichen Litern Öl ein, denn wir wollten unter allen Umständen vermeiden, dass von unten Seewasser in das Stevenrohr eindringt und eventuell größeren Schaden anrichtet. Irgendwo mussten wir La Rossa aus dem Wasser nehmen lassen.

Schwimmende Müllkippe Port Klang
An das schmutzige Wasser, das uns seit Wochen umgab, hatten wir uns ja schon gewöhnt. Plastikabfälle und Müll aller Art sind seit der Singapore-Strasse ein normaler Anblick, aber dass es noch eine Steigerung geben könnte, hätten wir nicht erwartet. Mit der Flut fahren wir den Fluss hinauf zum Royal Selangor Yacht Club. Berge von Müll, tote Schweine und ausgeschlachtete Waschmaschinen reisen mit uns. Unfassbar!

Aus diversen Broschüren, Segelführern und Berichten anderer Segler lagen uns insgesamt 5 verschiedene Positionsangaben für den Yacht Club vor - jede in weiter Entfernung der von unserem GPS gemessenen Position. Wir lagen direkt am Steg vor dem Club und lasen 3°00,32'N 101°23,37'E ab. Die Clubeinrichtungen sind phantastisch und das Personal ist ausgesprochen nett, aber die Lage an dieser Kloake fanden wir scheußlich. In der Nacht polterten lange Baumstämme an den Rumpf, die mit Ebbe oder Flut in gewaltigem Tempo an uns vorbeitrieben.

Praktisch:
es sind vom Yacht Club aus nur 10 Minuten Fußweg zum Bahnhof, von wo man mit dem Vorortzug für 8,80 Ringgit pro Person (1,80 Euro) in ca. 1 ½ Std nach Kuala Lumpur fährt. In KL gibt es diverse Bahnlinien, die unterschiedlichen Betreibern gehören und für die man jeweils andere Tickets benötigt, etwas umständlich für diejenigen, die von dem perfekten Verkehrssystem in Singapore verwöhnt sind, aber KL ist sehenswert. Da die Sky-Bridge der Petronas Towers wegen des Ramadan-Feiertags gesperrt war, schauten wir uns die "Stadt der Lichter" im Sonnenschein vom Fernsehturm aus an.

Weiter nach Penang
Wir verlassen Port Klang mit ablaufendem Wasser und wieder haben wir den inzwischen vertrauten Müll mit uns. Diesmal fügen wir aber unseren eigenen Anteil hinzu, denn der Ölverlust an der Antriebswelle nimmt immer mehr zu. Neben dem Yacht Club hätte es einen Slipway gegeben, aber für unser 30-Tonnen-Schiff erschien uns das nicht geeignet.

Wir motoren 93sm und erreichen erst in der Nacht einen Ankerplatz an der Westküste der Insel Pangkor auf Pos. 4°14,37'N 100°32,38'E. In dieser Nacht haben wir nicht nur die unvermeidlichen Fischer um uns, die in dieser Gegend allerdings nicht mit den gefährlichen Stellnetzen, sondern mit Schleppnetzen fischen, sondern wir werden durch hell erleuchtete Ankerlieger genarrt. Erst beim Näherkommen sehen wir genau, was es ist.

Am nächsten Morgen verlassen wir mit der aufgehenden Sonne die Bucht in Richtung Penang; neben uns fährt die amerikanische Yacht "Blue Banana". Wir wollen die 70sm bis Penang hinter uns bringen. Von einem anderen Segler hatten wir schon in Port Dickson gehört, dass es in Penang eine neue Marina geben soll und "Blue Banana" bestätigt uns dies. Von S kommend fährt man in den Kanal zwischen der Insel Penang und der kleinen Insel Pulau Jerejak und dann nach N. Die kleine Marina liegt direkt vor der großen Brücke auf Pos. 5°21,34'N 100°18,95'E. Wer keinen Platz mehr in der Marina bekommt, kann davor in ruhigem Wasser ankern. Dieser Ankerplatz ist auf jeden Fall ruhiger und geschützter als die "Junk Anchorage" vor der Stadt George Town, ganz zu schweigen von dem Yacht Club in George Town, dessen Gebäude mit Brettern zugenagelt ist. Auch den einstmals vorhandenen Travellift gibt es nicht mehr. In Malaysia sind viele Dinge leider sehr kurzlebig: sie werden mit viel finanziellem Aufwand geplant und eingerichtet, und dann wird vergessen, dass auch die Instandhaltung Geld kostet, und das ganze verfällt wieder.

