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Ist Curaçao DIE Alternative?
von Jürg Gilomen SY. Kjaloha
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Die Frage, wo lasse ich mein Schiff, sei es für Heimaturlaub, sei es für eine längere Reise usw. stellt sich alljährlich den meisten von uns Fahrtenseglern, die hier in der Karibik rumschippern. Als Alterantive zu Trinidad, Venezuela und all den innerhalb der Hurrikanezone gelegenen Marinas und Abstellplätzen an Land, hat sich in der letzten Zeit immer öfter Curacao in den Gesprächen in den Vordergrund gebracht. Um die Grundsatzfrage mal zu Beginn zu beantworten, nach meinen vor Ort gemachten persönlichen Erfahrungen und auch etlichen Gesprächen mit anderen Fahrtenseglern, muss ich sagen, Curacao ist nur bedingt eine Alternative. Es ist geeignet, wenn man sowieso westwärts unterwegs ist, dann mit Einschränkungen ja, ansonsten nein. Der Weg zurück in die Antillen ist zu lang, zu beschwerlich und auch zu kostenaufwendig (Treibstoffverbrauch). Nun zu den einzelnen Angeboten, Stand Dezember 2006 Wasserliegeplätze Es gibt zuerst einmal Spanish Water (Spaanse Water) als grossräumiger Ankerplatz, der im grossen und ganzen recht guten Ankergrund und auch Schutz gegen Schwell und Wind aus praktisch allen Quadranten bietet. Leider (wie heute fast überall) ist Spanish Water überschwemmt von Ankerliegern und aus dem einst idyllischen Ankerplatz ist ein sehr geschäftiger Ankerplatz mit etlichen Einschränkungen geworden. Ich würde heute mein Schiff nicht mehr unbewacht/unbewohnt für längere Zeit dort liegen lassen. Vorteil ist, jedoch, dass bei einem Aufenthalt die öffentlichen Verkehrsbetriebe beim nahe gelegenen Fischerhafen vorbeifahren und damit ein guter und günstiger Transport nach Willemstad besteht. darüber hinaus offeriert Budget Marine täglich, ausser Sonntags, am Vormittag einen kostenlosen Shuttlebus in einen Supermarkt und dem danebne befindlichen Budget-Marine Geschäft. Sarifundi Marina, wo früher das Fahrtenseglertreffen war ist leider nur noch Restaurant der üblichen Art und die einmal wöchentl stattfindende Happyhour ist mehr ein Ami-Jubel-Troubel… Als Marina im üblichen Sinne gibt es die kleine Kilimaki-Marina, mit sehr beschränkten Liegemöglichkeiten aus Platz- als auch Gründen der Wassertiefe. Daneben ist die St Barbara Marina (Inserate im Caribbean Compass) zu erwähnen, wo heute auch der TO Stützpunkt ist. Diese Marina ist sehr gut eingerichtet, bietet an den Stegen die üblichen Anschlüsse. Leider etwas abseits innerhalb von Spanish Water gelegen. Mit dem Beiboot sind die Servicepunkte in Spanish Water gut erreichbar, wenngleich die Rückfahrt bei stärkerem Wind aus E ab und zu etwas nasss wird. Vom Land her ist die Marina über eine private Strasse zugängig. Die Hauptstrasse mit öffentl. Bus ist zu weit entfernt. Ausgezeichneten Schutz vor Wetter, ausser aus NW, wo jedoch äusserst selten der Wind herkommt. Als kleiner Negativpunkt sei noch erwähnt, dass oberhalb der St. Barbara Marina ein grosser Steinbruch liegt, daher ist je nach Windrichtung mit Staub auf em Schiff zu rechnen. Auch hat es in der Marina recht wenig Wind, d.h es ist eher sehr warm und hat wenig natürliche Durchlüftung. Landliegeplätze Curacao Marina, (Inserate in Caribbean Compass) liegt auf der Südseite des Industriehafens in einer kleinen Bucht. Erreicht wird die Marina via den Grossschiffahrtsweg durch die Einfahrt in den Schottegat. Dabei muss früh genug über VHF um Passage/Oeffnung der Schwingbrücke im Kanal ersucht werden. Die Festmacherplätze im Wasser sind äusserst knapp, es kann jedoch vor der Marina kurzfristig geankert werden. Die Standplätze an Land sind sehr gepflegt (Kiesboden, teils Asphaltbelag). laut Inserat verfügt jeder Platz über eigenen Strom und Wasseranschluss. Dies stimmt grundsätzlich, nur sind die Anschlüsse nicht bei dem jeweiligen Standplatz, sondern zusammengefasst zentralisiert. Das bedeutet, sehr lange Stromkabel und Wasseraschläuche. Sofern nicht an Bord vorhanden, müssen diese bei der Marina (gegen Verrechnung) gemietet werden. Die üblicherweise zur Verfügung gestellte Leiter, um an Bord zu kommen, muss hier auch (gegen Gebühr) zugemietet werden. Die Schiffe werden mit einem Ladewagen aus dem Wasser genommen und an den Standplatz geführt. damit sind die