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Karte gross
Neue Marina, La Paz - Mexico

von Eberhard Wolff, Stützpunktleiter
E-Mail: seewolff42@hotmail.com

Seit mehr als einem Jahr ist in La Paz eine neue Marina in Betrieb, die Marina Costa Baja.

Sie ist als eine Art Exklusivmarina gedacht, obwohl ihre Preise mit 12 Dollar pro Fuss Schiffslänge und Monat für einen Liegeplatz sich nicht viel unterscheiden von den anderen Marinas, die schon seit vielen Jahren in Betrieb sind. Das wohl einzig positive an dieser Marina ist, dass sie gerade etwa 200 Meter hinter der ersten Boye im Einfahrtskanal liegt. Ansonsten sehr abgelegen, auch wenn Transporte bestehen, und der grösste Nachteil ist die Luftverschmutzung, denn die Marina liegt um die Ecke des Thermokraftwerkes, und so legt sich bei ungünstigen Winden eine dicke Rauchdecke über die ganze Zone.

Auf der gegenüberliegenden Seite wird noch eine Marina gebaut, die Marina Sur. Die ist dann auf der anderen Seite abgelegen, und ausserdem muss ein Kanal gebaggert werden, damit Segelschiffe überhaupt durch die vorgelagerten Sandbänke kommen. Auch diese Marina wird grösstenteils mit Staatsgeldern finanziert, was typisch für die Unsinnigkeit dieser Unternehmen ist.

Laut Präsidentendekret soll La Paz ja wie alle Häfen im Golf von Kalifornien Teil der "Nautischen Leiter" bilden, das heisst, die ganze Baja und gegenüberliegende Festlandküste soll touristisch gross erschlossen werden. Das heisst dann schliesslich, dass da wo vorher einmalige Natur bestand, dann "Aktivurlaub" gemacht werden kann mit lärmenden Wasserfahrzeugen, Hotels mit allem Drum und Dran und Kasinos, damit ja kein Cent unausgegeben bleibt.

Die Wirklichkeit ist, dass die jetzigen Marinas unterbesetzt sind, die neuen Marinas werden wohl bald Pleite sein, denn der Tourismus hat trotz allen Bemühungen nicht zugenommen.

Abenommen hingegen hat die Vielfalt der Fauna dieses einst so einmaligen Meeres, es wird gefischt auf Teufel komm raus (insbesondere Sportfishing, was ich hasse), und die geschützten Gebiete kümmern die Verantwortlichen einen Dreck. Der Klimawandel ist auch hier deutlich spürbar, in diesem Jahr sind die gefürchteten Nordwinde (Pineapple-express usw.) ausgeblieben, und an ihre Stelle starke Südwinde getreten, die einen in den Ankerplätzen auf den Inseln kräftig durchschütteln. Eine Wetter- und Windprognose ist nicht mehr möglich, höchstens für den laufenden Tag. Die Luftfeuchtigkeit hat stark zugenommen, die Meerestemperatur auch. Die Bucht von La Paz und auch grosse Teile der Insel Espiritu Santo und San Francisco weisen einen starken Algen- und Seegrasbewuchs auf, wo vorher weisser Sand im flachen Gewässer das Sonnenlicht reflektierte. In den ganzen Buchten nahe La Paz, wo man vorher schnorchelnd unzählige bunte Fische sehen konnte, ist heute alles grau in grau, und der am meisten verbreitete Fisch ist der stachelige Kugelfisch.

Greenpeace ist hier auch ziemlich aktiv geworden, die Landzunge "El Mogote" war an eine kanadische Firma verkauft worden. Die wollten da Hotels und Casinos bauen! (Das scheint das, was die Leute anzieht). Das hat Greenpeace jetzt mit 7 Klagen blockiert. Die Segler, die vor Jahren mal hier in La Paz waren, wissen was das für ein einmaliger Fleck ist mit den Sanddünen und den Walknochen.