Die Jabatan Laut Marina ist die erste von ca. 20 geplanten Einrichtungen der Malaysischen Marine; sie ist eigentlich noch gar nicht richtig fertig, aber es gibt einige Stromanschlüsse und auch Wasser, aber keine Toiletten oder Duschen. Ein VHF gibt es nicht, d.h. man fährt einfach hin und sieht, ob etwas frei ist. Die beiden Angestellten, Anuar und Sharib, die für die Marina und die Marine-Schiffe zuständig sind, sind sehr freundlich und geben bereitwillig Auskünfte. In der Nähe sind zwei große Supermärkte, ein Makro- und ein neu eröffneter Tesco-Markt. In der Stadt George Town bekommt man alles in den Chinesischen Geschäften, man muss ein wenig suchen, aber das macht ja Spaß. George Town hat uns sehr gut gefallen, und wenn uns nicht unsere Antriebswelle im Nacken sitzen würde, dann wären wir hier gerne länger geblieben.

Soweit wir gehört haben, wurde die Ostseite der Insel Penang, wo auch die Jabatan Laut Marina liegt, von der Flutwelle am 26.12.2004 verschont.

Nach 2 Tagen schon fahren wir weiter. Am südlichen Ende von Jerejak sind an diesem frühen Morgen schon zahlreiche Prawn-Fischer unterwegs, die überall ihre Netze ausgelegt haben. Diese Netze sind so flach unter der Wasseroberfläche, dass man nicht darüber fahren kann. Die Netze sind mit Bojen und Fahnen am Ende markiert, man muss sich halt durchschlängeln. Ein Fischerboot kommt von Backbord auf uns zu, es sieht aus, als ob er direkt auf unseren Bug zufährt, es ist aber nicht zu erkennen, was er will und warum er das tut, kein Handzeichen, nichts. Plötzlich wirft er direkt vor unserer Nase eine Boje ins Wasser, es ist natürlich zu spät für irgendein Manöver, und wir fahren direkt durch sein Netz. Der Leinen-Cutter schneidet es kaputt. Anscheinend hatte der Fischer seine Markierungsbojen vergessen, die normalerweise gleich beim Auslegen des Netzes in regelmäßigen Abständen mit ins Wasser gesetzt werden, und nun sah er uns auf sein Netz zufahren... nun, dafür können wir auch nichts.

Endlich Langkawi!
Die letzten Meilen nach Langkawi werden für unsere Nerven zur Zerreißprobe. Wir müssen jetzt schon nach jeder Meile 1 Liter Öl in den Vorratsbehälter der Antriebswelle nachfüllen - es läuft unten direkt wieder heraus. Mit dem letzten Licht kommen wir in Kuah an und machen an einem der Pontons der Marina des Royal Langkawi Yacht Club fest (Pos. 6°18,2'N 99°51'E. Diese Marina erlitt übrigens bei der Flutkatastrophe keinen Schaden.)

Nach dem Einklarieren (Immigration, Zoll und Port Captain befinden sich an der Pier, wo alle Fähren anlegen, nur 200m vom Yachtclub entfernt) erkundigen wir uns zuerst mal nach den Möglichkeiten, La Rossa aus dem Wasser zu nehmen. Es gibt einen 70t-Travellift in der Rebak-Marina und einen 150t-Lift bei Wavemaster.

Hier ein Vergleich:
WaveMaster Langkawi Yacht Center, email: yiicl@yahoo.com
Pos. 6°17,45'N 99°47,17'E

Preise:
  • Upslip und Downslip 43,00 Rm/ft
  • Hochdruckreinigung 3,00 Rm/ft²
  • Hardstand 1,50 Rm/ft pro Tag
  • Unterwasserschiff schleifen, mit Aceton,
  • Reinigen, Streichen 22,00 Rm/m²
Die Farbe kauften wir in Kuah bei einem chinesischen Händler und bezahlten 500 Rm/5 Liter (Jotun SeaAlu). Die Reparatur an der Antriebswelle führte Manfred selbst durch, wir hatten die Ersatzteile an Bord - letzten Endes war es nur eine Kleinigkeit. Ein kleines Stück Leine von einem Fischernetz hatte sich unter die Manschette der Antriebswelle gearbeitet und an dieser Stelle ist dann das Öl ausgesickert.

