Print pageprinter.gif 15x15 Letzte Änderung / Last change: Mittwoch, 10. Februar 2010 Translate
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Karte gross
Papua Neuguinea - Spagat zwischen Steinzeit und Neuzeit

von Klaus und Maria Haeussler, SY. Ludus amoris
E-Mail: ludus.amoris@gmail.com

Von Townsville im tropischen Australien war unser Absprung geplant zu den Louisiaden. Diese Inselgruppe gehoert zu Papua Neuguinea und verlaengert die Hauptinsel mit der Hauptstadt Port Moresby nach SE hin.

Die Strecke bis zum Duchateau Pass ist etwa 600 sm. Es empfiehlt sich, ein geeignetes Wetterfester abzuwarten, denn die See kann recht rauh sein und haeufig weht der Wind sehr noerdlich, also von vorn.

Wir schafften die Strecke in 4 Tagen. Anfaenglich hatten wir mit Squalls zu kaempfen. Aber mit zunehmender Distanz zu Australien wurde der Passat gleichmaessiger aus E bis SE mit 15 bis 20 Knoten. Der Pass ist problemlos zu finden. Allerdings sind die MaxSea Karten auch hier nicht genau. Hinter der Koralleninsel ankerten wir auf 5 Meter in tuerkisgruenem Wasser. Der Ankerplatz war etwas rollig. Aber wir sollten spaeter feststellen, dass es eigentlich in den gesamten Louisiaden keinen ruhigen Ankerplatz gibt. Mit einem Heckanker drehten wir das Heck zu den Wellen und es war fortan gemuetlich.

Ausser uns lagen bereits einige Australier hier - die Vorhut der alljaehrlichen Rallye. Zwar waren die kleinen Motus auf dem Riff unbewohnt. Aber trotzdem tauchten ploetzlich Locals in ihren schnellen Segelkanus mit Ausleger auf. Es sind abenteuerliche Fahrzeuge. Ihr Segel sind aus Plastikfetzen in allen Farben zusammengestueckelt. Meist besteht die Besatzung aus drei Mann. Im Heck sitzt der Steuermann mit einem losen Paddel und korrigiert den Kurs. Ein anderes Crewmitglied steht auf dem Ausleger als Ballast. Und der Dritte ist meist damit beschaeftigt, das Kanu leer zu schoepfen. Gewendet wird nicht, sondern lediglich der Mast umgeruestet. Dann faehrt das Kanu "rueckwaerts". - Als sie bei uns laengseits gingen, legten sie ruck-zuck den Mast und paddelten die letzten Meter. Und dann klammerten sie sich an die Reling und sagten nichts, schauten nur mit grossen, neugierigen Augen. Es waren wilde Kerle mit wulstigen Lippen und breiter Nase, die Haare schwarz und kraus.- Weil wir gerade erst angekommen waren und eigentlich unter Deck zum Schlafen wollten, waren wir auch nicht sehr gespraechig. So schwiegen wir uns an und laechelten. Nach einigen Minuten hatten sie verstanden, dass wir momentan nicht die geeigneten Gespraechspartner waren und sie paddelten zum naechsten Schiff, wo sie von den Australiern gelich an Bord geholt wurden.

Sie kamen wieder, am naechsten Tag. Wir sprachen sie auf Englisch an. Und sie erwiderten in Englisch. Rudimentaer zwar, aber gut genug. Heute luden wir sie auch an Bord, denn wir wollten einiges von ihnen erfahren. Das kalte Wasser war eine Besonderheit fuer sie und sie tranken es mit hoerbarem Genuss. Die wilden Kerle entwickelten sich zu ganz netten. Ihr Lachen war sehr unmittelbar und ein Strahlen ging ueber ihr Gesicht. Bei Abschied fragte einer dann ganz vorsichtig, ob wir ihm eine Taucherbrille ausleihen koennten. Klar, das konnten wir. Und sie durften sie behalten. Sie bedankten sich, indem sie drei Stunden spaeter mit fuenf riesigen Lobstern ankamen. Uhh, das war viel zu viel fuer uns. Wir nahmen zwei. Die anderen brachten sie den Australiern.

