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BLITZEINSCHLAG IM "SÜSSEN FLUSS" Rio Dulce

von Dietmar Kaluscha, Kat "Tandem"
E-Mail: tandemdc2@hotmail.com
Home Marina: www.rammarina.com

Am 6.8.08 gegen 5.30 Uhr morgens wurde unserer Katamaran "TANDEM" von einem schweren Blitzeinschlag getroffen.

Von einem Nachbarschiff wurde eine schwarze Wolke, groesser als unser Schiff, beobachtet, die mit einem heftigen Knall aus der Mastspitze aufstieg. Obwohl dieses Nachbarschiff mehr als 30 m von uns entfernt ankerte, wurde dort durch elektrische ueberspannung ein Schaden von mehr als 3.000,- $ an Elektronik und Lichtmaschine angerichtet.

Zum Zeitpunkt des Einschlags lag die TANDEM an einer Mooring der Marina EL TORTUGAL im Rio Dulce, Guatemala. In dieser Marina und um uns herum waren ca. 25 andere Yachten, von denen die meisten hoehere Masten hatten als wir. Der Blitz bevorzugte jedoch anscheinend unsere VHF-Antenne, die ich kurz vorher erneuert hatte, und die nun zum Dank total pulverisiert wurde; wir fanden nicht den kleinsten Kruemel von ihr.

Claudie war wegen des herannahenden Gewiiters aufgestanden, um die Hauptbatterieschalter abzuschalten. Sie sass gerade auf der Stb-Toilette als Bad und Toilette auf der anderen Seite explosionsartig zerstoert wurde. Der Boden wurde voellig hochgerissen, saemtliche Armaturen abgesprengt, das Waschbecken halb von der Wand gerissen. Auf der anderen Seite konnte Claudie einen Blitzstrahl sehen, der innen aus der Wantenpuetting zuckte und irgendwo daneben im Rumpf eine schwarze, verkohlte Stelle hinterliess.

Ich selbst wurde in der rechten Achterkabine, die ueber dem Motorraum liegt, durch eine Druckwelle mit der Matratze hochgehoben, und dann entwich der Blitz mit einem scharfen Knall hinter mir durch ein groesseres Loch am Ende der Ruempfe, durch den Flausch vom Auspuff und durch den Geber vom Echolot. Es war ueberall Rauch im Schiff.

Jetzt waren wir endgueltig wach.
Eine sofortige Nachschau in den Bilgen ergab, dass saemtliche Bilgenpumpen explodiert und verschmort waren. Erst nach 1 Std. konnte ich ein paar Tropfen sehen, die in die rechte Bilge liefen; ich konnte aber nicht lokalisieren, wo sie herkamen. Am hinteren Einstieg zu beiden Ruempfen entdeckten wir zwei schwarzverkohlte Loecher, z.T. unter der Wasserlinie. Die versuchte ich durch 2-Komponenten-Putty zu verschliessen.

Claudie war inzwischen mit unseren Nachbarn per Dinghi zu der nahe gelegenen Werft RAM-Marina gefahren und kam mit der Nachricht zurueck, dass wir um 10.00 Uhr aus dem Wasser gehoben werden koennten......falls wir dort ueberhaupt hinein passten.

Wir hatten uns bisher nicht ernsthaft darum gekuemmert, da wir kein neues Antifouling brauchten und ausserdem der Meinung waren, dass unser Kat mit fast 7 m Breite in das Becken des Travellifts , das angeblich 22 ft. breit war, sowieso nicht hineinpassten.

Aber jetzt hatten wir keine andere Wahl, als es auszuprobieren. Ich versuchte den linken Motor zu starten --, nur ein Klick, sonst nichts. Durch einen Schalter kann ich bei uns die Starterbatterien mit den Verbraucherbatterrien verbinden, und jetzt sprang der Motor an.

Der rechte Motor sprang sofort an, ging jedoch nach ca. 2 min aus und liess sich nicht mehr starten. Viel spaeter stellte sich heraus, dass der Blitz die Dieselfoerderpumpe beschaedigt hatte. So fuhren wir also mit einem Motor die Meile zur Werft hinueber, wobei die ganze Zeit der Alarm fuer Temperatur und Ladekontrolle blinkte; den akustischen Alarm hatte ich wg."Nervenverschleiss" abgeklemmt.