Wir hatten uns aus 2 Gründen für Wavemaster entschieden: es ist besser erreichbar als Rebak, wichtig, wenn man, wie wir, die Reparatur selbst macht und schnell noch ein Ersatzteil braucht, und bei dem größeren Kran mussten wir die Stagen nicht abbauen. Wavemaster hat noch einen breiten 500t-Travellift und kann Schiffe bis 47ft Breite heben.

Rebak Marina, Rebak Island, Langkawi
Ansteuerung Pos. 6°17,4N 99°41,8'E
Upslip und Downslip 32,00 Rm/ft
Hardstand (Langzeitlieger) 1,00 Rm/ft
Hochdruckreinigung 2,00 Rm/ft²

Die Rebak Marina wurde bei der Flutkatastrophe ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen. Ob sie wieder repariert wird, ist uns nicht bekannt. Man sollte sich also vorher unbedingt über den Zustand der Marina erkundigen.

Raffles Marina, Singapore
Upslip und Downslip 16,00 SGD/ft
Arbeitszeit/Stunde/Mann 60,00 SGD

Die Inselhauptstadt Kuah/Langkawi eignet sich ansonsten für Einkäufe aller Art, natürlich für Alkoholika und Zigaretten, die hier wegen des Zollfreien Status sehr günstig sind; auch ein Auto kann man hier mieten, um die Insel damit zu erkunden. Wir hatten einen "Oldie" für 40 Rm pro Tag.

Nach dem ganzen Tohuwabohu mit der Reparatur waren wir froh, noch ein paar Tage in der Marina auszuruhen; dabei erlebten wir dann auch die Ankunft und die letzten Rennläufe der Raja Muda Regatta, die jedes Jahr von Port Klang nach Langkawi durchgeführt wird. Schließlich war unser Schiff wieder sauber, wir selbst ausgeruht und die Vorräte aufgefüllt und es konnte weiter gehen. Einen kurzen 2-Tages-Stopp legten wir noch in Telaga Harbour ein; dort wurde eine neue Marina eingerichtet, die durch die spätere Flutwelle allerdings sehr stark beschädigt wurde.

Einige Schiffe, die dort an den Pontons lagen, sanken. Ob die Marina wieder aufgebaut wird, wissen wir nicht. Erkundigen kann man sich unter info@telagaharbour.com

Der Ansteuerungspunkt für die Marina-Einfahrt liegt bei 6°21,68'N 99°40,99'E, von dort aus ist die Einfahrt durch rote und grüne Bojen gekennzeichnet. Ein dicker Felsblock liegt mitten in der Einfahrt, ist aber markiert. Die Marina "Telaga Harbour" hört auf VHF Kanal 69. Etwa 200 bis 300m westlich von der Marina-Einfahrt befindet sich zwischen zwei künstlich angelegten Inseln eine Durchfahrt, die mit Segelbooten befahren werden kann. Hinter den beiden Inseln gibt es viel Platz zum ruhigen Ankern, man braucht also nicht in die ohnehin nur kleine Marina zu fahren. Über den jetzigen Zustand der beiden Inseln, die für die Ankerlieger Schutz bieten sollen, wissen wir nichts. Mit Sicherheit wurden sie von der Flutwelle überspült.

In der Marina ist eine Diesel-Tankstelle (1,60 Ringgit/Liter). Direkt daneben befindet sich eine normale Petronas-Straßentankstelle, wo man auch Diesel in kleineren Mengen in Kanistern holen kann, das kostet dann nur 0,89 Ringgit.

Zum Einkaufen gibt es in dieser Gegend der Insel wenig. Getränke und einige Grundnahrungsmittel verkaufen die Petronas Tankstelle, ein Bottle Shop sowie ein kleiner Supermarkt in der Nähe der Restaurants. Freitags um 10.30 Uhr kommt der "Vegetable Van" zum Marina-Gebäude. ¼ Stunde vorher flitzen alle Dingis los, um rechtzeitig da zu sein, wenn der Gemüsemann eintrifft. Jeder hilft beim Ausräumen der Kisten und Kasten und im Nu ist ein kleiner Markt aufgebaut, wo es nicht nur Obst und Gemüse zu kaufen, sondern auch Eier, tiefgefrorenes Fleisch, Speck und Fisch gibt.