Einige Tage spaeter segelten wir nach Panapompom, etwa 30 sm weiter noerdlich.

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Flaggenparade in Panapompom

kanu.jpg 320x213Segelkanu
Die Louisiaden sind von einem riesigen Ringriff umgeben. Deshalb haelt sich der Seegang in Grenzen. Hier nun mussten wir einklarieren. Ein alter Fischerkahn diente dem Customsofficer als Aussenstelle. Denn eigentlich muesste man in den Hauptort Misima zum Einklarieren. Der liegt aber weit noerdlich und man muesste anschliessend gegen den strammen Passat zu den Inseln im Sueden zuruecksegeln. - Wir ankerten nahe des "Customsoffice" und riefen ueber VHF. Nach einiger Zeit meldete sich eine muede Stimme und bat, man moege ihn in einer Stunde abholen. In der Zwischenzeit kam ein Bananaboat laengseits und ein agiler Mitvierziger sprang an Deck. Quarantaene! "I like Germans, they always have good Whisky!" war seine Begruessung. Aber auf dem Ohr hoeren wir grundsaetzlich nichts. Wir boten ihm kaltes Wasser zum Trinken an. Aber das lehnte er geradezu empoert ab und nuschelte etwas von Bier oder Cola. Er stellte uns ein Papier aus und verlangte 270 Kina. DAs sind etwa 100 US$. Wir hatten keine Kina. Ja, wir sollten nach Misima kommen und dort bei der Bank eintauschen und dann in seinm Office dort bezahlen. Den Muell, auch den organischen, nahm er nicht mit.

Dann holte ich den Customs Officer ab. Ein dicker Mensch waelzte sich eine rostige Leiter herab in unser Dingi und wurde gleich nass. Das Dingi hatte bedenklichen Teifgang. Vorsichtig fuhr ich gegen den Schwell zur Ludus amoris. Mit vereinten Kraeften - ich schob, Maria zog - hievten wir ihn an Deck, wo er sich voellig vorausgabt ins Cockpit fallen liess. Dann oeffnete er sein schwarzes Aktenkoefferlein und holte ein Buendel Formulare heraus. Alles dauerte ewig. Das Schreiben fiel ihm sichtlich schwer. Manchmal durfte ich ihm buchstabieren. Schliesslich fragte er, ob wir gleich ausklarieren wollten.Na klar doch! Bedingung: wir durften das Auslaufdatum unter keinen Umstaenden ueberschreiten. Wir konnten ihn beruhigen. Und dann kam etwas ueberraschend die Rechnung: 50 Kina. Wir wussten, dass niemand wusste, was eigentlich die Regel war. Wir hatten keine Kina. "You have Dollar?" Aha! Ich bot ihm 10 Dollar an. Damit war er zunaechst zufrieden. Dann fiel ihm ein, dass er viel Arbeit mit uns hatte und die Banken ja auch Zinsen verlangen wuerden. Also 20 Dollar. Wir zoegerten. Dann bat ich ihn um eine Quittung, was ihn sichtlich in Verlegenheit brachte. Er habe kein entspraechendes Formular bei sich, meinte er dann. Kein Problem, erwiderte ich und begann eine Quittung zu formulieren. Wir brauchten nur seine Unterschrift und seinen Stempel. Nein, nein das ging so nicht. Da sass er nun und zerbrach sich den Kopf. Lange. Dann begann er in seinem Koffer zu suchen. Und siehe da, ein Formular kam zum Vorschein. Immerhin.

Als wir spaeter zum Ankerplatz motorten, wo man gut geschuetzt lag, wenn auch etwas rollig, erfuhren wir von den Seglern dort, dass dieser Customofficer ueberhaupt nicht befugt war, Gebuehren zu erheben. Ausserdem lag er im Konflikt mit dem Quarantaene Officer. Denn er behauptete - auch uns gegenueber - dass er auch ermaechtigt waere, als Quarantaene Officer zu fungieren. Das Chaos war also komplett. Paul von der "Damarri" wollte es genau wissen und mailte nach Port Moresby, um vom Headquarter dort zu erfahren, was nun wirklich die Gebuehren seien und schilderte die Situation hier bei uns. Er bekam nie Antwort. Aber der Customs Officer wurde ploetzlich nach Misima abberufen.