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SEEWOLF vor Anker
Für Segler, die vorhaben nach La Paz zu kommen, sei nochmal gesagt, dass der TO-Stützpunkt in der "virtuellen" Marina Santa Cruz ist, wo auch mein Boot SEEWOLFF vor Anker liegt, leicht zu erkennen an seinem Bugwulst und natürlich dem TO-Stander. Dazu noch sind die Blätter des Windgenerators schwarz-rot-gold lackiert, kann also nichts mehr schiefgehen. Natürlich bin ich nicht jeden Tag auf meinem Boot, aber im Marina-Büro, das von Montag bis Samstag von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr mittags besetzt ist, liegt Informationsmaterial aus, da sind die Clubzeitschriften und der Clubstander. Und Gustavo, der Verwalter der Marina, ist ein guter Freund von mir und hat natürlich auch mein Telefon zur Hand. Also bitte erst dort hin, dann mich anrufen, falls Sie sich nicht vorher per Post oder so angemeldet hatten. Ich sage dies, weil es letztes Jahr mal vorkam, dass ein Clubschiff hier ankam, und ich von Freunden ermahnt wurde, wann ich mich denn endlich um die Leute kümmere.

Die Marina Santa Cruz, wo der TO-Stützpunkt ist, hat absolut die besten Preise in La Paz, ein Steg ist vorhanden zum Andocken der Dinghies, und da kann man auch ohne zusätzliche Kosten mit der First Lady festmachen um Wasser zu bunkern, eine Süsswasser-Deckwäsche vorzunehmen, oder Gäste aufzunehmen. Im Hauptgebäude von Vista Coral sind die Klos und Duschen, und ansonsten ist das Café Capri einer der beliebtesten Plätze am Strand von La Paz, siehe Foto. (Von da aus kann man auch kostenlos SEEWOLFF bewundern!).

Wer absolut nicht in eine Marina will, kann vor dem Mogote oder sonstwo jetzt kostenlos ankern, ohne Zeitbegrenzung. Neu ist auch seit etwa 1 Jahr, dass man nicht mehr dauernd aus- und einklarieren muss. Wenn Sie La Paz als ersten Hafen in Mexico anlaufen, dann müssen Sie hier einklarieren. Ansonsten, wenn Sie schon in Cabo San Lucas oder Ensenada einklariert haben, genügt es, den Hafenkapitän bei der Ankunft per Radio zu verständigen. Und wenn Sie nach Mazatlan oder Acapulco abreisen, genügt auch eine Abmeldung per Radio beim Hafenkapitän.

seewolf02.jpg 330x263Das andere Foto zeigt SEEWOLFF mit einer neuen Erfindung von mir, der Beschichtung des Unterwasserschiffes mit 1 mm langen Nylonfasern. Die Fasern sind mit einem Flockgerät und mit Epoxyklebstoff auf dem Rumpf aufgebracht, und da sie alle senkrecht und dicht auf der Rumpfoberfläche stehen, haben die Seepocken keine Möglichkeit zu wachsen. Allerdings wächst alle Art von Seegras drauf, aber das 4-wöchentliche Säubern ist mühelos mit einer dünnen Metallspachtel zu bewerkstelligen, ohne dass die Fasern drunter leiden.

Die Rumpfgeschwindigkeit wird durch die Faserbeschichtung nicht messbar beeinträchtigt, auch leichter Seegrasbewuchs vermindert die Geschwindigkeit kaum. Messungen dazu stehen bevor, da ich in diesem Jahr mein "Sabbatjahr" als Lehrer an der hiesigen Ingenieurschule angetreten habe, und gerade über dieses Thema eine Forschungsarbeit mache. Messwerte werde ich voraussichtlich bis September vorlegen können, wenn mir die Hurrikansaison keinen Strich durch die Rechnung macht. Feststeht, dass für diese Faserbeschichtung ein Schiff nur einmal aus dem Wasser gehoben werden muss, die Säuberung kann dann immer im Wasser erfgolgen (ich mache sie normalerweise selbst), was auf lange Sicht eine grosse Ersparnis bedeutet, ganz abgesehen von der absoluten Unschädlichkeit der Beschichtung.

Kommentare hierzu sind willkommen, und ich biete zu diesem Zweck meine E-mail Adresse an: seewolff42@hotmail.com.
Auch werden nächstens diesbezügliche Artikel in amerikanischen Fachzeitschriften erscheinen, und ich würde mich freuen, wenn ich auch von der TO-Seglergemeinde kritische Beiträge erhalten sollte.

Eberhard Wolff,
Stützpunkt La Paz, México



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Letzte Änderung / Last change: Donnerstag, 23. Februar 2006