Als wir drueben ankamen, wurde dort gerade ein Motorboot zu Wasser gelassen, der Travellift war also besetzt. Ich hatte mir sowieso schon Sorgen gemacht, wie ich unser "Breitschiff" mit nur 1 Motor in das Becken hineinmanoevrieren sollte, das evtl. fuer uns zu klein war. Und da auch die Gefahr bestand, dass auch der 2. Motor ploetzlich stehen blieb, gingen wir erstmal neben denm Becken an einer Pier laengsseits.

1 Std. spaeter wurde die TANDEM dann langsam mit 4 Leinen und Dinghiunterstuetzung in das Becken hineinmanoevriert und irgendwie passte es so gerade; an jeder Seite gerade ein paar Zentimeter, die das Boot schmaler war; ein Fender passte nirgendwo dazwischen, aber 8 Leute hielten das Schiff fest, bis die Gurte des Travellifts sich endlich spannten.

Wieviel Glueck wir damit gehabt hatten, sahen wir, als das Schiff an Land stand. In den Ruempfen fanden wir ueber 40 faecherartig ausgefranste LOECHER, durch die anscheinend die Energie des Blitzes entwichen war. Einige sahen aus wie Pistoleneinschuesse, und auf den Fotos ist auch gut zu sehen, wie der Blitz die Antifoulingfarbe generell schuppenartig abgesplittert hat.

Ohne Travellift gaebe es heute die TANDEM nicht mehr.

Wie man sieht, braucht man bei einem derartigen Blitzeinschlag Glueck und Koennen in zweifacher Hinsicht:
  1. Bei Gewitter immer in der Naehe eines Travellifts ankern, in den man auch hineinpasst.
  2. Sich immer gegen Gewitterschaeden versichern, und zwar bei einer Versicherung und einer Agentur, die einem im Ungluecksfall wirklich schnell, kompetent und freundlich-unterstuetzend helfen.
Ich will hier nur folgendes sagen:
Wir sind ueber die Fa. Preuss bei der ESA-YACHTVERSICHERUNG vollkaskoversichert und wir haben das Gefuehl, in den besten Haenden zu sein. Wir haben in ueber 20 Jahren Weltumsegelung noch nie einen Schaden gehabt, wissen also nicht, wie so etwas ablaeuft. Aber wie im Moment Frau Masson von der Fa. Preuss und Herr Schnaars von der ESA den Schaden behandeln, ich glaube, viel besser geht es kaum.
Aber dazu noch spaeter.

Zurueck zum Schaden: Soweit bis heute feststeht, ist die gesamte Navigationselektronik von Raymarine inkl. Geber und kabel zerstoert. Wir sind wirklich nur mit dem Allernoetigsten ausgestattet, aber Autopilot, Windsystem und Tridata machen allein schon ueber 3.000,- € aus. Der Gutachter empfiehlt den Austausch saemtlicher im Mast befindlicher Kabel.

Explosionsartig zerstoert wurden:
  • die Navigationslichter Tricolor, Dampferlicht, Hecklicht
  • desgleichen beide Solarzellen inkl. Regler
  • bei den Motoren der Zentralregler und evtl. die Lichtmaschinen, Dieselpumpe, Starterbatterien
  • bei der grossen Schalttafel und den Sicherungschaltern alle LED-laempchen, der landanschluss, Volt-und Amperemeter
Bei der Pruefung und der Reparatur dieser Schaeden koennen jederzeit noch unentdeckte Probleme auftauchen. Auch hier haben wir Glueck. Unser Segelkamerad Wolfgang von der MOMO ist hierfuer Spezialist, er ist gewillt, uns zu helfen und er hat Zeit.

Auch mit der Werft scheinen wir einen guten Fang gemacht zu haben. Sobald der Gutachter alles aufgenommen und die Versicherung ihr O:K gegeben hat, wird sofort mit Spezialmaschinen mit dem Abschleifen der Ruempfe begonnen.

Ich selbst befinde mich am 26.8. auf dem Flug nach MUC, u.a. um dort bei der Fa. Eissing alle erfirderlichen Elektronikteile abzuholen. Die Versicherung beteiligt sich in Hoehe der dadurch ersparten Frachtkosten an meinem Flugticket. Die Versicherung hat auf mein Konto bereits eine Anzahlung von 6.000,- € ueberwiesen und ueberlaesst es mir, davon Anzahlungen an die Werft zu taetigen. Und Frau Masson v. Preuss erkundigt sich jede Woche nach dem STAND DER Dinge.

Fortsetzung folgt zur Durchfuehrung der Reparaturen und Abwicklung des Schadens.



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Letzte Änderung / Last change: Montag, 01. September 2008