papua01.jpg 300x242 Ponapompom ist eine groessere Insel mit einigen Villages. Die Kinder haben taeglich einen langen Weg durch den Dschungel zur Schule auf der Nordseite der Insel. Fast alle Kinder gehen zur Schule, obwohl sie Geld kostet. Einige Familien koennen es sich nicht leisten. Am Nationalfeiertag, wenn die Unabhaengigkeit gefeiert wird, marschierten auch wir hinueber zur Schule, denn dort sollte dieser wichtige Tag mit einem Festakt begangen werden. Juli, die 21-jaehrige Lehrerin, hatte das Fest organisiert. Ein wichtiger Tag fuer sie, denn die Wuerdentraeger von der ganzen Insel trafen ein, um daran teilzunehmen und vor allem um ihre Reden zu halten. Die vielen Kinder sassen geschmueckt mit Palmblaetter und geschminktem Koerper und Gesicht auf dem Boden und mussten die ewig langen Reden ueber sich ergehen lassen: Schulaufsichtsbehoerde, Gemeindevorsteher, Pfarrer, Kethechet ... Die Nationalhymne wurde gesungen, waehrend Juli die Flagge von PNG und den Louisiaden hisste. Dann fuehrten Kinder und Erwachsene traditionelle Taenze auf, die vor allem bei den Locals selbst helle Begeisterung ausloesten. Der Nachmittag galt Wettkaempfen: Spoon lemon race, was man bei uns als Eierlauf kennt. - Es war ein gelungenes Fest und Juli war happy.

Inzwischen waren die Teilnehmer der Rallye eingetroffen am Ankerplatz. Viele maches das jedes Jahr. Und auch die Locals haben sich darauf eingestellt, denn nun gab es viele Geschenke wie Kleider, Schnorchelausruestung, Werkzeuge oder Dinge, die im letzten Jahr "bestellt" wurden. Die Locals gaben dafuer Fruechte und Gemuese, ein durchaus fuer beide Seiten sinnvoller Austausch.

Wir segelten zu anderen Inseln. Zuerst nach Panasia, das durch die hohen Kliffs weithin sichtbar ist. Die Insel gehoert dem Clan von John. Das zumindest behauptet er. Und entsprechend verhaelt er sich - fordernd. Wir zogen bald weiter nach Moturina. Um nicht direkt vor einem Dorf zu ankern, suchten wir uns einen Platz zwischen Moturina und der naechsten Insel im Westen. Aber das hielt die Einheimischen nicht davor ab, in Scharen herbeizustroemen. "Excuse me, do you have ...?" Wir kamen uns vor wie ein schlecht sortierter Supermarkt. T-shirts, Lebensmittel, Fleischdosen, Fisch in Dosen, Schnorchelausruestung, Solarpanele, Honda Generator, Fernglas ... Nichts, was nicht auf ihrer Wunschliste stand. Und sie waren waehlerisch. Nicht alles, was man ihnen anbot, wurde akzeptiert. Es wurde laestig! Nach wenigen Tagen hatten wir nichts mehr, was wir zum "Traden" einsetzen wollten und sagten das auch. "Damarri" lag neben uns. Ute ist Krankenschwester und sie behandelte immer wieder Wunden von Kindern mit allem, was sie zur Verfuegung hatte. Als sie schliesslich nichts mehr hatte, was sie weggeben konnte, bekam sie zur Antwort: "Piss off!"