Räume zwischen den Schiffen (analog Peaks in Trinidad) sehr eng. Cuaracao Marina liegt zwar rel. Nahe zum Zentrum von Willemstad, jedoch bestehen direkt keine Transportmittel. Vor Ort befindet sich eine Budget-Marine Filiale jedoch mit sehr eingeschränktem Angebot. Es besteht ein Shuttelbus analog Spanish Water zum Supermarkt. Restaurants od. Bars sind in der näheren Umgebung keine. Man befindet sich etwas abseits von allem. Auf dem Marinagelände hat es auch keine Möglichkleit für einen Seglertreff zum Sundowner. Die WC-Duschen sind knapp aber sauber. Waschmaschinen/Trockner gibt es vor Ort nicht. Die Wäsche wird bei Bestellung von einer externen Wäscherei abgeholt und wieder geliefert. Dieser Service ist jedoch nicht gerade günstig. Die Curacoa Marina liegt gut geschützt und ist demzufolge auch eher "windarm" und damit sehr warm. Opus Marina, als Alternative, hat etwa ein Dutzend Wasserliegeplätze, die meisten jedoch mit sehr eingeschränktem Tiefgang (1.30m max) und etwa 25 – 30 Standplätze an Land. Auch die Einfahrtswassertiefe zum Travellift ist mit einer davorliegenden Sandbarre eingeschränkt, sofern der Tiefgang mehr als 1.70m beträgt. Diese Marina liegt westlich von Willemstad in der landschaftlich anmutigen Piscaderabay. Diese Bucht ist ausserordentlich gut gegen alle Windrichtungen und Schwell geschützt und würde sich auch ausgezeichnet als Ankerplatz eignen. NUR, leider liegt das ganze Gebiet im Lee der grossen Raffinerieanlagen und was dort zu den Kaminen hinausgeblasen wird ist kaum beschreibbar. Es sind nicht nur Gase, die bei wenig Wind das ganze Gebiet unter eine "Nebeldecke" setzen, sondern es kommt jede Menge an Schwefel- Oel- Russrückständen über das Marinagebiet und die ganze Bucht. Mein Schiff stand dort 5 Monate an Land und das ganze Aeussere (Deck, Rumpf zur Windseite, Rigg etc) war in einem unbeschreiblichen verschmutzen Zustand. Selbst nach mehreren Reinigungsaktionen sind immer noch Verfärbungen, teils sogar Verätzungen im Gelcoat feststellbar. Jeder Standplatz verfügt über eigenen Wasser- und Stromanschluss Jedoch muss gesagt werden, dass die Strominstallationen bereits in einem schlechten Zustand sind. Die ganze Installation ist, wie so oft in dieser Weltgegend, ohne Schutzerde ausgeführt. Dazu kommt, dass die Marina nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen ist, sondern einen eigenen Generator hat. Dieser überdeckt mehr oder weniger das ganze Areal tags wie nachts mit entsprechendem Lärmpegel. Auch hat der Generator je nach Tagszeit und Belastung starke Spannungsschwankungen. Ich mass zeitweilig Spannungen zwischen 90 und 135V was dazu führte, dass mein Batterieladegerät Schaden nahm. Dieser Schaden wurde mir von der Marina nicht vergütet. Die WC-Duschanlagen sind über den Stand eines primitiven Provisoriums nicht hinausgekommen und befinden sich nach kurzer Zeit bereits in einem miserablen Zustand. Obwohl im Mai 2006 vor dem Office eine Waschmaschine stand, war diese auch im Dezember immer noch nicht betriebsbereit. Die in den Guides angeführte Tankstelle (ab Herbst 2006) gab es im Dezember ebenfalls noch nicht. Die Kehrrichtbeseitigung geschieht auch nur sehr selten, dies führt dazu, dass Ratten teils bis an Bord der Schiffe klettern. Die Marina hat einen bescheidenen Zubehörladen, meist jedoch kaum das, was der Fahretnsegler für Unterhaltsarbeiten benötigt. Es muss demzufolge alles bestellt werden. Obwohl diese Marina von der Verkehrslage her (öffentl. Bus, Supermarkt) Vorteile gegenüber der Curacao Marina hat, rate ich dringend ab, das Schiff in der Opus Marina länger als ein paar wenige Tage (zb um das Antifouling zu erneuern) abzustellen. Nicht nur ich, sondern auch etlich andere Fahrtensegler verschiedenster Nationen, die ihr Schiff im 2006 dort hatten, haben ihren Entscheid SEHR bereut. Zusammenfassung Sofern man sich trotz allem für Curacao als Liegeplatz während der Hurrikan Saison entscheidet, dann würde ich mich heute dazu entscheiden, dass ich mein Schiff im Wasser in der St. Barbara Marina während meiner längeren Abwesenheit abstelle und danach, sofern es notwendig ist, die Ueberholung des Antifoulings in der Cuaracao Marina an Land erledigen. Es ist dies darüberhinaus auch die kostengünstigste Variante. Opus Marina kann ich aus persönlichen Erfahrungen nur abraten. |
