Wir waren von Pohnpei zum Atoll Ant motort, etwa 10 sm suedlich der Stadt. Dort waren wir ganz alleine. Es ist ein kleines Atoll in Privatbesitz.
Wir mussten uns aber in Pohnpei erst eine Genehmigung vom Eigner holen fuer unseren Aufenthalt dort. Und vor allem mussten wir aus Pohnpei ausklarieren. Eine aufwendige Prozedur, wenn man bedenkt, dass wir ja die naechsten 2 Monate in Micronesien bleiben werden. Als wir morgens um 08.00 an die Government Pier fahren wollten, um dort festzumachen, kam uns ein grosser Frachter entgegen. Der Kapitaen bruellte ins VHF: Was wollt Ihr? Ich antwortete: wir legen an der Pier an, wie uns vom Port Control befohlen. - Haut ab, that's my spot! - Das war deutlich. Auch er wollte just an diese Stelle anlegen. Natuerlich drehten wir sofort ab, denn ein Frachter hat kaum Manoeverierungsmoeglichkeit, wenn er so langsam ist. Das war ein Fehler der Port Control. - Wir warteten, bis der Frachter festgemacht hatte - immer eine interessante Angelegenheit, weil wir feststellen, dass sie im Prinzip nichts anderes machen als wir. Am Heck war noch ein kleiner Spot fuer uns. Dort quetschten wir uns rein und machten fest. Dann riefen wir Port Control und sagten, wir seien bereit zum Ausklarieren. Antwort: Sie muessten erst den Dicken fertig machen. Also stellten wir uns auf 2 Stunden Wartezeit ein. Sehr unangenehm in der Hitze und in diesem Dreckwasser. Aber ploetzlich kam ein Immigration Officer an die Pier und schaute auf uns herab. Wir hatten Low Tide und es waere eine betraechtliche Leistung von ihm gewesen, die hohe Mauer auf unser Schiff herabzuklettern. Und natuerlich auch ein Risiko. Das sah er wohl auch so, fragte nach unseren Paessen, stempelte sie ab und erklaerte, wir koennten jetzt absegeln. Ruck-zuck waren wir weg. Denn ueber die obligatorische Hafengebuehr hatte er kein Wort verloren. Wir auch nicht.
Eine Woche verbrachten wir im friedlichen Ant Atoll. Das Riff war dicht bewachsen mit Urwald, Mangroven und vor allem Palmen. So dicht, dass man nicht an Land konnte. Es gab eigentlich nicht mal einen Sandstrand. Trotzdem genossen wir den Aufenthalt und schwammen, schnorchelten, lasen und ruhten. Urlaub!
Dann segelten wir nach Lukunor
, etwa 260 sm etwas suedlicher als West, also zweieinhalb Tage. Und so kamen wir mitten in der Nacht an. Wir wuerden niemals nachts in eine unbekannte Riffpassage hineinfahren. Also legten wir uns etwa 5 sm vor der Riffeinfahrt auf Drift. Der Wind war voellig eingeschlafen. Aber man muss mit Strom rechnen, der einen dann doch aufs Riff setzen koennte. Deshalb machten wir, wie ueblich, Nachtwache.
Maria hatte sich zur Ruhe gelegt und ich machte es mir gemuetlich im Cockpit. Die Nacht war warm. Ueber uns ein herrlicher Sternenhimmel mit dem Orion, der gerade ueber den Horizont schaute. Sternschnuppen flitzten im Sekundentakt durch die Atmosphaere und vergluehten. - Ich ordnete gerade die Polster zu einer bequemen Sitzposition, als ich ein lautes Atmen vernahm, wie es Maria tut, wenn sie sich im Schlaf umdreht. Ich musste mich verhoert haben, denn Maria war doch unten im Schiff. Doch dann nach einigen Sekunden: tiefes Einatmen - Ausatmen. Nun schaute ich doch nach, ob Maria wirklich in ihrer Koje war. Da lag sie ganz friedlich und schlief. Es dauerte einige Minuten, dann war das ueberdimensionale Atmen wieder hoerbar. Jetzt aber vom Heck. Ein Delphin konnte es nicht sein, denn der gibt ein kurzes, stossartiges "Pfff" von sich, wenn er auftaucht. Ein Wal macht ein sehr langes "Pfffffffff". Was in meiner Vorstellung uebrig blieb, wae eine Riesenschildkroete. Wieder hoerte ich es. Ich bekam eine Gaensehaut. Da half nur noch der Halogenscheinwerfer, denn jetzt wollte ich schon gerne wissen, wer seinen Schabernack mit mir trieb. Als das Atmen nach einiger Zeit wieder kam, diesmal von Steuerbord, hielt ich mit dem Scheinwerfer drauf. Da war etwas helles Grosses, das sich schuettelte und zitterte und dann wegtauchte. Offensichtlich hatte ich das Tier erschreckt, denn jetzt dauerte es 10 Minuten. Dann war es wieder da. Wieder leuchtete ich es an. Dann sah ich das typische Identifizierungsmerkmal: die Rueckenfinne. Ein Wal! Etwa 7 Meter lang, fast weiss, kleiner Kopf. Diesmal ertrug er den Scheinwerfer und blieb an der Oberflaeche.
Maria war inzwischen ins Cockpirt gestuerzt. Auch sie hatte das Atmen vernommen. Nun hatten wir alle Musse, das Tier aus naechster Naehe zu betrachten. Weil es staendig an der Oberflaeche war, blieb sein Blasloch ueber dem Wasser und der Wal atmete richtig menschlich. Nur eben maechtig und laut. Zwei Stunden blieb das Tier in unmittelbarer Naehe der Ludus amoris. Die Frage ist warum? Man weiss von Pottwalen, dass sie schon mal mit einem Schiff flirten, wohl in der Annahme, es handle sich bei dem graugestrichenen Rumpf um eine Walkuh. Wir aber haben doch einen roten Rumpf! Koennte das nicht einen entgegengesetzten Effekt haben wie bei einem Stier? Aber dafuer gab es keine Anzeichen. - Noch war das erste Buechsenlicht nicht erkennbar, da tauchte eine Schule Delphine auf und vollfuehrte um Ludus amoris herum eine richtige Zirkusshow. Was fuer eine Nacht! Um welche Art von Wal es sich handelte, haben wir bis jetzt noch nicht herausgefunden. Belugas gibt es nicht in warmen Gewaessern, soweit mir bekannt ist. Sie sind auch kleiner.
Als die Konturen von Lukunor erkennbar wurden, starteten wir die Maschine und liefen auf den Pass zu. Um 06.30 waren wir durch und in der Lagune von Lukunor. Vor dem Dorf lag eine Yacht - die deutsche "Atlantis" mit Walter und Gisela. Als wir in ihrer unmittelbaren Naehe ankerten, rief Walter herueber: "Fruehsteuck wartet schon!"
Ein Empfang nach Mass!
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