please.jpg 320x213 Auch auf den naechsten Inseln war die Situation aehnlich. Man kam nicht zur Ruhe. Damarri entschied sich, die Rueckreise nach Australien anzutreten. Sie waren genervt. Wir aber segelten nach Norden zum Atoll Budi Budi in der Hoffnung, dort andere Verhaeltnisse anzutreffen. Die Distanz ist 120 sm. Budi Budi liegt sehr isoliert von den anderen Inseln und ist soweit entfernt, dass sie ziemlich vernaechleassigt wird von der Regierung. Und die Menschen sprechen eine ganz eigene Sprache, was ihre Isolation noch foerdert. Es kommt kaum mal ein Versorgungsschiff hierher. Deshalb leben die Menschen fast nur von Fisch und Kokosnuss. Als wir am Sonntagnachmittag in die Lagune fuhren, war das fuer sie eine Sensation und im Nu waren wir umringt von Dutzenden von Kanus. Aber sie waren nicht "pushing". Eine Woche verbrachten wir dort mit ihnen zusammen, wurden in das Dorf eingefuehrt und es war uns moeglich, viele Dinge zu reparieren. Alte Maenner und Frauen brachten ihre uralten Brillen, die zerbrochen waren. Diese Brillen haben sie frueher von anderen Seglern bekommen. Und die alten Maenner koennen ohne Brillen nicht mehr schnitzen. Also loetete ich und schraubte, dass es eine Freude war. Und Maria hat alte Brillen mit gaengier Staerke. Die gab sie beduerftigen Alten, die ganz happy waren, dass sie ploetzlich wieder sahen. Und ganz wichtig: wir konnten die Naehmaschine wieder reparieren! Darueber waren die Frauen sehr gluecklich.

Das groesste Erlebnis aber hatten wir in Bougainville an der Suedwestkueste. Dort kommt kaum ein Segler hin. Hinter einem Huk in der Empress Augusta Bay fanden wir einen geschuetzten Ankerplatz. Es dauerte den ganzen Tag, bis von einem unter dichtem Regenwald versteckten Dorf ein Kanu kam und sich vorsichtig naeherte. Es war der Lehrer, der auch Englisch sprach. Er lud uns im Namen des Chiefs ins Dorf ein. Und am naechsten Morgen fuhren wir mit dem Dingi hin. Das hoerten natuerlich alle Menschen, denn ein Motorengeraeusch hebt sich dort von allen anderen ab. Und so warteten schon viele unglaublich schwarze Menschen unter den schattigen Baeumen des Regenwaldes. Viele Haende trugen dann unser Dingi auf den Strand und grosse erwartungsvolle Augen blickten uns neugierig an. Die Frauen standen in einer Gruppe etwas abseits und fixierten uns. Ich fragte nach dem Chief. Und der trat dann auf mich zu und wir begruessten uns auf Englisch. Wir baten um Erlaubnis, vor seinem Dorf ankern zu duerfen. Und er war so geruehrt, dass er uns anbot, uns frei hier und in seinem Dorf zu bewegen. Ich gab ihm dann ein handschriftliches Schreiben mit einem Bild der Ludus amoris, unserem Stempel und einer Visitenkarte draufgeklebt.

Ab da waren wir erklaerte Freunde. Man fuehrte uns durchs Dorf, immer eine Karawane Menschen hinterher. Wir begruessten ganz bewusst die Frauen, die vor ihren Palmhuetten sassen und kochten, oder Taschen flochten oder Babies stillten.
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Bougainville: Schoenheit mit Bethelnut
Sie waren alle so froehlich. Und wenn sie lachten, leuchteten ihre Muender knallrot von der unausstehlichen Bethelnuss. Alle kauen sie. Und weil die Nuss zusammen mit einem gefaehrlichen Lemonenpulver und Senf genommen wird, greift das die Zaehne an und viele haben Karies oder sogar Krebs am Gaumen. Ein Jammer! - Mike, der Bruder des Chiefs, demonstrierte, wie man mit einem Moerser Maniok zerstampft. Den Brei knetete er zu einem Knoedel und wickelte ihn in ein Bananenblatt. So wird das dann gekocht. -

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Dann zeigte er uns, wie sie hier auf traditionelle Weise Feuer machen.
Ein spannender Vorgang, bis dann endlich der erste Rauch aufsteigt. - Auf einem Holzgestaenge hingen grosse Streifen Schweinefleisch. Gerade waren drei Schweine geschlachtet worden, denn am naechsten Tag war eine Zeremonie angesagt, um die dreitaegige Trauer fuer einen alten Mann zu beenden. Da wird dann viel getanzt und gegessen. Wir waren dazu eingeladen. Leider wurde das Fest dann abgesagt, denn die Menschen aus dem Dorf, aus dem der alte Mann stammte, konnten den langen Marsch hierher in der Hitze nicht bewaeltigen. Sie hatten naemlich bereits die ganze Nacht gefeiert und getanzt. Schade.

