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Von Curaçao nach Cartagena- die Columbianische Küste

von Alexandra, SY. RISHO MARU
E-Mail: schoeler@gmx.at
Home: www.rishomaru.com

Curacao.jpg 300x199 In Curacao gibt's alles was Fahrtenseglerherzen begehren.

Man ankert sicher im Schlick von Spanish Water, fährt mit dem Vreugenhill Bus zum Supermark und zu Bandit- pardon Budget Marin und vom kleinen Fischerhafen nahe der Sarifundi Marina mit dem öffentlichen Bus in das quirlige Stadtchen Willemstadt. Die Seglergemeinde nimmt einen freundlich auf in Funk, Domino und Bingorunden. Immigration und die vielen Wege die dort hinführen werden einem sicher von irgendjemanden erklärt.

Also alles bestens- bis man beschliesst nach Cartagena loszusegeln. "Thats not a babyrace" der holländische Barmann der Sarifundymarina schaute mich mitleidig an. Die Geschichten die sich um diesen Törn ranken sind zahlreich.

Viel Wind, hohe Wellen, herum schwimmende Baumstammfelder und Cabo de Vela -das Kap Horn der Karibik- klingt einladend oder?

Durch Zufall entdeckten wir die Artikel der Segeljacht "Pizazz", die schon mehrmals die columbianische Küste entlang gesegelt waren und damit gute Erfahrungen gemacht hatten, die sie übrigens auch gerne mit anderen Seglern teilen. (sy_pizazz@yahoo.com). Vorteile mit Zwischenstopps zu segeln lagen auf der Hand. Bei Schlechtwetter konnte man sich in eine Bucht verdrücken und abwarten.

Es ging also los - im Konvoi- weil das mit der Banditengefahr lag einigen von uns im Magen und gemeinsam sind wir stark! Übrigens ein echter Trans Ocean Konvoi-Yara, Bess und Kira von Zelle hatten sich zusammengefunden- vielleicht lag es auch an Tatsache das 3 von 4 Schiffen Kinder an Bord hatte! Finn und Friends freuten sich auf viele Spielmöglichkeiten und wir schauten auf die Wetterkarten.

Der richtige Zeitpunkt und das Wetter werden für diesen Törn auch zu den wichtigsten Entscheidungsträgern. Bei uns war es Anfang November, zwischen Trocken und Regenzeit, die Chancen ruhigere Bedingungen zu haben waren gross.

Von Spanish Water segelten wir in die Santa Cruz Baai und hatten von dort einen angenehmen Tagessail in die Südbucht von Aruba. Schön ist es da nicht, weil man im unheimlichen Licht der riesigen Raffinerie schläft und schwellt. Am nächsten Tag trafen sich erstmals alle 4 Boote auf den Los Monjes, einer venezolanischen Militärstation.

fivefingerbay.jpg 300x199 Zwei Felsinseln verbunden mit einem Mauerwall inmitten der See. Man hängt an einer Stahltrosse- ohne Anker! Irgendwie funktioniert das, aber es gibt heimeligere Ankerplätze auf dieser Welt. Auch frischte der Wind sehr auf und wir waren froh am morgen wegzukommen. Kaum waren die Monjes weit achtern von uns, beruhigte sich See und Wind und mit angenehmen 20 Knoten Wind umrundeten wir das gefürchtete Cabo de Vela. Da das Segeln perfekt war beschlossen wir den ersten Ankerplatz an der Küste auszulassen und per Nachtfahrt direkt zur Five Finger Bay zu steuern. Tags darauf liefen wir in die grosse, von hohen, dunkelgrünen Bergen umsäumte Bucht Guayacra ein. Übrigens ein Nationalpark!

Ronaldo Garcia begrüsste uns in seinem Einbaum und zeigte ein Täschchen voller Visitenkarten- alle von Seglern! Ich versuchte mit Ronaldo zu plaudern mit Händen und Füssen und einem Kauderwelsch aus Französisch, Latein und Italienisch. Spanisch sollte eine Pflichtgegenstand für Fahrtensegler sein!

Wir blieben einige Tage, einerseits weil "draussen" Flaute herrschte anderseits weil die Kinder nicht von Strand wegzukriegen waren.

to-boote.jpg 300x199 In der Nacht sahen wir mächtiges Wetterleuchten in den hohen Gebirgen des Festlandes und der höchste Berg Columbiens- ein Sechstausender! - schickte uns einige handfeste Fallböen. Weiter gings dann nach Rodadero, nur 15 sm entfernt- absoluter Touristenort, mit Musik und Menschen.

Wir segelten tags darauf weiter und näherten uns nervös der Mündung des Rio Magdelena. Unheimlich- plötzlich sieht man aus der Ferne eine braune Mauer auf sich zukommen. Das Wasser des Flusses ist schlammig und man segelt von blitzblau übergangslos in erdbraun. Ein, zwei Baumstämme, viel Gras und anderes Gemüse. Die Wellen werden etwas steiler, aber da der Wind mässig war hält sich der Zauber nur für wenige Meilen und schon gleitet man wieder in blaues Meer. Es ist sicher empfehlenswert diese Strecke tagsüber zu machen und einen Respektabstand vom Festland zu halten (2-10 sm). Eye Ball Navigation ist angesagt bei der Ansteuerung von Punta Morro Hermosa. Die weite Bucht befindet sich hinter einem Riffgürtel. Das Wasser ist flach und man liegt ruhig und fest im Schlammgrund.

Wind gibt's hier viel und das dürfte hier wohl lokal sein, fetzten doch an unserem Ankerplatz Kite- und Surfprofis vorbei. Auch war das eine der Buchten, wo man uns empfahl Nachtwachen einzulegen wegen möglicher Bandidos. Gerecht teilten wir uns die Nachtwachen unter den Schiffen auf, nichts passierte außer das um Mitternacht Flaute aufkam die sich bis zu unsere Ankunft in Cartagena hielt.

Cartagena.jpg 300x199 Durch ein Gewitter kurz vor Cartagena mussten wir kurzzeitig aufkreuzen und erreichten Boca Grande im Dunkeln! Na super! Aber an alle: Kein Problem, die schmale, flache Einfahrt ist mit rot-grün blinkenden Bojen beleuchtet! Alle Schiffe unseres Konvois kamen gut durch -darunter zwei Monos! In Cartagena empfing uns wieder eine grosse Seglergemeinde-viele bekannte Gesichter aus Spanish Water.

Meine Segelfreundin Anabel brachte es auf den Punkt:
" Everything is very easy here for sailors and the City is just great!"

TO Stützpunkleiter Manfred erledigt die Immigrationsangelegenheiten, hilft geduldig bei allem was anliegt, hat Handys zu vergeben und seine charmante Frau Alicia ist Zahnärztin mit gutem Händchen für Seglergebisse! (Auf diesem Wege noch einmal ein grosses Dankeschön an die beiden).

Jetzt geniessen wir südamerikanisches Flair an unserem Ankerplatz vor dem Club Nautico. Cartagenas Altstadt ist ein Schmuckkästchen, schöne Häuser, Museen, gutes Essen, ein riesiges Fort mit Geheimgängen (Tipp von unserem Sohn Finn!), das Kloster Popa mit Aussicht auf das Umland!

Also macht euch auf und wagt den Sprung- es zahlt sich aus!



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Letzte Änderung / Last change: Montag, 27. November 2006