Am Hafen befinden sich auch einige gute Restaurants, wo man abends gemütlich sitzen kann. Aber - wie bereits mehrfach erwähnt - die Flutwelle hat mit Sicherheit einiges zerstört, was wir noch als intakte Einrichtungen erlebt haben. In der Nähe - etwa 20min zu Fuß - liegt die Talstation einer Seilbahn. Die Seilbahn selbst ist eine fantastische Konstruktion und der Ausblick über die Inselwelt von Langkawi ist einfach umwerfend.

Der ehemalige Drehort des Kinofilms "Anna und der König" liegt ganz versteckt direkt neben dem Ankerplatz; das Gebäude verfällt allerdings und ist abgesperrt. Es gab vor der Flutkatastrophe Pläne, es wieder aufzubauen und zu restaurieren, aber solche Pläne können sich in Malaysia schnell in Luft auflösen, vielleicht hat in diesem Fall der Tsunami das letzte Wort gehabt.

Auf nach Thailand!
Gleich hinter Langkawi beginnt Thailand. Wir fuhren in Tagesetappen weiter und hatten einige Ankerplätze ausgesucht, die nach der Beschreibung recht schön zu sein schienen. Wir wollten endlich wieder schwimmen und schnorcheln. Leider war das Wasser zu der Zeit, als wir hier waren, trüb und voll von Millionen kleiner Quallen. Einen sehr schönen Ankerplatz und gutes Schnorcheln genossen wir zwischen den beiden Inseln von Ko Rok Nok (Pos. 7°12,99'N 99°03,7'E).

Sehr empfehlenswert und romantisch ist Ko Muk. Hier blieben wir einige Tage, zwar auch nicht zum schwimmen, weil auch hier die Quallen aktiv waren, aber Ko Muk ist wunderschön, um es mit dem Dingi zu erkunden. Vor allem der Besuch des "Hong", einer nach oben offenen Höhle, in die man durch einen stockdunklen Kanal hineinschwimmt, war ein herrliches Erlebnis. Wir hatten eine wasserdichte Taschenlampe dabei und waren am frühen Morgen die ersten Besucher im Hong - einfach traumhaft!

Von Ko Muk aus segelten wir weiter nach Ko Lanta (7°38,32'N 99°01,47'E) und weiter nach Phi Phi Don in die Ton Sai Bay, wo wir von wellenschlagenden Ausflugsbooten geradezu überrannt wurden. Sowohl Ko Lanta als auch Phi Phi Don wurden 2 Wochen später vom dem Tsunami schwer getroffen. In Ko Lanta waren wir nach der Katastrophe nicht mehr, aber wir wagten einen kurzen Besuch auf Phi Phi Don. Hier wurde alles zerstört, und es dürfte Monate oder sogar Jahre dauern, bis das Inselchen wieder ein Urlaubsparadies ist.

Nach unserem ersten Ankerstopp auf Phi Phi Don Anfang Dezember fuhren wir dann nach Phuket. Wir hatten schon vorher versucht, in einer der beiden Marinas (Yacht Haven und Boat Lagoon) einen Platz zu buchen, aber über email war es aussichtslos. Es gelang uns schließlich, einen Liegeplatz in der Boat Lagoon (7°57,82'N 98°23,3'E) zu ergattern, aber die Einfahrt ist wirklich problematisch. Obwohl wir zum richtigen Zeitpunkt, eine Stunde vor Hochwasser, in den ausgebaggerten Kanal einfuhren, saßen wir im letzten Tel, der durch die Mangroven führt, insgesamt 4 mal im Schlamm fest. Unser Schiff hat einen Tiefgang von etwas mehr als 2m. Wir kamen jedes Mal aus eigener Kraft wieder heraus, aber es ist wesentlich einfacher, wenn man über VHF die Marina ruft und einen "pilot" anfordert. Es kostet 150 Baht, ist aber gut angelegtes Geld.

Zur Marina-Situation in Phuket:
In der Hauptsaison Dezember/Januar sind alle Marinas proppenvoll und nehmen keine Reservierungen im voraus entgegen. Um einen Platz zu erhalten, muss man vorher "am Ball" bleiben, immer wieder anrufen und eventuell eine Anzahlung im voraus machen. Emails werden oft nicht beantwortet.