Immer wieder besuchten wir das Dorf, ohne dass auch nur einmal jemand den Versuch gemacht haette, mit uns zu traden. Das war sehr wohltuend. Nur der Lehrer kam ab und zu mit dem Kanu zur Ludus amoris heraus und es entwickelte eine schoene Vertrautheit. Denn er konnte uns viel ueber die Menschen im Dorf erzaehlen. Und auch ueber sich. Er stammt naemlich von der grossen Insel New Britain, also weit weg. Und er ist lange nicht so dunkel wie die Menschen hier.

Maria und ich hielten eine Unterrichtsstunde in der Schule ueber unsere Reise, die Laender, die wir alle besucht haben und unsere Abenteuer. Das ganze Dorf war anwesend. Und am Ende zeigten wir Bilder auf dem Computer von der Reise. Und dann vor allem Bilder, die wir von ihnen im Dorf geschossen hatten in den letzten Tagen. Da brach ein unbeschreiblicher Jubel aus, wenn sie sich erkannten. - Anschliessend tanzten sie fuer uns. Sie bezogen uns ein in die Taenze. Und als ein grosser schwarzer Juengling mich auf den Schultern im Kreise trug, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Sie sind ja so herrlich froehlich!

Als wir uns verabschiedeten, um am naechsten Tag abzusegeln, brachten sie viele Geschenke und das Dingi war voll mit Nuessen, Pampelmusen, Bitterorangen, Zuckerrohr, Taro und vor allem alle Arten von Bananen. Wir waren aber gut vorbereitet. Denn Maria hatte 80 Cookies gebacken. Und dann brachten wir alle T-shirts, die wir entbehren konnten, Schnorchelgeraete, viele Schwimmbrillen und zwei Schachteln Zigaretten, was wiederum Jubel ausloeste. Als wir losfuhren mit vollbeladenem Dingi, standen sie am Ufer und winkten und riefen. Das war so ruehrend.

Es war bereits dunkel, als sich ein Kanu naeherte. Robert, der Lehrer, kam nochmals vorbei und entschuldigte sich. Aber er hatte einfach nochmals kommen muessen, sagte er. Wir luden ihn ins Cockpit und redeten nochmals miteinander ueber die vergangenen Tage. Dann gab er uns einen Brief, den wir aber erst morgen oeffnen sollten. Er verabschiedete sich.

Der Brief begann: "Beloved Father and Mother!" Und dann entschuldigte er sich fuer die Anrede. Aber wir waeren ihm so ans Herz gewachsen. Und ich wuerde ihn so sehr an seinen (weissen) Stiefvater erinnern. Jetzt waere er in Trauer, weil wir abreisten. - Es war ein wundervolles Zeugnis von Zuneigung. Wir waren geruehrt.

Das also waren die anderen Erfahrungen, die wir in Papua New Guinea gemacht hatte.

Und dann starteten wir die Maschine und kaempften uns gegen den Strom nach Norden. In der Nacht drifteten wir 23 (!) sm zurueck! Mit etwas Glueck haetten wir vor Dunkelheit an dem einzigen Ankerplatz sein muessen, der sich anbot. Mitten in Riffgewaessern. Wir brauchten also Tageslicht. Aber daraus wurde zunaechst nichts.

Einen Tag spaeter:
die Flaute hielt an. Frustrierend! Aber die Maschine machte einen super Job. Nur: der Strom verminderte unsere Geschwindigkeit um 2 Knoten auf 3.7 Knoten. Inzwischen bildeten sich am Himmel bedrohliche Gewitterwolken. Rundum. Es war 16.00 und wir hatten noch 12 sm zum Ankerplatz zu fahren. Punkt 18.00 wird es hier stockdunkel. Und dann kam, was kommen musste: ein unwahrscheinlicher Wolkenbruch ergoss sich. Die Welt ging unter. Sicht gleich Null. Und vor uns lagen die Riffe. Scheisse! Das Radar war eine grosse Hilfe. Es zeigte, dass der Regen bald vorueber war und die Konturen von Land, die Einfahrt in die Bucht, wurden deutlich sichtbar. Wir haben zwar elektronische Karten, mit denen man "blind" fahren koennte. Aber in diesen Gewaessern sind sie meist ungenau. Das ist gefaehrlich, weil in Riffen oft wenige Meter ueber Sein oder Nichtsein entscheiden. Wir entschieden uns fuer "Sein"! Das Gewitter hatte einen positiven Effekt: die Sturmboeen mit 30 Knoten machten Ludus amoris ploetzlich schnell. Und so schossen wir in die gesuchte Bucht und Punkt 18.00 fiel der Anker. Dann war Nacht.

Maria hatte wohlweisslich ein Flaeschchen Weisswein kaltgestellt. Mit Spaghetti zusammen feierten wir die geglueckte Ankunft. Zwei Tage spaeter waren wir gestartet nach Micronesien. Zuerst mussten wir durch die enge Passage zwischen Bougainville und Buka Island. Huuuh, war da viel Betrieb, denn auf Buka Island wird Mining betrieben. Es gibt Reparaturbetriebe, Restaurants, Hotels und vor allem einen bedeutenden Markt, auf dem sich die Locals von ganz Bouganinville versorgen. Von links nach rechts und rechts nach links fuhren uns die Wassertaxis um die Ohren. Als wir dann draussen auf der Nordseite waren, hatte es kaum Wind und wir setzten alle Segel. 10 Minuten spaeter eine Boe. Maria: "Da kommt mehr!" Wir zerrten das Gross runter und rollten die Genua ein. Inzwischen kraengte Ludus amoris so stark, dass der Mast fast auf dem Wasser lag. 40 Knoten Wind! Aber dann waren Fock und Besan gesetzt und wir nutzten das "Geschenk" und duesten mit 7 bis 8 Knoten in Richtung Pohnpei (Hauptinsel von Micronesien). Ganz langsam ging der Wind zurueck, stand aber mit 30 Knoten stundenlang durch. Dann, um 17.00, kam ein Squall. Wir sahen ihn kommen und hatten rechtzeitig gerefft. 45 Knoten diesmal und ein Wolkenbruch. Aber kein Gewitter! Und der Wind kam aus der richtigen Richtung. - Die Nacht war dann angenehmes Segeln mit 5 bis 6 Knoten Speed. Zwischendurch hatte der Wind immer mal unguenstig gedreht, aber es lief.

Dann aber lief es nicht mehr. Oder nicht mehr richtig. Viel Flaute, dann Squalls mit enormen Winddrehungen, die uns kaum weiterbrachten. Der dritte Tag war ganz ohne Squalls, aber auch ohne Wind. "Kommt schon", sagten wir uns. Doch die Wetterkarte verhiess nichts Gutes. Das Problem: in dieser Gegend verheisst sie nie etwas Gutes, da muss man einfach durch. - Dann der naechste Tag: 5 Squalls, dazwischen motoren. Der Diesel reichte jetzt fuer den Notfall bis Pohnpei. Wenn wir noch etwas segeln duerften, waere das auch schoen.

Es war 08.45 Uhr am Morgen, wir hatten in der Kajuete bereits wieder 33 Grad! - Und so kaempften wir uns voran, ueberquerten den Aequator (zum wievielten Male?) am Freitag, den 13. November um 01.11 und 10 Sekunden. Der letzte Tag hatte es nochmals in sich. Bereits in Sichtweite der Insel Pohnpei erwischte uns morgens um 06.00 eine maechtige Regenboe und legte Ludus amoris auf die Backe. Aber mit Geschick und raschem Handeln konnten wir die Segel bergen und Schlimmeres verhueten. Und einige Stunden spaeter klarierten wir bei den ausgesprochen freundlichen Beamten von Quarantaene, Immigration und Zoll ein. - Acht Tage hatte der Trip fuer die knapp 800 sm gedauert. Es war ein muehsames Geschaeft.



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