Die Boat Lagoon Marina ist - wie gesagt - schwierig zu erreichen, dafür bietet sie allen Service, den man sich von einer Marina wünscht. Es gibt einen 40t-Kran, zahlreiche Trocken-Standplätze, alle Handwerker, die man für ein Schiff benötigt, einschließlich Fachfirmen für Teakarbeiten, es gibt Geschäfte für sämtliches Schiffszubehör und Ersatzteile, in Ao Chalong ist die Segelmacherei Rolly Tasker ansässig, und in der Marina selbst kann sich derjenige, der während eventueller Reparaturarbeiten nicht auf dem Schiff schlafen will, in einem schönen Hotel einquartieren. Zwei Super-Schwimmbäder stehen auch den Marina-Gästen zur Verfügung, es gibt Restaurants in unterschiedlichen Preisklassen, einen Supermarkt, eine Bank, Bäckerei, Reisebüro, Mietwagenagentur usw. Mit dem Auto ist man in 10 Minuten in Phuket Town oder bei den großen Shopping Centers und in 15 Minuten in Ao Chalong.

Direkt neben der Boat Lagoon wird zur Zeit die Marina des Royal Phuket Yacht Club gebaut. Die Bauarbeiten sind inzwischen recht weit fortgeschritten; die Flutwelle hat dort offenbar keinen nachhaltigen Schaden angerichtet. Als wir am 6. Januar 2005 wieder in die Boat Lagoon hineinfuhren, war der Durchstich vom Einfahrtskanal in die Marina bereits gemacht und die Pontons waren montiert. Was in den wunderschönen Broschüren schon seit 2 Jahren als fertige Marina beschrieben wird, scheint nun doch in greifbare Nähe gerückt. Der Ansteuerungspunkt für diese neue Marina ist derselbe wie für die Boat Lagoon.

Die Marina Yacht Haven liegt ganz im Norden der Insel Phuket. Im Gegensatz zur Boat Lagoon liegt sie schön luftig, und für diejenigen, die keinen Marina-Platz haben, gibt es genügend Ankermöglichkeiten direkt daneben, was bei der Boat Lagoon nicht der Fall ist. Für unseren Geschmack besitzt Yacht Haven aber den Nachteil, dass sie einfach zu weit weg ist von den Städten. Während die Boat Lagoon mit dem Bus von und nach Phuket erreichbar ist, benötigt man in Yacht Haven ein Auto oder ein flottes Moped. Außerdem sind im Yacht Haven keine oder nur wenige Handwerker; Reparaturen, für die man fremde Hilfe benötigt, lässt man also besser in der Boat Lagoon machen.

Für kleinere Yachten gibt es in Phuket Town noch den Ratanachai Slipway. Wir hatten eigentlich vor, uns diese kleine Marina noch anzusehen, da aber Phuket Town von der Flutwelle stark getroffen war, ließen wir das sein.

Segeln um die Insel Phuket
Um die Insel Phuket und in der Phang Nga Bay gibt es unendlich viele schöne Ankerplätze. Die Phang Nga Bay und die Gegend von Krabi sind bekannt für ihre bizarren Kalkstein-Felsformationen, die wie Finger aus dem Wasser ragen. Der bekannteste und bestimmt am meisten fotografierte Fels ist der "James-Bond-Felsen", wo der Streifen "Der Mann mit dem goldenen Colt" gedreht wurde. Zahlreiche "Hongs" laden zu Ausflügen mit dem Dingi ein. Die gesamte Phang Nga Bay ist sehr flach, Fischernetze befinden sich praktisch überall, d.h. man muss auf der Hut sein, vor den Netzen, aber auch die Wassertiefen muss man gut beobachten, und Nachtfahrten sind nicht zu empfehlen, aber auch nicht notwendig. Alles liegt dicht beieinander. Wir fuhren immer zwischen 2 Bojen über die Netze, da es einfach unmöglich war, jedem Netz auszuweichen.

Ursprünglich hatten wir vorgehabt, an der Westküste von Phuket nach Norden und dann hinüber zu den Similan Inseln zum Tauchen zu fahren. Dort soll das Wasser noch glasklar sein. Eine defekte Kühlwasserpumpe am Generator verhinderte, dass wir an Weihnachten schon an der Westküste waren, und die "blasse Nase" unseres Bordgastes tat ihr übriges und ließ uns zunächst die ruhigere Phang Nga Bay aufsuchen.

Die große Flut
Die Flutkatastrophe erlebten wir an einem geschützten Ankerplatz in der Nähe des "James-Bond-Felsens". Außer einer ungewöhnlich heftigen Strömung und starker Strudel, die sich plötzlich rings um La Rossa gebildet hatten und deren Ursache wir nicht verstehen konnten, hatten wir nichts gespürt. Zwar wunderten wir uns, dass der "James-Bond-Felsen" an diesem Tag in der Hochsaison total verwaist dastand und die Muschel-Mobiles an den abgedeckten Andenkenständen nur leise im Wind klimperten, aber wer konnte denn ahnen, dass sich an diesem Morgen eine der größten Naturkatastrophen in der Menschengeschichte ereignet hatte?

Erst durch die besorgten und aufgeregten Anrufe von Familie und Freunden erfuhren wir, was sich hier, nur 20km entfernt von uns, abgespielt hatte. Wir versuchten, Kontakt mit unseren Segelfreunden aufzunehmen, die in der Nai Harn Bay im Südwesten von Phuket geankert hatten, aber die Mobiltelefone funktionierten nicht; das Netz war zusammengebrochen. Über Funk erreichten wir sie schließlich und erfuhren, dass die Segler allesamt mit dem Schrecken davongekommen waren. Wir konnten auch für La Rossa "Entwarnung" geben, denn Freunde in Deutschland hatten uns schon auf die Liste der vermissten Personen beim Auswärtigen Amt setzen lassen.

Was sollten wir nun tun? Wir hatten ja noch einen Gast an Bord, und wir konnten uns ja auch nicht einfach in Luft auflösen. In eine der Marinas wollten wir auch nicht, denn hier war jetzt - noch mehr als sonst - die Hölle los. Wir steuerten einige Ankerplätze in der Phang Nga Bay an und ankerten in der Ao Nang Bay. Hier hatte eine neue Stützmauer oberhalb des Strands wohl das schlimmste verhindert und die Welle gebremst. Aber überall lagen zerbrochene Holzkähne auf dem Strand und Hilfsmannschaften waren mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Auch die kleine Insel Phi Phi Le, wo am Strand der Maya Bay der Kinofilm "The Beach" mit Leonardo Di Caprio gedreht wurde, war relativ unversehrt. Die Moorings dort sind noch vorhanden, zum Teil aber beschädigt - man muss sie unbedingt abtauchen! Die Gäste, die an dem Morgen der Flutwelle dort schon am Strand waren, konnten sich in aller Eile hinter die schützenden Dünen flüchten. Der berühmte Strand ist jetzt freilich zum großen Teil weggespült.

Einen Stopp machten wir bei der Insel Phi Phi Don, denn wir hatten vorgehabt, auf diesem fröhlichen Inselchen vielleicht Silvester zu feiern. Auf das, was uns in Phi Phi Don erwartete, waren wir nicht vorbereitet, denn wir hatten ja keine Fernsehbilder gesehen. Es war einfach grauenhaft; die Wellen hatten alles, Menschen und Sachen, mit sich gerissen und zerstört. Zutiefst betroffen und schockiert fuhren wir wieder ab.

Es war nicht einfach, einen Ankerplatz zu finden, der nicht in Mitleidenschaft gezogen war. Wir wollten auch nicht den Hilfstruppen im Weg stehen und Katastrophentourismus betreiben, aber man konnte dieser Katastrophe auch nicht aus dem Weg gehen oder sie per Knopfdruck abschalten. Überall im Wasser umgaben uns schwimmende Holzbalken, Kanister, ausgelaufenes Öl, umgekippte, zerbrochene Boote, Schuhe, so viele Kinderschuhe - erst allmählich begreifen wir, was hier geschehen ist, und welchem Zufall wir es zu verdanken haben, dass uns diese Katastrophe nicht getroffen hat.

So schmal ist manchmal der Grat, auf dem wir durchs Leben gehen.

Es war unser Weihnachtsgeschenk, dass uns nichts passiert ist, aber für viele fröhliche Urlauber war dieser Weihnachtstag das Ende. BU's: Rikscha-Passagier in Penang/George Town, Malaysia Dez. 2004



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Letzte Änderung / Last change: Donnerstag, 05. Mai 2005